Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Delegierten zum sechsten Lehrerverbandstage in Breslau. 6. Die rechtliche Stellung des jüdischen Religionslehrers und des jüdischen Religivnsunterrichtes in Preußen. (Referent: Heydenfeld- Striegau; Korreferent: Salinger-Nicolai.) 7. Das Simonsche Seminar Zn Peine für Gartenbau und Handfertigkeit in kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Beziehung. (Direktor Alexander- Peine.) 8. Bericht über die Tätigkeit der Kultusbeamtenkommission des Lehrerverbandes und Beratung über den Entwurf zu einem Normalvertrage. (Referent: Falkenstei n - Landeshut; Korreferent: Bähr-Waldenburg.) Den Teilnehmern an der Generalversammlung, soweit diese Mitglieder des Vereins sind, steht auch in diesem Jahre ein Zuschuß zu den Reisekosten in Aussicht. An die Versammlung, deren Schluß etwa um 2 Uhr stattfinden wird, soll sich, wie üblich, ein gemeinsames Mahl in den Räumen der Lessingloge (Agnesstraße 6) anschließen. Nach Schluß des Mahles findet eine gemeinschaftliche Fahrt nach der Jahrhundertausstellung statt.' Der Vorstand wird den Kollegen und Kolleginnen Eintrittskarten 31t ermäßigten Preisen, verschaffen und dafür sorgen, daß die Teilnehmer die Ausstellung in ihren wichtigeren Teilen unter sachkundiger Führung kennen lernen. R Steele, 26. Juni. Bei dem goldenen Jubelfest des Steeler Turnvereins wurde dein Gründer des Vereins,' Geheimen Sanitätsrat.Dr. S t ra u ß ,'die höchste Ehrung der deutschen TurNer, „Der E h r e n b r i e f d e r d e u t's ch e n T u r n e r s ch a f t ", mit anerkennenden Worten für das ersprießliche Wirken in der deutschen Turnerfchnst überreicht. Dem Mitglied des Turnrats, Herrn Sally Stern, wurde für 35jährige Treue der Kreisehrenbrief des Ruhrgaues (VIII) überreicht. L2 Frankfurt a. M., 27. Juni. Am 20. b. M. beging Freiherr v. G 0 ld schm idt-Rothschild seinen 70. Geburtstag.. Der 70 jährige, dessen Ansehen, Ruf und Namen heute Weltbedeutung haben, ist einer der bekanntesten und markantesten Vertreter der Frankfurter Gesellschaft, in der er stets durch seine noch fast jugendliche Elastizität auffällt. Freiherr v. Goldschmidt-Nothschild entstammt dem damals hoch angesehenen Bankhaus B. H. Goldschmidt. Der vornehme Zug dieses Hauses-war auch der hervorstechendste Charakterzug aller Unternehmungen des früheren Großbankiers, der noch heute mit seinem Rate zahlreichen bedeutenden Instituten als Aufsichtsratsmitglied zur Seite steht. Auch nach außen hin hat sein Wirken reiche Anerkennung und Ehrung gefunden. Es wurde ihm die Würde eines österreichischen Generalkonsuls für Hessen-Nassau übertragen;, ferner wurde ihm 1903 der erbliche Adel verliehen, und vor einigen Jahren wurde er zum Freiherrn ernannt. Ganz im Sinne des Jubilars ist sein außerordentlich segensreiches Wirken im Dienste der Wohltätigkeit nicht in dem verdienten Maße in der Oeffentlichkeit bekannt geworden. Sicherlich aber gesellen sich zu den zahlreichen Glückwünschen an seinem 70. Geburtstage aus allen Kreisen seiner Freunde lind Bekannten auch viele, die mit herzlichem Dank besonders des großen Wohltäters gedachten. — Der jüngst verstorbene Privatier Herr Ignatz Sichel, langjähriger Prokurist der Firma M. A. v. Rothschild und Söhne, hat durch letztwillige Verfügung eine Stiftung von 1^. Millionen Mark, errichtet, die zur Gründung eines E r z i e h u n g s h e i m s s ü r jüdi s ch e S ch ü l e r dienen soll. Der Verwaltung gehören der jeweilige Direktor ,des Philanthropins sowie Vertreter des Vorstandes und Ausschusses der. „Israelitischen Ge? meinde", der „Büre Brith-Loge" und der. Israelitischen Männerkrant'enkasse an. Die . Entscheidung der Frage, ob das Heim rituell geführt -werden soll, hat, der Erblasser der künftigen Verwaltung anheimgestellt. — Außerdem wurden aus bem Nachlasse des Heimgegangenen nach seiner Bestimmung 50 000 Mark an verschiedene Wohltätigkeits-- vereine und Stiftungen verteilt. . J. W. - Heidelberg, 27. Juni. Die Eheleute H i s s e l - S ch w e d feierten am 17. d.- M. in völliger geistiger und körperlicher Frische. das Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlaß überbrachte Bezirksrabbiner Dr. P i n'k :t ß im Aufträge des Großherzogs die goldene Ehejubiläumsmedaille. Ferner trafen Glückwünsche ein vom, Großherzoglichen Oberrat der Israeliten mit den beiden Bildern des großherzoglichen Paares. Die Glückwünsche der israelitischen Gemeinde ' 'überbrachte deren.Vorstand, Herr Ernst Calwer,unit zwei Shnagogenräten. Bürgermeister Dr. Wir lau d t gratulierte im Auftragender Stadt Heidelberg. - Luszland. R. K. Petersburg, 27. Juni. Eine sehr energische und wirkungsvolle Rede gegen die jetzige Politik der russischen Regierung in der Judenfrage hielt der angesehene Fortschrittler Konowalow in einer der letzten Sitzungen der Duma. Zunächst ging er von der allgemeinen Situation aus und wies darauf hin, wie sehr die Taktik des Ministeriums des Innern die Entwickelung der Produktivkräfte des Landes hemme und den Handel untergrabe. Unter dem herrschenden.Polizeiregiment sei dem Handelsministerium jedwede Möglichkeit ge-- nommen, eine gesunde Realpolitik durchzuführen. Ein krasses Beispiel der Abhängigkeit des Handelsministers bieten die Geschichte des veralteter: russischen Rechts über die Aktiengesellschaften sowie jenes schädliche Prinzip, welches alle für einzelne Bevölkerungskreise bebestehenden Beschränkungen auch auf die juristischen Personen überträgt. Von da-ab wandte sich Konowalow den Judenverfolgungen zu, drrrch die der -Handel aufs stärkste in Mitleidenschaft gezogen rverde. Der Kampf gegen die vogelsreie jüdische Bevölkerung, die im Handel eine solche Rolle spiele, sei eine Kette von Willkürorgien und Gewaltru.aßvegeln. Im Anblick des Schadens, welchen die unzähligen Ausweisungen anrichten, werde allerseits gegen die administrativen Repressalien Protest erhoben. Ji: seinen Händen befänden sich zahlreiche Petitionen verschiedener Handelsorganisationen, die den Schaden dieser Politik aufhellen. Dadurch werden die Interessen großer christlicher Kreise, deren Beziehungen zur jüdischen Handelswelt unlöslich sind, aufs schwerste getroffen. Erreiche doch allein der jährliche Umsatz der den jüngsten Verfolgungel: ausgesetzten Kiewer und Moskauer jüdischen Kausleute die Höhe von über 150 Millionen Rubel. Die Zerstörung der jüdischen Unternehmungen schaffe eine Verlvirrung auf den: Handelsmarkt, untergrabe den Kredit und mache eine gesunde Entwickelung des Handelslebens unmöglich, das ja auf eine ungehemmte Initiative und vollständige Freizügigkeit sowie Gewerbefreiheit angewiesen sei. In schärfstem Widerspruch zu den wirtschaftlichen Interessen des Landes stehe die nationalistische Politik der Negierung, die nicht davor zurückschrecke, für die jüdischen, Kauf-- loute den Aufenthalt ' beschränkeirde Negistrierbüchlein einzuführen. Die Aufstachelung der nationalen Leidenschaften diene der Regierung nur dazu, die Aufmerksamkeit des Volkes von den wahrhaften Röter: des Landes abzulenken und durch die Hetze gegen die Juden das Volksbewußtsein zu verdunkeln. So werden in der letzten Zeit Hunderttausende von Menschen aus dem Handelsleben herausgeworfen. Der noch in der dritten Duma eingebrachte Antrag auf Aushebung der Judenbeschränkungen sei noch immer nicht zur Verhandlung gelangt. Möge nunmehr die vierte Duma den Geboten des Gewissens Folge leisten! Soll Rußland in die Kulturstaaten eingereiht werden, so müsse es sich solche Formen des bürgerlichen Zusammenlebens aneignen, die von allen Rester: einer mittelalterlichen und wilden Barbarei' frei seien. Für die Duma, die schon lange eine solche Rede nicht gehört hat, waren die Worte Konowalows mitten in der fanatischen Judenverhetzungsagitation ein Ereignis ersten Ranges, dasauch die offizielle Telegraphenagentur trotz tendenziöser Kürzungen nicht abzuschwächen vermag. - m - . - , Mn Sah und jfrm. . Der vor zwei Jahren an dev Berliner Universität gegründete Deutschvölkische (antisemitische) Studentenverband ist, wie durch einen Anschlag an: schwärzen Brett bekannt gemacht wird, verboten worden.. Das Verbot ist erfolgt, weil der Verband gegen die Anordnungen der Universitätsbehörde verstoßen hat und die studentische Disziplin gefährdet. Ueber die Vorkommnisse, die zu diesem .Verbot geführt haben, wird von den Behörden Stillschweigen bewahrt. — In der am 17. Juni stättgehabten konstituierenden Versammlung, des Berliner Lokalkomitees der Ä. I. U. wurden die Herren Dr..I.itis,berg-,zum..'Ersitzenden,'', Rabbiner Dr. Weiße zum stellvertretenden Vorsitzenden^ Kommerzienrat Gerson .S i mo n zum Schatzmeister, Kommerzienrat Alfred Cohn zum stellvertretenden Schatzmeister,. Dr., med.. A)L^h fe bd t gum Schriftführer'und Alois F. Marcu s zum stellvertretenden Schriftführer gewählt. — Herrn Landgerichtsrat Max C i kr 0 n, Halensee, .ist der 'Kronenorden dritter Klasse, verliehen worden.'— Dem Jahrbuch des Deutschen Lustschifserverbandes ist zü entnehmen, daß zwölf Juden, behördlich diplomierte-