Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1913)
- Date
- 1913-07-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 von insgesamt sechs Kindern ausweist, aufgelöst und die Hausväter der evangelischen Schulgemeinde überwiesen werden. Den jüdischen Religionsunterricht wird Kantor Nathan erteilen. Nakwitz zählte noch vor zwanzig Jahren zu den größeren Gemeinden hiesiger Provinz und hat wie alle anderen Mittelgemeinden durch den Zug nach den Großstädten an Seetenzahl erheblich abgenommen. — B e n t s ch en. Der.Rentier Moritz Rvs.enthal. ist hier im 79. Lebensjahre plötzlich sanft entschlafen. Am Leichenbegängnis zeigte sich eine große Anteilnahme seitens der israelitischen Gemeinde. — N o gase n. Im Schnlanssichtskreise Rogasen sind 29 evangelische, 15 katholische, 2 jüdische -und 2 paritätische Schulen. Von den Schulkindern sind 1803 evangelisch, 3432 katholisch und 62 jüdisch. — Schildberg. Die hiesige Synagoge, welche im Jahre 1818 errichtet worden ist, wird gegenwärtig umgebaut und erweitert, so daß außer der Vergrößerung des Schisses und der' Nebenräume auch eine einem Gvtteshause würdige Fassade, die bisher gefehlt hat, bevorsteht. — B u k. Hier verschied plötzlich der Rentier Michael Marcus im Alter von 69 Jahren. Der Dahingeschiedene, welcher eine Reihe von Jahren Nepräsentantenvorsitzender und zuletzt stellvertretender Vorsteher war, hat sich durch die Biederkeit seines Charakters sowie durch sein reges Interesse für das Gemeindewohl ein ehrendes Andenken in seiner Gemeinde gesichert. — M o.s ch i n. Der Kaufmann Sally Beigel wurde von den deutschen Wählern der ersten Abteilung einstimmig zum Stadtverordneten gewählt. — Ianv w i tz. Herr Michaelis Aron, der langjährige erste Vorsteher der Chewra-Kadischa Hierselbst, ist im 81. Lebensjahre gestorben. Ein halbes Jahrhundert hat derselbe mit aufopferungsvoller Hingabe die Pflichten -der Bruderliebe erfüllt, allen ein leuchtendes Vorbild und Ansporn zu treuem Wirken im Dienste der Menschheit. — Kletzko. Der Rentier Moritz Jalowik von hier hat der hiesigen jüdischen Gemeinde einen Leichenwagen im Werte von eintausend Mark geschenkt. — Nach der letzten Volkszählung betrug die Einwohnerzahl der Provinz Posen 2 099 831 Seelen, darunter 646 580 evangelischen, 1 422 238 katholischen, 26 512 mosaischen und 4501 anderen Bekenntnisses. 2X2 Hamburg, 18. Juli. Vor kurzem wurde hier unter dem Namen Z.- H.- M a y - und - F r a u - S t i s t u n g eine Stiftung gegründet, deren Zweck der Bau von Wohnungen und die unentgeltliche Üeberlassung solcher Wohnungen an bedürftige Israeliten ist. Diese Stiftung hat sich mit der Bitte an den Staat gewandt, ihr für die Errichtung von etwa 20 bis 25 zwei- und dreizimmerigen Wohnungen einen geeigneten Staatsplatz zu überlassen. Die Fiuanzdeputntion hat hierfür einen Platz an der Bogenstraße in Vorschlag gebracht, der bei einer Front von 30 Metern zirka 1800 Quadratmeter groß ist, und über diesen Platz einen Vertrag abgeschlossen, nach welchem derselbe für 25 Mark pro Quadratmeter an die Stiftung verkauft wird. Dieser Preis stellt nicht den wirklichen Wert des Platzes dar. Es entspricht aber, wie der Senat in seiner Mitteilung an die Bürgerschaft bemerkt, dem von der Stiftung beabsichtigten wohltätigen Zweck und dem anderen gleichartigen Instituten früher gezeigten Entgegenkommen, daß der Stiftung ein billigerer Preis berechnet, dafür jedoch ferner die Verpflichtung anserlegt wird, sobald der Platz eine andere Verwendung finden sollte, den Unterschied zwischen dem gezahlten und dem vollen Werte des Platzes nachträglich dem Staate zu vergüten. Dieser Unterschied beträgt im vorliegenden Falle 35 Mark pro Quadratmeter. Der Platz kommt für Staatszwecke nicht in Betracht. Der gemeinnützige Zweck des von der Stiftung geplanten Unternehmens verdient allgemeine Anerkennung. Unter Bezugnahme auf den nebst einein Lageplan ans der Kanzlei der Bürgerschaft niedergelegten Vertrag vom 2. Juli 1913 beantragt der Senat die Genehmigung der Bürgerschaft dazu, daß. der Platz an die „Z.-H.-May-und-Frau-Stiftung" überlassen wird. 2X2 Chemnitz, 18. Juli. Der. soeben erschienene Verwaltungsbericht des Vorstandes der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde für das Jahr 1912 enthält folgende Angaben: Die Israelitische Religionsgemeinde zu Chemnitz zählt zirka 1800 Seelen. Die Anzahl der im Jahre 1912 zur Gemeindesteuer veranlagten, in Chemnitz wohnhaften Gemeindemitglieder betrug 859 mit zirka 410 selbständigen Haushaltungen. Auswärts wohnhaft waren 65 steuerpflichtige Mitglieder mit zirka 40 selbständigen Himshaltungen. Ferner waren 33 Fvrenser in unserer Gemeinde steuerpflichtig. Verstorben sind 16 Erwachsene (9 Männer, 7 Frauen) und 6 Kinder; 21 Verstorbene wurden mlf unserem Friedhose beerdigt. Außerdem wurden die Leichen je eines in Chemnitz und Meerane Verstorbenen nach auswärts (Berlin) überführt, während die Aschenreste einer auswärts verstorbenen Frau auf unserem Friedhofe beigesetzt wurden. Die Erledigung der Verwaltungsangelegenheiten der Gemeinde erforderte.8 Sitzungen des Vorstandes, 4 Sitzungen der Gemeindeverordneten, 1 gemeinschaftliche Sitzung der Gemeindekollegien und 1 Sitzung' der Schulkommission. Die Gemeinde ist Mitglied des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und des Verbandes der israelitischen Religionsgemeinden im Königreich Sachsen und fördert außerdem mehrere jüdische, gemeinnützige und wohltätige Bestrebungen durch Jahresbeiträge. Der Verband war bestrebt, seinen vielseitigen Aufgaben gerecht zu werden. Das neue sächsische Kirchen- und Schulsteuergesetz sieht, außer anderen für die Israeliten Sachsens günstigen Bestimmungen die Befreiung der konfessionellen Vereine von den Kirchensteuern vor. In dieser Bestimmung sehen wir eine unsererseits dem Verbände unterbreitete Anregung erfüllt. Auch die Schechitah bleibt ein dauerndes Arbeitsgebiet des Verbandes; denn es gilt, den Versuchen der Schächtgegner, der Schechitah in Sachsen Schwierigkeiten zu bereiten, in geeigneter Weise zu begegnen. Es fanden 11 Jugendgottesdienste statt. 12 Knaben wurden Bavmizwah. Am ersten Tage des Wochenfestes wurden 3 Mädchen feierlich konfirmiert. Die Religionsschule wurde im Schilljahre 1911/12 von 183 Kindern (94 Knaben und 89 Mädchen) besucht; im Schuljahre 1912/13 betrug die Anzahl der Kinder 190 (93 Knaben und 97 Mädchen). Das Lehrerkollegium bestalld aus den Herren Rabbiner Dr. Fuchs (Schulleiter), Lehrer S. Sommerfeld, Kantor N. G o l d b e r g,' Lehrer A. Nathan und Lehrer D. Z u e r. Die öffentliche Schulprüfung am Schlüsse des Schuljahres 1911/12 fand am 25. April statt und zeigte durch ihr Ergebnis, daß die Religionsschule ihre Aufgabe voll und ganz erfüllt hat. Der seitens des Königlichen Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts mit Verordnung vom 27. April 1911 angeordnete Religionsunterricht an die über 14 Jahre alten israelitischen Schüler der hiesigen höheren Schulanstalten ist im Sommerhalbjahr 1912 eillgerichtet worden. Der Unterricht, an welchem sämtliche Schüler und Schülerinnen der gedachten Unterrichtsanstalten teilzunehmen haben, wurde im Sommerhalbjahr von 27 Schülern und 11 Schülerinnen, im Winterhalbjahr 1912/13 von 26 Schülern und 13 Schülerinnen besucht. Die Gemeinde besitzt mehrere Stiftungen. Der Kassenbericht balanciert in Einnahmen und Ausgaben mit 62 604.51 Mark. §XD München, 18. Juli. Der Kommerzienrat und Hoflieferant Antiquitätenhändler Adolf S t e i nh a r t e r in München beging am 8. .d. M. seinen 60. Geburtstag. Steinharter hat im Jahre 1879 sein Antiquitätengeschäft begründet, und heute wird sein Name -unter den ersten des Weltmarktes genannt. Hervorragende Verdienste hat sich der Jubilar auch dadurch erworben, daß er die Museen, insbesondere das Bayerische Nationalmusemn, in die Lage versetzte, viele wertvolle Sammlungsstücke seiner engeren Heimat zu erhalten. Zum gleichen Zwecke hat Steinharter gelegentlich der Auktion Hefner- Alteneck im Jahre 1904 den Zusammenschluß opferwilliger Münchener Kunstfreunde angeregt, was unter der tatkräftigen Führung des Reichsrats Freiherrn v. Craincr-Klett die Gründung des Museumsvereins zur Folge hatte. Auch durch sein Wirken aus charitativem Gebiete und als Mitglied der Münchener Liedertafel.hat sich Steinharter viele Freunde erworben. Seine Verdienste haben durch zahlreiche Titel- -und Ordensauszeichnungen Anerkennung gesunden. LL Dortmund, 18. Juli. Der 12. Jahresbericht (1912—1913) des Vereins Israelitisches Altersheim in Westfalen ist soeben erschienen und enthält eine Reihe von Mitteilungen, die für die humanitären Bestrebungen der westfälischen Jndenheit ein ehrendes Zeugnis ablegen. Der Bericht gedenkt zunächst der im Jahre 1912 verstorbenen Herren B endix Kemper in Rietberg und Justizrat Dr. F r a n k e n st e i n in Bielefeld, deren Namen als Wohltäter und eifrige Mitarbeiter in der Geschichte des Vereins fortleben werden. In der Anstalt sind gegenwärtig 36 Pfleglinge, von denen 26 aus dem Vereinsbezirke, 10 aus anderen Bezirken stammen. Der Bestand einschließlich des Personals,- das sich gegen das Vorjahr nicht veränderte, beträgt 42 Personen. Im Berichtsjahre waren 15 444 Verpftegungstage gegen 14 806 Verpflegungstage des Vorjahres zu verzeichnen. Der Gesundheitszustand der Pfleglinge ließ im Berichtsjahre viel zu wünschen übrig. Bei dem hohen Alter der meisten Insassen darf das nicht wundernehmen. Der Oberin erwuchs dadurch eine sehr bedeutende Arbeitslast, zu deren Erleichterung vom 1. April an eine ausgebildete Krankenpflegerin eingestellt wurde. Während eines kurzen Urlaubs wurde die Oberin durch Schwester Hilda vom Verein jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin und im Frühjahre