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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-07-25 · Heft 30 (25.7.1913) · p. Seite 360

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 30 (25.7.1913)
Date
1913-07-25
Page
Seite 360 (sequence 12)
Language
German
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gebrachten Anträge und. Forderungen, die der Ständeversammlung vorgelegt wurden, durchgenommen und die Verhandlungen ausführlich dargestellt. Besonders interessant sind die Seiten, die über Jsaac Ber- Bings „Denkschrift für die Juden -in Metz" handeln. Eine höchst merkwürdige, historische, sittlich-ökonomische Apologie der Juden 'im Geist und Sinne der Aufklärungszeit.. Ich wünsche der Zeitschrift eine weitere glänzende Entwicklung und werde gelegentlich auf die folgenden Hefte Zurückkommen. L. G. * — Familie Mehlmann. Roman eines Konvertiten von Friedrich Stveißler. Jena. H. Cpstenoble. 1913. Ein Roman nach ältester Manier mit abgegriffenen Kunstmitteln. Heinrich Mehlmann hat sich taufen lassen, um eine gute Stellung zu bekommen und um womöglich die Tochter seines christlichen Prinzipals zu heiraten. Allmählich kommt er zum Bewußtsein seines Leichtsinns, geht wieder zu dem von ihm freventlich verlassenen Judentum über und heiratet -eine junge Dame, die ehemals in demselben Geschäft wie er bedienstet war, die er früher recht schnöde behandelt hatte. Der Onkel dieses Mädchens, ein Herr Löwenfeld, heiratet die ältere Schwester Mehlmanns, Josephine, die früher infolge einer Heiratsannonce mit einem Buchhalter angebändelt hatte, die jüngere Schwester Rosa wird mit -einem Oberlehrer Blume glücklich, der sie schon vor vielen Jahren' geliebt, aber wegen des Widerspruchs seiner Mutter anfgegeben hatte. Dann endlich vermag er es durchzusetzen, daß seine Mutter diesen Bund segnet, ohne zu verlangen, das; das Mädchen zum Christentum übergeht. Das ist alles in der Tendenz ganz schön und gut, obwohl der schnelle Uebergang des Herrn Mehlmann zum Christentum und dann wieder zum Judentum recht.wenig glaubhaft erscheint. Einzelne humoristische Züge sind nicht übel, namentlich die Art, wie Mehlmann als Reisender von einem Konkurrenten düpiert wird. Aber der ganze Roman mutet durch seine Erfindung und Darstellung höchst urweltlich an. Die'Personen sind fast alle Karikaturen, eine wirklich naturgemäße Entwicklung findet sich fast nirgends, die Darstellung ist so gewöhnlich, die Vorgänge so wenig glaubhaft, daß man das Buch als einen recht schlimmen Schmöker charakterisieren muß. L. G. — Deutsches Mädch e n b u ch. Ein Jahrbuch der Unterhaltung, Belehrung und Beschäftigung für junge Mädchen. Nr. 20. A n t o n H o f f m a n n. Deutsches Knabenbuch. Ein Jahrbuch der Unterhaltung, Belehrung und Beschäftigung für unsere Knaben. Nr. 26. Stuttgart. A n t o n H o s s m a n n. Beide Bücher sind für die deutsche Jugend bestimmt, ausgezeichnet gedruckt, mit vielen, zum Teil prächtigen Illustrationen ausgestattet, mit Beiträgen von Schriftstellern (Männern und Frauen) von gutem Klange versehen. Der Charakter des Mädchenbuches ist durch die besondere Rücksicht aus Handarbeiten und ähnliches, der des Knabenbuches mit Hervorhebung von Sport-, Kriegs-, besonders Marincgeschichten, Hinweisung auf Technik und Erfindungen gewahrt. Das Buch ist für die Jugend im allgemeinen, nicht speziell für die christliche bestimmt. Beim Durchblättern, denn in der kurzen Frist weniger Tage wird man von mir kein Lesen so dicker Bücher erwarten, ist mir nichts ausgefallen, was die Gemüter jüdischer Kinder verletzen könnte. Selbst ein Aufsatz, wie der „ein altchristliches Pompeji"-— es handelt sich um den in der Nähe von Alexandrien gelegenen Ort Beheret Mariut — ist auch für Andersgläubige höchst belehrend. Erzählungen wechseln mit wissenschaftlichen Betrachtungen aus dem Gebiete der Geographie, Geschichte, Literatur; auch des Befreiungskrieges wird gedacht mit Ernst und Patriotismus, ohne ödes Phrasentum. Die beiden Bände dieses Unternehmens, das sich schon jahrzehntelang der Gunst des Publikums zu erfreuen hatte, sind ihrer Vorgänger durchaus würdig. L. G. * Schriften der Gesellschaft für die Geschichteder Israeliten in Elsaß-Lothringen. XI.: Josef von Rosheim und seine Zeit. Vortrag von Dr. M. Ginsburger, Gebweiler. Druck von I. Dreyfus. 1913. Eine angemessene Darstellung der bekannten Tatsachen und Schriften des sogenannten Judenobersten deutscher Nation aus dem-16. Jahrhundert. Sein Austreten für die Judenschaft, seine literarischen Arbeiten werden kurz dargestellt. Neu ist die Ausführung über einen Streitfall aus dem Jahre 1630, eine Ausführung, die nach Akten, des Stadtarchivs Colmar gegeben wird. Die Tätigkeit des verdienten Mannes, über den wir ja auch sonst tüchtige Arbeiten besitzen, faßt, der Verfasser in die Worte zusammen: „Josel bemühte sich immer und immer wieder, die drohenden Gefahren von seinen Schutzbefohlenen abzuwenden. Er durfte von sich rühmen, daß er weite Reisen im Interesse der Gemeinden gemacht, und daß er vor Königen und Kaisern in Natsversammlungen und bei den kaiserlichen Kammern sie derteidigt hatte. Er hat bei Fürsten und Magistraten vieles durchgesetzt. So oft er zur Audienz Leim Kaiser Maximilian und seinem Nachfolger Karl V. gelangen konnte, fand er bei ihnen Gehör,'und auch bei seinen Glaubensgenossen gelang esühm in der Regel, Frieden und Ordnung wiederherzustellen." Die kleine lehrreiche Schriftwird als 11. Heft der „Schriften der Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elsaß-Lothringen" bezeichnet. Leider wird nirgends angegeben, was > den Inhalt der zehn früheren Hefte ausmacht; ich erinnere mich nichts früher etwas von diesen Schriften gesehen zu haben, und wäre begierig, über die bisherige Tätigkeit der Gesellschaft etwas zu erfahreu. L. G. — Malla M. ontgo m e r h - S i l f v e r sto l p e. Das romantische Deutschland. Neisejournal einer Schwedin (1825—1826) mit einer Einleitung von Ellen Key. Leipzig 1912. Albert Bonnier. Von jüdischen Verhältnissen ist zwar in diesem Buche nicht die Rede; doch sei es an dieser Stelle erwähnt. Nicht nur weil es eine höchst interessante, ja unterhaltende Lektüre bildet, sondern weil es an manchen Stellen von zwei Berliner aus dem Judentum stammenden bekannten Frauen, Henriette Herz und Rahel Levin, mehrfach berichtet. Eine Bemerkung über Henriette ist wohl wert, auch einem weiteren Kreise mitgeteilt zu werden. Sie lautet: „Sie ist recht gefällig und angenehm, aber gar zu lernbegierig für ihr Alter — immerhin wendet sie das, was sie kann und lernt, recht schön an, denn sie. / unterrichtet junge Mädchen umsonst. Aber diese Manie, alle Menschen in Kontribution zu setzen, um von ihnen alles was möglich ist, zu lernen, dürfte recht beschwerlich für die Herren sein und erfordert eine Kühnheit, die ich nicht verstehe." Besonders wichtig ist aber in diesem Buche die durch.eine unbestochene Zeugin erhärtete Tatsache, daß berühmte Fremde ausnahmslos im Mendelßsohnschen Hause verkehrten. lieber die Eltern und die Kinder Felix, Rebekka und andere erhalten wir wichtige Notizen. „Es scheinen", so urteilt die Berichterstatterin über die Alten, „gute, verständige Menschen zu sein, ein reiches gastliches Haus". Dort traf unsere Erzählerin Wilhelm von" Humboldt und Gattin, viele vornehme Leute, auch die schöne Marianne Saaling. Erwähnt soll auch werden, daß unter den Theaterstücken, die die reisende Schwedin im Schauspielhaus sieht, Cumberlands „Jude" sich befindet. L. G. * — Di e Aufgabe des deutschen Zionismus von M. Calv a r h. Sonderabdruck aus dem „Jüdischen Studenten", Monatsschrift des Bundes jüdischer Korporationen. 9. Jahrgang. Nr. 6. Bureau des B. I. C. Was der Verfasser will, ist mir nicht recht klar geworden. Von Nationalismus und Aesthetizismus ist bei ihurviel die Rede. Besonders charakteristisch ist wohl der Satz, den man als die Hauptsache erklären möchte: „Der Nationalismus wird, obwohl er in seiner heutigen Gestalt so vielfach aus religiösen Quellen gespeist wird, nicht Religion sein wollen oder können. Er wird aber in unseren Zeiten der inneren Erregung der Sammelpunkt für alle diese Bestrebungen sein müssen." Man erkennt daraus, wenn es einer solchen-Erkenntnis noch' bedürfte, ein wie gefährliches Spiel die Orthodoxie treibt, wenn sie zur Bekämpfung des Liberalismus sich mit dem religionsfeindlichen. Zionismus verbindet. L. G. ■ * — Pädagogische Iahresschau üb er das Volksschulwesen. Sonderabdruck Bd. 1912: Jüdische Religion. Von Dr. M. Spanier, Lehrer an der israelitischen. Religionsschüle in Magdeburg. B. G. Teubner, Leipzig-Berlin. Eine sehr interessante Zusammenstellung, in der über eine große Anzahl von Schriften auf dem Gebiete der Religion, Geschichte, Methodik usw. referiert wird. Der Verfasser will nicht vornehmlich Kritik üben, sondern nennt die Schriften, gibt ihren Inhalt an, hebt aber sehr gut das Wesentliche hervor, so daß seine eigene Meinung, sein wissenschaftlicher und gemäßigt freisinniger Standpunkt zum Vor- 1 schein kommen. L. G.

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