Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- Seite 339 (sequence 3)
- Language
- German
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339 zu schließen. Die Rumänen sind in Bulgarien eingerückt, ohne Widerstand zu finden. Bisher^war der Krieg furchtbar blutig und durch entsetzliche Greuelbefleckt.Angesehene. Bulgaren, darunter auch der Großrg.bbiner.Pwn Sofia,' haben vor Europa gegen die Uumestschlichkeltest^rotMert, mit denen man in Saloniki gegen Nllgavische.Truppen vorgegangen ist; daß die Bulgaren^es nicht besser treiben, lehrt folgender Zeitungsbericht: . Athen, 1^., Juli. (Zlgence d'Äthönes.) Der Kommandant der siebenten Division, meldet dem Generalquärtier telegraphisch, daß die Stadt.Serrys gänzlich^ mit"'Ausnahmeder muselmanischen Stadtviertel, eingeäschert worden ist.' Der jüdische Basar ist vollkommen verbrannt^' Unzählige ‘Frauen: und Kinder Tsind ermordet oder verbrannt in den Häusern aufgefunden worden. In der Stadt herrscht Mangel am notwendigsten Brot. Die dringendsten Maßnahmen für die obdachlosen 20 000 Einwohner sind getroffen worden. Eine ausführliche, Mitteilung des Kriegsministeriums berichtet Einzelheiten über, die „schrecklichen Verbrechen", die die bulgarischen Truppen auf der Flucht vor der griechischen Armee begangen haben. Priester, Greise, Frauen und Kinder sind zu Tode gemartert worden. Nach den letzten Niederlagen haben sich die Bulgaren sengend, brennend uni) raubend zurückgezogen und selbst keine Kirche verschont. Die von den „bulgarischen Offizieren wie Soldaten geraubten Wertstücke" konnten bisher nicht festgestellt werden. In Strumitza waren schon 16 Mohammedaner ermordet, als die Griechen eintrasen und den Nest der Einwohner retteten. * Die „Frankfurter Zeitung" veröffentlichte am 6. Juli einen höchst bemerkenswerten Aufsatz: „Sind die Juden eine k r i e g e r i s ch e R a s s e", von Earl Freiherrn v. Nichthosen. Nachdem der Verfasser von der Tüchtigkeit der Juden als Krieger in der Zeit ihrer staatlichen Selbständigkeit gesprochen, fährt er fort: Der Feldprediger der jüdischen Soldaten in Aldershot hat vor einiger Zeit statistische Angaben veröffentlicht über die, Zahl der Israeliten, die in den verschiedenen europäischen Heeren dienen, und diese Zahlen ergeben die erstaunliche Auskunft, daß verhältnismäßig eine größere Anzahl von jüdischen Soldaten in Europa vorhanden ist als christliche Soldaten. Die Gesamtzahl der Juden in allen fünf Erdteilen beziffert sich gegenwärtig auf acht Millionen, wovon ungefähr 500000 in Afrika, 750 000 in Asien und 200 000 in Amerika leben. Die 6 650 000 Juden in Europa liefern den Armeen Europas nicht weniger als 350 000 Mann. Der Kaiser von Rußland entnimmt eine, viel größere Proportion von Leuten , zum Dienste in seiner Armee seinen jüdischen Untertanen als dem Reste der unter seiner Herrschaft stehenden Bevölkerung, und obgleich dies nicht als eine Auszeichnung, von denjenigen geschätzt werden mag, die ihrer teilhaftig werden, so ist es doch augenscheinlich gewiß, daß die Inden nicht so bevorzugt würden/ wenn sie als Soldaten nichts taugten. Die Anzahl der Juden im russischen Heere beläuft sich nach offiziellen Angaben des russischen Kriegsministers auf 171 000 Mann. Im ganzen russischen Reiche leben 3 650 000 Juden. Der Abgeordnete Roditschew eiferte in der Duma gegen den erwähnten Antrag, die Juden von der Militärpflicht zu entbinden und dafür eine jährliche Steuer von diesen zu erheben. Nur in einem Sklavenstaat könnte ein solcher Vorschlag verwirklicht werden. Vor allem betonte Noditschew, daß die Juden bei der Ableistung der Wehrpflicht bisher ungerecht behandelt wurden; man sollte keine kranken Juden ausheben, dann würden keine unglücklichen jüdischen Soldaten vorhanden sein. „Die Befreiung einer Klasse von. Staatsangehörigen vom Militärdienst," sagte Roditschew weiter, „führt zum Verfall. Die Erfahrung hat gezeigt,.daß die Juden tapfere Soldaten sind und alle staatsbürgerlichen Pflichten ebenso gewissenhaft erfüllen wie die übrigen Bürger. Nicht die Juden haben Rußland zur Niederlage von Tsuschima geführt. Dagegen war der General, der für Rußland die Zentralasiatischen.Provinzen eroberte, ein Jude von Geburt. In England, Italien, Frankreich dient eine Unmenge Juden; sie geben zu keiner Klage Ästlaß. Gebt dem Juden Rechte; ihr könnt ihnen alsdann noch mehn Pflichten auferlegen. Betretet den Weg'des Rechts und der Gerechtigkeit; das ist der Weg, ein starkes und mächtiges Rußland, eine starke und. mächtige Armee zu schaffen." (Langanhaltender Beifalll) Soweit der christliche Dumaabgeordnete Roditschew. Der Verfasser geht dann kurz auf Frankreich, Italien, Amerika, Deutschland, die Türkei ein und schließt: In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde während des Krieges mit Spanien die gleiche Opferwilligkeit und Hingebung /bewiesen. - Der erste Freiwillige, welcher sich meldete, war ein Jude, und der erste Amerikaner, welcher auf dem Felde der Ehre .fiel, war ein Jude. Es muß bemerkt werden, daß die amerikanischen Generale über den Mangel an Drill und Disziplin sehr beunruhigt waren, der den Tausenden von Freiwilligen leider anhaftete. Nur die kleine reguläre Armee war imstande, sofort ins Feld zu rücken. Von den jüdischen Freiwilligen jedoch würde sogleich ein Regiment Kavallerie und Infanterie gebildet, und zwar! von solchen Leuten, die in Rußland und Deutschland gedient und eine vortreffliche, soldatische Schulung erhalten hatten. Die meisten von ihnen befanden sich in eigenem Besitz und ausreichender Vermögenslage, als ihr Adoptivvaterland ihre guten Dienste begehrte. Der Oberst (später Präsident) Noosevelt hat in Ausdrücken höchsten Lobes von den Juden gesprochen, die in feinem Regiment „Rauhe Reiter" standen. Er erwähnt namentlich einen jüdischen Sergeanten, der ihm bei einem Gefecht das Leben gerettet hatte, aber leider bei dieser Gelegenheit getötet wurde. Mehrere hundert Juden befanden sich unter dem Besatzungskorps auf den Philippinen, wo sie sich in vielen Gefechten und Scharmützeln brav benommen haben. Britische Juden haben nicht in geringer Zahl an dem Kriege gegen die Buren teilgenommen. Sie waren in nicht weniger als fünfundzwanzig Regimentern (die Hochländer und die Garden mit emgeschlossen) vertreten. . In einem. Berichte des Oberst Harris, der die Kimberley Rifles befehligte, heißt es: „Die in meinem Regiment befindlichen Juden sind in ihrem Kern und Wesen militärisch veranlagt, sie sind gehorsam und tapfer. Ihre Schlauheit und Gewandtheit macht sie zu Führern und Patrouillen sehr geeignet. In dem Feldzüge an der indisch-afghanischen Grenze sind zwei jüdische Offiziere gefallen, deren Mut gerühmt ward. Von der jüdischen Gemeinde in Bombay werden viele junge Leute Soldaten und ein. starker Teil von ihnen avanciert zu Offizieren. Und wir müssen ferner erwähnen, daß das mächtigste Bergvolk Afghanistans an der Nordwestgrenze von Britisch-Jndien, die Afridis, welche über 6000 waffenfähige Männer ins FÄd stellen, mit Stolz seine Abstammung von den Hebräern rühmt, eine Abstammung, die nicht nur durch ihre streng markierten jüdischen Gesichtszüge, sondern auch durch andere Zeugnisse und Augenscheinlichkeiten zweifellos bewiesen ist. Die stämmigen, handfesten jüdischen Bergbewohner von Daghestan und Kaukasien machen die Wasfenhandhabung zu ihrer Hauptbeschäftigung und sind so gefürchtet von ihren Feinden, daß'diese sie gern in Ruhe lassen, und es mag noch gesagt werden, daß ein Stamm von Juden unter deni ungestüm kämpfenden Volke des Atlasgebirges die herrschende Rasse bildet. Alles bisher Gesagte gibt nur eine schwache, aber allgemeine Idee von dem Anteil, den die Juden jetzt in der Welt als Kämpfer und Krieger nehmen; aper wäre es unsere Aufgabe, ihre Laufbahn von den Tagen ihres Gesetzgebers Moses an zu schildern, so würde sich die Tatsache ergeben, daß sie niemals und in keinem Zeitalter sich unwürdig gezeigt habon ihres großen Kriegers und Helden, des Königs David. Einige Tage später (9. Juli), brachte dieselbe Zeitung folgende bemerkenswerte Berichtigung: , „1. Es ist nicht richtig, daß die Hauptbeschäftigung der Juden in Rußland vornehmlich im Handel liegt. Nach der amtlichen Volkszählung von 1897 waren von 1 530 737 jüdischen Berufstätigen beschäftigt in den folgenden Berufsgruppen: Landwirtschaft .. 37 373 Gewerbe .. 555229 Verkehrswesen . . . ....... . 45958 Handel ... . . . ... . . 472980 Dienstboten, Tagelöhner, Privatbeamte . . . 175 760 Oesfentlicher Dienst, freie Berufe ...... 71814 Unproduktive und unbestimmte Berufe ... - 116348 Militärdienst ........... 53195 Diese Berufsgliederung dürfte auch heute noch zutreffen, wobei noch zu bemerken ist, daß beim Gewerbe Handwerk und Hausindustrie überwiegen.