Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1913)
- Date
- 1913-08-15
- Page
- Seite 388 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- - / .. - 388 auffordern, energisch für den Schutz der Juden im Jemen einzutreten. Neu ist in dem Brief die Mitteilung, daß man im Jemen nunmehr anfängt, auch die jüdischen Frauen zu mißhandeln. Sonst Pflegten auch die fanatischsten Völker des Islam wenigstens den Frauen der Andersgläubigen eine gewisse Achtung entgegenzubxingen; den völlig wehrlosen Juden gegenüber läßt man auch, diese Rücksicht sollen. „Lin Epilog?um VI. Grmrindrorrbsndstsgr." Unter dieser Spitzmarke hat Herr Kollege Becker in Nr. 31 dieser Wochenschrift Angriffe aus den Ausschuß des DJGB. gerichtet und daran Forderungen und Warnungen geknüpft. Die Veranlassung hierzu gaben mein Referat auf dem VI. Verbandstage und die Resolution, die dort angenommen wurde. Das veranlaßt mich zu einer Erwiderung. Zunächst stelle ich fest, daß ich allein die Verantwortung für alles, was ich gesagt habe, trage, daß mir das Referat auf Vorschlag der Lehrabteilung von dem Herrn geschäftsführenden Vorsitzenden übertragen wurde, daß die Resolution ohne Erörterung oder Beschluß in dem Ausschüsse oder einer Kommission des DJGB. von mir gestellt wurde, endlich, daß ich zu dieser Erwiderung von keiner Seite ermächtigt oder aufgesordert bin. Meinem Bestreben, rein fachlich zu verhandeln, werde ich auch in diesen Zeilen, treu bleiben, also weder Angriffe auf mich abwehren. noch Persönlich angreifen. Deshalb vermeide ich zu untersuchen, ob die Forderung des Herrn Kollegen snaviter in modo, fortiter in re erfüllt ist; ich würde mich freuen, wenn sich meine Anschauungen über Anmut und' Tapferkeit mit der des Herrn Kollegen Becker deckten, wie das, bei Jugendbildnern sein sollte. Ich schließe mich ihm darin an, daß es sich bei der Erörterung über die jüdische Volksschule um einen Kampf für die Zukunft des Judentums handelt;^dagegen bestreite ich, daß hierbei ein Kampf „für die junge Lehrerwelt" geführt werden dürfe. Denn die Lehrer sind um der Schulewillen da, nicht die Schule um ihretwillen. Nur was der Heranbildung der Jugend und ihrer Vorbildung für das Leben frommt, ist ausschlaggebend; die Sorge für-die Anstellung und das Fortkommen'der Lehrer beschäftigt den DJGB. unausgesetzt und intensiv, sie darf aber nicht entscheiden, ob, in welchem Umfange und wo jüdische Volksschulen erhalten oder neu errichtet werden sollen. Ist wirklich die Forderung des Herrn Kollegen Becker so w esentlich verschieden von der Resolution, die der VI. Gemeindetag angenommen hat? Ich verneine diese Frage: 1. Die jüdische Volksschule soll, wo sie besteht, erhalten werden; ich verlange nur, daß sie lebensfähig sei, das heißt, sie darf kein Privatunterricht, keine Zwergschule werden, in der die Kinder des Verkehrs und des edlen Wettstreits mit Mersgenossen, also eines wesentlichen Erziehungsmittels entbehren. Selbst wenn ein Kind weniger Mitschüler hat als Finger an einer Hand, mag sie erhalten werden, wenn nur Aussicht auf Vergrößerng der Schülerzahl besteht. 2. Jüdische Volksschulen sollen neu eingerichtet werden; auch das verlangt der VI. Gemeindeverbandstag, aber nicht unbedingt und unbeschränkt wie Herr Kollege Becker, sondern mit weiser Beschränkung und nach sorgfältiger Prüfung aller beachtenswerten Verhältnisse. Ich bedauere, daß Herr Kollege Becker diesen Beschluß „traurig" und „unselig" nennt; denn daß er von ernsten, zielbewußten, erfahrenen Männern geprüft und gefaßt worden ist, wird auch er nicht anzweifeln. Der Unmut des Herrn Kollegen über diese Meinungsverschiedenheit ist so groß, daß er von dem Gemeindeverbandstag überspringt auf den Ausschuß und den ganzen Gemeindebund; und das ist bedauerlich und ungerecht. Wer noch nicht weiß, was der DJGB. für den jüdischen Unterricht und die Unterrichtenden getan hat und tut, der lese die Mitteilungen von Nr. 41 (Januar 1896) bis auf die Gegenwart. Es ist so viel. wie die Kräfte des DJGB. gestatten. Und doch macht ihm Kollege Becker Vorhaltungen, die ich nicht unerwähnt und unwiderlegt lassen will: Unter Zustimmung des DJGB. soll der Lehrerverband (Verband der jüdischen Lehrervereine) in den Grün d s atz u n >g e n ausdrücklich als einen seiner Zwecke die Erhaltung beziehungsweise Neueinrichtung der jüdischen Volksschulen bezeichnet haben. Mir liegen hier in der Sommerfrische nur die Satzungen des Verbandes vom 27. Dezember 1904 und der Bericht über seine Gründung in Nr. 41 der Mitteilungen des DJGB. (1896) vor. . Darin steht'davon nichts; aber Herr Kollege Becker hat sicherlich andere Unterlagen oder legt in dieser Weise die Worte in § 1 der Satzungen aus: „Die Behandlung aller die jüdischen Lehrervereine in Deutschland angehenden Fragen des Unterricht." Wann' der DJGB. seine „Zustimmung" gegeben, und wie er sie zu geben in der Lage und befugt war, müßte einwandfrei nachgewiesen werden. Mißlungen und abwegig erscheint mir eine Schlußfolgerung des Herrn Kollegen: Der DJGB. entsendet einen Vertreter in den GA. des Lehrerverbandes und subventioniert diesen mit 1800 Mark jährlich; damit fördert er die Arbeiten — Herr Kollege Becker sagt die Ziele — des Verbandes. Daß dies, wie Herr Kollege Becker sagt, „s a tz u n g s ge m ä ß" geschehe, ist mindestens ein ungenauer Ausdruck; denn nirgends ist eine satzungmäßige Verpflichtung ausgesprochen.. Und wie in aller Welt ergibt sich daraus der Zwang: „Entweder kommt der DJGB. weiter seinen satzungsmäßigen Verpflichtungen nach und ergreift ohne Einschränkung und rückhaltslos Partei für die jüdische Volksschule" (wobei er nur die Abstimmung über diese Frage auf dem nächsten Gemeindetage abwarten soll), „oder der DJGB. löst sofort sein Verhältnis zum Lehrerverband." Das Verlangen, der DJGB. solle die Ziele des Lehrerverbandes rückhaltslos fördern, d. h. sich ihm unterwerfen, oder seine Hand von ihm ziehen, beruht auf einer engherzigen und unrichtigen Auffassung des Verhältnisses zwischen dem DJGB. und dem Verbände. Wenn Herr Kollege Becker es noch nicht weiß, kann er es leicht erfahren, daß der DJGB. Subventionen erteilt, ohne zu untersuchen, ob er allen Bestrebungen und Einrichtungen 'der Subventionierten rückhaltlos zustimmt und sie zu den seinigen macht. Täte er das, dann handelte er einseitig und gäbe sich nicht als eine Zusammenfassung aller/ Gemeinden, so verschiedenartig sie in sich und untereinander sein mögen. Man braucht nur die Nr. 41 der Mtteilungeni zu lesen und die Weiterentwicklung zu verfolgen, um zu erkennen, daß das Verhältnis zwischen Gemeindebund und Lehrerverband wie das eines erfahrenen und in sich gefestigten Vaters zu seinem tatenlustigen und tatenfähigen Sohne ist. Wie kann nur ein Vater und Lehrer glauben, daß ein Vater seinen Sohn von sich stoßen wird, weil dieser ein Ziel verfolgt, vor dem ihn der Vater kraft seiner Erfahrung und seines umfassenden Blickes warnt! Sein. Zorn wäre nur dann berechtigt, wenn sich der Sohn gegen den Vater auslehnt und ihn als lästiges Hindernis für seine Ziele beiseite stößt. Der DJGB. fördert die Aufgaben und Ziele des Lehrerverbandes; indem er dies tut, auch wenn er nicht jede Arbeit und jedes Ziel ohne Einschränkung billigt, beweist er sein Wohlwollen und seine Unbefangenheit. Ich habe die feste Ueberzeugung und Hoffnung, daß die B e sonnenen im Lehrerverbande diesen vor einerAuflehnung gegen den DJGB. bewahren werden. Ergriffe der Ausschuß ohne Einschränkung und rückhaltslos Partei für . die jüdische Volksschule, dann würde er einseitig und, wie der Beschluß ' des VI. Gemeindeverbandstages beweist, gegen den ausgesprochenen Willen eines wichtigen Faktors handeln. Bevor der Gemeindebund. sich entscheidet, soll er den-Beschluß des Gemeindetages abwarten; darauf müßte er wohl auch warten, wenn er sein Verhältnis zum Lehrerverbande lösen wollte.