Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-08-08 · Heft 32 (8.8.1913) · p. Seite 384

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 32 (8.8.1913)
Date
1913-08-08
Page
Seite 384 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229102--69665-3281979
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

und selbst der Preußische Gardehelrn bedeckt nicht lauter Apollo-und Jovisköpfe," „Das gebe ich gern zu. Es ist auch nicht eigentlich der Gegensatz von schön und häßlich, was mich bestimmt, sondern die Rasse, die Rasse; wie ich sie sliehe, wie ich sie Hasse." „Prächtig, Herr Kreisrichter, Ihre Antipathie macht Sie zum Dichter. Wirklich prächtig, famos! -Rasse, wie ich sie haste!" , „Scherzen Sie nicht, Herr Oberstabsarzt. Mir ist in Wahrheit der Jude unerträglich; selbst der häßlichste Deutsche ist mir noch immer lieber als der schönste Jude." „Der häßlichste Deutsche? Ich kenne darunter denn doch Säuferfratzen und Galgengesichter, die mit den schlimmsten Judenkarikaturen der Fliegenden Blätter den Wettstreit an Widerwärtigkeit ausnehmen könnten. Mir wenigstens würde die Wahl nicht leicht fallen." „ve §ustibu8 non. est disputandum.“ „Gewiß. Es gibt sogar gute Christen, die eine besondere Sympathie und Zuneigung zu den Juden hegen." - „Müssen sonderbare Käuze sein! Idioten mit Geschmacksverirrung." „So halten Sie Ihren Kollegen, den Kreisgerichtsrat und. Poeten Theodor Storm für einen Idioten?" „Sie scherzen wieder." „Nein, nein, es ist mein Ernst." „Wo aber hätte der holsteinische Dichter jener unfaßbaren Sympathie und Zuneigung zu den Juden seinen Ausdruck gegeben? Die neuere Literatur ist nicht gerade meine Stärke." „Dagegen ist sie.kurioserweise mein Steckenpferd, und hätte ich nicht auf der Pepiniere die einzige -Möglichkeit gehabt, unentgeltlich studieren zu können, ich wäre sicher nicht Mediziner, sondern Literarhistoriker geworden." „Hat Sie denn Ihre ärztliche Tätigkeit nicht befriedigt?" „Das denn doch. Die Medizin ist meine legitime Lebensgefährtin geblieben, die ich liebe und ehre; aber neben ihr habe ich doch immer noch einen kleinen stillen Schwarm für die alte Jugendflamme behalten, und von den neuesten Dichtern gehört neben Fontane und Reuter gerade Storm zu meinen Lieblingen." - . „Und Storm sagt das wirklich?" „Ganz gewiß. In seinem Amtschirurgus, und er fügt hinzu, daß jene Zuneigung und Sympathie zum Judenvolke ihm auch der schmutzigste Schacherjude nicht habe stören können." „Ganz unverständlich." - (Fm-tsetzung folgt) Litergrilchr fHitft iiuntrm; — Zur Tosefta und anderes. .Gesammelte Aufsätze. Zweiter Teil, von Dr. M. S. Zuck er mandel. Breslau. Kommissionsverlag von I. Kaufsmann. Frankfurt cn M. 1912. Dem Wunsche einiger Freunde folgend, unterzieht sich Zuckermandel der erfreulichen Mühe, seine in verschiedenen Zeitschriften erschienenen Abhandlungen als „Gesannnelte Aufsätze" herauszugeben. Bilden sie gleichsam den vierten Band seines großen Werkes „Tosefta, Mischna und Boraitha", so gehen sie doch über dieses hinaus, dem, -sie enthalten die Früchte vielverzweigter Studien, die aus den Grenzen desrein Talmudischen sühyen und weites, allgemeines Interesse, verdienen. Neben Erklärungen sprachlicher Natur wie <ty.opyiov — Flachs (Jerusch. B. M. 4, 1.) und die Ungeschwächte, von winden, finden wir auch Bemerkungen exegetischer Art, unter denen die Lösung der Worte Josuas (Josüa X. 12) besonders einfach erscheint. Dazwischen eingestreut sind mehrere Versuche von Neuauslegungen einiger historischer Notizen im Talmud. Drei Aufsätze sind in ganz populärem Tone und dürfen jeden ansprechen. In dem ersten schildert Zuckermandel die befruchtenden Einwirkungen des Talmuds auf die Wissenschaften anderer Völker. Der andere gibt uns ein Bild von. den trüben Schicksalen, denen der Talmud in der Zeit vom 13.-16. Jahrhundert Preisgegeben war. Und im dritten Aufsatz zeigt Zuckermandel, daß die Prinzipien wahren jüdischen Familienlebens, die Einheit aller und die Selbständigkeit der einzelnen Glieder der Familie in der Bibel ihren klaren Ausdruck finden. Dann führt er uns mit dankenswerter Ausführlichkeit in den interessanten Kampf, der im . Jahre 1892 um die Deutung jener Abkürzung N""1^2 — HDSH in der Viluaer Talmudau'sgabe (Babli Kethuboth 162) entbrannt war. Zuckermandel, der die Abbreviatur als Akt der Not in der Zeit derrussischen Pogrome ansieht, scheint jetzt in dieser historischen Begründung die beste Erklärung gesunden zu Haben. Im Anschluß hieran versucht Zuckermandel nachzuweisen, daß Christus von Juden nach jüdischem Recht gesteinigt und. dann von den Römern gekreuzigt wurde, daß ferner p sich nur auf Christus bezieht. fcHED' p, erklärt er ' 8*1 K12D — der ist abgewichen, eineDeutung, die Hobe Beachtung verdient. Einige Rezensionen der Schwarzschen Toseftaordnungen, wie die Besprechungen über die verschiedenen Tosefta-Handschriften und -Varianten bilden die Grundsteine seines großen Werkes und klingen in die These aus: Tosefta ist die palästinensische Mischna, Mischna stt eine Rezension der Tosefta. Moritz Freier. * . — V om alten Stamm. Eine Sammlung jüdischer Bücher. I. L. Perez, Volkstümliche Geschichten. Jüdischer Verlag, Berlin s 15. Liest man die erste Erzählung dieses. Bündchens, so ist man entzückt, aber diese Freude bleibt bei den hier ausgewählten Geschichten des bekannten und mit Recht vielgerühmten Dichters nicht gleickfinäßig. Ungemischt schön finde ich nur noch die Erzählung „Zu Häupten des Sterbenden". Sonst aber ist Realistik und Mystik etwas zu stark gemischt; manchmal herrscht das Geheimnisvolle zu unbedingt vor, zum Beispiel in den Geschichten „Das Blendwerk", „Saatje, der Fischer". In einer höchst merkwürdigen Erzählung „Jjöichenen, der Wasserführer", in der ein großer Gelehrter einem armen .Wasserträger die Gabe des Erkennens zuschreibt, kommt man aus dem wirklichen Leben in das Treiben der Kabbalisten, das uns ganz fremd anmutet. In der wundersamen Mär „Der Baßgeiger", in der einmal die Macht der Poesie in wunderbar dichterischer Weise verklärt wird, spielt das Jenseitige, Uebernatürliche, das Erscheinen von Menschen, die über das Menschliche hinausgewachsen sind, ein bißchen zu stark in das Irdische hinein. Aber man bemerkt doch aus Schritt und Tritt, daß man es bei Perez nicht mit einem Dutzenderzähler zu tun hat, sondern mit einem hochbegabten Dichter, der in die Seele zu schauen weiß und der es versteht, das Gesehene und das Geahnte zu verkünden. L. G. SpreHssal. , St. Moritz, 10. Juli 1913. * Sehr geehrte Redaktion! Erst heute kam mir der Artikel der Nummer 27 Ihres geschätzten Blattes: „Eine Entgegnung an den Israelit, von einem Parteilosen" zu Gesicht. In demselben ist die Rede von den „Jrrtümern", welche mir unterlaufen seien und von den „nicht stichhaltigen. Argumenten". Gerade weil der ungenannte Verfasser in seinen Ausführungen scheinbar als mein Verteidiger auftritt; kann ich seine Behauptungen um so weniger stillschweigend hinnehmen. Ich richte darum an den Verfasser die Aufforderung, mir durch öffentlichen Nachweis uieiner „Jrrtümer" und „nicht stichhaltigen Argumente", Gelegenheit zu geben, mich gegen, diese Vorwürfe zu verteidigen.? Hochachtungsvoll Dr. S e l i g m a n n. Berichtigung. Es ist zu lesen: Seite 366, Spalte 1, Zeile 23.nicht „Vereine", sondern „Vereinen". Zeile 18 von unten „nur" zu streichen. Spalte 2, Zeile 11 von oben nicht „d r e i", sondern „d e n". Spalte 2, Zeile 32 von oben nicht „-gemächliches", sondern „schwächliches". Seite.367, Spalte 1, Zeile 7 von oben nicht „S t a h l s ch e n", sondern „S t i e h ls ch e n". Zeile 29 - von unten nicht „n l l e", sondern „aller A r t". Zeile 24 von unten „uns" zu streichen. Zeile 22 von unten nicht „eine",' sondern „einer". Zeile 10 von unten nicht „im Reiche", sondern „in den Reihen". Seite 368, Spalte 1, Zeile 4 von oben nicht „a l l g e m e i n e V o l k s s ch u l e", sondern „nationale E i n heitsschule". — Ebenso in Zeile 11 von oben. .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.