Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 meinden als ordentliche Mitglieder und 338 Einzelpersonen' als außerordentliche Mitglieder an. Angefügt ist dem Verwaltüngsbcricht zugleich ein Bericht der Provinzialkasse Sachsen-Thüringen-Anhalt für jüdische Wanderarmenfürsorge. Die Ausgaben beliefen sich für 2058 beförderte Wanderärwe auf 8699.43 Mark. Der Provinzialkasse sind insgesamt 29 Gemeinden 'angeschlossen. Äuf der zweiten Generalverscnnmlung am 30.'' NtärZ^ Dieses Jahres wurde an Stelle des verschiedenen Vorsitzenden HerrstD'äbriel Hirsch-Halberstadt Herr Max Weil-Magd'eburg zum Vorsitzenden gewählt. 22 Frankfurt a. M., 11. Juli. Die Hiesige Stadtbibliothek erhielt in letzter Zeit wieder mehrere Zuwendungen..'" Der hebräischjüdischen Abteilung überwies Freifrau Mathilde b) Rothschild eine auf Pergament gedruckte wertvolle' Inkunabel, die Pentateüchaüsgabe mit Kommentaren, Jxar 1490. Frau Baronin E v iü o n b d e R o t h s ch i l d in Paris schenkte eine mit Bildern aus dem 16. Jahrhundert versehene Peßach-Hagada. Zum weiteren Ausbau der Amerikanischen Abteilung spendete Herr I a coL H. Schiff in .New Pork eine erhebliche Summe. Endlich wurde 'der Bibliothek durch den vor kurzem in Chärlottenburg verstorbenen Konsistoriälrat a. D. Dr. 'theol. D a l t o n eine vollständige Sammlung aller von ihm verfaßter Werke, Abhandlungen. und Aussätzi: Nebst einer Anzahl anderer Bücher letztwillig zugewendet.' M. Wiesbaden, 11. Juli, Zur Feier des Hunde r tj ä h r i g eit I u b i l ä ums des 'hiesigen'/' F üsili e r r eg i m e n t s v. G e r s d o r s s Nr. 80 fand auch ein Göttesdienst in der Synagoge statt. Jetzige und frühere Angehörige des Negiwentes hatten sich zahlreich eingefunden. Die Festrede hielt Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. Kober. Einleitend wies "der Redner' auf das unlängst stattgefundene Regierungsjubiläuw des Kaisers hin und bezeichnete dann des weiteren die Bedeutung des Regiments, besonders : seine Tapferkeit in dem Kriegsjahr 1870, in welchem Christ und'Jude Schulter an Schulter ihr Herzblut für das Paterland geopfert haben. ' Mit flammenden Worten geißelte der Prediger die von unseren Geg- : »ent ausgestreute infame Behauptung von der Minderwertigkeit des? jüdischen Soldaten. Trotz der uns bewiesenen Undankbarkeit fänden ' die Juden die Kraft zu treuer Pflichterfüllung in ihrer Religion.; Mit einem stimmungsvollen Gebete für Kaiser und Reich schloß 'Dr. Kober feine glänzende Rede, die einen sichtlich tiefen Eindruck auf alle , Anwesenden machte. .. _ Gesterreich-Anyarii. ~ K. Wien, 11. Juli. In Elsch bei Hayd -in'Böhmen ist vor i einigen Tagen der letzte Radetzkhveteran, Kauifnwnn Moritz Strauß, im hohen Älter' von '93 Jahren gestorben. Straus;'würde in ^den ' vierziger Jahren zum Militär assentiert und diente ununterbrochen neunzehn Jahre aktiv beim ehemaligen Regimente Graf Khovenhüller- Metreh. Unter Radetzky stand Strauß oft im'heißen-Treffen." Auch bei der Niederwerfung der Aufstände in Präg, Wien 'und Ungarn tat -er sich hervor. Als er den Abschied vonr Militär erhalten hatte,! fand er bei Aktivierung der Gendarmerie -'sofort Ausnahme, und auch in dieser Stellung bewährte er sich in vollem Mäße. Der'Kaiser zeichnete den alten Veteranen oft aus durch.Verleihung von Orden und des Verdienstkreuz.es. — Die Ritualmordhetze will in Oesterreich noch immer nicht zur Ruhe kommen. Vor kurzem sah sich die Staatsanwaltschaft genötigt, das „Znaimer Volksblatt", den „Mährischen : Volksboten" «und die „Reue mährische Presse" mit Beschlag zu belegen, weil sie falsche Ritualmordgerüchte verbreiteten. Mlaß dazu gab ihnen folgender Fall: Zu Ostern d. I. verschwand in Jglau ein Mädchen, das in.einem jüdischen Hause bedienstet war. Zwei Tage später wurde es in einem Tümpel tot aufgefunden. Die Aerzte konstatierten au der' Leiche eine tödliche Stichwunde in der Magengegeud, doch wurde gleichzeitig festgestellt, daß hier'ein Selbstmord vorliege. In der Bevölkerung gab die AuMndung der Leiche Anlaß zu Ritualmordgerüchten, die die genannten „deutschen" Blätter zu verbreiten suchten. Ihrem Treiben machte'die Staatsanwaltschaft ein jähes Ende. — Der am 1. d. M. in Bad Nauheim plötzlich an Herzschlag verstorbene Baron Joseph Hatvnny-Deutsch aus Budapest gehörte zu den hervorragendsten Persönlichkeitendes öffentlichen Lebens in Ungarn. Wegen feiner hervorragenden Tätigkeit auf kommerziellem und philanthropischem Gebiete genoß er das größte Ansehen in den wirtschaftlichen ■ und politischen Kreisen der .ungarischen Monarchie und insbesondere .in der Budapefter israelitischen- Kultusgemeinde. Baron Joseph Hatvany stand der. ungarischen Filiale der Israelitischen Allianz als Präsident jahrelang vor und gehörte, auch dem Kuratorium des Budapefter Rabbinerseminars an. Er nahm auch an allen religiösen und kulturellen Institutionen der Gemeinde lebhaften, innigen Anteil und genoß den Ruf als der größte Philanthrop des Landes. Baron Joseph Hätvany gab und unterstützte gern und willig, und es dürste nur wenige geben, die vergebens an fein wahrhaft edles'Herz appelliert hätten.- -Wegen feiner außerordentlichen Verdienste auf industriellem und humanitärem Gebiete wurde der Verblichene dom Kaiser ins ungarische Magnatenhaus berufen -und durch Verleihung hoher Orden wiederholt in hervorragendster Weise ausgezeichnet.-' An der Bahre dieses edlen Mannes, der ein Alter von 54- Jahren erreichte, trauern nebst feiner Familie nn-d der großen Schar seiiwr Freunde und Verehrer auch die Budapefter israelitische Kultusgemeinde wie überhaupt das Gesamtjudentum Ungarns, als dessen treuer Sohn sich der Verblichene bis zu seinem letzten Atemzug fühlte. Ehre seinem Andenken! AmerKa. z. New Aork, 6: Juli. Einem Washingtoner Berichte zufolge, hatte der russische Botschafter Bachmetjeff in letzterer Zeit wiederholt Konferenzen iiit Ministerium des Aeußeren, unter anderem auch mit Staatssekretär Brhänd, in Angelegenheit der zwischen Rußland und Amerika obschwebenden handelspolitischen Differenzen. Bekanntlich besteht zwischen den beiden Mächten wegen der Divergenz im Judenpunkte gegenwärtig kein Handelsvertrag. Da ein solcher vertragsloser Zustand äüs die Dauer für beide Teile verschiedene Nachteile in sich birgt, hat Rußland in Amerika den Vorschlag gemacht, zunächst einen Handelsvertrag abzuschließen, in welchem alle handelspolitischen Fragen geregelt erscheinen und bloß die Paßfrage für eine spätere Zeit in suspenäo gehalten werden soll. Präsident Wilson erklärte jedoch, auf einen solchen Vorschlag nicht eingehen zu können, da ein solches Vorgehen eine Ausspielung des für die Vereinigten Staaten wichtigsten Prinzipes wäre, in dessen Interesse Amerika die Erneuerung des Handelsvertrages abgelehnt hat. — Anläßlich der diesjährigen Promotionen an dem jüdisch-theologischen Seminar in New Port hat Her Rektor dieser Anstalt/Professor Dr. Sälomon Sch echter, auch dem berühmten amerikanischen Richter Mayer Sulzb erger das Diplom eines Ehrendoktors für jüdische Literatur überreicht. 'Sulzberger, der aus Preußen stammt, ist der Sohn eines Kantors, der anläßlich der Unruhen im Jahre 1848 zu imigrieren gezwungen war. Mäher Sulzberger hat neben seinen juristischen Studien und auch später neben feinem Rich'teramte die jüdische Wissenschaft nicht nur gefördert, sondern auch selbst immer eifrig betrieben. Erbesitzt eine der besten Privatbibliotheken in Amerika, welche auch eine reichhaltige Sammlung wertvoller hebräischer und anderer Werke über das. Judentum aufweist. . Richter Sulzberger ist auch viel beneideter Besitzer, von ungefähr 45 seltener Inkunabeln und Handschriften. Sulzberger ist der Präsident der dovisb?ublication Society bon Amerika. Bei diesem Anlässe sei erwähnt, daß bei der Schlußfeier des New Porter Seminars 11 Hörer zu Rabbinern promoviert wurden, von denen 9 in Rußland geboren wurden, während die anderen.2 wohl in. Amerika geboren wurden, jedoch gleichfalls von russischen Einwanderern stammen. — Auf Ellis Island spielte sich vor kurzem ein-Drama ob, das in allen seinen Teilen au das Blich „Ruth" erinnerte. An: .29..Mai landete in Ellis Island der 28 jährige Louis Bedier, der nach Amerika kam, um mit seiner in New Port lebenden Braut Eva Israel, getraut z,l werden. Unglücklicherweise wurde Bedier von den Äerzten auf der Ländungsinsel als mit Trachom behaftet bezeichnet, weshalb er zur Deportation verurteilt wurde. Miß Israel erklärte nun, daß, nachdem ihrem Verlobten die Landung nicht gestattet wird, sie entschlossen sei, mit ihm in fein Heimatland England zurückzureisen. Die Eltern des Mädchens gaben hierzu^ihre Einwilligung, jedoch unter der Bedingung, daß sie vorerst im Sinne des. mosaischen Gesetzes getraut werden. Doch da wurde die Rechnung ohne den (inzwischen demissionierten) unbarmherzigen Einwanderungskommissär Williams gemacht. Dieser verweigerte die Einwilligung zu diesem Tranakte. Da griff der jüdische Verein zum Schutze der jüdischen Einwanderer (Hebrew Slieltering and . Immigrant Aid Society) in die Affäre ein und erwirkte in Washington die telegraphische Erlaubnis, so daß noch in letzter Minute die Tranungszeremonie in einem Saale des Einwonderungsamtes in Ellis Jslmid vorgenommen und Miß Israel als Mrs. Bedier ihren Mann in befftui Heimat begleiten konnte. . - Von Mh und jfrrn. — Der deutsche Kaiser hat anläßlich seines 26 jährigen Regiernngsjubiläums dem rühmlichst bekannten Sänger H er man n I a d l o wker den Titel eines königlichen Kammersängers verliehen. — Herr