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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-07-25 · Heft 30 (25.7.1913) · p. Seite 359

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 30 (25.7.1913)
Date
1913-07-25
Page
Seite 359 (sequence 11)
Language
German
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„So geh' ich allein, wenn ihr keinen Mut habt." „Ja, du hast gedient und warst Ballmilchomo" (Soldat). „Ich komme mit", rief der dicke Kaskel. „Wir sind unser Zehn, und ich habe keine Maure (Furcht). Dabei bewaffnete er sich mit der langen Schlittenpeitsche. „Wir kommen auch, wir auch", klang es nun von allen Seiten. Nur Jtzig blieb zurück; man könne doch nicht die Pferde und Schlitten ganz allein auf der Landstraße stehen lassen. „Wer schrie um Hilfe?" rief Meiex ins Gebüsch, und seine Begleiter wiederholten, durch Meiers Kühnheit ermutigt, die Frage.. „Ich, ihr Leute, ich. Bin gestürzt, habe mir den Fuß verletzt und kann hier nicht von der Stelle." „Gott soll schützen! Wie kommt Ihr hierher in der Nacht? Und wer seid Ihr denn?", fragte Hirsch Walfisch. „Erst helft, dann fragt", rief Felseck ärgerlich. „Recht hat er, Walfisch", bestätigte der lahme Wolf. „Dem Verletzten helfen, das ist auch eine Mitzwe" (fromme Pflicht). Inzwischen hatten Meier und Feitel sich durch das Buschwerk einen Weg zu der Stelle gebahnt, wo der Freiherr lag. Aron und der dicke Kaskel folgten, und nach mehrfacher Anstrengung und.großem Wortaufwand war es den vier Männern schließlich gelungen, den Verletzten aufzuheben, in den vorderen Schlitten zu tragen und auf einen dort ausgebreiteten Pelz vorsichtig niederzulegen. „'s ist ein Szore" (ein vornehmer Mann), flüsterte Feitel dem Aron zu. „Man merkt's an den Kleidern." Der Freiherr hatte das Gefühl des Ekels, als er aus dem Pelze der Juden niedergelegt wurde; aber das Bedürfnis nach Wärme besiegte den Widerwillen. (Fortsetzung folgt.) Den Muslmordlchniifflrrn. hr braucht den alten Ammenwahn, Euch muß er unverletzlich bleiben, Ihr braucht der Pöbelwut Orkan, Um eure Mühlen zu betreiben. Denn fällt der Wahn, so fallt ihr mit; Drum braucht ihr Mittel, dies zu hindern: Ihr brailcht den „rituellen Schnitt", Ihr braucht das Blut von Christenkindern! Kein Jude hat es je gebrailcht. Das aber kann euch lvenig härmen, Denn wenn der Scheiterhaufen raucht. Könnt ihr euch dran die Hände wärmen. Und nimmer durch ein Argument Laßt ihr euch dies Geschäft verderben: D a m i t ihr davon leben könnt, D r u nr muß der Jude das ü r sterbe n. K o r h T o w s k a. Literarische Mitteilungen. — The JcwIsJi Review, Ediled by Norman Bentwich and Dr„ Joseph Hochman. Vol. II, Nr. 12, March 1912. Yol. III, Nr. 13, May J912. London: Geo‘ Routledgc & Sons Ld., New-York: The Bloch Publishing' Company. Ein neues Heft dieser gediegenen Zeitschrift beansprucht immer das Interesse der deutschen Leser.. Am wenigsten interessant möchte für diese ein Aufsatz von Brann: „Presenl-Day Jewry in the Light of the XIV th and! XV tli Centimes (translated from the German by Bella Löwy) sein, von dem nicht einmal gesagt wird, ob es eine Originalarbeit oder eine schon längst in deutscher Sprache veröffentlichte Studie ist. Der Wissenschaft gehören zwei Studien von Leon Simon an: Essenes, Gnostics, and Judeo-Christians and Jewish Secretaries, II: The Karaites. Die Tagesfragen werden in zwei Aufsätzen behandelt: „The Work of the Jews of England in Palestine“ von M. E. Lange und „The Development of ILebrew as a modern Vernacular“ Von A. S. Waldstein. Eine für England besonders wichtige Frage, ob ein Chief Rabbi nötig sei, wird in einem Leitartikel verneint; die Wiederbesetzung einer'solchen Stelle sei nur für die äußere Repräsentation erforderlich. Ich kann natürlich in einer kurzen Uebersicht nicht alle einzelnen Artikel nennen und charakterisieren, hebe daher auch nur kurz hervor, daß am Schlüsse jedes Heftes Buchbesprechungen gegeben werden. Nur möchte ich den Wunsch wiederholen, den ich schon mehrfach ausgesprochen hatte, daß das Wissenschaftliche in dieser Zeitschrift zu entschiedenerem Ausdruck käme, denn an Wochenblättern, die allgemein jüdische Fragen behandeln, ist auch in England kein Mangel. L. G. * The Jewish Review. Edited by Norman Bentwich & Dr. Joseph Hochman. Vol. III. No. 14, 15,16. 1912. London. Geo Routledge & Sons. Die vorliegenden drei Hefte der oft angeführten Zeitschrift sind sehr zu empfehlen. Störend sind nur die vielfachen Uebersetzungen, zumal bei ihnen nicht gesagt wird, wie bei denen des Herrn M. Braun, ob sie Originalarbeiten oder längst anderweitig gedruckte Aufsätze sind. Besonders rühmenswert scheint mir, daß in den neuen Heften die Bibelexegese und Kritik, die bisher wenig Beachtung gefunden hatte, zur Geltung kommt. So findet sich in Heft 15 eine Studie von Gaster, ein „Kapitel über biblische Archäologie" und eine andere von Abelson, „Rabbinische Interpellation der Kosmogonie in der Genesis". Auch ein anderes, was bisher in dieser Zeitschrift ziemlich selten vorkam, das aber gerade bei wissenschaftlichen Publikationen unentbehrlich ist: die Veröffentlichung ungedruckten Materials, wird hier unternommen. In demselben Hefte nämlich finden sich einige nngedrnckte Briefe Mandelstamms. Auch zeitgeschichtliche Betrachtungen unlängst vergangener Epochen werden gebracht. Ich hebe zum Beispiel einen Aussatz: „Das Judentum bei Lafsalle" hervor. Daß eine in England erscheinende Zeitschrift die Zustände Englands berücksichtgt, ist selbstverständlich; in dieser Hinsicht ist die Studie eines der Herausgeber „lieber die jüdische Erziehuugsdisvrganisation in England" wichtig. Die Zustände, von denen in diesem Aufsatz berichtet wird, sind freilich höchst beklagenswert: es fehlt an Schulen und an gutem Lehrermaterial. Bon 200 000 Kindern wachsen 60 000 ohne Religionsunterricht auf. Nach wie vor behandeln redaktionelle Bemerkungen am Anfang jedes Heftes die Zeitsragen, und treffliche kritische Berichte ani Schluß der Hefte orientieren über die neuere Literatur, doch wird neben der englischen auch die deutsche mannigfach berührt. So werden zum Beispiel die gesammelten Abhandlungen Ludwig Philippfons besprochen und nach ihrem Verdienste gewürdigt, auch eine neu erschienene englische Uebersetzung einer alten, jetzt doch längst überholten Abhandlung von Schleiden „lieber die Bedeutung der Juden im Mittelalter". Manchmal geben diese kritischen Bemerkungen Anlaß, auf große politische Fragen einzugehen. Charakteristisch dafür ist die Rezension zweier Bücher, die auf die russischen jüdischen Verhältnisse eingehen und in dem Wunsche gipfeln, die englische Negierung möge der gegen die Juden geübten russischen Barbarei entgegentrcten. L. G. * Revue des Etudes Juives. Publication trimcstricllc de la Societe des Etudes juives. Tome LXV. No. 129. 1. Jan. 1913. Paris. Ich beeile mich, von dieser trefflichen Zeitschrift meinen Lesern Kunde zu geben, deren 64 bisher erschienene Bände eine wahre Fundgrube für die Wissenschaft des Judentums sind. Die Zeitschrift zählt außer vielen französischen auch manche nichtfranzösische Gelehrte zu ihren Mitarbeitern: in dem vorliegenden Hefte sind z. B. W. Bacher, . S. Posnanfki, I. N. Epstein und V. Aptowitzer. mit kürzeren oder längeren Beiträgen vertreten. Exegetische.und kritische biblische Studien wechseln mit talinudischen Forschungen und Miszellen und mit geschichtlichen Sammlungen nnd Darstellungen. Unter den letzteren, die mehr als die andersgearteten Beiträge meiner Kompetenz unterstehen, sei die wichtige Regestensammlung angeführt, die I. Regnie von den Urkunden dreier aragonesischen Könige gibt, die die Juden betreffen (1213—1291). Sodann die Fortsetzung einer sehr lehrreichen nnd gut geschriebenen Abhandlung, in der M. Liber, einer der jüngeren Pariser Rabbiner, über die Juden und die Zusammenberufung der allgemeinen Stände 1789 spricht. In ihr werden die einzelnen Besti.mnMng.en für die Judenemanzipation, die von verschiedenen vor- 0

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