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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-08-01 · Heft 31 (1.8.1913) · p. Seite 365

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 31 (1.8.1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 365 (sequence 5)
Language
German
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Fortschritt eingetreten. Die Gehaltsverhältnisse, der Wohnungsgeldzuschuß, die Berechnung und Zählung des Ruhegehalts, die Versorgung der Lehrerwitwen und -Waisen sind jetzt nach -denselben Grundsätzen wie bei den Staatsbeamten festgesetzt. Freilich nicht mit einem Wurf gelang alles dieses. Aber in seinem gerechten Denken und' Fühlen hielt es Tachau für seine Pflicht, den Lehrern an der seiner Leitung unterstellten Anstalt die Wohltaten der neuen Besoldungsordnung zu sichern, um nicht hinter den Forderungen der Zeit zurückzustehen; er fand zu seiner Freude bei der Administration wie bei allen seinen Reformen so auch in diesem Punkte Verständnis, Entgegenkommen und Bereitwilligkeit, seine wohlerwogenen Vorschläge auszuführen. , ' Aber man kann ein tüchtiger Lehrer sein, man kann die vorgeschriebenen Lehraufgaben restlos in allen Klassen erledigen und seine Schüler geistig gar sehr Fördern und doch nicht der zweiten, nicht minder wichtigen Aufgabe, die gerade in unseren Tagen dem Lehrer gestellt ist, gerecht werden. Der Lehrer soll und muß auch Erzieher sein. Wenn dies , für jeden in unserem Berufe notwendig ist, um wieviel mehr für den Leiter einer Erziehungsanstalt, wie es die Samsonschule ist. Werden ihr doch jahraus jahrein fast 150 Zöglinge anvertraut. Diesen muß der Direktor täglich, stündlich das Elternhaus ers etzen. Alle Sorgen des Vaters, alle Mühen der Mutter ruhen auf seinen Schultern. Ein. warmes Herz, eine große Geduld, eine Sorgfalt, die alle umschließt, die eines jeden Schülers Eigenart beachtet — alles dieses ist notwendig, soll die Erziehungsanstalt ihr Werk zu einem guten Ende führen. Und wenn sich im Laufe der Jahre zwischen dem Direktor der Anstalt und den Zöglingen ein inniges Band geknüpft hat, ein Band, das weit, weit die Zeit überdauert, welche die Zöglinge in der Anstalt verbringen, so zeigt diese Tatsache, daß die Grundsätze, die Tachau leiteten, die richtigen sind. Und es wäre wunderbar, wenn es anders wäre. Denn erst draußen im Leben, wenn es darauf ankommt, sich einen Platz in der Gesellschaft zu erringen -und etwas zu leisten, erkennen die zu Jünglingen und Männern Herangewachsenen, welche Gaben für das Leben ihnen die Anstalt mit auf den Weg gegeben hat. Dann sehen sie aus eigener Erfahrung, wie schön und wahr der Spruch, von Cäsar Flaischlen ist: . - Ein gutes Wort ist wie ein Samenkorn, Es schweigt und schläft Und wacht erst auf Und wird zu Sinn erst und zu Sein, Säst du's in deine Erde ein Und schaffst du dir's zu eigenem Leben. „Echte Gottesfurcht, fester Wille, die guten Vorsätze mit der Tat in Uebereinstimmung zu bringen, strengste Wahrhaftigkeit, unbedingter Gehorsam, festgegliederte Ordnung, straffe Zucht und rechtzeitige Gewöhnung an Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit, volles Pflichtbewußtsein und echte und rechte Liebe zu dem Vaterlande, zu der engeren Heimat und zu dem ganzen Deutschland, auf daß die Zöglinge dermaleinst auch als Staatsbürger ihre volle Pflicht tun und tüchtig mitraten und mittaten zum Wohle der Gemeinschaft" -- das sind die Ziele, welche bis auf den heutigen Tag. Tachau bei seinem Erziehungswerk an der Samsonschule im Auge hat. Nie erlahmte er in diesen 25Jahren, in diesem Sinne zu leben und zu streben. Seine Tür steht.allezeit einem jeden seiner. Zöglinge, ihren Angehörigen, kurz allen, die ihn um Rat fragen oder ihm einen Wunsch.. auMrechen wollen, offen; willig leiht er ihnen Gehör,' wenrt seine Arbeit auch noch so groß ist.*' 'Seinfürsorgliches--und'' treues Waltenistferner darauf gerichtet, daß „die körperliche. Ertüchtigung neben der geistigen Arbeit in ihre Rechte tritt". — Baden, Schwimmen, Schlittschuhlaufen, Wanderungen -- die Jung-Deutschkattd- Bewegung hat auch an der Samsonschule ihre Anhänger gesunden — mannigfacher Sport sollen den Körper der Zöglinge kräftigen und abhärten. . Und wie es Zeit und Umstände mit sich bringen, wird „die Einförmigkeit des Anstaltslebens durch gesellige Vereinigungen der Zöglinge mit einzelnen Lehrern, mit den Familien derselben und Freunden der Anstaltdurch musikalischedeklamatorische, theatralische und turnerische Aufführungen, durch Theaterbesuch - unterbrochen". Und wenn es sich darum handelt, durch festliche Veranstaltungen die Tagesarbeit zu unterbrechen, sowie in allen - Fragen, -die den Haushalt betreffen,, hat Tachau in seiner Gattin eine umsichtige und kluge Beraterin. So haben die '25 Jahre, in denen er mit allen feinen Kräften für die Samfonschule wirkteihm Arbeit in Hülle . und Fülle gebracht. Aber wo diese gern geleistet wird, wo das Herz und der Verstand ihr nicht fehlen, da bleibt der Segen nicht aus. — Trotz der umfangreichen Aufgaben, die er zu lösen hatte, fand er noch Zeit, sich auch wissenschaftlich zu betätigen. Aus seinem langjährigen Unterricht hervorgegangen, und in erster. Linie für den -Unterricht bestimmt, ist sein „Biblisches- Lesebuch". Für die jüdische Jugend in Schule. und Haus-Z sind ferner: „Die prophetischen Bücher der 'Heiligen Schrift, nach ihrem Gedankeninhalt gewürdigt. Ein Wegweiser, für die Lektüre der Propheten." Für den jüdischen Religionsunterricht an höheren Schulen und das jüdische Häus:°) „Eine methodische Anleitung zur Behandlung von Esra und Nehemia im Religionsunterricht." „Erläuterung von Schillers „Wilhelm Tell" für höhere Lehranstalten."^) Der hohe Wert dieser Arbeiten besteht darin, daß ihnen die Erfahrungen eines, bewährten Pädagogen zugrunde liegen. Daß die Arbeiten außerdem auf wissenschaftlicher Grundlage ruhen, ist selbstverständlich. , Alle, die Tachau, diesen einfachen, biederenvon tiefstem Pflichtbewußtsein erfüllten Mann kennen — er ist der besten einer unter den deutschen Juden — werden ihm zu seinen an der Samsonschule erreichten Erfolgen herzlich Glück wünschen. Sie werden aber auch für die Zukunft den innigen Wunsch hegen: es möge ihm heschieden sein,, noch viele Jahre an derv Spitze der Anstalt zu wirken und zu schaffen, auf daß, von feiner Sorge behütet, von seiner Hand geleitet, noch eine recht °) Erschienen bei Julius Zwißler in Wolfenbüttel 1899. «)' Auch bei Julius Zwißler 1899. - - Z Erschienen bei F. Tempskh-Wien und G. Frehtag-^eipzig 1908; Neubau der Samsonschule, Vorderansicht. kW&ükS frf ■ IIIII'"':-.. fZ ,'' - --„»«jiftiwrük«», »»»«*-:>>' >

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