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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-08-15 · Heft 33 (15.8.1913) · p. Seite 392

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 33 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
Seite 392 (sequence 8)
Language
German
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seine Ansichten zu behaltenfürchtete aber, daß eben dadurch jeder Aufenthalt für ihn in LLien nutzlos fei, weil er das nicht - schreiben dürfte, was er eigentlich schreiben könnte, und daß er feiner Gewohnheit nach von dem Wiener Aufenthalt, dem Kunst- und Gefellschaftsleben doch keinen,rechten Genuß haben würde. Er lehnte daher die Anerbietungen seines Vaters ab. Nun erfährt man aus den schon angeführten Gentzschen Tagebüchern, daß der alte Baruch wirklich und gerade in jener Zeit, um die es sich handelt, mit Gentz konferierte. In jenen Tagebüchern heißt es nämlich am 31. Mai 1822, Bd: 3, S.48: „Rothschild und Baruch"; am 22.Januar 1823 daselbst II, S. 142: „Rothschild mit Baruch". Nün ist freilich durch diese kurzen Aeußerungen nicht erwiesen, daß damals (das erste Datum würde vollkommen stimmen) die AngelegenheitenLudwig Börnes überhaupt und daß sie ausschließlich besprochen wurden, aber es ist leicht möglich, daß der alte Baruch auch von dieser Angelegenheit mit dem Allgewaltigen geredet hat. Freilich könnte man dagegen anführen; daß der alte Baruch nicht allein bei Gentz erschien, sondern in der Begleitung Rothschilds, mit dem Baruch geschäftlich liiert war. Es dürfte sich daher möglicherweise, wenn nicht um bloße geschäftliche Transaktionen, um jüdische Angelegenheiten gehandelt haben, denn Gentz, wenn er auch keineswegs ein enragierter Judenfreund war trotz seines regen Verkehrs mit Juden und mit getauften Juden, war mannigfach in jüdischen Angelegenheiten, und zwar zugunsten der Juden tätig. Dafür spricht die Notiz des Tagebuchs vom 25. Dezember 1821 (II, S. 488): „Ging abends an eine nicht sehr angenehme, doch einmal übernommene Arbeit, eine lange Vorstellung für die hiesige (Wiener) Judenschast". Um was es sich bei dieser Vorstellung für die Wiener.Judenschast handelt, vermag ich nicht zu sagen, vielleicht belehrt uns darüber einer unserer Wiener Freunde. Daher dürste es sich auch bei den Konferenzen zwischen Gentz mit Baruch und Rothschild um jüdische Angelegenheiten und speziell um die der Frankfurter Juden gehandelt Haben, denn wirklich interessierte sich Gentz für diese Sachen nicht nur theoretisch, sondern suchte auch praktisch einzugreisen. Beweis dafür ist zunächst eine Notiz des Tagebuchs vom 26. Mai 1822 (Bd.3, S. 47): „ein längst verschobenes dringendes Geschäft, die Instruktion für den Grasen Buol in der berüchtigten Frankfurter Judensache." Am 18. April 1824 (Bd. 3, S. 294) heißt es, „las die neuesten Berichte über die Frankfurter Judensache", und endlich 7. September 1824 (Bd. 3, S. 349) „Prorokoll der letzten Bundestagsversammlung, worin der Beschluß über die berühmte Judensache in Frankfurt sich befindet". Es handelte sich bei diesen Frankfurter Judenfachen um die Kämpfe, welche die Juden Frankfurts mit dem Senat der Freien Stadt Frankfurt führten, der ihnen ihre Rechte ver- - kümmern wollte. Sie waren bekanntlich während der kurzen napoleonischen Herrschaft zu freien Bürgern erklärt worden, diese, Freiheit war ihnen aber 1815 wieder genommen worden. Trotz der Verheißungen der Bundesakte und trotz des Eingreifens der österreichischen Regierung, die sich hier liberal erwies, konnte der Senat in feinem judenfeindlichen Streben nicht gehindert werden. Das Gesetz vom 1. September 1824 entzog den Juden so ziemlich alle Rechte, setzte die Zahl der jüdischen Ehen, die in Frankfurt geschlossen werden konnten, auf 15 fest, verbot den Juden, mehr als ein Haus zu besitzen, und untersagte ihnen den Handel mit den unentbehrlichen Lebensmitteln; nur der Name Schutzjude, die Einsperrung in ein. Ghetto, der Ausschluß von Zünften und Gewerbe waren gefallen. ... , Es ist nicht uninteressant, daraus hinzuweisen, daß gerade Börne durch diese Bemühungen des Frankfurter Senats gleichfalls zu leiden hatte. Auch er, der in der napoleonischen Zeit Pölizeiaktuar gewesen war, verlor sein Amt, sobald der Frankfurter Senat wieder zur Macht gelangte, ja selbst jene Heiratsbestimmung, wurde, wenn auch nicht für ihn selbst, aber für feine Freundin Jeanette Wohl verhängnisvoll, denn diese mußte bei ihrer Eheschließung mit Strauß infolge jener Beschränkung der Zahl der jüdischen Ehen so lange warten, daß sie sich entschloß, sich in der Nähe Frankfurts trauen zu Men. Die geradezu unmenschliche Bestimmung über die Zahl' der jüdischen Ehen in Frankfurt wurde noch sehr lange auMchterhalten, auch mein Vater mußte deswegen mit seiner Eheschließung viel länger warten, als ihm lieb war. < Malm m 1 Von Rabbiner Dr. Friedmann, Lublinitz. ieser Psalm lautet in der Uebersetzung etwa, folgendermaßen: „Von David. Ein Psalm. Spruch des Ewrgen an meinen Herrn: „Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache. Das Zepter deiner Macht entsendet der Ewige von Z i.j o n aus; h err s ch e inmitten deiner Feinde. Dein Volk ist voll. Willi M e it an deinem Heertage; im h e ili g en S ch m u ck (strömtIdir aus dem Schoß der Morgenröte deiner Jugend Tau. E§ schwöpt der Ewige und bereut es nicht: Du wirst P r i e st e r e w i g - l i ch nach der Weise M a l k i z e d e k s. Der Ewige zu deiner Rechten zerschmettert am Tage seines Zornes Könige. Er richtet, unter den Völkern — es ist voll von Leichen; er zerschmettert Häupter auf weitem. Land. — Aus dem Bache am Wege trinkt er, darumerhebt er das. H a u p> t.". In diesem Psalm wird ein Mann angeredet, welcher — wie einst Malkizedek — das König- und Priestertum oder die w e l t l i ch e u n d geistliche Herrschaft in sich vereinigen soll. Dieser Mann aber hat noch viele Feinde, und er zögert, die weitere Bekämpfung derselben zu unternehmen. Darum e r m u n t e r t ihn der Sänger und Dichter im Flamen des Ewigen', die Füh r er sch af t'des Volkes und Heeres anzutreten, mit der Verheißung, daß der Ewige ihm von Zijon aus helfen und seine Herrschaft ausbreiten werde, und mit der Versicherung, daß das Volk ihm willig und in Liebe ergeben sei, so daß es chm auch die erbliche Ho h epriesterw ü r d e Zuerkennen werde. Und wenn er von dem festen Vertrauen aus den Ewigen erfüllt sei, so werde der Ewige „zu seiner Rechten" die feindlichen Führer zerschmettern. Ja, sicher wird dann der Mann durch seine Tapferkeit und durch seinen Eifer mit Sieg gekrönt. Dieser Psalm hat bisher noch keine passende und zusagende h i st o r i s ch e Erklärung gesunden. Weder kann man ihn mit den ältesten jüdischen Schristerklärern aus den Stammvater Abraham noch mit anderem aus David oder gar auf den Messias beziehen. Es braucht nicht besonders noch betont zu werden, daß ,>d de Autorschaft Davids" nicht die Grundlage und die Voraussetzung für die Beurteilung bilden m u ß, da die Bezeichnung „v o n D a v i d" nur die Anonymität des Verfassers vertreten kann und oft in den Psalmen vertritt. .Wenn es überhaupt noch möglich ist, einen geeigneten historischen Zeitpunkt für diesen Psalm zu finden, so kann es nach meiner Meinung kein anderer sein, als die Zeit, wo der Makkabäer Jonathan durch Hinterlist von Tryphon gefangen genommen wurde. Der einzige, der noch vorhanden war, um die Führung und Leitung des Volkes und Heeres übernehmen zu können, war sein Brüder Simon, aber dieser war schon von Anfang an von dem greisen Mattathias vor seinem Tode nicht als Führer und Feldh err, sondern als R a t g e b e r bestimmt, >als welcher er als der äl t>e st e der Brüder sich auch bisher bewährt hatte. Außerdem hatten ja seine vier Brüder in den Kriegen und Kämpfen gegen die Syrer persönlich kein glückliches Ende gesunden.

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