Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- Seite 340 (sequence 4)
- Language
- German
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340 2. Die Gesamtzahl der Juden beträgt nicht acht, sondern elf bis zwölf- Millionen,-davon leben in Europa nicht. 6,650 000, sondern zirka 9 Millionen, und izfvar,'.in - / --i’DteßtonÖ■ 6* (1897: 5 215 805) . '*'!1 •- - Rumänien--. ‘ .: . . . 266 588 (1899) Deutschland- . . .\. . 615000 - " - Großbritannien . . . . 245 000 -Oesterreich .-. v . . . . 1313 867 ' ---Ungarn' . . . 932458 3. "Bei der Angäbe der Zahl der Juden in -Amerika mit 200 000 muß ein Versehen vbrliegen. Wanderten doch z.B. aus Rußland 1880— 1904 allein 880453, aus Oesterreich-Ungarn 1901—1910 162 811 Juden nach den Vereinigten 'Staaten aus, die jüdische Bevölkerung wird in diesem- Lande-auß lzirka zwei' Millionen geschätzt, wovon allein eine Million in New -Dork lebt. . 4. In der Türkei find seit der Revolution alle Konfessionen militärpflichtig, also auch'die Juden." ' .. * An das „Verl. Tagebl.,, hat der Abgeordnete v. Graefe nachstehendes Schreiben gerichtet: In dem betreffenden Artikel schreiben Sie, ich hätte gesagt, „auf den Kriegerdenkmälern seien die Namen Cohn, Manasse und Mosesnicht zu finden". — Das ist ein Irrtum Ihres Ärtikelschreibers. Ich habe-vielmehr — wie Sie sich an dem unkvrrigierten Stenogramm überzeugen können — auf einen sozialdemokratischen Zuruf gesagt: „Sie finden Herr Abgeordneter Vogtherr meines. Wissens - keinen Cohn,, keinen Manasse, keinen Moses in den-Annalen der Kolonialkriege vor.". -Ich besitze nämlich-nicht das mir von Ihnen so freigebig zugesprochene „Vorurteil", noch die Verblendung und unglaubliche Unkenntnis", wie es-in-Ihrem Artikel heißt, um nicht selbst zu wissen,, daß in unseren vaterländischen Kriegen auch Juden tapfer und mit'Auszeichnung mitgekämpft upd-geblutet haben.- Meine Argumentation bedeutete darum auch keineswegs,' wie Sie aus der" irrigen Wiedergabe meiner Worte ableiten, eine'allgemeine Herabsetzung des Judentums, sondern mit ihrem Hinweise aus die bekanntlich fast nur aus Freiwilligen gebildeten Kolonialtruppen, die einfache Feststellung, daß im allgemeinen der Jude im heutigen. Staat sich selbst freiwillig gar nicht nach kriegerischen Lorbeeren drängt. Auch. der vom Abgeordneten Müller-Meiningen zitierte. Leutnant Bendix ist durchaus kein Gegenbeweis: denn ohne dadurch, das Ehrenvolle seines Soldatentodes im geringsten herabmindern zu wollen — man kann ihn nicht als „Kriegsfreiwilligen" bezeichnen wie die anderen Kolonialsoldaten; er hat sich vielmehr, da er sich beim Aufstand gerade als Angestellter der Otavibahn in der Kolonie befand, pflichtmäßig als Reserveoffizer gestellt — abgesehen davon, daß eine Schwalbe keinen Sommer macht. Ich verstehe nicht, wie man in der Feststellung, daß Gaben und Neigungen verschieden verteilt sind, etwas Kränkendes oder ein „verblendetes Vorurteil" finden kann; wer nicht den Soldatenberuf in sich fühlt, der wird seine Fähigkeiten schon auf anderen Gebieten besitzen und betätigen; nur soll man dann nicht gerade ausgerechnet, den Soldatenberuf für ihn beanspruchen wollen. Ich beschränke mich, um Ihre geschätzte Geneigtheit zum Abdruck dieser Zuschrift mck>t unbillig aufs Spiel zu setzen, auf diese kurze Richtigstellung; ich . hoffe, daß Sie daraus entnehmen können, daß Ihre Aufzählung jüdischer Kriegsteilnehmer mit meinen Worten gar nicht im Widerspruch steht, und daß überhaupt die ganze Erregung über meinen „fürchterlichen Antisemitismus" ihren Ursprung allein in der entstellten Wiedergabe meiner Rede finden dürfte. * .. Die „N. I. K." berichtet: Der neue Rei'chsv e.rein deutscher Juden? In der Vertrauensmännerversammlung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland vom l.Mai d.J. war, wie seinerzeit berichtet wurde, der Beschluß gefaßt worden, mit Rücksicht auf die bekannten Vorgänge im „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" eine neue Organisation der deutschen Juden zu gründen, die bei völliger Neutralität für die Wahrung der Rechte der Juden einzutreten hat. Die Vorarbeiten ‘ zur Begründung wieser neuen- Organisation sind nunmehr abgeschlossen. Die neue Vereinigung wird den Namen „Reichs- Verein deutscher Juden" sühnen. -Mitgliederkönnen sowohl einzelne Petsonen als auch jüdische Organisationen in Deutschland werden. DW Aufgaben des: „Reichsvereins" sind Währung der Rechte der deutschen-Juden sowie Förderung gemeinsamer Arbeit auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet. . Erfüllt von dem Bewußtsein der geschichtlich bewährten Anhänglichkeit der deutschen Juden an ihr Vaterland soll der Reichsve-rein die Mitarbeit der deutschen Juden an den positiven Aufgaben des Vaterlandes, erstreben. Zu den verschiedenen Richtungen innerhalb des Judentums wird der Reichsverein selbstverständlich keine Stellung nehmen. In den wichtigsten deutschen -Städten, in denen Juden wohnen, sind , bereits Vertrauensmänner gewonnen. Die vorläufige Leitung hat Rechtsanwalt Dr. Klee in Berlin übernommen. ' Mit tiefem Bedauern nehmen und geben wir von dieser Nachricht Kenntnis. Denn es ist auf das schwerste zu beklagen, daß die Zionisten in dieser Weise der segensreichen Tätigkeit des Zentralvereins entgegentreten und seine Wirksamkeit zu hindern suchen. Hoffentlich wird der Zentralverein es an Gegenmaßregeln nicht fehlen lassen. Karlsbader Ssdebrieke. Non L u d w i g G e i g e r. II. arlsbad wird sehr viel von Juden besucht. Die westeuropäischen unterscheiden sich in Kleidung und Benehmen wenig von den übrigen Kurgästen; Protzerei tritt selten aufdringlich'hervor. Im -Mai und Juni sah -man von den östlichen Glaubensbrüdern, die im Kaftan und mit Peies angetan promenieren und von jüdischen Frauen aus dem Osten, die meist sehr wenig vornehm^ sondern dürftig und elend aussehen, nicht allzuviele. Auch die Kurliste, die sonst eine Auslese seltsamer Namen bringt, bot in jener Zeit nur wenig derartiger Namen, an denen ja meist nicht die Willkür oder die Geschmacklosigkeit ihrer Träger, sondern böser Wille ehemaliger judenfeindlicher Beamter die Schuld trägt. Ausgefallen sind mir nur: Joseph Simche Frauwirt und Isidor Zentnerschwer,, ganz eigentümlich berührte es, bei einem Herrn;; Samuel. Goldstern als Stand bemerkt zu sehen: -Talmudist. Üeber die 'jüdische Gemeinde in Karlsbad verdanke ich dem , Herrn Rabbiner Dr. Ziegler folgende Notizen: „Die Kultusgemeinde in Karlsbad ist eine der jüngsten unter den großen jüdischen Gemeinden Böhmens. Sie hat sich : erst im Jahre 1869 konstituiert. Im Jahre 1499 nämlich erhielt die Stadt Karlsbad vom König Wladislaus das Privilegium,. Juden den Aufenthalt in Karlsbad verweigern zu können. (Siehe darüber das im August erscheinende Buch von Dr. Ziegler: Dokumente zur Geschichte der Juden in Karlsbad.)' 1874 wurde Ludwig M o s e -r zum Vorsteher gewählt, der bis heute dies Ehrenamt bekleidet. Er feierte unter verdienten Ovationen am 18. Juni seinen 80. Geburtstag.; 1875 wurden die Herren Adolf Rosenfeld und Josef H a i n f u r t h in den engeren Vorstand gewählt, so daß diese drei Männer bald 40-Jahre hindurch ununterbrochen an der Spitze der jüdischen Gemeindeverwaltung in Karlsbad stehen. In den Jahren 4875 bis 1877 wurde die Synagoge, entworfen vom Baurat Wolfs aus Stuttgart, errichtet, am 4. September 1877 eingeweiht. Im Jahre 1869'zählte die Gemeinde 120 Mitglieder, heute.über 500 Steuerzahler und 2029 Seelen; sie-ist die viertgrößte Gemeinde: in Böhmen, abgesehen von ihrer internationalen Bedeutung." . '’■■■■ Außer der schönen Synagoge ist vor allen .Dingen das' Kaiser-FranZ-Josef-Regierüngs-Jubiläums-Hospiz . füv' arme, Israeliten in Karlsbad zu erwähnen. - Es ist apf die Initiative des Herrn Rabbiner Ziegler erbaut,worden, die zu dem . Bau notwendigen -Summen wurden von ihm zum allergrößten Teile ausgebracht, -(Er erhielt dafür sin Jahre 1903 den Franz- , Josef-Orden.) In diesem Hospiz haben während der Saison 1912 366 Personen, meistens vitzr Wochen hindurch, Wohnung,- Verpflegung und ärztliche Behandlung unentgeltlich genossen. Es fanden Aufnahme-aus Böhmen 67,Mähren31, Wien 96, Galizien 35, Bukowina 8, Oesterreichisch-Schlesien 5, anderen