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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-07-11 · Heft 28 (11.7.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 28 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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77. Jahrgang Nr. 28 > Berlin, 11. Juli 1913 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". lkorrelponLrn?rn und Mgchrichtrn. Deutschland. Berlin, 8. Juli. Die Gesellschaft z u r F ö r d e r u n g der Wissenschast des Iudentu m s hat in dem abgelaufenen Halbjahre abermals nahezu hundert neue Mitglieder gewonnen und so-von neuem den Beweis -für die werbende Kraft erbracht, der ihr infolge ihrer Ziele und ihrer Leistungen innewohnt.- An die Mitglieder der Gesellschaft ist im Frühjahrdas neue Jahrbuch für jüvische Geschichte, und Literatur zur Verteilung gelangt, und in einigen Wochen wird der interessante Vortrag, den Herr Professor Dr. Ludwig Bl a u, Budapest, in der Generalversammlung der Gesellschaft Ende vorigen Jahres in Breslau gehalten hat, an die Mitglieder versandt werden. Die Gesellschaft hat zurzeit zwei wichtige Werke im. Druck, den zweiten Band des umfassenden Maimonideswerkes, dessen erster Band seinerzeit von der wissenschaftlichen Welt ebenso wie vom gebildeten Publikum mit Aufmerksamkeit und Beifall begrüßt wurde, und die Geschichte des Shnagogenkultus von Dozent Dr I. Elbogen, Berlin. Dieses Werk verdient namentlich auf die religiösen Kämpfe der Gegenwart, bei denen es sich ja vielfach um die Erhaltung des. traditionellen - Gottesdienstes oder seine Umgestaltung handelt, die größte Beachtung, und sein Erscheinen wird daher vielfachmit Ungeduld erwartet. Um die Vorarbeiten für die geplante kritische Mischna-Ausgabe abzuschließen, wird Herr Dozent Dr.- E. B a n e t h, Berlin, voraussichtlich demnächst eine Studienreise nach England machen, um an Ort und Stelle die Mischna-Fragmente der Genisa zu sammeln ,und für die Edition noch zu verwerten. — Der Ausschuß der Gesellschaft hat am 17. Juni in Berlin eine Sitzung -abgehalten, in der die lausenden Geschäfte und Arbeiten der Gesellschaft besprochen wurden. Dieser Sitzung des Ausschusses ist in der vor--' letzten Woche eine Sitzung der Kommission für das Corpus Tannaiticum gefolgt, und ihr wird, sich in Kürze eine Sitzung der Kvnrmission für die Germania Judaica anschließen. Nach dieser Sitzung wird auch mit dem Druck der Germania Judaica. begonnen werden. Es ist zu hoffen, daß das bald druckfertige Werk den langjährigen und mühseligen Vorarbeiten entsprechen und sich den bisherigen wissenschaftlichen Leistungen 'der Gesellschaft würdig anschließen wird. Essei noch erwähnt, daß der Jahresbericht 1912 noch in einigen Exemplaren kostenlos von der Gesellschaft (Berlin N, Große Hamburger Straße 29) zu beziehen ist; er gibt ein anschauliches Bild von den Leistungen und den Arbeiten der Gesellschaft sowie von den Werken, welche sie vorbereitet. 2/D Berlin, 8. Juli. Die Generalversammlung des A r beitsa m t e s für j ü d i s ch e Akademiker fand vor kurzem im Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde Berlin statt und war von einer Anzahl der in Berlin ansässigen Mitglieder des Arbeitsamtes besucht. Sie beschäftigte sich mit der Decharge und Neuwahl des Vorstandes, der Statutenänderung, einer Vereinfachung des Verwaltungsapparates und mit einigen anderen^, die Organisation und Verwaltung betreffenden Fragen. Nach Erstattung des gedruckt vorliegenden Berichtes über die ersten drei Jahre der Tätigkeit des Arbeitsamtes wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Der § 2 des bisherigen Statuts erhält die Fassung: „Mitglied kann jeder unbescholtene Jude werden." Der Zweck dieser Aenderung ist, den Kreis der Mitglieder des Arbeitsamtes nach Möglichkeit zu erweitern und ihm dadurch in Zukunft größere materielle Mittel für seine umsangrerchen Aufgaben zu verschaffen. Die bisherige Leitung des Arbeitsamtes durch einen zwölsgliedrigen Verwaltungsausschuß und einen aus 31 Mitgliedern zusammengesetzten Gesamtausschuß hat sich als unpraktisch erwiesen. Es wurde daher beschlossen, an die. Stelle dieser beiden Körperschaften einen fünfgliedrigen Vorstand zu setzen. In diesen Vorstand wurden, nachdem dem bisherigen Verwaltungsausschuß Decharge erteilt worden war, gewählt die Herren Geh. Sanitätsrat Dr. Maretzki, als 1. Vorsitzender, Dr.-Jng. Max Berlowitz, als 2. Vorsitzender, Dr. med. Erich 'Rosenkranz, Chefredakteur I. Landau und Dr. M. Ginsberg. Da der bisherige geschüftsführende Sekretär infolge beruflicher Ueberlastung sein Amt niederlegen, mußte, wählte der neue Vorstand an seiner Stelle Herrn Dr. Georg Herlitz. Ihm wurde der spezielle Auftrag erteilt, eine umfassende Propaganda für das Arbeitsamt in die Wege zu leiten. Das Arbeitsamt wendet sich daher im Interesse seiner für die jüdischen Akademiker Deutschlands eminent wichtigen Aufgaben an alle deutschen Juden mit der dringenden Bitte, seine Bestrebungen durch Beitritt als Mitglied unterstützen zu wollen. Der jährliche Mindestbeitrag beträgt 5 Mark. Das Arbeitsamt bittet ferner alle jüdischen Akademiker, ihm von Vakanzen und Niederlassungsmöglichkeiten für jüdische Akademiker und von Stellungsgesuchen sofort Mitteilung zu machen. Zuschriften und Beitrittserklärungen sind zu richten an das Bureau des Arbeitsamtes für jüdische Akademiker, Berlin G 25, Dircksenstr. 26/27 : (Amt Königstadt 11 488). L. G. Berlin, 8. Juli. Am 2. d. M. starb Frau Doris Holzm ann, die Gattin des Herrn Direktors Dr. M. H o l z m a n n, der jahrzehntelang der Leiter der Schulen unserer jüdischen Gemeinde war. Mit dem Gatten, der seine treue, seit fast einem halben Jahrhundert - mit ihm geeinte Lebensgefährtin verlor, trauern zahllose Freunde über den Verlust dieser ausgezeichneten Frau. Sie war ein seltenes Muster von Herzensgüte und bis in ihre chohen Jahre die verkörperte Anmut. Sie verstand es, in unnachahmlicher Weise ihrem Gatten alles Schwere und Lästige sernzuhalten, war eine wahrhafte Mutter der Schüler und Zöglinge des Gatten, eine Frau, die den Ihrigen aus den unversieglichen Schätzen ihrer Liebe zu spenden wußte, die den Freunden und Kollegen des Gatten sowie allen denen, die ihr Haus betraten, 'durch ihre Heiterkeit und vollendete Liebenswürdigkeit Behagen gewährte. Sie trat bescheiden in den Hintergrund, durfte sich aber sagen, daß sie an den Ehren, die ihr Gatte genoß, ihren ganzen und vollen Anteil mitzuseiern würdig war. — Die Beerdigung, die am 4. d. M. nachmittags drei Uhr stattfand, gab Zeugnis von der Liebe und Verehrung, die dje Verstorbene in den weitesten Kreisen genoß. Herr Rabbiner Dr. War s ch a u e r hielt die Trauerrede. Man würde dieser meisterhaften Ansprache das schwerste Unrecht zufügen, wenn man ihr nur-die üblichen banalen Worte der Anerkennung spendete. Sie war geradezu ein Wunderwerk in ihrer schlichten Einfachheit, fern von allem Pathos und von aufdringlicher Trostzusprache. Eine Rede, die mit Wärme und Innigkeit die vorzüglichen Eigenschaften der Verstorbenen pries, mit vollendeter künstlerischer Kraft der Sprache und des Ausdrucks das Bild der Verklärten zeichnete und in tiefer Religiosität den Hinterbliebenen die Ausgabe zuwies, in Erinnerung an das Köstliche, das sie so lange ihr eigen genannt, einen unvergänglichen Besitz zu erwerben. Die schlichte Feier, die in dieser hinreißenden wundervollen Rede ihren Höhepunkt erreichte, wird allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben. Dem schwergebeugten Gatten, dem mit dem Hinscheiden seiner Lebensgefährtin die Krone und das Licht seines Lebens geraubt sind, wünschen wir aus tief mitfühlendem Herzen Kraft und Stärke, in seinem einsam gewordenen Leben die Seelengröße zu bewahren, mit der er seit Jahrzehnten uns allen ein unerreichbares Vorbild ist. So möge das Andenken der Vortrefflichen zum Segen werden. Berlin, 8. Juli. Auf Anregung der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" in Berlin und in AnglieVerung an dieselbe hat ein hochherziger Philanthrop, Herr Nt a r k u s P r z e d b o r s k i aus Lenczhca in Russisch-Polen, sich entschlossen, eine Palästina-Kolonisationsstistung in der Höhe von 80 000 Frank (30 000 Rubel) zu errichten. In dem an den Ehrenpräsidenten der A. I. O., Herrn Dr. Isidor Ginsberg gerichteten Briese schreibt der Stifter: „In Anbetracht der unsagbar traurigen Verhältnisse, unter denen unsere Glaubensgenossen in meinem Heimatlande zu leiden haben, glaube ich meiner Stiftung keine bessere Bestimmung verleihen zu können, als die F ö r d e r u n g d e r P a l ä st i n a - K o l o ui s a t i o n d u r ch r a . t x o n e 11 erteilten K redi t und durch Vorbereitung jüngerer A u s w a n d e r e r zur Ausübung des landwirtschaftlichen oder gewerblichen Berufes in Palästina. Möge mein Beispiel die Wirkung haben, daß in jeder Gemeinde mehrere ähnlich' denkende Männer sich finden, die einen Teil ihres Vermögens der dauern- ' den Versorgung ihrer unglücklichen Glaubensgenossen widmen. Nur wenn jeder von uns dieser Pflicht nachkommt, kanck das namenlose jüdische Elend beseitigt werden." 'Die A. I. K. O., der Herr Przedborski die Verwaltung seiner Stiftung anvertraut hat, hat bereits einen Plan aüsgearbeitet, aus Grund dessen das Stiftungskapital unter

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