Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- Seite 344 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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wie anderswo >— aber in Dänemark vermochten sie sich durchzusetzen/ Esist für den Fernstehenden nicht ganz-leichtden Einfluß, den -Edvard BrandesMus diese Entwicklung des Organes / Md der Partei gehabt hat, richtig abzuschätzen: aber wer den Mann, seine Art und sein Wirken ein wenig von weitem-zu beobachten Gelegenheit hattewird geneigt^sein/ihn möglichst hoch-einzuschätzen. Der Name Edvard Brandes bedeutet ein politisches und kommunales Programm für Dänemark, wieder Name Georg Brandes ein literarisches Programm für Europa bedeutet. V. Das Schicksalder beiden Brüder läßt sich — äußerlich betrachtet, .in die Worte zusammenfassen: Widerstände und Sieg. Daraus geht hervor, daß sich ihr Wesen kennzeichnen läßt mit den Worten: Ehrlichkeit und. Ausdauer.. Wer die Geschichte zeitgenössischer Literatur auch nur oberflächlich verfolgt hat, kennt die Kampfe, die Georg Brandes zeitlebens mit fanatischen - Gegnern zu bestehen Hatte. Von den Kämpfen, die .sein Bruderaüsfechten mußte' drang nur wenig über die Grenzen des Vaterlandes. Und doch waren fie manmgfacher Art: Er mußte sich, wehren als Privatmann,- dessen Ehre man verdächtigte, als Schriftsteller, dessen Werke man boykottierte. und konfiszierte, und als Politiker,; dessen Wirken mau mit allen. Mitteln lahmzulegen suchte. - Aber diese Widerstände sind, wie das immer der Fall zu .sein pflegtvergeblich gewesen. . Die'radikale Richtung, hat... schon zum zweitenmal in Dänemark gesiegt und-schickt wiederum ihre Vertreter in den Ministerrat, zu dessen istteressan-, Ersten-Mitgliedern der jüdische /.bestrafte" -Schriftsteller Edvard Brandes gehört. Ansprache des Vertreters der Großloge, Rommerzkenrat Maximilian Stein, auf der . Delegirrtenorrlsmmlung des Verbandes jüdischer Jugendoereine Deutkchlands - in Frankfurt a. M. amens der Großloge für Deutschland des U." O. B. B, habe ich , die Ehre und die aufrichtige Freude, Sie herzlich zu begrüßen. Unter dem Eindruck dieses imposanten. heutigen' 'Jugendtages' wendet mein Blick sich zurück zu einer Sitzung der Großloge im März 1908, in der ein Antrag „Maximilian Stein und Genossen, betreffend Förderung jüdischer Jügendvereine und Begründung eines Verbandes der Jugendvereine" behandelt und angenommen wurde. — Bereits im Jahre'189'1 war in der Großloge die Notwendigkeit der Bildung von Jünglingsvereinen betont worden. Im Mai 1909 traten auf Einladung der Großloge Vertreter der Jugendvereine zu einer Konferenz zusammen, um den von uns erstrebten Verband zu begründen. Nicht ohne Sorge folgten wir damals den Verhandlungen, bei - denen die leidenschaftlich nusschäumenden Meinungen und Gegensätze aufoinanderstießen. In jener, man darf wohl sagen, historisch denk-; würdigen Stunde der Entstehung Ihres Verbandes siel seitens des 1 Vertreters der Großloge, Geheimrat Maretzky, das Wort: „Mit der : heute erfolgten Gründung des Verbandes hört unsere eigentliche Tätigkeit aus. Wir wünschen in keiner Weise in Ihre Selbständig-! keit einzugreisen und legen vertrauensvoll die Zukunft des Verbandes j in Ihre eigenen Hände." . . Das Vertrauen, das die Großloge in die junge Verbandsgründung; gesetzt hatte, ist vollauf gerechtfertigt worden. Mit noch nicht j 1500 Mitgliedern begründet, umfaßt der Verband heute 15 000 Ver- - einsmitglieder. Verzehnfacht hat sich nicht nur die Mitgliederzähl; verzehnfacht, ja verhundertfacht - hat sich die Begeisterung, der Eifer, dev : .Enthusiasmus, die Ihre Reihen erfüllen und Ihre jugendlichen Hexzen und,..Köpfe beseelen. Mit lebhaftem. Interesse hat die Großloge die Entwicklung und den Ausbau des Verbandes verfolgt, mit Freude seine Arbeiten beobachtet. Sie süM'stch zusammen aus zahlreichen einzelnen Leistungen Ihrer mehr als 100 Vereine, stüs der Ameisenarbeit und dem Bienenfleiß vieler einzelner Kräste- Vereinsleiter und Mitglieder, die alle i strebsam den Erfolg herbeitragen, in gewissenhafter vereinstechnischer, j geistiger, geselliger, sozialer Arbeit. ,Was' Sie alle.-treibt und lenkt -und leitet, das ist das Bewußtsein, einer großen Idee zu dienen, der Idee, die uns heraushebt aus den Niederungen, der Idee des Fortschritts und jener, unsterblichen Ideale,'wie in.unserer Religion', in . unserem Judentum wurzeln und fest veränkert sind, die aber' Mb dem höchsten geläütertsten allgemeinen Menschentum 'zusammensällen.-st Ihre Arbeitsmethoden und Arbeitsprogrammebegegnen - sich -aufs innigste mit' unseren Logentendenzen. Sie heißen auch, .für -Sie: -Geistige lind ethische --Fortbildung im allgemeinen, Pflege -und Stärkung-jüdischen Bewußtseins."im besonderen.'./' Es gilt, schonbei.Der Jugend das jüdische Gemeinschaftsges.ühl zu wecken, - Wissen- und. Gewissen zu schärfen, das Interesse fürs Judentum rege zu halten, die Kenntnis -seines, geistigen Besitzes zu mehren, im Zusammenhang mit allgemeinen Bildungs-, Kultur- und väterMVischdch'^Mrtzsie'n:' Es gilt, da die Gemüter noch jung und uni so empfänglicher-find, zum Idealismus zu erziehen, zu geistiger Widerstandsfähigkeit, zu tapferer aufrichtiger Gesinnung, zu Persönlichkeiten, zu'Charakteren. Es gilt,-, die Jugend beizeiten mit dem geistigen- Rüstzeug zu versehen, dessen wir als'Indem im Leben um so notwendigerbedürfen. . Ihre Bestrebungen und Ausgaben sind darin. eia Teil unserer ' eigensten Ord/ensprYgrstchme, übertragen auf die' Jugend und mif die Verhältnisse der/Jugend. Die Wirksamkeit der Jugendvereine'''ist -eine.'-.willkommenK'-Mgänzrmg der Arbeit unserer Logen. Hat man'-doch.-vielfach Ihre Jugendvereine mit „Jugendlogon" /, verglichen, und man war doch' soweit gegangen, die Begründung von Jugendabteilungen im' Anschluß an.unsere. Lygen und.-in Abhängigkeit von diesen vörzuschlagen. Neben. gewichtigen anderen Gründen, -die gegen derartige Projekte sprechen, sv.gr man in der Großloge schon ./-deshalb' -, gegen solche von -Logen, abhängige Jugendvereinigungen, .weil : wir den Standpunkt enmehmell, daß. man von der Jugend bei allein Selbstbescheidung und Selbstveraut'wor-!/ tung<.d.ie'./G'Et8MHl«k^lasien soll,' sich frei, vonschulmeifteEischer s.-.-Bevornmndmlg--MK.bMM'en und in ihrer' -ungebundm'en-. J'ndividu- - alität zli /entünckelN; ' Nur darf kein - übermäßiges. Polemisieren dev positiven Arbeit, den. Räum allzusehr! streng machen. Ein hauptsächliches''Bedenken, das in unseren Kreisen gegen selb- E^^E^^Eox^Mrsgtionen.-.geltend., gemacht wllrde, war die .. Furcht' vor '.beunruhigenden Parteikämpfen. Wenn auch dieses Be-- /stdtznWNstl.mer--no'ch /nicht überwunden ist, .sv haben Sie doch diesen . Optimismns durchausgerechtfertigt. / - ", " : : Der Verband mit den/ ihm angeschlagenen Vereinen beharrt ünerschütterlich aus dein Standpunktdes Nelltralitätsprinzipsst das ebenso- / sehr die Voraussetzung seiner Begründung war, wie es die Grundlage - seiner Wirksamkeit sein und bleiben mutz. . -Auch die. ./Großloge ist nach wie vor der Ueberzeugung, und unser Großpräsident Geheimrat ' Timend o rfer hat dieser Ueberzeugung wiederholt.-Ausdruck..gegeben, daß der Zusammenschluß -der Jugend, in neutralen Vereineis,/ die keine einseitig ausgeprägten religiösen, Parteipölitischen ZweHverfolgen, den, Vorzug verdienen vor separatistischest Tenbeiizvereisten, die zumeist auch wohl Kampfvereine sind.- \ ' Wenn in den neutralen Jugendvereinen auch hier-und da Funkest . sprühen und Gegensätze anflodern, so ist dies noch /immer besser, als die Jugend bewußt und systematisch .in getrennte Lager zudrängen und. zu spalten. Wir wollen nicht trennende Barrieren, sondern--verbindende Brücken bauen. . , ’’ Die Kräftigung jüdischen Bewußtseins, die Verbreitung.st,hlk- ' ' gemeiner Bildung und jüdischer Geschichte im besonderen, di-L: Vertiefung und Befestigung der Charakterentwicklung zä guten Juden- und zu ethisch hochstehenden. Menschen,/ die Aufgaben sportlicher- ÄA in Turn-, Ruder- und. WanberaÄeilustgen,-die.-körperliche .Ertückß tigung,. die Pflege edler. -Geselligkeit,.-die-.-änsgleichende srestndschastliche Annäherung, die vielfachen sozialen Aufgaben, die Bekämpfung? des Jndifferentismus und des jüdischen Antisemitismus/, all dies - und so vieles mehr, sind gemeinsame Ausgahe/n,In denen sich die Anhänger aller Richtungen harmonisch - Mtzrimrensindest. 'können' u-np' Mäynneysinden sollten. Auch .die,,.hierbei ailfzübringende. und.allseitig /zu übende Toleranz ist 'mit'.^em...wesmkkicher'EdziehungszweÄ/. Darnch sehen wir in. der Bereimgung ders Jugend aller : sogenannten Richtungen, Anschaühstgen stnd' Schättierungettebenso - die Grundpfeiler, aus denen Ihre- Organisation ' r-icht, -wie gleichzeitig: deren, schönsten ustd''segensreichsten Ersvlgl-. nMuch noch 'aus' einewr anderen.Gründe. würde . der Schöpfung spezifisch jüdischer Jugendverßine widerraten. Man glaubte, daß sich unsere Jugend, allzusehr von Andersgläubigen absöndern und eine neue Scheidewand aufrich'ten würde. Auch diesen EinwanV haben Sie