Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 364 (sequence 4)
- Language
- German
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*■ > Als Erstes Ziel suchte Tachau zu erreichen,-daß das Herzoglich Braunschweigisch - Lüneburgische Staatsministerium ' die Anstalt der Oberaufsicht einer staatlichen Behörde unterstelle. Um dies zu erlangen, mußte jedoch ersth „der Nachweis geführt werden, daß die Leistungen der Schuleden Anforderungen genügtenwelche staatlicherseits als Borbedingung für die Anerkennung -als -höhere Bürgerschule, und die einer solchen zustehenden - Berechtigungen festgesetzt sind". Es war ein seltenes Maß-von- Arbeit, Umsicht- Ausdauer- und Sorgfalt erforderlich, -um-zü diesem-Ziel,- von dem Sein oder Nichtsein der Schule abhing, zu gelangen. Daß Tachau den Nachen mitsicherer Hand-, Mtklarem Blick an allen Klippen vorbei inden sicheren -Häfen zu lenken verstand, wird seinen Namen für immer mit -der- 'Schule verknüpfen. : Das Herzogliche Staatsministerium hinzufügen: der Samsonschule - -- „ist im kleinen die jüdische Kulturgeschichte seit fünfzig JahreM" Bis Ostern 1913 sind 470 Zöglinge nach bestandener Schlußprüfung abgegangen. Als Kaufleute, Techniker, Aerzte, Rabbiner und Oberlehrer.nehmen viele von ihnen angesehene Stellungen - ein. Zu wiederholten Malen wurde der Anstalt voN der Oberschulkommission in Braunschweig, im Jahre 1909 auch voN der Reichsschulkommission, die im April dieses Jahres die-Schule -besichtigte, 'dem Unterricht in allem Klassen und in allen Unterrichtsfächern, auch den technischen, beiwohnte und die";Alumnatsrärlmlichkeiten in Augenschein nahm, die volle Zufriedenheit ausgesprochen. Allen Schein meidend, nur der Sache dienend/ keine Arbeit scheuend, aber das Ziel fest iM Auge haltend, fügte Tachau Baustein auf Baustein, bis die erste Aufgabe,--die er sich gestellt hatte, vollkommen gelöst war. Und schon - trat eran - eine neue heran:- - Die Alumnats- und Schulräume- -die - seit 4859 mitten in der Stadt lagen/ entsprachen in keiner Weise mehr den Förderungen der Zeit. Sie waren für die stark angewachsene Zahl der. Zöglinge zu klein, 0 Jahresbericht der Sarnfonschule '1890, Seite 17. sie wären hygienisch nicht. einwandfrei. Auch die Lage der Schule, der zu kleine Schulhof waren nicht zu verkennende Mängel. In langen' eingehenden Beratungen mit der Administration und dem Herzoglichen Kreisbauinspektor, der mit der Ausarbeitung des Planes für einen Neubau beauftragt war, wurde endlich dank der Tatkraft Tachaus der Plan festgestellt (1894). Zwer Jahre später war der Neubau, vollendet, „in gesundheitlicher wie in erziehlicher Hinsicht außerordentlich günstig gelegen. Fern vom Getriebe der Großstadt erhebt er sich in freier, gesunder Lage, von Wald und Gärten umgeben, ganz Nahe am Lechlumer Holz", wo die Straße von Braunschweig kommend in die Gemarkung von Wolfenbüttel übergeht, ein Bau, dem ein großer Hofraum und eine geräumige Turnhalle nicht, fehlen, und dessen Kosten mit dem gesamten neubeschasften Inventar rund 380 000 M. betragen. „DerNeubau-" so sprach Tachau mit Recht bei der Einweihung am 3. 9. 1896, „enthalt Räume, in denen Körper und Geist sich wohl fühlen und gedeihen können; auch wenn wir rund um uns blicken, wer könnte sich dem wohltuenden Eindruck verschließen, den das Grün des nahen Waldes und der umliegenden Gärtenauf unser . G e - müt hervorbringt; wer sollte sich nicht erhoben fühlen durch die herrliche Fernsicht, die sich von 'allen Teilen dieses Hausis bietet .aus diesen wunderbar schönen Winkelvon Gottes herrlicher Welt bis. hin zu des Harzes bergigen Höhen? Ja, wer möchte es zusammendrängen in eines Wortes leicht und schnell verrauschenden Klang, wie wohl dieses Haus ' nach seiner Lage, seiner Anordnung und seinen Einrichtungen danach angetan ist, um das zu geben, was allezeit als das schätzenswerteste gegolten hat: ein gesunder Geist in einem gesunden Körper und die wahre Fröhlichkeit des Gemüts." Dieser Neubau ist so ganz das Abbild des Wirkens und der Art des Direktors. Der Bau wirkt nicht durch äußeren Glanz', nichts Ueberladenes, nichts Prunkvolles fesselt das Auge des Beschauers; aber dafür" ist er in allen seinen Teilen praktisch, dauerhaft und geschaffen, dem Zahn der Zeit zu trotzen, ganz im Einklang mit dem kernhasten, wahren, biederen Wesen Tachaus. Und wie dieser es am 3. September 1896 gelobte, „das'Ganze zu krönen, indem er den rechten Geist in dasselbe hineinzutragen sich bemühen werde, auf daß dieser rechte Geist in ihm herrsche und es bewahre vor Schaden, nach außen und innen", so hat er im täglichen Bemühen dieses Gelöbnis verwirklicht. Seinem ernsten Streben und seiner gewissenhasten Arbeit ist es also, wie wir. gesehen Haben, zu verdanken, daß die Samsonschule den Schwesteranstalten im Herzogtum und im Reiche gleichgestellt wurde und in einem Neubau ihre Arbeit fortsetzen kann. Um diese auch'in Zukunft so zu fördern und zü gestalten, wieder es wünschte, verschloß sich Tachau nicht der Notwendigkeit, seinen Mitarbeitern eine feste Anstellung, ein Gehalt, wie es die Gegenwart den Lehrern gebracht hat, geordnete Pensions- Verhältnisse und Reliktenversorgung zu erwirken.- Und sa ist auch in dieser Hinsicht unter ferner Leitung ein gewaltiger überzeugte sich je - länger desto mehr,'- "welcher ' gute Geist unter -seiner Leitung die Anstalt durchwehte; - es - sah, welche -überaus günstigen Erfolge - dieser erfahrene,-- mit einem - reichen Wissen ausgestättete Pädagoge Lei seinen -ZöglittgeN zu erreichen verstand. Und so wurde endlich in einem Erlaß (vom 15- April 1891) die Samsonschule-; - als h öh er e -BÄrg e r s ch u l e anerkannt und' der- Leitung und - Oberaufsicht der Herzoglichen Oberschulkommission Unterstellt'; in -' einer - Bekannt-. mächüng des Herrn ReichskäNz-' lers (vom 22. Mai 1892) wurde ■ ihr die Berechtigung zur Ausstellung von Zeugnissen für die Befähigung für den einjährigfreiwilligen' Militärdienst verliehen. - Welche - Entwicklung, - welche Wandlung hatte somit die Schule in ihrem mehr denn hundertjährigen Bestehen durchge- - macht! Noch heute ist -das Wort . währwelches vor Jahrzehnten einmal ein Gelehrter gesprochen hat, - der - selbst in der - Samsonschule ' Vorgebildet - wurde: „Die Geschichte -der - Samsonschen Freischule" — - und - wir können Direktor Dr. Tachau.