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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-07-11 · Heft 28 (11.7.1913) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 28 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
Seite 333 (sequence 9)
Language
German
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zu schützen. Die Herren bedenken nicht, daß sie durch diese Haltung sich nicht nur bei Andersgläubigen lächerlich machen, sondern sich ins eigene Fleich schneiden,' indem sie ihren Stand, der es doch zu einer entschiedenen Höhe gebracht hat, durch diese Maßnahme des Nachwuchses berauben.' Wer möchte da nicht seinem Herzen Luft machen und ausrusen: „Verzeihe ihnen, o Herr, denn sie wissen nicht, was sie tun." * Von den Zuschriften berührte uns besonders angenehm die des Herrn Otto Jgenheimer aus Heilbronn, und wir danken ihm für das der jüdischen Sache entgegengebrächte Interesse. Möge sein Eifer nicht erlahmen, und möchten zahlreiche Mitkämpfer seinem guten Beispiele folgen. 'Um so mehr haben wir es daher bedauert, daß unsere MechüNg über den „Deutschen Bankbeamtenverein" ihn etwas verletzt zu haben scheint. Es ist hier nicht die Stelle, in eine Debatte über die Tätigkeit und den Einfluß des „DBV." einzutreten. Wir können nur sagen, daß wir als Bankbeamte nur zu sehr die Einflußlosigkeit des Vereins bedauern und als erste rufen werden: pater peeeavi, wenn der Verein ernste und nicht nur Scheinerfolge aufzuweisen haben wird. Von der Ferne, in der Provinz, mag manches als ein glanzvolles Bild erscheinen, was in der Großstadt, in der Nähe buchen, sich nur als eine „lata morgana" erweist. Das soll uns nicht hindern, dem „DBV." unsere wärmste Anerkennung für sein Eintreten für 'Recht und Gerechtigkeit in diesem Falle auszusprechen. Nicht minder sympathisch hat uns die Zuschrift des Herrn Goslar berührt. Er begnügt sich nicht bloß, wie es die Redaktion der „Welt" und Herr Margulies getan haben, zu konstatieren und prophetisieren; er nennt auch Mittel und Wege zur Bekämpfung des Uebels. Auch wir haben es ähnlich ausgesprochen und können Zeile für Zeile unterschreiben, wenn Herr Goslar seiner Meinung dahin Ausdruck gibt, daß wir „nicht kampflos uns allmählich den wirtschaftlichen Einfluß, der den Juden nach ihren Leistungen für die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft gebührt, aus . den Händen winden lassen sollten." Sein Vorschlag vollends verdient die wärmste Unterstützung aller jüdischen Kreise ohne Rücksicht aus Parteistellung, daß „geschaffen werden soll eine jüdische Wirtschastszentrale mit der Ausgabe, eine gesunde so- .ziale Gliederung der Juden herbeizusühren." Goslar meint damit, daß die Wirtschaftszentrale den Versuch machen soll, die zum Kaufmannsstand nicht geeigneten Elemente in das Handwerk, die Gärtnerei und ähnliche Berufe abzulenken. Der Gedanke erscheint uns ausgezeichnet, und man muß sich eigentlich darüber wundern, daß er bisher noch nicht ausgeführt ist. Hoffentlich bleibt der Vorschlag nicht auf dem Papier. Eine Verwirklichung seines Planes wird den Vorzug haben, den Antisemitismus nicht nur negativ, sondern auch durch positive Leistungen zu bekämpfen. Herr Goslar ärgert sich über die Anonymität des Artikelschreibers. Wir bedauern trotzdem, seine naive Neugierde unbefriedigt lassen zu müssen. Als Handelsredakteur müßte er auch für die Stellung der Beamten in Industrie und Handel soviel Verständnis haben, um 'einzufehen, daß der Name ohne zwingende Notwendigkeit nicht immer gesagt werden kann; und in der Tat ist die Namensnennung für die Sache, um die es sich hier dreht, wirklich ohne jeden Belang. Ob der Schreiber Gerson oder Simon heißt, bleibt sich , gleich; hat man ja doch nur mit der Idee zu rechnen, die er vertritt. Nun zur Zuschrift des Herrn Dr. Bodenheimer., Gefreut hat uns an. dessen Inhalt eigentlich nur seine Annahme, daß die von uns gestellten Fragen von einem wohlwollenden Interesse für den „Jüdischen Nationalfonds" diktiert sind. Wir können Herrn Dr. Bodenheimer versichern, daß seine Annahme ganz und gar zutrifft, und daß gerade unser, der Sache entgegengebrachtes ernstestes Interesse uns zwingt, uns mit seinen Ausführungen sehr eingehend zu befassen. In dieser Einsicht wird der Vorsitzende des „INF." es uns daher wohl auch nicht übelnehmen, wenn unsere Ansichten , von seinen Ausführungen sehr erheblich abweichen. Nicht derjenige dient einer Sache, der alles mit dem Mantel der Liebe bedeckt, sondern eher derjenige, der die Dinge zeigt, wie sie sind, und so die Beteiligten zwingt, es besser zu machen. Wir hätten das Verhältnis des „INF." zum „Aschabkverein" gar nicht einer. Sektion unterworfen, wenn die erst jetzt von Herrn Dr.. Bodenheimer in Aussicht gestellte Zurückziehung des Guthabens geschehen wäre — — — dies kann uns auch die Redaktion der „Welt" bestätigen. Wie die Dinge auch immer liegen, bedauerlich bleibt es, daß der -,JNF." es noch nicht über sich bringen konnte, ferne Beziehungen zu einer antisemitischen. Bank abzubrechen.; Und was gibt Herr Dr. Bodenheimer für eine Antworte Er führt einen regelrechten Eiertanz auf und bemüht sich, nachdem eine Flut' von Artikeln die Judenseindlichkeit der „Aschabank Köln" zur Genüge beleuchtet hat, die Haltung des „INF." durch Sophistereien zu rechtfertigen. Herr Dr. Bodenheimer sagt, daß der „Aschabankverein" die einzige „Großbank" war,, welche sich seinerzeit bereit erklärt hatte, die. Arbeit des Gründungskomitees zu unterstützen, und daß seitdem die Freundschaft zu diesem Institut datiert. Wir fragen, ob wirklich nur eine „G r o ß b a n k" solch ein Unternehmen fördern kann. Ob sich nicht auch jüdische Bankiers gefunden hätten, die über einen genügend guten .Ruf und reichlich gute Beziehungen verfügen, um der Sache des „INF." dienlich zu sein. Konnte mit „der Einziehung von kleineren Schecks" usw. nicht auch ein weniger großes Institut betraut werden? Und wenn Herr Dr. Bodenheimer. sagt: daß lediglich zum Jnkassodienst der A. Schaasfhausensche Bankverein für den „INF." existiert, höchstens noch als Depotstelle für einen „ganz kleinen Betrag", so erinnert uns feine Antwort an eine kleine Schadchenanekdote: Der Vermittler bietet dem Bräutigam, einen notorischen Taugenichts, eine glänzende Partie an. Sie ist aus ausgezeichneter Familie, sehr schön, sehr reich, sehr gebildet. Der Bräutigam: „Aber wie komme denn ausgerechnet ich zu dieser Partie?" — „Ja," meint der Vermittler, „sie hat einen winzigen Fehler, sie ist ein ganz klein wenig schwanger . . . ." Der „INF." arbeitet nur „ein ganz klein wenig" mit dem Aschabankverein. — In seinen weiteren Ausführungen stellt Herr Dr. Bodenheimer das Verlangen an die jüdischen Kaufleute und Industriellen, doch ihrerseits mit der Initiative hervorzutreten und judenfeindliche Institute zu meiden. Es wäre gewiß sehr anerkennenswert, wenn jüdische Firmen so viel Selbstbewußtsein gezeigt hätten, um diesen eigentlich ganz selbstverständlichen Weg zu gehen, aber daß ein solches Verlangen von einem offiziellen Vertreter des Zionismus, von einem Vertreter des stärksten jüdischen Nationalismus an die Adresse von günstigenfalls nur ganz lau nationalen Kreisen gerichtet wird, ist gelinde gesagt unerhört; ja, daß der „Jüdische Nationalfonds" es nicht verschmäht, diese Initiative anderen üb er h aup t n ur.z u überlassen, statt sie selbst zu ergreifen und mit gutem B eispiel voranzugehen-das scheint uns das Beschämendste an der ganzen Sache zu sein. Ein Fonds, gesammelt von Spargroschen der Armen und Aermsten, der zum Ziele jüdisch-nationale Interessen hat, ist es seinen Gebern — der ungenannten jüdischen Masse — schuldig, auf antisemitische Provokationen in der gebührenden Form die richtige Antwort zu geben! Die Zuschrift schließt versöhnlich, nämlich, daß Mitte Juni in Berlin eine Direktoriumssitzung stattfinden wird, auf der eine endgültige Entscheidung fallen soll, ob der „INF." mit

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