Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1913)
- Date
- 1913-08-15
- Page
- Seite 389 (sequence 5)
- Language
- German
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dürfte es also nicht, wie Herr Kollege Becker will, sofort tun. Irrig ist die Behauptung, der Gemeindebund trete den Zielen des Lehrerverbandes feindlich entgegen; einmal handelt es sich höchstens um ein Ziel, zweitens ist der Vater dem Sohne nicht feindlich, wenn er in.einem Punkte anders denkt als dieser, feige Pflicht tut und warnt. Herr Kostege Becker ist erregt und verirrt sich in absonderliche Zumutungen und Anschauungen: 1. Der Gemeindetag müsse sofort berufen werden. Warum? Weil Herr Kollege Becker es wünscht oder., diesen Zeitpunkt für günstig hält? Wann ein außerordentlicher Gemeindetag zu berufen ist, bestimmen die Statuten. 2. Der Ausschuß des Bundes-soll bis zur Berufung des Gemeindetages „nur provisorisch die Geschäfte des DJGB. verwalten". Mit welchem Recht? Soll und darf er an der Verfassung des DJGB. etwas ändern, weil Herr Kollege Becker ihn stürzen, das System beseitigen will? Ich glaube, Herr Kollege Becker zeigt sich in seinem Unmut und durch ihn schlecht beraten. Ich will ihn nicht verletzen, aber der Hinweis aus den „denkwürdigen, großen Moment", um „dessen Erlebnis" (sie!) er oft beneidet wurde, wirkt erheiternd. Vielleicht fühlt sich jemand geschmeichelt, mit einem bedeutenden Parlamentarier verglichen zu werden. Aber was hätte Franz Ziegler wohl getan, wenn er Beckers Ausführungen erlebt' und gelesen hätte? Ich glaube, er hätte ihm und seinen Mitstreitern eine Rede über die Volksschule gehalten, die Behagen in ihnen nicht ausgelöst hätte. 3. Herr Kollege Becker spricht von seiner Tätigkeit für den DJGB.; ich erkenne diese in vollem Umfange an, obwohl ich glaube, „Opfer" verlange und nehme der Bund nicht an. Aber verpflichtet -diese verdienstvolle Tätigkeit den. Verbandstag Gehennrat Prof. Dr. ). Rosenchal. in allen Punkten und allen Teilen einer Frage sich nach der Person zu richten und nicht vielmehr sachlich zu erwägen und zu beschließen? In der Verhandlung über die Volksschule ist die Stimme des Lehrerverbandes gewichtig und beachtenswert, aber die Entscheidung darf nicht auf die Mitwirkung der Männer verzichten, welche die Erfordernisse des Hauses und des Lebens kennen und zu gemeinsamer, ruhiger - und unbefangener Beratung geeignet und bereit sind. In schwungvoller Peroration schildert Herr Kollege Becker die Gefahren, die drohen, undermahnt den DJGB. wohlweislich die weiteren Schritte zu überlegen. Das wird geschehen, wie es bisher stets geschehen ist. Aber ich fordere ihn auf zu überlegen wer das Schwert gezogen hat und in Fechterstellung getreten ist. Sigismund Blaschke. Orhrimrst Orvkrllor Sr.Wdor Solrnthsl. mit Ende des soeben ablausenden akademischen Sommersemesters tritt eine Zierde deutscher Gelehrsamkeit, eine Größe der heutigen internationalen Medizin nach einer öffentlichen fachwissenschaftlichen Tätigkeit von 54 Jahren in den gewiß wohlverdienten Ruhestand.: Isidor Rosenth al in Erlangen, der am ,16. Juli das 77. Lebensjahr vollendet hat. Im Jahre 1836 zu Labischin im Regierungsbezirk Bromberg geboren, führte er seine medizinischen Studien an der Universität Berlin durch und brachte die ausschlaggebenden siebzehn Jahre vom 19. bis 36. in der Reichshauptstadt zu, so daß im „Berliner Tageblatt" (Nr. 361) jüngst ein kundiger Berichterstatter feststellen Und begründen konnte: „Rosenthal ist seiner wissenschaftlichen Entwickelung nach als ein Berliner Kind anzusprechen. Hier hat er seine Studien gönnen und unter des unvergeßlichen Emil Dubois Leitung, dessen langjähriger Assistent, und Freund er gewesen, auch vollendet. . Rosenthal gehört zu den begabtesten Schülern Dubois, dem'an allgemeiner Bildung, an wissenschaftlicher Gründlichkeit und unbestechlicher Kritik es gleichzutun sein hauptsächlichstes' Bestreben war." Schon 1859 wurde der erst Dreiundzwanzigjährige Assistent am Physiologischen. Institut bei Emil Dubois-Reymond, erhielt 1867 an der Berliner Universität eine außerordentliche Professur und ging 1872 an die Erlanger als Ordinarius der Physiologie und Gesundheitslehre. Daselbst wirkt er nunmehr 41 Jahre, und zwar mit. dem für' die ziemlich kleinen und kleinlichen Verhältnisse der dritten bayerischen Alma mater denkbar größten Erfolge. Die Schriften und Studien, die I. Rosenthal seit seinem literarischen Auftreten als Fachmann verfaßte und drucken ließ, sind folgende: „Die' Atembewegungen und ihre Beziehungen zum Nervus vagus" (1862), „Elektrizitätslehre für Mediziner und Elektrotherapie" (1862, dritte Auslage, mit Bernhardt, 1883), „Zur Kenntnis der Wärmeregulierung bei den warmblütigen Tieren" . (1872), „Ziele und Aussichten der Gesundheitspflege" (1876), „Bemerkungenüber die Tätigkeit der automatischen Nervenzentra, besonders über die Atembewegungen" (1875), „Allgemeine Physiologie der Muskeln und Nprven" (1877, zweite . Auflage 1899), „Bier und Branntwein in ihrer Bedeutung für die Volksgesundheit" (1881, zweite Auflage 1893), „Atembewegungen und Innervation derselben" und „Physiologie der tierischen Wärme" (1882, in Hermanns „Handbuchs der Physiologie", Band 4), „Vorlesungen über öffentliche und private Gesundheitspflege" (1887, zweite Auflage 1889). Als Leiter publizistischer' Unternehmungen betätigte sich Rosenthal, indem er 1869 bis 1880 das „Zentralblatt für die medizinischen Wissenschaften" und 1873 bis 1885 die bei F. A. Brockhaus in Leipzig erscheinende deutsche Ausgabe der „Internationalen wissenschaftlichen Bibliothek" redigierte. , Mit seinen Kollegen Rees und Selenka rief er 1881 das „Biologische Zentralblatt" ins Leben und steht noch jetzt mit Fachgenossen an der Spitze dieses maßgebenden Organs des neuen bedeutsamen Fachs der Biologie. Natürlich ist eine Auszählung der einzelnen Beiträge I. Rosenthals zu den von ihm oder anderen geleiteten Zeitschriften hier ebenso sehr ausgeschlossen, wie eine sachmäßige