Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-08-01 · Heft 31 (1.8.1913) · p. Seite 363

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 31 (1.8.1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 363 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229101--69639-3281952
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

363 dener Weise ein Hilfswerk für die Familien der Soldaten ein, die Doktoren Niesnirower und Nacht erlassen Patriotische Manifeste an die Zionisten. Die. Juden machen jetzt keine Politik, sind auf der Höhe'ihrer Mission. Wie wird sie Rumänien diesmal belohnen? * Die „Vossische Zeitung" bringt über die In den frage in Rumänien nachstehenden Artikel: Als neulich das rumänische Parlament zu einer eiligen kurzen Tagung zusammentrat, spielte sich ein bemerkenswerter Borsall ab. Inmitten der Behandlung wichtiger Fragen, die mit der militärischen Operation Rumäniens im Zusammenhänge standen, nahm der Senator Emil Lahovary das Wort, um für die „Fremden" in der rumänischen Armee einzutreten. Damit sind die eingeborenen Juden gemeint, von denen, wie es heißt, augenblicklich etwa 30 000 Heeresdienst leisten. Lahovary sagte u. a., es wäre nur recht und billig, wenn man in diesem Zeitpunkt allgemeiner Begeisterung allen Juden, die sich ja beeilt haben, mit besonderer Liebe dem Rufe zu den Waffen zu folgen, die ihnen bisher vorenthaltenen Staatsbürgerrechte verleihen würde. Hierauf erwiderte der Finanzminister Alexander Marghiloman ungefähr, es gebe in dieser für das Land so erhabenen Epoche keinen besseren Rechtstitel für diese Verleihung der Staatsbürgerschaft, als den Dienst unter der Kriegssahne Rumäniens. Die verbreitete Bukarester Tageszeitung „Universal" bespricht diese Aeußerungen in wohlwollender Weise. Das sind günstige Vorzeichen dafür, daß sich in Rumänien die Beseitigung eines alten schweren Unrechts anbahnt, eines Unrechts, von dem Bulgarien, (?) Griechenland und Serbien frei sind, da dort für alle Landeskinder Gleichberechtigung herrscht. Lur Geschichte der Lsmlonkchulr?u Wolfenbüttel unter Direktor Prof. Dr. Tachau von 1888 —19-13. . Von Prof. L. G r a e tz - Wolfenbüttel. r. Philipp Ehrenberg veröffentlichte im Jahre 1844 eine Skizze über die Samsonsche F r e i s ch u l e z u Wolfenbüttel. In dieser schildert er die Vergangenheit und Gegenwart der Schule und bemerkt an einer Stelle: „Die verewigten Stifter schauen mit seliger Wonne aus das schöne Werk, das ihren Namen trägt, auf die treuen Nachfolger in der Leitung desselben, auf die Arbeiter, die es weiterzusühren streben, und freuen sich, daß ihre milden Stiftungen wohl Form und Namen geändert haben, aber unaufhaltsam.noch und immer lebendiger demselben hohen Ziele zustreben." Seitdem Ehrenberg diese Zeilen niedergeschrieben hat, sind mehr denn sechs Jahrzehnte vergangen, ein Zeitraum, in dem sich Deutschlands politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Lage von Grund aus geändert und die Schule, die höhere wie die Volksschule, manche Wandlung durchgemacht hat. Wie auf vielen Gebieten, so hat auch der Schule Wilhelm II. neue Wege eröffnet, neue Ziele gesetzt. Indem unser Kaiser die Forderungen der Zeit klar und scharf erkannte, veranlaßte er im Jahre 1890 die erste, im Jahre 1900 (Juni) die zweite Schulkonferenz. In der Eröffnungsrede (Dezember 1890) betonte er^): „Daß die Schule die Fühlung mit dem Leben verloren habe: er forderte, daß das Deutsche die Grundlage allen Unterrichts bilde, daß im Geschichtsunterricht das Vaterländische mehr hervortrete; er verlangte mehr Pflege der Gemüts- und Herzensbildung und die Gesundheit der Schüler." Die Durchführung dieser geplanten Reformen mußte „in unserem nationalen Kulturleben einer neuen Geistesbildung eine neue Bahn öffnen"-'). Zu gleicher Zeit *) Nach Adolf Mathias: Erlebtes und Zukunstsfrageu. Berlin, Weidmannsche Buchhandlung 1913. 2) Prof. Slaby auf der Junikonfereng des Jahres 1900. sollte auch, die soziale und wirtschaftliche Lage der Lehrer, der akademisch gebildeten wie der Elementarlehrer, gehoben werden. Diese preußische Schulreform wurde natürlich vorbildlich für andere deutsche Staaten, und auch die Samsonschule konnte ihr die Tore nicht verschließen. Infolgedessen mußte sie eine Wandlung vornehmen. Sie wurde eingeleitet und durchgeführt von dem Manne, dem seit 25 Jahren (seit dem 2. August 1888) die Leitung der Schule anvertraut ist, von Direktor Professor Dr. Tachau. Ein Vierteljahrhundert seines an Erfolgen reichen Wirkens an dieser Anstalt liegt nunmehr abgeschlossen. Ehe er dem Ruse der- Administration der Samsonschule folgte und nach Wolfenbüttel übersiedelte, unterrichtete er an der Realschule (Philanthropin) der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. Hier fand er in verhältnismäßig jungen Jahren — er war damals 25 Jahre alt — seine Anstellung; hier wirkte er als Lehrer und Erzieher sieben Jahre mit großem Erfolge. Wenn er sich entschloß, aus dieser Stellung zu scheiden und einen Wirkungskreis aufzugeben, der ihm lieb geworden war und in dem er sich heimisch fühlte, um eine Aufgabe zu übernehmen, deren Lösung Mut und Ausdauer, Liebe und Ernst erforderte, so zeigt schon dieser Entschluß, daß er in sich die Kraft fühlte, die Hoffnungen, welche die Administration auf seine Leitung setzte, zu erfüllen. Er wußte wohl, daß die ihm gestellte Aufgabe keine allzu leichte sei; war doch die. Schule in den letzten Jahren in ihrer Entwicklung zurückgeblieben. Es war ein ganzer Mann nötig: ein tüchtiger Pädagoge, ein veLständnis- und liebevoller Erzieher, ein tatkräftiger und zielbewußter Verwaltungsbeamter, um Neuerungen durchzuführen, welche für die Zukunft der Anstalt von großer Wichtigkeit waren. Als Tachau das Direktorat übernahm, hatte die Schule schon manche Wandlung durchgemacht: aus dem ursprünglichen (1786) Bethha-Midrasch (Religionsschule) war im Laufe der Jahre die Sämsönsche Freischule geworden (1805). Ohne die geschichtliche Grundlage der Anstalt zu verlassen und das ursprüngliche hohe Ziel aus den Augen zu verlieren, das darin bestand, den-Zöglingen des Alumnats den väterlichen Glauben zu erhalten und zü befestigen, mußte doch, ganz dem Entwicklungsgänge entsprechend, den das geistige Leben der deutschen Juden einschlug, der Unterrichtsplan erweitert werden. Der Unterricht in der deutschen und französischen Sprache, in Latein und Griechisch, in Geschichte und Erdkunde sowie in der Mathematik wurde nach und nach eingeführt. Das geschah in den Jahren, als-Samuel Meyer Ehrenberg die Anstalt leitete (1807—1846). Aber bald erkannte dieser und mit ihm die Administratoren, daß°) „es besser sei, einem Ziele intensiv mit allen Kräften nachzustreben, als sich über viele Gebiete auszubreiten und die körperliche Bildung hinter der geistigen zurückzulassen; dies führte die Samsonsche Freischule zu dem Standpunkt einer jüdischen höheren Bürgerschule, dem sie seitdem im freudigen, frischen Weiterstreben treu geblieben ist." Seit 1843 war die Schule dreiklassig unter dem veränderten Namen „ S a m s o n s ch u l e ". Das Jahr 1871 bildet eine weitere Stufe in der Geschichte der Anstalt. Denn bei den neuen und erhöhten Bildungsforderungen der Zeit, die auch an die höhere Schule neue Forderungen stellten, wurde die Umwandlung der Samsonschule in eine höhere Lehranstalt (Realschule zweiter Ordnung) begonnen. So ward das Ursprüngliche Bethha-Midrasch eine deutsche Erziehungsanstalt, die seit 1888, also seit dem Amtsantritt Tachaus „gemäß den vom Staat für die Einrichtung von höheren Schulen getroffenen Bestimmungen in sechs Klassen gegliedert ist und ihren Zöglingen eine abgerundete Vorbildung für viele Lebensberufe. gibt". a\ Seite 27 der vorher erwähnten Skizze.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.