Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 372 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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---/ 372 flammende Schwert" (S. 118), das aus dem sogenannten'Noah-Buch '(ursprünglich Henoch-Buch) stammt) mit dem, Das bei- Wunsche 3,203 mit entsprechenden Erläuterungen zu lesen, ist; dem Stücke hätte übrigens der Titel gegeben werden können: Erfindung und Abfolge der Medizinwistenschäst bis aus Gatenns, was freilich gegenüber dem „Flammenden Schwert" allzu gelehrt klingt, was aber hier dennoch erwähnt werden soll, um darzutun,- daß sich das Denkervolk der Juden auch in seinen Märchen und Fabeln nicht verleugnet. Seine Anschauung über Schöpfung und Weltall, über Himmel und Erde, Engel und Mensche Sünde und Buße, Strafe und Gericht kommt hier in echt volkstümlichen Erzählungen schlicht und packend, aber um so ' wahrer und 'eindringlicher,' so recht zum Ausdrücke.' . Es will uns bedünken, daß der biblische Teil von Dänhardts Natursagen sich wesentlich mit unserem Buche berührt, und der Verfasser täte gut daran, sein Verhältnis zu der früheren Sammlung zu Präzisieren. Das Buch ist wert, gelesen und verbreitet zu werden, und für die abschließende Fortsetzung kann man.nur die besten Wünsche hegen. Prof. Dr. Sam. Krauß. Die Verdeutschung der Sagen, denn nur mit dieser und nicht'mit der eigentlichen Sammlung haben wir es hier 'zu tun, rührt von Rahel Ramberg-Berdyszewski her. Die Uebersetzerin hat sich' der Unterstützung der Herren Dr. Martin Buber ' und Moritz Hermann zu. erfreuen gehabt, lieber ihre Tätigkeit sagt sie folgendes: „Wo ganze Geschichten nicht vorliegen, sondern nur. Bruchstücke, sind diese.zu einem Ganzen vereinigt-worden, was dem Leser durch äußere Zeichen erkennbar gemacht ist. Dagegen sind manche ganzen Stücke etwas gekürzt oder nur im Auszug gegeben worden." Da über die Sammlung selbst bereits von Herrn Krauß'gesprochen ist, so haben Nur es nur mit der Uebersetzung zu tun. Die Herausgeberin. sagt darüber: „Die Verdeutschung ist durchaus sinngetreu", und hat sich bemüht, die hebräischen und aramäischen Texte in ihrer Gestalt und in ihrem Rhythmus absolut getreu wiederzugeben. Gegen einen solchen Grundsatz muß. ich entschieden protestieren; er ist grundfalsch. Eine Nebersetzung ins Deutsche hat nichts anderes zu tun als deutsch zu sein; sie kann, um den Charakter des Originals zu wahren, dessen Naivität nachahmen, aber sie darf uns weder an das Hebräische noch , an irgendein Original erinnern, sondern muß sich bestreben, möglichst deutsch.und nur deutsch zu sein. Liest man nun Stellen wie die folgenden: „Es schuf der Herr allerlei Vögel, rein und unrein; welche von ihnen sind in bewohnten Ländern, welche sind in den unbewohnten Ländern; ihnen gegenüber schuf er den Lämmergeier und den Seeadler" .(S. 64si Oder: „Und wie der Morgen .einbrach, siehe, da lag's alles, eitel tote Leichname" (S. 242').' Oder: „An dein Menschen ist es, zu wissen, und er sollte es sich merken, daß es keinen freien Raum gibt zwischen dem Himmel und der Erde, sondern ist alles wohl von Scharen und Mengen; ein Teil von ihnen ist rein, voller Gnade und Milde. . . welche von ihnen wollen den Frieden, welche suchen den Krieg . . ." (S. 348) — und diese drei Stellen sind ganz willkürlich gewählt, sic könnten durch hunderte vermehrt werden — so muß man sagen, diese Ausdrucksweise ist vielleicht aramäisch, vielleicht russisch, aber sie ist keinesfalls deutsch. Herr Martin Buber und Herr Moritz Heimann mögen der Herausgeberin manchen Hinweis gegeben haben, aber sie Hütten zuerst cs sich' angelegen sein lassen sollen, der Verfasserin zu sagen, daß sie sich bemühen müßte, eine deutsche Uebersetzung deutsch zu machen. L. G. ' , * I u d Süß. Ein Schauspiel von Fritz Runge. Frankfurt am Main. Verlag von I. Kaufsmann. 1912. Eine dichterische oder dramatische Behandlung des Juden Süß, des bekannten wsirttembergischen Finanzmannes aus dem 18. Jahrhundert, ist an und für sich ein sehr lohnendes Unternehmen. Man könnte entweder in belebten Bildern zeigen, getreu der Geschichte, wie ein Jude zu den höchsten Staatsämtern gelangt und dann durch die Machinationen seiner Feinde, auch wohl infolge seines Uebermutes, elend zugrunde geht, oder man könnte ein psychologisches Werk abfassen, in dem ein Verbrecher geschildert wird, der zwischen gutem inneren Trieb und dem Verlangen nach Macht und Ansehen schwankend, in-seinem Emporkommen und seinem Falle v'orgeführt wird. Der Verfasser unseres Dramas dagegen hat weder das eine noch das andere getan, sondern bietet ein seltsames Gemisch, das eben durch diese Mischung unerquicklich wird. Jud Süß hat ein Verhältnis mit Melanie von Geißberg, der Frau des Oberhofrichters, ja, wagt es auch, seine Augen zur Herzogin zu erheben, die freilich' seinen Anstrengungen gegenüber kühl bleibt. Er ist dem Herzog durch sein Finanzgenie unentbehrlich geworden. Ein roher Mensch, der'seine Glaubensgenossen hart bedrängt. Er -soll auf Antrag des -Herzogs vom: Kaiser zum Reichsgrasen erhöben werden, wird aber, dader Kaiser dies Ansinnen ablehnt: vom. Herzog aus. eigener Machtvollkommenheit zur -Exzellenz und erstem Minister.erhoben. ~ Angeblich wirkt er für Reformen in seinem Lande, in Wirklichkeit aber strebt er nach der Erhöhung seiner eigenen Macht und scheut sich nicht, um diese, freilich auch um 6ie Stellung seines Herrn zu befördern, Unterhandlungen mit Frankreich einzugehen: -um-- die militärische Hilfe des Nachbarstaates Zu erlangen. Diese Verschwörungen werden entdeckt, und da Geistlichkeit und Stände, die beide , von Süß schmählich behandelt worden waren, gegen ihn wirken — nur jener Oberhofrichter bleibt ihm treu — fällt er als ein Opfer der wider ihn angezettelten Verschwörung. Wäre dies der einzige Inhalt des Dramas, so würde es nur ein Bild aus der Geschichte sein, bei dem es dem Autor unverwehrt bleiben müßte, mit geschichtlichen-Ereignissen frei zu schälten. Aber. das. Drama ist oder soll wenigstens ein jüdisches sein und dem erbärmlichen Juden Süß soll in anderen, jüdischen Kreisen ein Lichtbild cntgegengestellt werden. Daher wird seine Mutter vorgeführt, eine einfache, wackere Frau, die der erbärmliche Sohn verleugnet und besonders der Gemeindevorsteher Kaulla und seine liebreizende. Töchter Mirjam. Die Verquickung dieser beiden Kreise ist höchst.künstlich, aber nicht künstlerisch und vieles bei dieser Schilderung verträgt sich mit-dem eigentlichen Inhalt des Dramas gar nicht. Zunächst die Figur eines etwas vertrottelten Neffen des Kaulla/ Jankele, sodann ein.Pnri.mspiel' in dem Hause des genannten Vorstehers»- das völlig sinnlos mit-Peru ganzen Stücke zusammengepreßt ist. Das.schlimmste aber ist, daß dieser sehr ehrenwexte Jude, der von Süß sehr grausam behandelt wird und seinen und der Juden Verfolger verflucht hat, gegen Endendes Stückes sich als der großartige Verzeih er bekundet, der Süß' in seinen letzten Momenten zu kräftigen sucht. Und noch weniger begreiflich ist, daß Mrrjam, dieses reine Mädchen, dem der begehrliche' und sittenlose Finanzmann zuerst vergeblich .nachstellt, plötzlich eine große Liebe 'zu dem Verbrecher empfindet und. diese Neigung in wortreicher Art ausdrückt. Dies alles ist so wenig Psychologisch begründet, daß der Leser die Umwandlung der Juden, dieses in unserem Falle so gänzlich falsche Bewußtsein der Zusammengehörigkeit absolut nicht begreift.. Ich sage absichtlich der'„Leser", denn ich kann nsir nicht denken, daß eine Bühne sich entschließen könnte, dieses verworrene Drama, das allerdings ein paar ganz bewegte Szenen und unendlich viele Nebenfiguren hat, die in dieser kurzen Analyse ebensowenig erwähnt werden konnten, wie eine ganze Anzahl nebensächlicher Vorgänge des Stückes, zur Aufführung zu bringen. Ob der Verfasser ein Jude ist oder etwa ein vermeintlicher Philosemit, ist mir nicht recht klar. Sollte das letztere der Fall sein, so muß ich bekennen, daß es für den Philosemiten doch andere' Persönlichkeiten aus der Geschichte der Juden gibt, die eine dichterische Verklärung verdienen als ern gewissenloser Finanzpächter, der zufällig ein Jude war, aber doch im Grunde ein elender Verbrecher ist. L- G. * I a n u s, kritische Halbmonatsschrift für deutsche Kultur und Politik. :l 912/13. Heft 9. Janus-Verlag G. m. b. H., München. , . Einzelpreis 50 Pfennig. Die Zeitschrift, von der die Rede sein soll, ist dieselbe, die vor einer Reihe von Monaten den berüchtigten Aussatz des Herrn Zwi Klötzl brachte. Jetzt veröffentlicht sie unter dem Titel „Das große Hassen, ein Beitrag zur Judenfrage in Deutschland" ein Schreiben der zionistischen Vereinigung, das den eben genannten Autor als einen unbequemen Gesinnungsgenossen von sich abzuschütteln sucht. Ferner einen kleinen Aufsatz „Das große Lieben" von P. Hein und einen . anderen „Das kleine Lieben" von Abrum Halbert. Was die beiden Herren wollen, ist mir nicht recht klar geworden. Herr Hein ist ein' Optimist, dessen Gedanken sich etwa in. die Worte zusammenfassen lasten: es wird schon alles gut werden. Was aber Herr Halbert eigentlich will, vermag ich nicht zu sagen. Er schließt seinen Aufsatz mit den Worten: -'„Wir haben aber gar keine Ursache, trotzig eine Ueberwindung herauszufordern. Herr Heskel Zwi Klötzl: Wolfgang von. Goethe ist eine Ueberwindung von Jahrhunderten. jüdischen, Geistes, worunter ich verstehe: große Menschen." Diese ganze Stelle ist gesperrt gedruckt, muß also den Grundgedanken des Halbertschen , Aufsatzes ausmachen. Trotzdem muß ich mich bescheiden, ich weiß wirklich nicht, was Herr Halbert mit diesen Sätzen sagen will. L. G.