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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-08-08 · Heft 32 (8.8.1913) · p. Seite 382

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 32 (8.8.1913)
Date
1913-08-08
Page
Seite 382 (sequence 10)
Language
German
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erwerbstätig gezählten 287 962 (1895:244 586) Juden (die. Zahlen der Berufsstatistik vom Jahre 1895 setzen wir in Klammern daneben) waren nur wenig' Prozent in dieseBerussäbteilung eingereiht. Diese Zahlen besagen jedoch in ihrer Gesamtheit nicht viel. Werfen sie doch ganz heterogene Berussgruppen, wie Militärdienst und freie Berufe zusamrnen! Und daß in den freien Berufen, in der. Gesundheitspflege, im Unterrichtswesen und in dem kirchlichen Dienst sehr viele Israeliten tätig sind, wissen wir.. Unser besonderes Interesse konzentriert sich aber auf die Gruppen „Armee und Kriegsflotte, auch Armee- und Marineverwaltung" und „Hofstaat, Diplomatie, öffentliche Beamte" usw. In der zuerst genannten Gruppe sind im ganzen 651194 (630 978) Erwerbstätige gezählt worden; davon waren nur 2025 (2878) Juden. Aber auch diese Zahlen können ein falsches Bild Vortäuschen, wenn man nicht tiefer in sie eindringt. Leider ist das nur höchst mangelhaft der Fall, denn die Scheidungen, die sich in der Statistik verfolgen lassen, sind sehrgering, da nur die Klasse Offiziere und Beamte mit gleichstehendem Range von den Unteroffizieren und Gemeinen oder Verwaltungspersonal gleichen Ranges gesondert wird. Zur letztgenannten Gruppe gehören 2009 — 0,31 Prozent (2840 — 0,46 Prozent) Juden. Das sind Leute, die wohl ausschließlich ihre Dienstzeit absolvieren. Bei den Offizieren oder Beamten gleichen Ranges erscheinen aber nur 16 (38) Juden! Das sind zweifelsohne außerordentlich wenige. Denn da die Juden unter den Erwerbstätigen 0,95 (1,0) Prozent ausmachen., bei den Offizieren und gleichrangigen Beamten aber bloß mit J/ao Prozent vertreten sind, von denen noch dazu die meisten bloß deshalb in diese Klasse gekommen sind, weil sie als Militärärzte fungieren, so wird offenbar, daß bei der Stellenverteilung im Heere und der Heeresverwaltung Einslüsse am Werke sind, die sicher nicht sachlicher Natur sind. Aber weiter. — Wie stehen die Dinge in der Gruppe Hofstaat, Diplomatie, Verwaltungsdienst? Um ein ganz klares Bild davon zu geben, seien diese Zahlen in aller Ausführlichkeit hierhergesetzt, wie sie sich aus der Statistik entnehmen und berechnen lassen. Danach gab es• höheren |mittlerenj niederen Ranges Reichs- und Staatsbeamte.. 12 588 167 579 28 111 darunter Israeliten.. 244 589 49 Richter S taa t^ a n w ölt«* . 21 131 darunter Israeliten.. 906 einschließlich Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte. 12 798 Iustizdienst darunter Israeliten .......... 1877 Hofbeamte aller Art., . . . . 739 1 872 4 989 darunter Israeliten.. 0 4 0 Kommunalbeamte.. 7 304 85 900 42 806 darunter Israeliten. 42 131 55 Beamte der standes- und grundherrl. Verwaltung.. 4?* 1956 1714 darunter Israeliten.. . . . 4i 2 1 Bei der Beurteilung der Behandlung jüdischer Staatsbürger und Reichsangehöriger bleiben natürlich die freien Berufe der Rechtsanwälte, Notare und Patentanwälte ganz außer Ansatz, denn ihnen wird der Berus, der ja auch in der Tat kein amtlicher ist, infolge ihrer Konfession nicht verschlossen. Nur vorübergehend, in der Vorbereitungszeit,! stehen die in diesem Berufe Erwerbstätigen nominell in Staatsdienst. Die 14,7 Prozent jüdischer Rechtsanwälte, Notare und Patentanwälte schalten daher ganz aus. Bei den höheren Justizbeamten, den Richtern und Staatsanwälten ist der hohe Prozentsatz Juden immerhin beachtenswert. Doch wenn hier die jüdischen Staatsbürger eine Stellung zu haben 382' .-- scheinen, da ihre Zahl weit über den Anteil hinausgeht, .der ihnen nach der Verbreitung der jüdischen unter der Gesamtbevölkerung zukäme, so müßte diese Erscheinung von vornherein stutzig machen. Die Sache klärt sich leicht dahin aus, daß sich in dieser Kategorie alle diejenigen Beamten befinden, die nach der zweiten Staatsprüfung im Justizdienste als Assessoren tätig sind. Auch der immerhin bemerkenswert hohe Prozentsatz Juden, 1,9 Prozent, unter den höheren Reichs- und Staatsbeamten mag durch die im Verwaltungs- (juristischen) und technischen Dienste der Eisenbahn- oder anderer technischer Verwaltungen beschäftigten jüdischen Bürger, die sich aus irgendwelchen Gründen den Staatsprüfungen unterworfen haben und nun auf eine passende Stellung in der Industrie warten, verursacht sein. Die Stellen für die Reichs- und Staatsbeamten mittleren und niederen Ranges dagegen sind ausschließliche Domänen der Andersgläubigen. Denn unter den 589 — 0,35 Prozeüt jüdischen Reichs- und Staatsbeamten mittleren Ranges sind die meisten, solche, die sich im Vorbereitungsdienst für die Justiz vor der zweiten Staatsprüfung als Referendare, be- * finden und später zum großen Ter." aus den Beamtenstellungen ausscheiden, um sich den freien Berufen, namentlich dem Anwaltsstande zuzuwenden, oder solche, die als Regierungsbauführer tätig sind, um die Baumeisterprüfung abzulegen. Ganz außerordentlich niedrig ist die Zahl der im Kommunaldienste tätigen Juden, wo doch gerade die Herrschaft der liberalen Parteien oftmals die Möglichkeit böte, auch jüdischen Bürgern Beamtenstellungen zu öffnen und zu übertragen. Entweder aber sorgen die nicht liberalen Magistratsmitglieder oder die zum großen Teile reaktionäre .Beamtenhierarchie, dafür, daß die Beamtenschaft nicht mit Juden durchsetzt wird. — Von den Hofbeamten und den Beamten der standes- und grundherrlichen Verwaltung können wir ganz schweigen. Die dort beschäftigten Juden dürften sich vollends als „Fremdkörper" fühlen! Sie dürfen sich wohl aus einige schwer entbehrliche Kommissionsräte beschränken, die als Beamte mitgezählt sind. Ueberall zeigt sich eine ausfällige Benachteiligung der israelitischen Bürgerschaft, die unter keinen Umständen eine zufällige sein kann, sondern ganz offenkundig mit den trocknen Zahlen die religiöse Toleranz der Bamtenhierarchie in bengalischer statistischer Beleuchtung zeigt. Die Benachteiligung der Juden ist notorisch. Und wenn auch der Kriegsminister das Wahlrecht der Offiziere und das Ernennungsrecht des Kaisers und Königs als Deckmantel der nackten Ungerechtigkeit zu benutzen sich nicht scheut, so geben sie doch andere Minister und hohe Beamte ganz offen und ungeniert zu. Was aber immer nur an Beispielen aus der Praxis kritisiert wurde, wird hier durch die amtliche Statistik zahlenmäßig erhärtet. Es gibt keine Ausreden mehr, wenn wieder einmal ein Minister oder Staatssekretär Rede stehen muß. Hic Rhodus, hic salta! Der Antilrmit. Roman von E r n st Theodor I u st i. f§gujggjö& VI. fröhlich und ausgelassen er gestern in seinen Dienstagsverein hineingestürmt war, so ernst und kühl betrat er heute das Zimmer des Patienten. Auch der Freiherr vermied alle konventionellen Redensarten, die nach dem, was vorgesallen, doch von beiden Teilen nur als unwahr empfunden worden wären.'

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