Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1913)
- Date
- 1913-06-27
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 22 Berlin, 24. Juni. Die Sportabteilung des Jüdischen Turnvereins Bar Kochba, die sich in den drei Jahren ihres Bestehens einen geachteten Platz in der Reihe der Sportvereine Groß-Berlins errungen hat, hat die zahlreichen Akademiker, die sie zu ihren Mitgliedern zählt, zu einer besonderen, akademischen Abteilung zusammengeschlossen. Durch diese Gründung soll den Studenten die Möglichkeit gegeben werden, auch im Lause des Nachmittags dem Training obzuliegen und insbesondere in den Reihen ihrer jüdischen Kommilitionen für den sportlichen Gedanken zu werben. Die Akademische Abteilung treibt unter Vermeidung jeden akademischen Zwanges in den. Sommermonaten: Die Zweige der Leichtathletik (Laufen, Sprung- und Wurfübungen und Schwimmen). In den Wintersemestern: Hockey, Fußball, Boxen, Turnen, Fechten und Ringen. Anfragen und Anmeldungen wolle man richten an eanä. med. Arthur Löwenstei n, Charlottenburg, Kantstraße 38. Gleichzeitig richtet der Verein eine Jugend- Sportabtcilung ein für Schüler von 14 bis 18 Jahren. Diese Abteilung wird Hockey, Fußball und Leichtathletik betreiben. Die technische Leitung dieser Abteilung.wird in den bewährten Händen des Herrn Apothekers Landsberger ruhen. ££2 Berlin, 24. Juni. Der Verein für Arbeitsnachweis (begründet von den Berliner Logen U. O. B. B., Monbijouplatz 10) schreibt uns: Die Entspannung der politischen Lage hat den langerwarteten Aufschwung des wirtschaftlichen Lebens und das hierdurch bedingte Anziehen der gesamten Geschäftslage nach den bisherigen Feststellungen nicht im Gefolge gehabt. Demgemäß zeigt der hauptstädtische Arbeitsmarkt auch im Berichtsmonat Juni die gleichunerfreuliche Verfassung wie in den Vormonaten. Ein wenig freundlicher gestaltete sich das Bild dadurch, daß,die Wahlen zum Preußischen Landtag und die damit verknüpften Vorarbeiten einer großen Zahl von Arbeitskräften eine gut bezahlte Aushilfsbeschüstigung brachte. So konnte durch unsere, für alle Teile kostenlose Vermittlung insgesamt 1768 Personen (darunter 18 mit Sabbatheiligung), und zwar 800 Kaufleuten, 872 gewerblichen Angestellten und 96 weiblichen Arbeitskräften (darunter 18 Dienstboten) zu einer Stellung verholfen werden. W. Posen, 20. Juni. Eine schlichte, aber würdige und eindrucksvolle Gedenkfeier für den dahingeschiedenen Oberrabbiner Dr. Wolf Feilchenfeld veranstalteten am 17. d. M. der Talmudverein und der Verein Leschaun-Limmudim gemeinsam in den Studierräumen der Latzschen Anstalt. Bis auf den letzten Platz waren die Räume von den Vereinsmitgliedern und den Gästen gefüllt. Herr Bezirksrabbiner Dr. M a n n es, Schwabach, einer der ältesten Schüler des Verblichenen, hielt die Gedenkrede, in der er die Wirksamkeit des Verklärten für die hiesige Gemeinde und das Judentum überhaupt schilderte. Verwaist stehe nun die Gemeinde — und die Pflicht, seinen Geist in der Gemeinde zu erhalten — gehe nun auf seine Schüler und besonders auf die Heranwachsende Jugend über. Die tiefempfundenen Worte des Redners fanden einen warmen Widerhall in den Herzen der Hörer. Mit dem Gebet für das Seelenheil des Dahingeschiedenen und dem darauf folgenden Abendgebet schloß die feierliche Veranstaltung. — Eine ebensolche Trauerfeier wurde in diesen Tagen in Düsseldorf, dem früheren Wirkungsorte des Entschlafenen, abgehalten. x. Lissa i. P., 20. Juni. Am 16. d. M. beging, der nicht nur in der gesamten jüdischen Lehrcrwelt des Deutschen Reiches, sondern auch weit darüber hinaus bekannte und verehrte Hauptlehrer a. D. Albert Herbst mit seiner Gattin, beide in bewundernswerter körperlicher und geistiger Rüstigkeit, das seltene und schöne Fest der goldenen Hochzeit. Vielfache Glückwünsche, Widmungen und Ehrungen wurden dein Jubelpaare zuteil. Namens des Gemeindevorstaudes und des Vorstandes des Literaturveroins, dessen Vorsitzender der Jubilar ist, gratulierte Kaufmann Sigismund Gvldschmidt; namens der Raphael-Kosch- Loge Rechtsanwalt und Notar Dr. Max Wolfs: namens des Israelitischen Kranken-Unterstützungsvcreins Kaufmann Emil Jakobi; namens des Vorstandes der Ortsgruppe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, in welchem der Jubilar ebenfalls den Vorsitz führt, Rechtsanwalt Dr. Jakobsohn. Auf alle Ansprachen erwiderte der Jubilar dankend in jugendfrischer, treffender und humorvoller Weise und unterließ es nicht, auch die Saite des Patriotismus anzuschlagen und aus den Kaiser, dessen fünfundzwanz'igjähriges Negierungsjubiläum an demselben Tage überall in den deutschen Gauen und in der sonstigen Welt gefeiert wurde, ein begeistert aufgenommenes dreimaliges Hoch auszubringen. Vom Kaiser erhielt er die Ehejubiläumsmedaille. Wir aber wünschen dem verehrten Jubelpaare noch ein recht langes und gesegnetes Leben und Wirken. 22 Breslau, 20. Juni. Die Ortsgruppe Breslau des I ü d i s ch e n Fra u enbundes versendet den Jahresbericht 1911/12, aus dem zu ersehen ist, daß die Breslauer Ortsgruppe mit Befriedigung auf die abgelaufene Berichtsperiode zurückblicken kann. Die günstige Entwicklung, die die Ortsgruppe seit ihrer Begründung im Jahre 1909 genommen, hat in den letzten zwei Jahren stete und erfreuliche Fortschritte gemacht. Die Mitgliederzahl ist auf 272 gestiegen; die Lehrerinnenabteilung zählt außerdem 70 Mitglieder; an Beiträgen sind 878 Mark eingegangen. Dank der reichen Spenden von Privatpersonen und besonders durch die Jahressubvention, die die hiesige Synagogengemeinde in hochherziger Weise von 600 auf 800 Mark erhöht hat, konnte die Ortsgruppe in der Bewilligung von Mitteln an ihre einzelnen Gruppen etwas weitherziger sein und so die Ziele der Vereinigung fördern und erweitern. So wurde eine Auskunftsstelle für Lehrerinnen unter Leitung von Fräulein Rosa Urbach errichtet; die im Jahre 1912 begonnenen Verhandlungen mit der Synagogengemeinde über die Anstellung einer Gemeindeschwester haben zu einem günstigen Resultat geführt, und auch die Einrichtung eines Wohnnngsnachweises für junge Leute beiderlei Geschlechts ist in die Wege geleitet. An den Delegiertenversammlungen des Jüdischen Frauenbundes, die 1911 und 1912 in Berlin stattfanden, war die Ortsgruppe durch ein Mitglied des Vorstandes vertreten. Auch an der Generalversammlung des Schlesischen Frauenbundes, die in Breslau tagte, nahmen Mitglieder des Vorstandes als Delegierte teil. Die Beratungsstelle hat in den Jahren 1911/12 unter Teilnahme von durchschnittlich 40 Damen 43 bezw. 46 Sitzungen abgehalten. In den Berichtsjahren wurden 322 neue Fülle behandelt, neben welchen die aus den Vorjahren übernommenen Fälle weiter bearbeitet wurden. Im ganzen konnten zirka 240 Fälle zur Erledigung gebracht werden. Eine ihrer Hauptaufgaben fand die Beratungsstelle in der Vermittelung zur Unterbringung gefährdeter und verwahrloster Mädchen und Kinder in Anstalten, Mädchenheimen oder Familien, wo sie der Gefährdung und Verwahrlosung entrückt sind. Das hiesige interkonfessionelle Heim für schwachbefähigte Mädchen hat einen der Pfleglinge ausgenommen und in einem Jahre vortrefflich für die Hauswirtschaft ausgebildet. Alle Arbeit, die von der Beratungsstelle geleistet wurde, ist nur ermöglicht worden durch die Mithilfe der dem Jüdischen Frauenbund angeschlossenen Vereine, deren Delegierte säst immer in den Sitzungen anwesend sind, und durch die großherzige Unterstützung seitens des Vorstandes und der Armenkommission unserer jüdischen Gemeinde und durch die wohlwollende Berücksichtigung seitens der städtischen Organisationen der Armen- und Waisenpflege und der staatlichen Einrichtungen der Vormundschasts- und Jugendgerichte. Der Anschluß der Ortsgruppe an die hiesige Zentrale für Jugendfürsorge und an die städtische Hauptauskunftsstelle für öffentliche und private Fürsorge hat sich wiederum außerordentlich bewährt, und die Arbeit ist durch beide Körperschaften durch Rat und Tat gefördert worden. 2. Greifswald, 20. Juni. Der Privatdozent der Gynäkologie und Oberarzt der Königlichen Frauenklinik an der Universität Greifswald, Dr. Franz Cohn, ist zum Professor ernannt worden. Dr. Cohn, ein geborener Breslauer, ist ein Enkel des berühmten Historikers Professor G r a e tz. Seine erste wissenschaftliche Anregung erhielt er durch Professor Dr. Born in Breslau und später durch Professor P f a n n e n st i e l in Kiel, der ihn außerordentlich schätzte uhb förderte. Nach Pfannenstiels jähem Tode wurde er durch Professor K r ö m e r als Oberarzt an die Greisswalder Frauenklinik berufen. cxa Leipzig, 20. Juni. Um den Mitgliedern unserer Gemeinde die Möglichkeit zu geben, sich zusammenzuschließen und in gemeinsamem Wirken einen bestimmenden Einfluß aus alle unsere Gemeinde betreffenden Fragen auszuübcn, hat eine Anzahl hiesiger Gemeindemitglieder beschlossen, dem Beispiel der meisten größeren israelitischen Religionsgemcinden in Deutschland folgend, auch in Leipzig einen Verein zur Wahrung und Förderung der Interessen der Israelitischen R e l i g i o n s g em e i n d e ins Leben zu rufen, dem sämtliche Gemeindemitgliedcr ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit beitreten können. Die Hauptaufgabe des Vereins soll darin bestehen, für eine Gemeindevertretung Sorge' zu tragen, die das unbedingte Vertrauen aller unserer Gemeindemitglieder genießt. Der Verein ' soll demnach vornehmlich dahin wirken, daß in die Gemeindever-