Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- Seite 341 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3229069-3229099--69607-3281918- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
österreichischen Ländern 5, aus Ungarn 3.1, aus Deutschland 47, Rußland 36, Frankreich 2 Personen, aus England, Aegypten. Palästina je eine'Person. Unter diesen befanden sich 109 Zuckerkränke, 138 Kranke des Gallen- und Lebersystems, 80 Magen- und DarMkranke, 24 Nieren- und 15 Rheumatismusün-d Gichtleidende. Der größte Teil dieser Kranken hat eine wesentliche Besserung seiner Leiden gesunden. /Die durch Verpflegung dieser'Personen, die Erhaltung der Anstalt und deren Einrichtung erwachsenden Kosten sind sehr bedeutend und werden teils durch Jahresbeiträge einiger jüdischer Gemeinden und Vereine, teils durch Spenden vermögender Kurgäste gedeckt. Ich habe das Hospiz selbst auf das genaueste besichtigt und mich über diesen herrlichen und zweckmäßigen Bau innigst gefreut. In einem schönen Garten 'steht ein. stattlichesdurch seine Einfachheit und Gediegenheit wohltuend wirkendes Gebäude. Die Aerztezirnmer, die Gesellschaftsräume, die Küche, die Schlafzimmer, die breiten, luftigen Korridore erfreuen durch ihre Zweckmäßigkeit, und Sauberkeit. Für die armen leidenden Menschen, die hier meist für drei bis vier Wochen vollkommen freie Wohnung, Kost und ärztliche ' Pflege genießen, muß dieses Heim geradezu ein Paradies sein. Man sieht den Patienten, die wir in dem großen Garten wandelnd, in dem schönen Speisesaal essend sehen, das Behagen und die Dankbarkeit an, mit denen sie diesen Segen genießen. Durch diese wundervolle Anstalt ist etwas geradezu Vorbildliches ge- . leistet worden, und man kann die hochherzigen Spender, deren Namen vielfach bei den einzelnen'/ Sälen verzeichnet sind, und den Begründer des ganzen Unternehmens, Herrn Rabbiner Dr. Ziegler, der die großen Summen durch eigene Tatkraft beschafft hat, zu ihrer großartigen Gründung nur beglückwünschen. Man Möchte nur den Wunsch hinzufügen, daß die Anstalt noch recht lange den leidenden Glaubensgenossen Segen spenden möge, und daß sich auch bald Mittel finden, um das drite, bereits ausgebaute Stockwerk, dessen Zimmer bisher noch nicht eingerichtet werden konnten, zur Aufnahme von Leidenden zu benutzen. Ueber den Begründer der Anstalt, den wackeren, geistvollen Und liebenswürdigen Herrn Rabbiner Ziegler, der wir, wie so vielen anderen Kurgästen, die nach Karlsbad kommen durch seine sachkundige Führung und seine belehrenden, unterhaltenden Gespräche den Aufenthalt zu einem so angenehmen zu gestalten weiß, seien noch einige Worte gestattet. . . Ignaz Ziegler ist geboren am 29.' September 1861 in Also- Kubin in Ungarn. Am 22. Juni 1888 wurde er am Budapester Seminar zum Rabbiner promoviert, feit dem 15. August 1888 ist er Rabbiner in Karlsbad und feiert also am'15. August das 25 jährige Jubiläum seiner Rabbinerwirksamkeit, die er an einem, unddemselben.Orte ausgeübt hat. Dre/vvn ihm erschienenen Schriften sind, die folgenden':; > ' - 1889 die Uebersetzung der Haphtoroth; sie ist vielfach um Gebrauch. 1894 „Religiöse DispMtiönest'M I960 „Geschichte des Judentums". — 1.9 0 3./„Die Mst'i'Kgleichnisse des Midrasch, beleuchtet dutch die römische Käisergeschichte". -— 1 9 0 7 „Der Kämpf zwischen Mdöütüstl Md Christentum in den ersten drei christlichen Jahrhunderten^ '— 1912 „Die Geistesreligion und das jüdische ReligioNsgeM^; 1913 (im August) „Dokumente zür Geschichte der Jüdestsid Karlsbad". — Von 1894 bis 1897 gab ier im 'Verein knit M. Kurrein-Teplitz und Dr7 Stern-Saaz tue Monatsschrift ,'Zü°- vische Chronik" heraus. Seit 1889 Mitarbeiter der „Allgemeinen Zeitung des Judentums": 'seit 1912 Herausgeber' der „Volksschriften über die jüdische ' Religion". ' Von seiner humanitären Wirksamkeit ist außer dem schon. erwähnten Hospiz das israelitische Ferienheim zu erwähnen« das-ein eigenes Heim in Schlaggenwald besitzt. Endlich ist hervorzuheben, daß Ziegler einer der Mitbegründer der Bne-Vrith-Loge in Karlsbad ist, die seit 1894 besteht. cheber Zieglers, wissenschaftliche Arheit und die.von ihm herausgegebenen Volksbücher hat, dieses Blatt mehrere Artikel.-veröffentlicht. Wenn diese vielleicht nicht. 'immer ganz den Standpunkt billigen konnten, den der Verfasser 'urch Herausgeber einnimmt, so wären sie doch erfüllt von Anerkennung für sein wackeres Streben. ■■•••.! Mir kommt es nicht zu, über dstse Arbeiten an dieser Stelle ein 'Urteil zu fällen, aber-dem. Prediger, Rabbiner und Redner darf ich aus selbständiger Kenntnis rchd aus eigener. Ueberzeugurkg warmes Lob spenden. . ' Herr Rabbiner Ziegler ist ein ausgezeichneter Redner, der durch die Sachlichkeit, Klarheit und Wärme seines Vortrages erfreut, belehrt und erhebt. In einfachen Schrifterklärungen.weiß er den belehrenden Ton zu treffen;, in seinen Vorträgen besticht er durch, die Klarheit seiner Disposition und durch .das reiche-, wohlgeordnete Wissen; in. seinen Predigten erhebt er durch seine Wärme und durch hie von jedem falschen Pathys entfernte homiletische Kunst. Wenn er jungen Menschen, die zur Feier ihrer Barmizwah zur Thora gerufen werden, ihre Pflichten auseinandersehl und sich nicht, scheut, vor einem großen Publikum auch auf die Einzecheiten.ihM Hebens-, .Md . der Forderungen-/ die ihre Zukunft an sie stellt, ernzugehen, so bewährt er sichals. .ein treuer Seelsorger seiner Gemeinde. In seinen Predigten löst er mit Meisterschaft seine schwierige Aufgabe, . y.-Ar--. _ ’ •» Denn er hat -wahrend der langen '^urzeich^wvn .Mitte April bis- Mitte. Oktober/ nicht. Nur. zu-r;nd/.vop.Hmer Gemeinde zu reden, die freilich apch in den FrühliytH-^Gommer- und Herbstmonaten ein erhebliches Kontingents zstchepr. stets ungemein zahlreichen Puhlikpin stellt, sondern-, er. spricht Phot. Willinger, Berlin.