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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-08-15 · Heft 33 (15.8.1913) · p. Seite 390

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 33 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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390 und sachgemäße Würdigung seines ausgedehnten Schaffens an diesem Orte und beim jetzigen Anlaß in Betracht kommen kann. Es muß genügen, einerseits den Weltruf der Leistungen dieses Meisters in der Physiologie des Menschen und in der Hygiene, die er beide mit in erster öinie zu' ihrer heutigen Bedeutung emporheben half, festzustellen, anderseits sein ergebnisreiches Streben, mit den Resultaten seiner Studien gleichsam dem täglichen Leben selbst unter die Arme zu greisen: vielleicht der schönste Ruhm des medizinischen Forschers. Ueberhaupt '] war Isidor Rosenthal stets alles andere als ein weltfrenider Stubengelehrter. Er hat sich als modern denkender Mann in dem ihm. zur zweiten Heimat gewordenen Erlangen vielfach an den Gemeindeangelegenheiten beteiligt und jahrelang als vielbeachtetes Mitglied im städtischen Gemeindekollegium mitberatschlagt. In Anerkennung dessen ernannte ihn die Stadt Erlangen zu ihrem Ehrenbürger. I. Rosenthal hat die Kriege von 1864, 1866 und 1870 als Arzt mitgemacht. Im Jahre 1870 war er Stabsarzt beim Hanseatischen Infanterieregiment Nr. 76 und hat nach der Schlacht von Orleans das Eiserne Kreuz erhalten. Auch in der Politik stand er oft genug seinen Mann, indem er sich an den Kämpfen des ausgesprochenen Liberalismus gegen Rückschritt, Verdunkelung und Kulturfeindschaft nachdrücklich beteiligte. Er gehörte zu den geistigen Führern der freisinnigen Partei im nördlichen Mittelsranken. Die amtliche Bekanntmachung teilte am 16. Juli mit: „Vom 1. Oktober laufenden Jahres an wurde der ordentliche Professor in der medizinischen Fakultät der Universität Erlangen, Geh. Hofrat Dr. Isidor Rosenthal auf sein Ansuchen von der Verpflichtung zur Abhaltung von Vorlesungen befreit und ihm aus diesem Anlaß in Anerkennung seiner vorzüglichen Dienstleistung der Titel und Rang eines Königlichen Geheimen Rates verliehen." Wir schließen diese Skizze über Leben, Wesen und Wirken dieses gediegenen Charakters, der auch jederzeit, wo er eingriff, ohne Aufdringlichkeit eine Persönlichkeit zu verkörpern wußte, mit einigen Sätzen aus dem eingangs erwähnten, dem Scheidenden gewidmeten Artikel eines Kenners im „Berliner Tageblatt" vom 19. Juli: „Isidor Rosenthal steht im 77. Lebensjahr und hat nach einer erfolgreichen und ehrenvollen wissenschaftlichen Laufbahn ein volles Anrecht darauf, seinen Lebensabend in einer des hochangesehenen Forschers würdigen Ruhe zu schließen. Gleichwohl wird es manchen unter seinen Freunden geben, die seinen Entschluß bedauern. Denn an geistiger Frische vermag er es noch heute mit viel jüngeren seiner Genossen aufzunehmen. Wir wünschen dem ausgezeichneten Physiologen und vortrefflichen Menschen einen schönen Lebensabend." I.. F. Gkneralorrlsmmlmig drs Hhrmilchrn Ssbbinerorrbsndes. Köln, 27. Juli 1913. An der diesjährigen Tagung des Rheinischen Rabbinerverbandes nahmen teil die Rabbin'er DDr. Caro (Köln), David (Bochum), Eschelbach'er (Düsseldorf), Jaulus (Aachen), Levi (Krefeld), Neumark (Duisburg), Norden (Elberfeld), Rosenthal (Köln), Samuel (Essen), Scheftelowitz (Köln), Tawrogi (Kreuznach); ihr Ausbleiben hatten entschuldigt Hanover (Köln), Cohn (Essen), Frank (Köln), Jacob (Dortmund), Kalischer (Bonn), Kronheim (Düsseldorf), Straßburger (Hoppstädten). Der derzeitige Vorsitzende, Dr. Norden, begrüßt vor allem Dr. Eschelbacher zur Uebernahme seines Amtes in Düsseldorf und erwähnt den Eintritt vpü Dr. Emil Cohn in den Verband. Sodann schlägt er vor, nachträglich die Beratung über die Frage der jüdischen Volksschule auf die Tagesordnung zu setzen, und fragt die Versammlung an, ob sie damit einverstanden sei, diesen Gegenstand zuerst zu erledigen, und ob sie die Einladung von S.-R. Dr. Apfel (dem Vorsitzenden des Provinzialverbandes rheinischer Shnagogengcmcinden) zu dieser Beratung gutheiße. Die Versammlung erteilt ihre Zustimmung. Bald nach Beginn der Erörterung erscheint Sanitätsrat Dr. Apfel und gibt seiner Freude darüber Ausdruck, das Votum des Rabbinerverbandes persönlich entgegennehmen zu können in einer Frage, die er gegenwärtig für eine der wichtigsten der preußischen Judenhe.it halte. In der Debatte, an der sich Herr Dr. Apfel, mit sehr bemerkenswerten, sachkundigen und warmen Worten beteiligte, traten Einwände gegen die Förderung und Neuerrichtung jüdischer Volksschulen von keiner Seite hervor; betont wurde indessen, daß diese noch mehr als bisher den inneren Zusa m m.e n h a n g mit der jüdischen Gemeinde und deren Organen, insbesondere den Vorständen und Rabbinern, wahren sollten. Von einer Seite wird bemerkt, daß ein Gegensatz gegen die Gemeinde in früherer Zeit begreiflich war, wo die Schule öfters in unwürdiger Abhängigkeit von dieser gehalten wurde. In heutiger Zeit .werde sich der Wert der jüdischen Volksschule um so mehr erhöhen, je mehr diese sich neben der Ausbildung in den Elementarsächern und der Pflege vaterländischer Gesinnung auch die Pflege jüdisch-religiösen Geistes zur Aufgabe mache. Von anderer Seite wird darauf hingewiesen, daß man die Vorzüge der jüdischen Volksschule im Westen des Vaterlandes seit Jahrzehnten erprobt habe; die Stellungnahme Berlins und anderer Großgemeinden, besonders des Ostens, beruhe auf Mangel an Erfahrungen. Die jüdische Volksschule muß hellte die Regel werden; sie ist ein Lebensbedürfnis nicht nur für die überall unparitätisch behandelten jüdischen Lehrer, sondern auch für die Zukunft unserer Jugend, und damit des Judentums. Das Ergebnis wird in folgender Entschließung zusammengefaßt: „Der Rheinische Rabbiner- Verband ist in Anbetracht der gegenwärtigen politischen und religiösen Verhältnisse für die Erhaltung und den möglichst lveitgehenden Ausbau der jüdischen Volksschulen in großen, mittleren und kleinen Gelneinden. Wir erblicken in der jüdischen Volksschule, sofern sie beu inneren Zusammenhang mit der jüdischen Gemeinde wahrt, die geeignete Pflegestätte für die sittlich-religiöse Erziehung der jüdischen Jugend." Unter wechselseitigen Danksagungen verabschiedet sich Herr Sanitätsrat Dr. Apfel von der Versammlung. Diese nahm daranf den Jahresbericht entgegen, aus dem die Teilnahme am 25 jährigeil Amtsjubiläum von Dr. T a w r v g i besonders hervorgehoben zli werden verdient. Im Anschluß an den Bericht gibt Dr. Norden seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß die in der letzten Zeit drohende Minderung des kollegialen Einvernehmens unter den Mitgliedern glücklich beseitigt und die Wiederkehr gegenseitiger Achtung auch bei abweichenden religiösen Meinungen "gesichert erscheine. Bei dem gemeinsamen Mittagsmahle, das die Verhandlungen unterbrach, widmete Dr. S a - muel den Damen der Kollegen einen Trinkspruch; das Gebet sprach Dr. Jaulus. Am Nachmittag erfolgte die satzungsgemüße Neubildung des Vorstands; diesen bilden für das nächste Jahr- Dr. Hanover (Vorsitzender), Dr. Norden (stelld. Vorsitzender), Dr. Samuel (Schriftführer). Dr. Norden, der in Abwesenheit von Dr. Hanover die Verhandlungen weiterführte, berichtet sodann über die Arbeiten des Zentralausschusses des R. V. i. D., auf dessen Tagung vom 23. Dezember 1912 Dr. Jakob unser Vertreter war. Von besonderem Interesse sind die Maßnahmen Zugunsten der Befreiung vorn Schreiben und Zeichnen am Sabbat und an Festen bei den Gewerbe- und Fortbildungsschulen und bei Prüfungen; Aufnahme von Zensuren über israelitischen Religionsunterricht im Abgangszeugnisse; Abfassung einer Schrift gegen den Austritt aus. den Synagogengemeinden; Rundfrage wegen Religionsunterrichts an Lehrinnenseminarien; Nichteinladung der Rabbiner seitens des Vorstands der jüdischen Gemeinde Berlin bei Gelegenheit des Besuchs des Kaisers in der Synagoge „Fasanenstraße". Mit lebhafter Zustimmung nimmt die Versammlung die klugen und versöhnlichen Worte des ersten Vorsitzenden des R. V. i. D., Professor Rabbiner Dr. I. G u t t - man u, entgegen, mit denen dieser zu Beginn und zum Schlüsse der Ausschußsttzung für die Aufrechterhaltung der Einheit im Verbände eingetreten ist. Auch die Stärkung der Finanzen des Verbandes und seiner Pensions- und Reliktenkasse ist, worauf Dr. Eschelbacher, Berlin, aufmerksam machte, dazu ein Mittel, so daß der Rheinische Rabbinerverband auch in eine mäßige Erhöhung der Mitgliederbeiträge (von 7 ans 8 Mark), wovon 5 Mark an die Zentralkafse geleistet werden, willigt. Zur Beratung liegt ferner der „Entwurf eines Lehrplanes für den jüdischen Religionsunterricht in Religions- und Volksschulen" vor (als Manuskript gedruckt; herausgegeben von der Schulkommission des Provinzialvcrbandes rheinischer Synagogengemeinden, Köln, im Juni 1913). Da ein Referent über diesen Gegenstand nicht bestellt ist, so übernimmt es Dr. Rosenthal, nähere Erläuterungen zu erteilen. Bemängelt wird die Flüchtigkeit des Druckes, die die lieber-

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