Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1913)
- Date
- 1913-07-11
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Hinznschlag der Zinsen in fruchtbringender Weise zur Verwendung gelangen wird. 22 Beelitz (Mark), 4. Juli. Am 29. vorigen Monats konnte die israelitische Erziehungsanstalt für geistig'' zurückgebliebene Kinder „Wilhelm-Auguste-Viktoria-StiftUng" nach fünfjährigem Bestehen ihre erste Emsegnungsfeier abhalten. Eingesegnet wurden drei Knaben und vier Mädchen. Schon am Sabbat vorher waren die Kiiaben in feierlicher Weise zur Thora aufgerufen worden. Die stimmungsvolle Feier wurde durch die Einsegnungsmotette von Lewandowski, die von den Kindern des Erziehungsheimes feierlich vorgetragen wurde, cingeleitet. Es folgte ein schlichter, aber doch würdiger Gottesdienst, der dem geistigen Standpunkt der Kinder Rechnung trug. Im Mittelpunkt der Feier stand die Ansprache des Herrn Direktors Bein und die Prüfung der Konfirmanden. Die sicheren und sinngemäß gesprochenen Antworten dieser schwachbefähigten Kinder, der feierliche Ernst, der aus ihren Worten sprach, machten -einen tiefen Eindruck aus die Zuhörer. Die Anwesenden waren geradezu von dem reichen religiösen Wissen der Kinder überrascht. Herzliche Worte richtete noch Rabbiner Dr. Schreiber- Potsdam nach der Prüfung an die Kinder. Mit Gesang und Gebet schloß die Feier. Lehrer, Eltern und Kinder und Freunde der Anstalt konnte ein Gefühl der Befriedigung und Genugtuung erfüllen; denn diese Feier zeigte, daß die schwierige Arbeit, die an diesen Kindern geleistet wird, auch reichlichen Lohn trägt. Unter den anwesenden Gästen befanden sich auch christliche Freunde der Anstalt aus Beelitz, unter ihnen auch der Bürgermeister, Herr Dr. v. N a m i n, ein Zeichen des guten Einvernehmens dieser Anstalt mit den Bewohnern der Stadt. W. Posen, 4. Juli. Nachdem satzungsgemäß auch die Kultuskommission der hiesigen Brüdergemeinde nunmehr von der Synagogengemeinde übernommen worden ist, hat die Bildung der Berwaltungskommission für die Synagoge (Synagoge B) stattgefnnden. Es sind in die betreffende Kommission gewählt worden: a) vom Vorstande der Synagogengemeinde die Herren: Stadtrat Hermann Elkeles, und als dessen Stellvertreter Oberingenieur Max Kuczynski; b) von der Repräsentantenversammlung die Herren: Kaufmann David Peltesohn und als dessen Stellvertreter Kaufmann Wolf Brandt; e) von den Mitgliedern der Synagoge B die Herren: Stadtrat Schleyer, Kaufmann Joseph Behr, Rechtsanwalt Dr. Kaempfer, Kommerzienrat N. Hamburger, Kauftnann Louis Glaser und als deren Stellvertreter die Herren: W. Pietrowski, Albert Rosenburg, Nathan Tuch, Adolf Simon und Rechtsanwalt Nab. 22 Nürnberg, 4. Juli. Am 30. vorigen Monats fand die feierliche Einweihung und Uebergabe des „Israelitischen Erholungsheims Nürnberg, AdolfundJulie-Schwarz- Stiftung", im Schloß Büg bei Forth durch einen kleinen Festakt statt, bei welchem die Orts- und Verwaltungsbehörden zahlreich vertreten und sehr viele Herren und Damen aus Nürnberg zugegen waren. Mit dem Vortrag eines Psalmes durch den Nürnberger Synagvgenchor unter Harmoniumbegleitung wurde die Festlichkeit in stimmungsvoller Weise eingeleitet. Die Festrede hielt der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Rabbiner Dr. Freudenthal. Der Redner schilderte in eindrucksvoller Weise die Bestrebungen der israelitischen sozialen Wohlfahrtsorganisationen, des Frauenvereins, des Hilfs- und Wohltätigkeitsvereins, sowie der Maimonidesloge, welche schon lange kranke und schwächliche Kinder zur Erholung auf das Land schickten. Das Ziel dieser Vereine, welche jetzt ihre Tätigkeit in dieser Hinsicht in nutzbringender Weise zentralisiert und vereinigt haben, ging schon lange dahin, ein eigenes Heim zu beschaffen, und durch die hochherzige Stiftung des Ehepaares Adolf und Julie Schwarz wurden diese Bestrebungeil in ganz idealer Weise zum Abschluß gebracht.,. Die Anstalt soll in erster Linie für israelitische Schulkinder ans Nürnberg und Fürth und, soweit Platz vorhanden ist, auch für die Kinder anderer Konfessionen aus diesen Städten bestimmt sein. Die Anstalt soll den jungen Menschen die höchsten Besitztümer zu erhalten unb zu fördern suchen. Sie soll Leib und Seele gesund und frisch erhalten, ein gottesfürchtiges Herz vereinen mit einem frischen und gestählten Körper und dadurch zum Wohl der Allgemeinheit dienen.-. Herr Dr. Freudenthal dankte den Behörden für ihre Unterstützung und allen denjenigen, welche durch Rat und Tat zu dem Gelingen der wohltätigen Einrichtung mitgewirkt haben, und indem er die Anstalt dem Schutze der Behörden, des Kreises und der Ortschaft empfahl, schloß er mit dem Wort unserer Weisen: „Bekümmert euch ja um die Kinder der Armen, denn von ihnen wird die Gotteslehre > ausgehcn." Herr Ludwig Rosenzweig hielt im Namen der drei Wohlfahrtsvereine eine Ansprache und betonte dabei, daß in unserer sozial gerichteten Zeit die Fürsorge für das Kind im Mittelpunkt aller Bestrebungen stünde. Herr Dr. med. Grünebaum sprach namens der Maimonidesloge sowie namens der Großloge von Deutschland die besten Wünsche für das Blühen und Gedeihen des Kindererholungsheimes aus, und erwähnte dabei, wie die von der hiesigen Loge gegründeten interkonfessionellen Jugendhorte sich in erfreulicher Weise entwickelten. Namens der Administration und der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde sprach Herr Direktor M. Gombrich den Stiftern fowie den mitwirkenden Vereinen Dank und hohe Anerkennung aus zu dein schönen Werke, welches der israelitischen Gemeinde zur Ehre und zum Segen gereiche. Herr Bezirksamtmann, Negierungsrat Nedenbacher, brachte der neuen Heimstätte die besten Glückwünsche von seiten der Verwaltungsbehörden dar. Herr Hofrat Dr. Goldschmidt begrüßte das Heim im Namen des-Vereins für Ferienkolonien als eine segenbringende Ergänzung der Bestrebungen dieses Vereins. Ein Rundgang durch die Räume, die nach den Plänen des Herrn Architekten Albert Mayer und unter Mitwirkung des Herrn Regierungsbaumeisters W a l l e r st e i n e r in äußerst glücklicher Weise für den Zweck umgestaltet wurden, erweckte hohe Befriedigung bei allen Anwesenden über die schönen, luftigen und außerordentlich hübsch und zweckentsprechend ausgestalteten Räume, in welchen die einziehendcn kleinen Gäste sich hoffentlich recht wohl und glücklich fühlen werden. 22 Baden-Baden, 4. Juli. Am 22. v. M. erfolgte hier in kurzer und schlichter Feier die offizielle Eröffnung des Erholungsheims für i s r a e l i t i s ch e F r a u e n Baden-Badens. Das Heim wird von einem in Frankfurt a. M. konstituierten Verein geleitet und bietet für nahezu zwanzig Insassinnen Platz. Freifrau Mathilde v. Rothschild zu Frankfurt a. M. hat die Anregung zur Errichtung dieses Heims im wundervollen Tal der Oos gegeben und .hat die Möglichkeit zum Erwerb des herrlich gelegenen Hauses durch eine reiche Spende geschaffen, indem sie jedoch die fortdauernde Unterhaltung des Heims dem neu gegründeten Verein übertrug. In einem weitreichenden und künstlerisch angelegten Garten liegt das Haus, das mit seinen schlichten und schönen Räumen sicherlich jeden Insassen und Besucher entzücken wird. Zn der feierlichen Eröffnung waren die staatlichen und städtischen Behörden, wie zahlreiche Mitglieder der Bürgerschaft von Baden-Baden und der israelitischen Gemeinde, sowie eine Reihe von Kurgästen erschienen. Außer dem Großherzoglichen Amtsvorstand Herrn Freiherr v. R e ck waren der Oberbürgermeister der Stadt Baden-Baden und die Vertreterinnen der am Platz befindlichen Frauenvereine erschienen. Der Großherzogliche Oberrat der Israeliten war durch Herrn Geheimen Oberregierungsrat Dr. M e y e r und der Synagogenrat der Gemeinde Baden-Lichtenthal durch Herrn Rechtsanwalt Dr. Herr mann vertreten. Ihre Königliche Hoheit, die G r o ß h e r z o g i n L u i s e von Baden hat in gnädigster Weise durch den Herrn Amtsvorstand sowie durch die Präsidentin des Badischen Frauenvereins aus eigener Initiative ihr Interesse und ihre Glückwünsche ausgesprochen. Die Feier selbst wurde durch den stimmungsvollen Vortrag des Liedes. „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" seitens des Herrn Kantor Grünfeld eröffnet. Sodann ergriff Herr Rechtsanwalt H o r o v i tz, Frankfurt a. M., als Vorsitzender des Vereins das Wort. Er begrüßte zunächst alle Erschienenen und sprach Worte des Dankes und der Bewunderung für die edle Spenderin aus, indem er aussührte, sie habe den glücklichen Gedanken wahrgemacht, „daß es in diesem herrlichen Tal, wo die Lüfte milder wehen und lebensstärkende Quellen sprudeln, nicht an einer Stätte fehlen darf, wo einer der Grundpfeiler der sittlichen Weltordnung nach jüdischer Auffassung, Gemilus Chassodim, werktätige Nächstenliebe zur äußeren Erscheinung kouunt." Der Redner besprach dann in kurzen Worten die Geschichte des Vereins und seine bisherige Entwicklung und schloß mit den Worten: „In unserer -aller Bibel steht das Wort „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst". Einer der größten Lehrer Israels hat es festgelegt und verkündet, daß in diesem Spruche unserer Bibel das ganze Judentum mit all seinen Gesetzen und Vorschriften begriffen ist, daß dieses Wort die Grundlage unseres Glaubens ist und das alles andere an Gesetzen und Gebräuchen nur Ausführung und Erläuterung zu diesem Grundwort der Religion darstellt. So wollen wir es versuchen, mit diesem Heime und mit dieser. Anstalt von neuem das Grundwort des Glaubens zu künden und auszuführen in der Hoffnung, daß die Mitarbeit und die Anteilnahme der Erschienenen und weiter Kreise uns die Möglichkeit gibt, diese Anstalt immer weiter auszubauen zum Heile der Menschheit und zu , ihrer eigenen Ehre."