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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-07-25 · Heft 30 (25.7.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 30 (25.7.1913)
Date
1913-07-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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1913 während einer Krankheit von -den Schwestern Herma und Gerda vom Verein für jüdische Krankenpflege in Dortmund aufs beste vertreten. Am 8. Dezember 1912 veranstaltete der Verein im Altersheim wiederum eine Chanukahfeier, für die eine große Zahl von Spenden eingegangen war. Die Feier, bei der Herr Rabbiner Dr. David aus Bochum die Festpredigt beim Gottesdienste hielt, vereinigte eine große Zahl von Bereinsmitgliedern im Altersheim. Der Vorstand hielt im verflossenen Jahre drei Sitzungen ab, in denen vorwiegend Neuaufnahmen beschlossen wurden. Die im Januar 1912 beschlossene Erneuerung sämtlicher Innen- und Außenanstriche des Anstaltsgebäudes ist int Sommer 19.12 durch die Firmen H. Habs jnn. in Dortmund und B. Meyer in Unna ausgeführt worden. Die künstlerischen Arbeiten gereichen dem Gebäude zum besonderen Schmucke, sie haben allerdings auch einen erheblichen Geldaufwand verursacht, waren jedoch zur Erneuerung und Erhaltung des Hauses , unbedingt erforderlich. In seinem neuen Gewände präsentiert es sich außerordentlich vorteilhaft. Die vorjährige Generalversammlung fand am SJ3. Juni 1912 in Bochum statt. Die fünf ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. An Stelle des verstorbenen Herrn Dr. Hulisch wühlte die Versammlung Herrn S. Schild, Dortmund, als Vorstandsmitglied. Die Jahrzeitstiftungen beliefen sich am 31. Mürz 1913 auf insgesamt 31100 Mark. Die Einnahmen betrugen 30 216.76 Mark, die Ausgaben 33 811.06 Mark. Der Vermögensbestand betrug am 31. Mürz 1913 207 098.37 Mark. Eine Generalversammlung soll in diesem Jahre nicht einbernfen werden, da, abgesehen von der Erstattung des Jahresberichts besondere Beratungsgegenstände nicht vorliegen. — Wir wünschen dem Verein auch ferner das beste Gedeihen. 22 Duisburg, 18. Juli. Unsere Gemeinde hat durch den Heimgang des Herrn Emauuel Löwe einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der Entschlafene ivar der Begründer des in Duisburg hochangesehenen Geschäftshauses E. Löwe (vormals Ph. Freudenberg) und erfreute sich in allen Kreisen der Bürgerschaft der größten Achtung und Wertschätzung. Dies kam auch in der außerordentlichen Teilnahme an seiner Beerdigung zum Ausdruck, bei welcher Herr Rabbiner Dr. Renmnrk sein Lebensbild zeichnete als Erfüllung der biblischen Forderung: „Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln mit Gott." Unsere Gemeinde, die erst vor wenigen Wochen den Tod ihres Vorstandsmitgliedes, des praktischer: Arztes Herrn Dagobert Wolfs zu beklagen hatte, der in der Blüte der Jahre seiner außerordentlich segensreichen Tätigkeit entrissen wurde, wird durch das jetzige Hinscheiden ihres allverehrten langjährigen Vorsitzenden doppelt schwer getroffen. Der Rame des Herrn Emauuel Löwe ist vor zwei Jahren aus Anlaß feines 26 jährigen Vorstandsjubiläums mit einer wohltätigen Stiftung verknüpft worden, die von zahlreichen Gernerndemitgliedern ins Leben gerufen wurde. Das Andenken des edlen, gütigen Mannes wird in der Gemeinde Duisburg unvergeßlich fortleben. Er ruhe in Frieden! L2 Stuttgart, 18. Juli. Mit Genehmigung des K. Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens sind von der Israelitischen Oberkirchenbehörde die Rabbinate Buttenhausen und Freudenthal mit Wirkung vom 1. Juli 1913 an ausgehoben und die israelitische Kirchengemeinde .Buttenhausen dem Rabbinat Buchau, die israelitische Kirchengemeinde Freudenthal dem Bezivksrnbbiuat Stuttgart vorläufig zugeteilt worden. Eine Veränderung in den bisher bestandenen Verhältnissen der genannter: Gemeinden ist hierdurch nicht entstanden. Gesterreich-Nngarrr. X. Wien, 18. Juli. Vor kurzem kam es in C z e r n o w i tz 311 blutigen Schlägereien zwischen deutsch-nationalen und jüdischen Studenten. Den Anlaß dazu gaben in die Bukowina heimgekehrte Hörer der Wiener Hochschulen. Zwischen einem von diesen und einem jüdisch-nationalen Hörer der Czernowitzer Universität kam es eines Abends zn einem Renkontre, in dessen Verlauf der jüdisch-nationale seinen deutsch-nationalen Kommilitonen forderte, der aber als Anhänger des Waidhofner Programms die Satisfaktion verweigerte, worauf beide zu Tätlichkeiten schritten. Von einer vielhundertköpfigen Menge begleitet, wurden beide Studenten zur Polizei gebracht. Die deutschen Burschenschaften der Czernowitzer Universität gaben die Erklärung ab, daß sie zwar grundsätzlich nicht Anhänger des Waidhofner Prinzips feiten, trotzdem aber den Wiener Studenten persönlich zu schützen entschlossen wären. An: vorletzten Sonntag kam es auf dem sogenannten Bummel abermals -zu Schlägereien. Die Jüdisch-Rationalen umringten die zwei deutschen Burschenschaften, und die Faust- und Stockschlacht begann^ Die Polizei konnte anfangs der sich prügelnden Hochschüler nicht Herr werden. Erst als ein neues Wachaufgebot zu Pferde ausrückte und mit per blanken Waffe vorzugehen begann, gelang es, die Streitenden, zu trennen. Außer Zahlreichen leichten Verletzungen kamen auch mehrere schwere, durch Stockhiebe beigebrachte vor. Die ruthenischen und polnischen Vereinsstudenten verhielten sich anfangs passiv, dann setzten sie mit den Jüdisch-Rationalen gemeinsam den Bummel fort. —Der „Deutsche Schulverein", dem in jeder Stadt in Oesterreich viele Juden als Mitglieder angehören, hat jetzt die Maske fallen gelassen nnd sich öffentlich als ein antisemitischer Verein entpuppt. Der „Deutsche Schulverein" hat einige Lehrerstellen zu besetzen; in den bezüglichen Ausschreibungen heißt es, daß nur auf arische Bewerber reflektiert wird, die sich durch Taufschein ausweifen können. Das ist deutlich genug. Uebrigens war es schon lange fein Geheimnis mehr, daß dieser größte Verein- Oesterreichs antisemitisch durchseucht ist. Die Leiter des Vereins stellten es aber regelmäßig irr Abrode. Jetzt werden die Juden wenigstens wissen, was sie von diesem Vereine und dessen Leitung zu halten haben. — Die politisch selbständige Judengemeinde in Boskowitz (Mähren) besitzt eine Judenschule, die von der Juden- und Kultusgemeinde erhalten wird. Die Unterrichtssprache an dieser Schule, die auch von einigen wenigen christlichen Schülern, die die deutsche Sprache erlernen wollen, besucht wird, ist Deutsch. Vor kurzem erhielt der jüdische Ortsschulrat der Boskowitzer Judengemeinde von der Schulbehörde den Auftrag, in allen Lehrzimmern der jüdischen Schule Kreuze anzubringen, die während des jüdischen Religionsunterrichtes entfernt werden können. Der Ortsschnlrat beschloß, diesem Erlasse nicht nachzukommen, erklärte sich aber bereit, einen besonderen Raum für die weniger: katholischen Kinder beizustellen, worin während der Dauer des katholischen Religionsunterrichts das Kreuz als Symbol der katholischen Religion aufgehängt Werder: wird. Die Schulbehörde lehnte diesen Vorschlag ab, und mm: kann auf den Ausgar:g dieses sonderbaren Streites gespannt fein. England. z. London, 18. Juli. Vor kurzem erhielt Königin Alexandra von einen: jüdischen jungen Manne eir: Bittgesuch um Aufnahme in ein Rekonvaleszentenhenn, das unter den: Protektorate der Königin steht. Die Königin veranlaßte sofort, daß bei den jüdisch«: Wohltätigkeitsinstituten Recherchen über den jungen Marm eingeholt werden. Ir: der Diesbezüglichen Verfügung, welche ein Beamter der betreffenden jüdischer: Wohltätigkeitsanstalt vor: der Körrigin überbrachte, heißt es ausdrücklich, daß die Königin schon so oft Gelegerrheit gehabt habe, die Opserwilligkeit der jüdischen Wohltütigkeitsanstalten nnd ihre mustergültigen rationellen Einrichtungen zrr bewurrdern, daß sie es für ihre Pflicht halte, dieses Gesuch erst dann zu erledigen, wem: die jüdischen Anstalten sich über den Petenten geäußert haben. Tatsächlich hat es sich herausgestellt, daß arrch bei einer jüdischen Rekonvaleszentenrrnterstützungsvereinigung eir: Gesuch des betreffenden junger: Mannes vorlag, das an demselben Tage aufrecht erledigt wurde. Üuszland. z. Petersburg, 18. Juli. In Helsirrgsors war das Schächten, und zrv.ar seit dorr: 25. März 1909, verboten. Rrmmohr ist unter dom 16. Mai d. I. durch kaiserliche Verordnung das Verbot wieder aufgehoben worden. Allerdings hat .es harter Arbeit bedurft, bis es erreicht wurde. In den Tierschutzvereinen sitzen derartig verbissene, zun: Teil .auch antisemitische Schächtgegner, daß es nicht leicht geworden ist, die Behörden zu überzeuge::. Ein bereits irr: Jahve 1910 -an den finnischen Senat eingeveicht.es Gesuch rvar erfolglos geblieben; die Juden haben sich deshalb in: Jahve 1911 direkt an der: Kaiser gewandt, auf dessen Veranlassung eine neue Untersuchung eingeleitet und Gutachter: eingefordert rvurden, die nun endlich den Erfolg gebracht haben. Uebrigens war schon früher einmal von August 1902 bis August 1903 das Schächten verboten gewesen. Die an sich -interessante kaiserliche Verordnung hat nachstehenden Wortlaut: Verordnung betreffs Erlaubnis für Juden und Mohammedaner zu schächten nach jüdischem und mohammedanischen Ritus. Gegeben in Zarskoje-Selo, den 3./16. Mai 1913. Seine Majestät der Kaiser hat aus Unterbreitung des finnischen Senats verordnet wie folgt: 1. In Finnland wohnende Juden und Mohammedaner dürfen Haustiere nach jüdischem und mohammedanischen: Ritus schächten mit der Bedingung, daß nachstehende Vorschriften beobachtet werden. 2. Das Schächten soll ausgesührt werden von einer hierfür speziell ausgebildeten, vor: der zuständigen Behörde anerkannten Person, die zngegen fein muß, bevor das Tier gebunden wird. 3. Das Tier soll mit weichen nicht zu schmalen Riemen oder Stricken gebunden werden

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