Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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einen Mann wählen, so ist es selbstverständlich, daß wir nur einen solchen wählen, der für diese Tätigkeit befähigt ist und das gute, jüdische Herz gleichfalls hat. Er sei ganz erstaunt, haß-Führer und der Vorsitzende der Kommission die Eingabe mit unterzeichnet haben. Es wird in der Eingabe darauf hingewiesen, daß. 80 Jahre lang die Vorsitzenden der Armenkommission ihr Amt als Ehrenamt geführt hätten'. Er, der Redner, sei erst 35 Jahre im Vorstand. Aber er müsse gestehenes waren doch auch Vorsteher der Armenkommission, die nicht fähig waren, so zu arbeiten, wie es gewünscht werden müßte.. Die Herren, die das unterschrieben, wären fast alles Leute, die nicht wissen, wie es früher war. Man hatte nicht immer die geeigneten Männer. Wir Vorstandsmitglieder wählen ja nicht den ersten Besten, wir wählen ja einen Kollegen. Er müsse gestehen, diese Manipulationen machen auf ihn einen betrübenden Eindruck. ' Er bitte, den Antrag des Ausschusses anzunehmen. Herr Professor Kali sch er verweist darauf, daß die Vergebung der Dezernate allerdings Sache des Vorstandes sei und nicht der Nepräsentantenversammlung, aber man könne doch Wünsche äußern. Es sei unrichtig, wenn behauptet wird, daß sich die Petition gegen eine bestimmte Person richte. Man bitte nur um dle ehrenamtliche Besetzung des Dezernates der Armenkommission. Er stehe auf dem Standpunkte des Herrn Pincus, wobei er zugeben wolle, daß dies Gefühlssache sei, wenn auch er die Armenfürsorge in ehrenamtlicher Tätigkeit ausgeübt sehen wolle. Herr W i l l i b ä l d Loewenthal verliest zum.Nachweise, daß es sich um mehr als nur eine Bitte handle, den Wortlaut der Eingabe. Herr Direktor Dr, M i n d e n dankt zunächst Herrn I a c o b h für seine beherzigenswerten Worte. Es sei erfreulich, daß er offen vorgegangen und auch das persönliche Moment nicht verschleiert hat. Er tritt für den Ausschußantrag ein. Herr. Justizrat Cohn bedauert lebhaft, daß die Sache hier öffentlich so breitgetreten werde. Es stehe fest, daß die .Armenkommission Vorzügliches geleistet hat. Sie fei vielleicht nirgends so vorzüglich wie in unserer jüdischen Gemeinde. Aber die Anstellung eines Beamten wird doch an der Organisation nichts ändern. Es sei selbstverständlich, daß man die Herren der Armenkommission durch die Wahl eines Beamten nicht kränken wolle. Schließlich wird der Antrag des Ausschusses III auf Ablehnung der Petition angenommen. — Auf den Beschluß der Versammlung in letzter Sitzung, die Einsetzung von Bezirkskommissiouen in der vom Vorstand - vorgeschlagenen Form abzulehnen und den Vorstand zu ersuchen, falls eine Dezentralisation im Interesse der Gemeinde wünschenswert erscheine, - eine anderweitige Vorlage zu machen, hat der Vorstand der Versammlung mitgeteilt, daß er bereits durch seine letzte Vorlage zu erkennen gegeben habe, daß ihm eine Dezentralisation der. Gemeindeverwaltung in bestimmter Hinsicht wünschenswert erscheint und auch in welcher Weise sie ausgefühct werden solle. Falls der vom Vorstand, angegebene Weg nicht für gangbar gehalten werde, muffe er, der Vorstand, erwarten, .daß die Repräsentantenversammlung ihrerseits anderweite Vorschläge macht. Namens des Ausschusses III referiert Herr Direktor M i n d e n. Er beantragt, die Antwort des Vorstandes zur Kenntnis zu nehmen und gleichfalls einer vom Ausschuß vorgesAagenen Resolution zuzustimmen, in der zum Ausdruck gebracht-ist, daß die Nepräsentantenversammlung nicht jeder Art Dezentralisation feindlich gegenübersteht, sie. vielmehr bereit ist, auch ihrerseits Vorschläge für eine Dezentralisation zu machen, etwaige Vorschläge aus der Mitte der Versammlung zu prüfen und auch solche vom Vorstande entgegenzunehmen. Herr Justizrat Cohn erklärt, die Antwort des Vorstandes wäre durchaus korrekt. Nachdem man seine Vorschläge abgelehnt habe, sei es an der Nepräsentantenversammlung, ihrerseits andere Vorschläge zu machen. Er selbst könne keine anderen Vorschläge machen als diejenigen des Vorstandes, für die er gestimmt habe. Die Resolution sei überflüssig, Herr Geheimrat Blumenthal erinnert daran, daß schon vor 15 Jahren eine Dezentralisation verlangt worden ist. Damals habe K a l i s ch e r dagegen gesprochen und sie siel unter den . Tisch. Er sowohl wie Herr 'Justizrat Cohn bemängeln dabei den Bericht im „Gemeindeblatt" über die Verhandlungen der Vorstandsvorlage betreffend die Bezirkskommissionen. Herr Professor K a l i s ch e r-befürwortet die Annahme der Resolution, die eine durchaus korrekte Antwort auf das Schreiben des Vorstandes sei. Die Resolution erkläre die Bereitwilligkeit der Versammlung für eine Dezentralisation, und er könne mitteilen, daß auch schon Anträge gestellt sind, die aber erst reifen müßten. Herr Lewinsky gibt anheim, die in dieser Angelegenheit vor 15 Jahren gemachten Vorschläge als Material zu benutzen, er glaube es aus seinen Akten 2 —- zur Verfügung stellen zu können. Herr Justizrat Dr. Cohn bekämpft die Resolution, es komme hier nur' auf das folgende Prinzip an: Man solle kläre Antwort geben, ob man örtliche Kommis- .. sionen wolle oder, .nicht. Die Resolution -wird schließlich ängenommen. — Der Gemeindebeschluß über die Ausgestaltung der Knabenschule., zu einer neunklassigen Mittelschule wirddahin abgeändert,! daß die Zähl der.hebräischen Stunden in der achten,Klasse wöchentlich nur Avei beträgt. — In die Kommission für die festgottesdienstlichen und musikalischen Angelegenheiten wird als Gemeindemitglied Herr Willibald Loewenthal wiedergewählt. — Herr Moritz M a n h e i m e r hatte sein Amt als Delegierter der Versammlung, int Vorstand der Altersversorgungsanstalt niedergelgt. Auf einmütigen Beschluß der Versammlung und des Vorstandes, in dessen Namen Herr B a d t in wärmsten Worten die Vevdienste des Herrn Manheimer würdigt, wird Herr Manheimer wiedergewählt und gebeten, im Amt zu verbleiben. -• An Stelle des Herrn Max Hanfs.wird Herr Direktor Dr. Holz m a n n zum Mitglied des Schultmd Talmud-Thora-Vorstandes, Herr Hugo Weigert unter Erhöhung der-Zahl der Mitglieder der Waisenkommission um 1 zum Mitgliede der Waisenkommission gewählt. Die Zahl der Mitglieder der Armenkommission wird um 2 erhöht, und da von den früher beschlossenen 10 neuen Stellen noch 2 unbesetzt sind, so werden zu Mitgliedern.der Armenkommission die Herren Max Ascher, Zahnarzt I. Chaskel, Philipp Loewh und Dr. E. Davidsohn, ferner Herr Hanfs in die Silbventionskommiffion, Herr Adolf Cohn an Stelle von Herrn Julius Plachta in die Friedhosskommission wieder- resp. neugewählt. — Zur Gewährung einer einmaligen Beihilfe von je 100 Mark an 44 hilfsbedürstige jüdische Veteranen werden 4400 Mark bewilligt. Es handelt sich um Veteranen im Alter von 66 bis .78 Jahren, denen diese Ehrengabe zuteil werden soll.' Mit der Bewilligung einiger Forderungen für bauliche Reparaturen und. einer Reihe von .Subventionen für Religionsunterrichtszwecke schloß die öffentliche Sitzung, der Noch eine geheime folgte, in welcher unter anderem auch die Wahl des früheren Beamten vorgenommen wurde. / y. Berlin, 1. Juli. Wie wir erfahren/hat der Aüs schu ß des D. I. G, B. beschlossen, den nächsten Gemeindetag, der statutenmäßig in diesem Jahre stattfinden muß, am 7. Dezember d. I., und zwar in Berlin abzuhalten. Auf der Tagesordnung wird wohl abgesehen von den Wahlen zum geschästsführenden Ausschuß und den sonstigen Regularien der Bericht der Kommission zur Beratung der Einführung des Proportionalwahlfystems stehen. Es ist zu hoffen, daß der nächste .Gemeindetag deshalb einen wesentlich ruhigeren Verlauf nehmen wird, als die letzten Gemeindetage ihn genommen haben. Denn die Frage des Proportionalwahlrechtes dürfte die einzige sein, die vielleicht zu etwas lebhafteren Debatten Anlaß gibt. W. Aus der Provinz Posen, im Juni. Posen? .Als Vertreter der Residenzstadt Posen überreichte' zur Jubiläumsfeier des Kaisers Herr Stadtverorduetervorsteher Justizrat Placzek mit Herrn Oberbürgermeister Dr. Wilms im Kapitelsaale des königlichen Schlosses eine Adresse. — Die Leopold Goldenringschen Erben haben in dankenswerter Weise unserer Stadt 15 000 Mark zur Verfügung gestellt für Aufstellung eines Künstbrurmens aus dem Marktplatze. — Im Rechnungsjahre 1913/14 kommen als Einkommensteuer für den Bezirk der Shnagogengemeinde zu Posen 42 Prozent pes Staatseinkommensteuersatzes zur Erhebung. Der geringste zur Hebung kommende Steuerbetrag ist auf eine Mark jährlich festgesetzt. Die Gemeinde zählt 1718 Zensiten. Im Vergleich zu den anderen jüdischen Gemeinden in der Provinz Posen erhebt die Gemeinde Posen einen sehr mäßigen Steuerbetrag. — Wresche n. Die hiesige Shnagogengemeinde erhebt 120 Prozent von der Staatssteuer als Einkommen zum Gemeindebeitrag, die jüdische Schulsozietät, wie im vorigen Jahre, je 35 Prozent der kombinierten Steuersätze. Die israelitische Gemeinde, welche durch Ausweisungen in früheren Jahren und Fortzug in die größeren Städte an Seelenzahl sehr stark zürückgegangen ist, hat nun kaum einhundert steuerzahlende Mitglieder.' M. Breslau, 27. Juni. Der Verein i s r a el i t i sch er L eh-r e r i n Schlesie n u nd Pose n wird am Sonntag, den 6. Juli in ' Breslau seine diesjährige Hauptversammlung abhälten. Auf. der Tagesordnung stehen folgende Punkte: ,1. Bericht - über, das letzte Vereinsjahr. 2. Bericht über die zu begründende Hilfs- und Unterstützungskasse von Angestellten israelitischer Verbände in Schlesien und Posen (Justizrat Hirschberg). 3. Rechnungslegung der Kassenverwaltung. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Wahl von drei