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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-07-11 · Heft 28 (11.7.1913) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 28 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
Seite 336 (sequence 12)
Language
German
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336 ein Angriff gegen mich in der Behauptung, ich' hätte den Vorstand in einer Weise angegriffen, „als ob sich der Vorstand gegen elementare Grundsätze der Verwaltung oder 'gar gegen die Auffassung der Repräsentanten versündigt hätte." Da wir leider keine stenographischen Berichte über die Verhandlungen der Repräsentantenv.ersammlung haben, so läßt es sich nicht objektiv feststellen, ob dieser Satz wirklich gesprochen worden ist. Zweifellos hat Herrn Veit-Simon meine Polemik gegen die Vorlage des Vorstandes nicht gefallen, aber er hat seinem Mißfallen einen anderen Ausdruck verliehen, aus den ich nur kurz in einer persönlichen Bemerkung erwidert habe. Hätte ich jenen Satz gehört, so würde meine Erwiderung, wenn auch nur im Rahmen einer persönlichen Bemerkung — denn ein anderer Weg stand mir nicht zu Gebote, da nach der Rede des Herrn Veit-Simon ein Antrag auf Schluß der Debatte gestellt und auch von ihm angenommen wurde — doch ausführlicher ausgefallen sein. Da meine Rede, wenn auch nicht ganz vollständig, doch wörtlich im Gemeindeblatt gedruckt vorliegt, so darf ich das Urteil, ob der Angriff des Herrn Veit-Simon berechtigt ist, den Lesern des Gemeindeblattes überlassen. Wäre er aber berechtigt, so träfe er Herrn Veit-Simon selbst. Denn er kommt ja ebenso wie ich zu r Ablehnung'der V o r l a g e, und zw a r im wesentlichen aus denselb-en Gründen. Auch erhält die v o r g esch l ag en en B e z i r k s k o m m i s si o n e n „nicht für eine Erleichterung, sondern für eine E rs ch we r u n g der Ver waltu n g", diese würde „n i ch i be sch leun i g t, sondern verlangsamt" werden. A u ch d a s A rg um ent von d e n z e n t r i s u g a l e n Krästen, das ich für die Ablehnung d e r V o r l a g e i n s F e l d führte, spielt b e i H e r r n Veit-Simon eine bedeutsame R o l le. Es will mir daher scheinen, als ob Herr Veit-Simon in einer bedauerlichen Selbsttäuschung befangen wäre. Denn welchen Sinn hat es wohl, eine Vorlage, die man ablehnt, an den Ausschuß zurückzuverweisen, oder.sonst einer nochmaligen Beratung zu unterziehen? Herr Veit-Simon macht ja selbst einen ganz anderen Vorschlag, den übrigens bereits Herr Minden in der gemischten Deputation vorgebrach't, den aber wiederum der Vorstand sich nicht zu eigen gemacht hat. In jedem stalle würde .also eine neue, von der in Rede stehenden völlig abweichende Vorlage erforderlich werden, wie es der Ausschußantrag bezweckte. Die Differenz zwischen Herrn Veit-Simon und der Majorität der Repräsentantenversammlung ist demnach lediglich eine formale, und dies dürfte abermals zeigen, wie unbegründet sein Angriff ist. Es ist jedenfalls seit Bestehen des Gemeindeblattes noch nicht dagewesen, daß jemand seine daselbst bereits in aller Vollständigkeit enthaltene „Rede" nochmals an anderer Stelle, isoliert von den Ausführungen aller anderen Redner veröffentlicht und dabei überdies gegen einen Kollegen einen Angriff richtet, über den sich an dieser Stelle niemand aus Mangel an den erforderlichen Unterlagen ein eigenes Urteil bilden kann, wie ja auch die ganze Rede nur den Eingeweihten verständlich sein kann. Ein Zusammengehen des Vorstandes und der Reprüsentantenversammlung wird sicherlich von Leiden Körperschaften erstrebt und auch fast immer erreicht, aber es ist doch unmöglich, daß nicht Meinungsverschiedenheiten Vorkommen, und. Herrn Veit-Simon dürfte es wohl, wenn er sich die Mühe nehmen will, sein Gedächtnis zu befragen, nicht zweifelhaft bleiben, daß er sich häufiger als manches andere Mitglied der Repräsentantenversammlung und ich selbst in heftiger Opposition gegen den Vorstand befunden hat. B e r l i n. 29. Juni 1913. S. K a l i s ch e r. EinIüdisches K u n starchiv. Die Quellen zur wissenschaftlichen Bearbeitung jüdischer Kunstdenkmäler und die Biographien jüdischer Künstler fließen nur spärlich. Das zahlreich vorhandene Material ist weit verstreut, oft noch an unbekannten Orten bewahrt, und kommt nur durch Zufall an das Tageslicht. Viele Gemeinden besitzen wertvolle Kunstgegenstände, auch viele Familien bewahren unter den Erbstücken Gegenstände, deren kunst- und kulturgeschichtlicher Wert ihnen nicht zur. Genüge bekannt ist. An verschiedenen Orten bestehen bereits öffentliche Sammlungen von Kultusgeräten, Münzen, Handschriften und interessanten Drucken. Was aber das. Erfordernis einer' wissenschaftlichen Bearbeitung aller dieser Dinge ist, die archivalische Kenntnis, d. h. die sachgemäße Notierung und Vergleichung fehlt noch vollkommen.! Was von den jüdischen Kunstaltertümern zu sagen und zu beklagen ist, gilt auch von der Kenntnis der jüdischen Künstler unserer Zeit. Der häufig gemachte Einspruch, daß die Juden als Künstler nur mäßig begabt und nichts Ursprüngliches zu leisten imstande seien, ist durch das tatsächliche Material bereits als irrtümlich nachgewiesen. Herr Karl. Schwarz, Mitarbeiter der illustrierten Monatsschrift „Ost und West", hat es sich zur besonderen Aufgäbe" gemacht, die jüdischen Kunstdenkmäler und die Werke der jüdischen Künstler zu studieren und hat auf Grund des vonihm bereits seit Jahren gesandelten Materials, ein jüdisches Kunstarchi.v gegründet, dessen Zweck es ist, alle einschlägigen Dokumente und Nachrichten (auch photographisches Material) an einer Zentralstelle zu sammeln und zu erschließen. ' Das Jüdische Kunstarchiv steht in Verbindung mit dem Gesmntarchiv'der deutschen Juden zu Berlin N 24, Oranienburger Straße 28. Durch diese Verbindung mit einem öffentlich anerkannten Institut ist die ordnungsgemäße Verwaltung und die Sicherstellung des Materials, für alle Zeiten gewährleistet. Das Archiv enthält auch eine Lichtbilderzentrale, die für Vorträge über jüdische Kunst mrd jüdische Künstler geeignetes Material beschaffen will. Das Jüdische Kunstarchiv wendet sich in einem Aufruf an alle Kreise, in erster Linie an unsere jüdischen Künstler, mit der Bitte um Ueberlassung recht zahlreichen Materials. Da das gemeinnützige Unternehmen, das eine Lücke in den bestehenden jüdischen Institutionen ausfüllt, nur durch das Entgegenkommen der Künstler und Kunstfreunde seine idealen Ziele erreichen kann, so seien auch die Leser dieses Blattes darauf hingewiesen. Nähere Auskunft über das Jüdische Kunstarchiv, sowie die Statuten, sind durch das Gesamtarchiv der deutschen Juden zu erhalten. An die verehrliche Redaktion der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" zu Berlin. Zu dem Bericht im „Gemeindeboten", der Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums", über die letzte Sitzung der Nepräsentantenversammlung vom 29. Juni habe ich zu bemerken: Es ist mir nicht eingefallen, zu sagen, daß ein Beamter nicht das gute j ü d i s ch e Herz h a b e n k ö n n e wie Personen im Ehrenamte, und begreife ich nicht, wie man ineinen Auslassungen eine derartige Auslegung geben konnte! Ich äußerte mich ziemlich genau dahin, daß ich bereit sei, dem Gemeindevorstand, der zweifelsohne sehr überlastet sei, jedweden höheren besoldeten Beamten, der für nötig befunden würde, zu bewilligen. Wenn ich indes auch immer den Standpunkt vertreten hätte, das Amt eines Vorsitzenden der Armenkommission im Ehrenamt zu belassen, so geschähe dies nicht etwa, weil ich einem besoldeten Beamten nicht mindestens dasselbe gute Herz zutraue, sondern weil seiner Tätigkeit unwillkürlich etwas „Schematisches" beigelegt würde. Man könne unsere jüdische Armenkommission nicht mit der irgendeiner Kommune vergleichen. Wir sind eine freiwillige, und wenn natürlich neben dem Herzen in erster Reihe auch mit dem Verstände bei uns gearbeitet werden müsse, so seien wir doch stolz aus das_ sprichwörtlich gewordene „gute jüdische Herz", und wollen dasselbe gern so weit wie möglich obwalten lassen und auch einmal ein übriges tun, wo die Kommune vielleicht nicht eintreten würde. Wir haben leider -7so führte ich dann weiter aus — eine große Zahl Glaubensgenossen, die mit dem Judentum nur noch in sehr lockerem Zusälmnenhange stehen und uns, w i e i ch s e l b st schon oft habe hören müssen, vielleicht schon untreu geworden wären, wenn nickst die Art und Weise, wie bei uns Humanität und Armenfürsorge, geübt werden, sie so außerordentlich wohltuend berühren würde. Und gerade deswegen, um nicht in der großen Masse etwa dem Glauben auskommen zu lassen, daß durch den besoldeten höheren Beamten, der, wenn er unseren Erwartungen nicht entspräche, vor Ablauf von sechs Jahren gar nicht ausscheiden könneeine mehr geschäftsmäßige Handhabung unserer Armenpflege eintreten könne, hob ich hervor, daß sich in unserer so großen Gemeinde sicherlich noch ein Mann finden würde, der im Ehrenamt die Tätigkeit des Vorsitzenden auszuüben befähigt sei und die-Zeit-habe.. * - Ich darf wohl bitten, dieser Berichtigung in Ihrem nächsten Blatte Ausnahme zu gewähren und zeichne, im voraus dankend, i. ■ mit vorzüglicher Hochachtung ■ ganz ergebenst Emi l Pincus, Repräsentant der jüdischen Gemeinde zu Berlin.

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