Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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77. Jahrgang Nr. 31 > Berlin, I. August 1913 Netlsse zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums^. Lorrelxondrn^m und Mgchrjchtrn. Deutschlsnd. . Berlin, 29. Juli.. Das 51. Heft . der Deutschen Orientgesellschaft enthält mehrere Notizen, die auch unsere^Leser interessieren dürften. ' Unter den Vereinsnachrichten - erweckt das größte Interesse die Bekanntgabe der unterm 27. Januar d. I. erlassenen Kabinettsorder, in der der Kaiser als Protektor der Gesellschaft eine Auszeichnung gestiftet hat zur Verleihung an solche Damen und Herren, die durch Zuwendungen oder Mitarbeit sich als Förderer der Deutschen Orientgesellschaft betätigen. -4- Aus den die letzten sieben Monate umfassenden Grabungsberichten ist hervorzuheben, daß in Babylon die Ausgrabung des als Südburg bezeichneten ältesten Palastes Nebukadnezars aus dein Kasr-Hügel beendet ist, und daß sich Professor Koldewey seit Mitte Februar Der Erforschung der sogenannten Hauptburg/ nördlich der vorigen, wieder zugewendet hat. Diesen von turmstrotzenden Mauern umwehrten Ball hat ebenfalls Nebukadnezar aus hoher Terrasse, angeblich in 15 Tagen, errichtet und'„zum Staunen, der Menschheit" aufs' prächtigster ausgeschmückt. An der hier vorüberführenden Prozessionsstraße ist neuerdiugs' wieder eine überaus große Zahl farbig' glasierter Ziegelbrüchstücke gesunden worden. Im Merkes, dem eigentlichen Wohngebiet des antiken Babylon, sind die Arbeiten zum Abschluß gebracht worden, nachdem ixn Wixzen über 5 Kilometer Straßenfronten von Wohnhäusern ausgegraben und so ein Straßennetz iviedergewvnxxexx ist, das eine Fläche von 12 Hektar bedeckt.. Am Babylonischen Turm. ist eine vorbereitende Untersuchung begonnen worden. — In Assur wurde die systematische Durchforschung des ganzen Stadtgebietes mittels paralleler Suchgräben, die allmählich von Schicht zu Schicht vertieft werden,-weiter gefördert. Dabei stieß man auf ein besonders stattliches Privathaxxs aus sehr früher Zeit, .das Herr Marefch, der Vertreter Dr. Andreres während dessen vorjährigen Urlaubs, freigelegt hat. Kürzlich wurde der Grundriß eines ebenfalls aus ältester Zeit, dem dritten Jahrtausend v. -Ehr., ftaminenden Tempels des Mond- und des Sonnengottes ausgedeckt. — Das Heft enthält zum erstenmal auch Berichte aus der ■ südbabylonischen Nuinenstätte Warka unweit des Euphrat. Dort hat Herr Dr. I o r d a n, von Herrn Dr. P r e u ß e r unterstützt, nach Ueberwindnng von Schwierigkeiten aller Art Mitte November b. I. die Grabungen begonnen und als erste Aufgabe die genaue Erforschung des von den Arabern Wuswas genannten hochausragenden Hügels in Angriff genommen, der bereits die Aufmerksamkeit der früheren gelehrten Reisenden besonders auf sich gezogen hatte. Berlin, 29. Juli. Nach den Ergebnissen der letzten Berufszählung waren bei einer Gesamtbevölkerung von 61,7 Millionen im Jahre 1910 etwas über evangelisch, 68,4 Millionen oder 62,2 v. H., etwas über % katholisch, 32,5 Millioixexx oder 36,5 v. H., 566 999 oder 0,9 v. H. warm israelitisch, Bon den insgesamt 28,1 Millionen Erwerbtstätigen und den Dienenden im Reiche stellten die Evangelischen 17,1 Millionen, die Katholiken 10,6 Millionen, die Juden 237 342. Jxp Verhältnis zur Gesamtzahl der Erwerbstätigen und Dienenden betragen die Evangelischen 61,0 v. H.? die Katholischen aber nicht, wie es ihrer Gesaxntvolksftävke entspricht, 36,6, sondern xnehr 37,8 v. H. Damit scheint es also, daß die Evwerbsbeteiligung der katholischen Bevölkerung größer ift als der Anteil der Katholiken an der Gesaxxxtzahl der Bevölkerung. Aus dem vorliegenden Material ergibt sich, daß die größere Beteiligung des katholischen Volksteils an der Erwerbsbetätigung aus der verhältnismäßig ' größeren Zahl landwirtschaftlicher Berufskräfte unter den Katholiken herrührt, insbesondere aus der Mithilfe, die bon Angehörigen bei der Bewirtschaftxing ländlichen Besitzes geleistet wird. In der Industrie insgesamt, im Handels- und Verkehrsgewerbe sowie in den freien Berufen zählt die katholische Bevölkerung eine geringere Anzahl von Berufstätigen als der Gesamtvolksstärke entsprechend, würdig. Pur in den Berufsgruppen Bergbau, Landwirtschaft, Industrie der Steine und Erden, Forstwirtschaft und Baugewerbe sind die katholischen Berufstätigen in größerem Maße als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung vertreten. Es handelt sich'.hierbei, um .Erwerbszweige, in denen sich die meisten ländlichen Erwerbskräfte, vorsinden. In diesen Erwerbszweigen, mit. Ausnahme etwa der Forstwirtschaft, werden auch die meisten ausländischen Wanderarbeiter beschäftigt. Israeliten sind am stärksten im Handelsgewerbe (7,9 v. H. der Erwerbstätigen), im Bekleiduxxgsgewerbe (1,7 v.. H.), im. Nahrungsxxxittelgewerbe (1,2) und in^ den freien Berufen (1,1 v. Hi) vertreten. Eine eingehendere Uebersicht auf die Verteilung der Angehörigkeit der verschiedenen Bekenntnisgruppen auf die einzelnen-Zweige und sozialen Stellungen der freien Berufe läßt erkennen, daß die Evangelischen wie die Juden besonders in denjenigen Berufszweigen, die akademische Bildung voraussetzen, stärker als die Katholiken vertretexx sind. Berlin, 29. Juli. Bor xvenigen Wochen ist durch die jüdischen Zeitungen eine Notiz gegangen, nach der einige jüdische Kinder in Frankfurt a. O., darunter das eines in der Verwaltung stehenden Herrn axn christlichen Unterricht teilnähinen. Mit Genugtuung teilen .wir mit,, daß seit dexxx Axxxtsaxxtritt des dortigen Rabbiners Dr. Salonxonski außer an der Religionsschnle auch an den öffentlichen Lehranstalten von diesexxx Unterricht erteilt wird, uxxd daß dank seiner Tatkraft alle jüdischen Zöglixxge voux schulpflichtigen Alter an Religionsunterricht erhalten, der auch in den Zeugnissen, einschließlich des Reifezeugnisses zensiert wird. Die erwähnte Mitteilung bezog sich auf drei Vorschüler, die kurze Zeit axn christlichen Unterricht teilnähxnen, ober bei fofort erfolgter Ausdehnung der Religionsstuxxde auf ihre Klasse dein jüdischen Unterricht zugeführt wurden, uxxd zwar vor Erscheinen gedachter Notiz. L2 Berlin, 29. Juli.- In Bad Reichenhall,- wo er Gexxesnng suchte, starb axn Sonntag, den 20. d. M. der Vorsitzende des Vereins Beth Zion, Herr I. Heyxxxaxxsohn im 62. Lebensjahre. Mit ihxn ist ein frommer, braver Jxxde aus dem Leben geschieden, der seine reiche Arbeitskraft stets willig in den Diexxst jüdischer Bestrebungen stellte. Jahrzehntelang xvar er Vorsitzender des durch ihn zu hoher Blüte gelangten Synagogenvereins, er war Vorstandsmitglied des Verbandes der Synagogenvereiue, eifriges Mitglied der Spinoza- Loge, uxxd hat auch in kommunalen Ehreixäxxxtern die Wertschätzung seiner Kollegen sich zu erwerben gelvxxßt. Das Andenken des selbstlosen, liebensxvürdigen Mannes tvird von allen,, die ihn kannten, in Ehren gehalten werden. - . ' ' . 22 Myslolvitz, 25. Juli. Axn 9. d. M. fand hier in der Religionsschixle eine Abschiedsseier für dexx von hier scheidenden Rabbiner ^Dr. Winter statt. Der aus Schülern der Anstalt gebildete Chor .unter Leitxxng des Oberkantors Spaxxdau erösfnete die Feier xxxit dein Liede: „Herr, Deine Güte reicht so xveit". Alsdanix. ergriff, Oberkantor SPaxxdau das Wort zu einer Anfprache, in xvelcher er dexxx bisherigen Leiter der Religionsschule, Herrxx Rabbiner Dr. Winter, für das friedliche und kameradschaftliche Znsaxxxxxxeuarbeiteix zurxx Heile der jüdischen Jugend ixxx Namen des Lehrerkollegiums ..dankte Uxxd ein großes Bild xxxit den Photographien des Lehrerkollegiums und der Schüler überreichte. Herr Rabbiner Dr. Winter dankte für die freundliche Unterstützung seitens der Lehrer .während seiner hiesigen Aintstätigkeit uxxd für die Ehrung axxlätzlich seines Weggaxxges nach Hoxxxburg v. d. Höhe. Eine Schlußfeier beendete die erhebende Feier. Am Abexxd versammelten sich fast säxixtliche Genxeiix'dexnitglieder. ixn Grunewaldschen Saale zu einem Abschxedskommers für Herrn Dr. Winter. Nachdem der Vorsitzende des Vvrstaxxdes, Herr Dr., Blüxxxexxfeld, die Erschienenen in launiger Weise begrüßt hatte, ergriff' der Vorsitzende des Repräseixtantenkollegiüxxxs, Herr Stadtrat Silberb'erg, düs Wort zu einer Ansprache an den scheidenden Rabbiner, iix welcher er Herrn Dr. Winter für die segensreiche Tätigkeit iüx Näineix der Gemeinde herzlichst dankte. Es folgten noch xnehrere Reden.. Alle bedauerten den Weggang des Rabbiners, der hier allgeinein beliebt war. Herr Oberkantor Spaxxdau verschönte den Abexxd durch den Vortrag' einer Arie aus „Elias". Herr Dr. Wixxter folgt einem Rxxfe als Rabbiner-nach Bad Hoxxxburg. Hohensalza, 25.'Juli.. Ixn zweiten Jahre des Bestehens des E r n a - L e v y - H ei m s Sol b a d Hohe nsalz.a traten einige Veränderungen gegexx das Vorjahr in der . Art der Belegung eixx. Das Berliner Koxnitee für Ferienkolonien jüdischer Kinder xxäxxxlich, das im voraufgegangenen Jahre unser Heixn während aller drei Betriebsxxxonate belegt hatte, mußte, ungünstiger finanzieller Verhültxxisfe wegen die-Zahl dev zu^ sendendexx Kinder erheblich herabsetzend