Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- Seite 342 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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842 Meist vor einer vielhundertköpfigen .fremden Menge./ Und | allen diesen, aus so vielen Gegenden der Welt, diesen Hunderten, ja Tausenden, weiß er etwas zu bieten. Er buhlt nicht um ihre Gunst, aber er gewinnt sie durch Wahrheit und religiösen Eifer. Er Poltert nicht gegen fremde Religionen und ist kein Fanatiker seiner Ueberzeugung, aber er versteht es, lebhaft und begeistert für seine Religion einzutreten, und ist ehrlich genug, seinen freisinnigen Standpunkt kühn und mutig hervortreten zu lassen. Er ist ein Volksredner, der dem schlichten Manne genug tut, und ein geistvoller Derber, der auch dem Gebildeten etwas Nachhaltiges zu geben weiß. Er steht nun, da.er im Begriff ist, sein 25 jähriges Jubiläum zu begehen, noch in der Fülle seiner Kraft. ' Möge es ihm vergönnt sein, an! der Stätte seiner ersten und bleibenden Wirksamkeit noch lange Ersprießliches zu schaffen. Uns allen aber, die wir der Heilquelle Karlsbad segnend und dankbar gedenken, sind und mögen seine Reden-und Gespräche bleiben, was sie solange gewesen -sind, wahrhafte Heilsquellen, aus denen wir mitInnigkeit und Freude schöpfen.. Ldoard Lrsndks, der neue dänische sfinsnsministrr. Von Ida Anders. ie „Männer von „Politiken" haben wieder ein paar Ministersessel mit Beschlag belegt — das ist eines der Ergebnisse in Dänemark. Die dänische Tageszertung „Politiken" gehört zu den am zielbewußtesten geleiteten und am geistvollsten geschriebenen radikalen, Organen Europas, ihre politischen Mitarbeiter sind gescheite Köpfe und weltgewandte Männer, die im Konferenzsaal ebenso zu Hause sind wie im Redaktionsbureau. Nach dem vor längerer Zeit verstorbenen Viggo Hörup, der es sogar bis zum Ministerpräsidenten brachte, sind es nun vor allem Ove Rode und Edvard Brandes, welche die radikale Richtung im dänischen Ministerrat repräsentieren. Ove Rode (der Bruder des feinsinnigen, auch in Deutschland geschätzten Dichters Helge Rode) ist eine der festesten Stützen der dänischen Linken — ein gewandter Redner, ein gediegener politischer Schriftsteller — ein großer Organisator, eine vorzügliche Erscheinung — kurz der Typus des „Führenden". ' Sein Ministerkollege Dr. Edvard Brandes, der nun schon zum zweitenmal das Finanzportefeuille übernimmt, ist von etwas anderer, wenn auch nicht minder interessanter Art — besonders für die Leser dieser Zeitung. Er' vertritt äußerlich ebenso sehr den Typus des Weltmanns''wie Ove Rode, vielleicht mehr nach der Richtung des zurückhaltenden Grandseigneurs hin, aber die feinen nervösen'-Gesichtszüge verraten ein besonders angespanntes. Geistesleben' das' mehr als ein Ziel sucht. In Vep - Eät' geUr^ Mcirb' Brünides - zü den vielseitigsten Begabten seines^andes, Und wer versuchen' will, sich auch nur ein schwachÄ.'Mld von seiner Entwicklung und Betätigung zu machen, der muß ihm nicht mnrauf'das Gebiet der Politik,, sondern hauptsächlich auf das der Literatur folgen, der ein sehr großer Teil seines ' weitumfassenden Lebensinteresses gilt. Edvard Brandes wurde am | 21. Oktober 1847' in Kopenhagen geboren. Er hatte das große Glück und das .kleine Pech, als der jüngere Bruder von Georg Brandes zur Welt zu kommen. Seine ersten Schritte auf der literarischen Laufbahn tat er unter der Führung dieses Bruders, der sich schon in ganz jungen Jahren in die erste Reihe der schriftstellerischen Größen'gestellt und sich eine ungewöhnliche — wenn auch nicht immer gerade wohlwollende! — Beachtung'errungen hatte. Edvard Brandes war wohl schon als Schüler Zeuge all der aufreibenden Kämpfe und Beunruhigungen, die der Aeltere erleiden mußte, und konnte aus"' nächster Nähe beobachten, wie viele Nachteile jugendlich - unbekümmerte Redlichkeit, überschäumendes Temperament und ein gewisser edler Trotz ihrem Besitzer im Kampf mit Kaltherzigkeit, Pedanterie und Unverstand — einbringen. Vielleicht hat gerade dieser Jugendeindruck neben einer vorhandenen Naturanlage mit dazu beigetragen, seinem eigenen Wesen das Gepräge von Zurückhaltung und Kälte zu geben und über die Ausdrucksweise seiner rein künstlerischen Arbeiten eine Gedämpftheit zu legen, die zu dem Radikalismus seiner Tendenzen manchmal einen ebenso pikanten Gegensatz bildete, wie zu dem sprudelnden. Temperament des — anfänglich — führenden Bruders. Edvard Brandes schloß sich nach beendeter Schulzeit, als er fühlte, daß seine Anlagen auch ihn in irgendeiner Weise zu öffentlichem Wirken führen würden, den Bestrebungen und Kreisen des Bruders an und wurde so aus den Kampfplatz geleitet, den sich der andere geschaffen hätte. Wahrscheinlich hätte sich Edvard Brandes , mit seinem starken Fortschrittsdrange auch ohne diese Verwandtschaftsbeziehung der Gruppe jener jungen Schriftsteller und Künstler zugesellt, die in den 50 er und 60 er Jahren als Ultra-Moderne, den Schrecken des guten dänischen Bürgertums bildeten und den Mitarbeiter- Raiser-Franz-Iosef-Regierungs-Jubiläums-Hospiz für arme Israeliten in Rarlsbad.