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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-07-18 · Heft 29 (18.7.1913) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 29 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
Seite 347 (sequence 11)
Language
German
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keitzem Enkel' soll ein Pfennig längerHüet werden hon bötü, was früher ist gegeben. Sie haben mich ja alle, genug gekostet: der Elkan, Wie '.er hat studiert, und der teure Öoctor juris und die vielen Bücher, die ich für ihn Hab bezahlt noch auf den Universitäten, uiid die' Esther hat bekoBtnen die Nedan und; die Ausstattung^ und' demi ^akob Hab ich gelassen das Getreide- : und Spiritüsgeschäft mi^'allen'Porräten und Forderungen! ohne einen Pfennig dafür." „Mün pflegt, wie Sie wohl wissen, Herr Goldenberg, das! Testament gegen die Anfechtung zu sichern, indem man die! Ansechtenden auf den, Pflichtteil. setzt mit AHechnung alles! Vorempfangenen. Wünschen Sie dies auch, oder wünschen i Sie es nicht?" i „Wie gescheit, wie gescheit, Herr Baxon; natürlich,wünsch' : ich es." . ... . . ...; „Danke einstweilen," sagte der Kreisrichter mit jener - 'schneidenden Kürze, die. den Befehl, zu schweigen m sich schließt. In wenigen klaren und knappen Sätzen diktierte er den . letzten Willen des Greises dem.lSekretär-in. die .Feder. Der alte Goldenberg nickte bei jedem -Satze zustimmend; Lei dem Namen Elkan seufzte er tief..;;; -;■ - ... „Haben Sie vielleicht noch Legate auszusßtzen?", fragte der Richter in etwas verbindlicherem Tone.? : . - - .; >Gewiß, an dem Tage,: an ,dem; sie mich an .den guten! Ort tragen, 100 Taler an die jüdischen Armen und. 100 Taler i an die christlichen Armen; alle gleich, alle gleich." „Wünschen Sie noch etwas zu bestimmen?" , „Ja, 500 Taler für die Dienstboten und 10000 .Taler für gute Zwecke." ü : „Möchten . Sie nicht diese guten. Zwecke mir noch; etwas; näher bezeichnen? Etwa Blindeninstitut oder lWaifenhaus?"; „Wenn es geht, Herr Baron, will icksts der Mist Margaret überlassen. Die soll überhaupt sein mein Destamentexekutor. ' Oder geht das nicht wegen der Gesetze?"- . : „Früher hat man freilich, die Frauev beiuns:in Preußen vom Amte des Testamentsexekutors, ausgeschlossen; aber man hält das jetzt allgemein für irrig.; Ist Miß Smith aber nicht zu jung für diese schwierige Aufgabe?" v :/ . , „Zu jung? Sie ist geworden volle 21 Jahre .vorigen: Herbst, gerade als sie ist gekommenen mein -Haus, und sie ist klug und praktisch wie ein Saucher .(Kaufmann) und verwaltet selbständig ihr väterliches Vermögen." „Gut, Herr Goldenberg, nur noch eine Frage,-1.0 70.0 Taler Legate sind keine kleine Sunune; werden durch diese Legate Ihre Erben nicht etwa im Pflichtteil verkürzt?" „Verkürzt? Nein, Herr Baron, die werden nicht verkürzt. Ich bin freilich kein Rothschild; aber ich habe gespart Zeit meines Lebens. Bin nie ins Wirtshaus gegangen zum Bier und habe nie Karten -gespielt oder gewürfelt. Ich Hab angefangen klein, ganz klein, mit ganz wenig"; aber-der liebe Gott hat gesegnet mein Tun, und ich hab-s gebracht zu 250 000 Taler; vielleicht ist es noch mehr, wenn die Mühle wird gut verkauft nach meinem Tode." ' „Ueber 250 000 Taler," wiederholte der Kreisrichter etwas überrascht; „da-Haben - Sie wohl auch fleißig Geldgeschästchen gemacht?" - „Verwechseln Sie mich nicht mit meinem Sohn, dem Jakob; an meinem Gelde klebt kein Fluch; es ist redlich verdient. Erst mit Getreide und Spiritus und Wolle; dann habe ich angelegt die Papiermühle, und Hab nie'gewuchert und Hab niemanden betrogen.' Fragen Sie in. Mondenstein, in ganz Mondenstein und bei alle die Herren Gutsbesitzer im ganzen Kreise, ob der Aron Göldenberg jemals hat gemacht; was Sie haben genannt Geldgeschästchen. Der Herr Sekretär'-kann mir^s bezeugen." ' ' Der alte Fiedler nickte schweigend, , ... ._ .....,*<•_ .. 7 ... _ . .... _ .....?'^Jnveykür> und Sieglüng vermutlich ' verboten?'" . fragte Felseck. - Mine' Bemerkung über. die. Geldgeschäftchen war Mn nur so entfahren und tat ihm bereits leid. - „Gewiß! Der Herr Baron' denken doch an alles." ' „Und alle früheren Testamente, Kodizille und Nachzettel aufgehoben?" .. . , . „Aufgehoben, gewiß, aufgehoben." „Bitte Herr Sekretär, lesen Sie vor." Der alte Fiedler verlas das Protokoll. „Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben." Mühsam und zitternd, doch leserlich unterschrieb der Kranke mit der linken Hand. Beide Herren vom Gericht Unterzeichneten: Das Testament wurde küvertiert und gesiegelt--das Annahmeprotokoll ausgenommen. „Nun sind wir fertig, mein lieber . Herr Goldenberg," bemerkte der Sekretär, indem er die Papiere an sich nahm. „Gebe Ihnen der Himmel, eine gute Besserung und zunächst ruhigen Schlaf." „Ich danke," sagte der Kranke. „Auf Besserung darf ich nicht mehr hoffen, aber auf ruhig Schlafen, auf ruhigen ewigen Schlaf. Und noch eine Bitte, Herr Sekretär; sagen Sie dem Jakob, von den 6ösen Geldgeschästchen, wie der Herr- Baron sie genannt hat, soll er ablassen; sie bringen ihm keinen Segen." Fiedler drückte ihm warm die Hand. „Möchten Sie mir Nicht auch die Hand reichen, Herr ' Baron zum Abschied?" Felseck zögerte. . „Zum Abschied für immer. Sehen Sie, Herr Baron, der Jakob ist ein schlechtes Kind, Und der Elkan ist tot. Wenn der Elkan hätte gelassen einen Sohn, könnte er vielleicht bald so alt. sein wie Sie. Ich könnte haben einen Enkelsohn wie Sie." Der Freiherr runzelte verletzt die Stirn, und empört wandte er sich zum Gehest. „Hab ich Sie beleidigt, so verzeihen Sie es dem alten Mann. Ich bin freilich nur ein alter Jude", seufzte der Kranke. „Aber, was kann ich dafür, daß ich nicht bin gelegt worden in eine christliche Wiege, wie Sie.und Miß Smith? Und es ist doch zum Abschied für immer; ich fühlls, daß ich bald werde stehen vor dem Thron des Allerbarmers, gelobt sei sein Name in Ewigkeit." , Felseck - fühlte sich bewegt. Er reichte dem Greise die Hand, und leise fügte er hinzu: „Der Herr sei mit Ihnen." (Fortsetzung folgt.) Mersrilchr Mitteilungen. - H e i n r ich He i n e. a l s D i ch t e r d e s I u d e n t u m s. Ein Versuch von Georg.I. Plotke. Verlag Carl Neißner, Dresden, 1913. , Eine sehr gute Arbeit, die im Gegensatz zu so vielem, was über Heine geschrieben wird, frei von Tendenzen ist, sowohl frei von gehässiger Gesinnung, wie von übermäßig panegyrischen Tönen. Zwar fehlen auch in ihr nicht etwas willkürliche Konstruktionen. Während die Auseinandersetzung über das Gedicht „Nächtliche Fahrt" S. 62 merkwürdig und-überzeugend ist, mutet die Ausführung S. 93—95 über Heines Resormjudentum ziemlich seltsam an. Es scheint mir doch etwas gesucht, wenn an der genannten Stelle der wesentliche Teil der „Richtlinien" .abgedruckt und diesem Abdruck die Worte hinzugefügt werden: „die hauptsächlichen Richtlinien enthalten in ihrem stolzen Aufklärergesühl kein Wort, das Heine in seinen Läuteruugsjahren sich nicht zu eigen gemacht hätte." Die Behauptung dieser Zugehörigkeit Heines zum liberalen Judentum erscheint mir ebensowenig richtig wie die allzustarke Betonung von dem Zionismus Heines und des jüdischen Kulturvereins. Ich habe allerdings selbst in dieser Zeitung auf die Beziehungen des Kulturvereins zu dem Abenteurer Mordachai Noah hingewiesen, aber ich glaube doch, daß der wesentliche Grund der Sympathie des Vereins für jenen Staatengründer in erster Linie auf das. Verlangen der Berliner zurückzuführen ist, hie Juden zum Ackerbau zu gewinnen. Sieht man von diesen beiden Bedenken ab, so ist die Schrift durchaus anzuerkennen. Die Bemühung

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