Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1913)
- Date
- 1913-08-08
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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im Interesse der Pflegebefohlenen noch weiter ausgebaut werden könne. Insbesondere regte Herr L as k a r an, ob es sich nicht empfehlen würde, neben der Gemeindeschwester, die sich außerordentlich bewähre, noch weitere Hilfskräfte im Ehrenamt heranzuziehen. Er verspricht sich von dieser Reorganisation des Armenwesens unter Hinzuziehung von Pflegerinnen großen Erfolg. Es wurde dann beschlossen, unter Ablehnung des weitergehenden, Antrages des Gemeindevorstandes, für die Armenkommission zunächst einen Betrag bis zu 6000 Mark nachzubewilligen. Alsdann trat geheime- Sitzung ein. — Herr W. A. Peine, , das langjährige Mitglied des Repräsentantenkollegiums der „Deutsch-Israelitischen Gemeinde", beging gestern seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar, Seniorchef der bekannten Kaufmannssirma Gäth u. Peine, erfreut sich in weiteren Kreisen unserer Stadt großer Achtung und Wertschätzung. In der Gemeinde bekleidet er viele Ehrenämter, u. a. ist er noch heute Präses der „Neuen Dammtor-Synagoge", für deren Ausgestaltung er sich vielfache Verdienste erworben, auch zählt er zu den ältesten Mitgliedern der Henry-Jones-Loge, wo er als früherer Präsident segensreich wirkte. Dem bewährten Manne wurden an seinem Ehrentage vielfach Ehrungen bereitet. Die Mitglieder der Verwaltung der Synagogen und ihre Repräsentanten erschienen schon zu früher Morgenstunde in der Wohnung des. Jubilars und überreichten kostbare Ehrengeschenke. Herr Rabbiner Dr. Loewenthal hob in seiner Ansprache die segensvolle Tätigkeit des Herrn Peine in der Gemeinde hervor. Später erschienen noch Deputationen des Repräsentantenkvllegiums der Gemeinde, der Henry-Jones-Loge und vieler anderer Institutionen. Die von nah und fern eingelaufenen Glückwunschtelegramme und Ehrengeschenke gaben ein beredtes Zeugnis von der Beliebtheit des Jubilars. 22 Leipzig, 1. August. Nach dem soeben veröffentlichten Verwaltungsbericht der hiesigen Israelitischen Neligionsgemeinde betrügt der Etat pro 1912 157 000 Mark. An Steuern zahlten die Reichsdeutschen 77 000 Mark, die übrigen 1700 Gemeindemitglieder, welche kein Wahlrecht besitzen, 42 000 Mark. Die Gesamtsteuereinnahmen sind gegen 1911 um 8000 Mark zurückgegangen. — Armenunterstützungen an Deutsche und naturalisierte Ausländer wurden 4600 Mark gewährt. Die Unterstützungen an Ausländer sowie ^Beitrüge an Wohltätigkeitsvereine, Krankenhauskosten, Wanderarme usw. betrugen 58 000 Mark; hiervon wurden 35 000 Mark aus Stiftungen usw. vereinnahmt und 13 000 Mark durch freiwillige Beiträge — zum großen Teil von Ausländern aufgebracht. Die Gemeinde steuerte aus dem Etat im ganzen nur 13 700. Mark bei. — Es ist unbegreiflich, daß der Verwaltungsbericht einen Unterschied Zwischen deutschen und ausländischen Gemeindemitgliedern macht, lieber die beträchtlichen Einnahmen aus dem Begräbniswesen wird im Bericht nichts mitgeteilt. Der Vorstand hat einen Ausschuß zur Beratung der Frage des aktiven Wahlrechts der Ausländer gebildet, wodurch derselbe bestätigt, daß er die Wünsche von 70 Prozent der Steuerzahler anerkennt. 22 Nürnberg, 1. August. In den Tagen vom 28. bis 30. Juli stattete Prinz Ludwig von Bayern als Prinzregent den Städten Nürnberg und Fürth seinen Antrittsbesuch ab, begleitet von seiner Gemahlin, seinen Töchtern und den Spitzen des Hofstaates. Zum offiziellen Empfang und zur Hoftasel auf der altberühmten Burg waren unter anderen Herr Rabbiner Dr. Freudenthal, Nürnberg, und Herr Rabbiner Dr. N e u b ü r g e r aus Fürth geladem Am letzten Tage seines Aufenthaltes besuchte der Prinzregent mit seiner Gemahlin, seinen Töchtern, sowie mit dem Gefolge offiziell die Hauptgotteshäuser der katholischen, protestantischen und israelitischen Kirchengemeinden. An der äußerlich herrlich geschmückten Hauptsynagoge Nürnbergs wurden die höchsten Herrschaften von den Mitgliedern des Vorstandes und der Verwaltung der Kultusgemeinde empfangen und zum Portal geleitet. Dort begrüßte Herr Rabbiner Dr. F r e u d e n t h a l den Prinzregenten mit einer Ansprache und dem Segen. Es folgte dann unter Führung des Herrn Rabbiners und des Vorsitzenden Herrn Justizrat Dr. Held die Besichtigung des Gotteshauses. Auf Wunsch des Prinzregenten wurde die heilige Lade geöffnet und durch Herrn Oberkantor Fränkel ein Stück aus der Thora vorgelesen. Besonderes Interesse erregte auch noch der aus der mittelalterlichen Synagoge erhaltene und in der neuen Synagoge angebrachte sogenannte Judenstein. Nach viertelstündigem Aufenthalt verabschiedeten sich die hohen Herrschaften mit lebhaftem Danke für den feierlichen Empfang. 22 Erlangen, 1. August. Der ordentliche Professor und Direktor des physiologischen Instituts Geh. Hofrat Dr. med. et pliil. Isidor Mosenthal wurde aufsein Ansuchen von der Verpflichtung zur Abhaltung von Vorlesungen befreit; aus diesem Anlaß erhielt' er den Titel eines Geheimen Rates. Geh. Rat Rosenthal ist am 16. Juli 77 Jahre geworden, er ist 1836 in Labischin, Provinz Posen, geboren. Der berühmte. Physiologe hat nach einer erfolg-, reichen und ehrenvollen wissenschaftlichen Laufbahn ein volles Anrecht darauf, seinen Lebensabend in einer des hochangesehenen Forschers würdigen Ruhe zu schließen. Gleichwohl wird es manchen unter seinen Freunden geben, die seinen Entschluß bedauern. 'Denn an geistiger Frische vermag er es noch heute mit viel jüngeren seiner Genossen aufzunehmen.. Rosenthal ist seiner wissenschaftlichen Entwicklung nach als ein Berliner Kind anzusprechen. Hier hat er seine Studien begonnen und unter des unvergeßlichen Emil Dubois-Reymond Leitung, dessen langjähriger Assistent und Freund er gewesen, auch vollendet. Rosenthal gehört zu den begabtesten Schülern Dubois^, dem an allgemeiner Bildung, an wissenschaftlicher Gründlichkeit und unbestechlicher Kritik es gleichzutun, sein hauptsächlichstes Bestreben war. Wir wünschen dem ausgezeichneten Physiologen und vortrefflichen Menschen einen schönen Lebensabend. 2/D Bad Ems, 31. Juli. Der Verein „S a n a t o r i u m E m s e r Heilquelle n" blickt am heutigen Tage auf sein 25 jähriges Bestehen zurück. Im Jahre 1888 von den Herren Dr. A r o n - s o h n, Professor .D e r e n b o u r g sel. Andenkens aus Paris, Rabbiner Dr. Bamberger sel. Andenkens aus Königsberg, Dr. K o p f st e i n, damaliger Rabbiner in Ems, Gemeindevorsteher Daniel Löwen st ein sel. Andenkens gegründet, wurde er durch die Tatkraft der Herren Dr. Aronsohn und des Bezirksrabbiners Dr. Weingarten, der feit dem Jahre 1890 dem Vorstande angehört, zu seiner jetzigen Blüte gebracht. Der Zweck des Vereins ist, wenig bemittelten, kurbedürftigen Glaubensgenossen die Mittel zum Gebrauch einer Emser Kur zu verschaffen. Anfangs wurden die vom Verein aufgenommenen Kurgäste in Privathäusern untergebracht und verpflegt. Im Jahre 1905 wurde jedoch auf Veranlassung des Herrn Dr. Weingarten im Verein mit Herrn Dr. Aronsohn das Haus Branbacher Straße mit schönem anschließenden Garten als Anstalt gekauft und in geeigneter Weise eingerichtet. Es ruht noch eine Hypothek auf dem Hause, und diese zu tilgen, hofft der Verein als Jubiläumsgabe von edlen, freigebigen Wohltätern zu erhalten. Ein jüngst zum Besten des Vereins veranstaltetes Konzert hat zirka 1000 Mark eingebracht und zirka 2000 Mark haben bisher die Sammlungen bei Kurgästen ergeben. Der heutige Gründungstag ist in der Anstalt selbst in würdiger Weise durch ein Festessen, das der Vorstand den Pfleglingen gab, mit anschließender Festsitzung des Vorstandes begangen worden. Heil und Segen werde dem Verein ferner von Gott beschieden! Der gegenwärtige Vorstand besteht aus den Herren Sanitätsrat Dr. Aronsohn, Bezirksrabbiner Dr. Weingarten, Dr. Samter, Dr. Nehab und Kultusvorsteher M. Stern, sämtlich in Bad Ems. X. Essen, 1. August. Auf Betreiben der nachstehend genannten Ausschüssen angehörenden Lehrer hat hier am letzten Sonntag eine gemeinsame Sitzung der Ausschüsse der Provinzialgemeindeverbände von Rheinland und Westfalen getagt, die sich fast ausschließlich mit der Frage der jüdischen Volksschule beschäftigte. Beantragt war, es mögen die Ausschüsse der Provinzialverbände beschließen, bei dem Deutsch-Israelitischen Gemeiudebunde den Antrag zu stellen, daß die Frage der jüdischen Volksschule auf die Tagesordnung des nächsten Gemeindet a g e s gesetzt werden möge. Hiernach dürfte also auch der nächste Gemeindetag, vorausgesetzt, daß der Ausschuß des Gemeindebundes diesem Verlangen stattgibt, wiederum „recht lebhaft", verlaufen. Denn abgesehen davon, daß schon die Frage des. Proportionalwahlrechtes, die Frage der staatlichen Beihilfen für leistungsschwache jüdische Gemeinden .Anlaß zu . lebhaften Debatten geben werden, dürfte die Frage der jüdischen Volksschule erst recht einen ruhigen und würdevollen Verlauf des Gemeindetages,in Frage .stellen. 22 Düsseldorf, 1. August. Die Beisetzung des verunglückten Opernsängers Barre (Grünebaum), der bei dem. Eisenbahnunglück in Jütland getötet und dessen Frau lebensgefährlich verletzt würde, fand gestern nachmittag. auf dem hiesigen israelitischen Friedhof statt. Der hochbetagte Vater des Toten sowie zahlreiche Vertreter der Stadtverwaltung und des Stadttheaters wohnten der Trauerfeier bei, ebenso viele Künstler. Rabbiner Dr. Eschel-