Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-06-27 · Heft 26 (27.6.1913) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229096--69564-3281872
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

77. Jahrgang Nr. 26 Der > Berlin, 27. Juni 1913 Veilsge zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. lkorrelpündrn?m und Sschrichtm. Deutschland. 2/D. Berlin, 21. Juni. Der Verband der A r b e i t s n a ch - iv e i s e d e r G r o ß l o g e für Deutschland VIII 11. O. B. B. und das Kartell der j ü d i s ch.e n. A r b e i t s n a ch w e i s e (gegründet vom jüdischen Frauenbund) haben Verzeichnisse der ihnen angeschlossenen Arbeitsnachlveise und Stellenvermittelungen zunächst an die Gemeinden, Logen und Vertrauenspersvnen des Frauenbundes gesandt mit der Bitte, diese Tabellen an geeigneten Stellen anzubringen, damit sie der breitesten Oefsentlichkeit, sowohl den Arbeitgebern als auch den Arbeitnehmern zugänglich sind. Der Versand der Verzeichnisse an die Herren Rabbiner, Lehrer, Kultusbeamte u. a. in Betracht kommende Vereine kann erst nach dem Erscheinen des statistischen Jahrbuches des D. I. G. B. erfolgen. Diese Tabellen haben den Zweck, die Arbeitsuchenden auf die ihnen benachbarten, nächstgelegenen Arbeitsnachweise hinzuweisen und dadurch den Zustrom von Arbeitnehmern nach den einzelnen großen Verkehrsplätzen abzulenken. Auch sollen dadurch Reisekosten und Spesen, die die karge Habe der Arbeitsuchenden schwer belasten, nach Möglichkeit vermieden werden. In Anbetracht der sozialen segensreichen Wirksamkeit, die die humanitären unentgeltlichen Arbeitsnachweise als vorbeugendes Mittel der Armenpflege darstellen, ist zu hoffen, daß alle Menschenfreunde die Bestrebungen der genannten Organisationen dadurch unterstützen werden, daß sie diese Verzeichnisse weiten Interessentenkreisen bekanntgeben. Weitere Tabellen stehen auf Wunsch zur Verfügung beim Verbände der Arbeitsnachweise >der Groß löge für Deutschland VIII 1t. O. B. B. Berlin W 62, Kleiststraße.12, und beim Kartell der jüdischen Arbeitsnachweise, Geschäftsstelle: Helene Mayer, Stargard i. P., Iobst straße 9 1. 8. Berlin, 24. Juni. Wie viele Schulen Groß-Berlins, hat auch die Knabenschule der jüdischen Gemeinde die Jugendpflege als ihre notwendige Aufgabe erkannt und einen Jugendklub gegründet, dem die Schulentlassenen im Alter von 14 bis 18 Jahren angehören. Allwöchentlich am Mittwoch vereinigen sich die jungen Leute in der Knabenschule, wo ihnen mit gütiger Erlaubnis des Vorstandes ein Zimmer zur Verfügung steht. Von 8K bis 10 Uhr wird musiziert und deklamiert, Fragen ans allen Gebieten werden beantwortet oder Gesellschaftsspiele gespielt. Auch zwei Ausflüge sind bereits unternommen worden. Vor kurzem hielt Herr Zeichenlehrer Geismar einen Vortrag über „Romanische Baudenkmäler in Deutschland". Der Vortragende erklärte erst an römischen Beispielen den Grundriß'und Aufbau der Basilika und die drei Arten der römischem Gewölbebildung (Tonnen-, Kreuz-, Kuppelgewölbe) und zeigte, wie sich der romanische Stil entwickelte, der in den drei rheinischen Domen die höchste Blüte entfaltete. Die bedeutendsten Bauwerke (Kirchen und Burgen) aus der romanischen Bauzeit wurden im Lichtbilde vorgesührt und die charakteristischen Merkmale dieses monumentalen Baustils hervorgehoben. Auch die bedeutendsten Bildhauereien jener Bauten wurden einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Dann sprach der Vortragende von der Wiederbelebung des romanischen Stils durch die Romantiker im Anfänge des vorigen Jahrhunderts und die der Gegenwart und kam dann auf die Mode zu sprechen, heute die Synagogen nur noch im romanischen Stil-zu bauen. Eine Berechtigung aus historischen oder anderen Gründen könne er dieser Mode ebensowenig zusprechen als der der vergangenen Periode, welche als ausschließlichen Baustil für Synagogen den maurischen vorschrieb. Der Vortrag gipfelte endlich in einer Besprechung der Synagoge F a s a n e n st r a ß e. Redner erklärte den Grundriß des Hauptgebäudes und den Aufbau; man erfuhr, daß er in der Arider alten romanischen Kirche in Perigneux in Frankreich gehalten sei. Redner wies darauf hin, wie die vorhin erkannten Merkmale des .Baustils an diesem Synagogenbau.wiederkehrön. Wenn er/wie er an Beispielen ausführte, auch nicht in allen Einzelheiten dem Baumeister beipflichten könne, so z. V. in der vielleicht allzustrengen Handhabung der romanischen'Stilechtheit oder in der Imitation der Glasmosaik, so pries er doch den Baumeister dieses monumentalen Gotteshauses Meißel in warmen Worten und zollte Dank der jüdischen Gemeinde, welche durch diesen Bau wiederum das Streben zu erkennen gegeben hat, daß sie keine Opfer scheue, .um ein Werk erstehen zu lassen, das sich neben den bedeutendsten neueren Bauten Berlins sehen lassen könne. Mit der Synagoge Fasanenstraße hat die jüdische Gemeinde die jüdische Kulturarbeit gefördert. Der überaus lehrreiche und fesselnde Vortrag, der durch viele schöne Lichtbilder veranschaulicht wurde, fand reichen Beifall. Außer vielen jungen Mitgliedern waren deren Eltern.und Verwandte sowie Lehrer der Knabenschule erschienen. Herr Verständig dankte Herrn Geismar im Namen des Klubs. Musikalische Darbietungen der Herren Nathan hatten den Vortragsabend eröffnet. Veranstaltungen dieser Art, wozu sich die Herren Lehrer der Knabenschule bereitwilligst zur Verfügung gestellt haben, werden wiederholt und im Herbst ein größerer Elternabend veranstaltet werden. In nächster Woche spricht Herr Turnlehrer Cohn über „Turnen und Jugendklubs". — Durch den Jugendklub will dje Schule das Band, das sich in acht Jahren Zwischen Lehrer und Schüler, zwischen Schule und Haus geschlungen hat, noch enger knüpfen nnb die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Schulentlassenen erhalten und inniger gestalten. Wir dürfen hoffen, wie die Anteilnahme der Lehrer an den entlassenen Schülern und die Dankbarkeit der Schulentlassenen gegen die Lehrer niemals aufhören, so wird der auf diesen beiden Grundsteinen ruhende Jugendklub dauernd feststehen. — Heber die ferneren Veranstaltungen des Jugendklubs gibt die Tafel Auskunft, die im Flur der Knabenschule hängt. Berlin, 24. Juni. Die Magine R e i m,? Verein gegenseitiger Hilfe, 'hielt dieser' Tage ihre 108. Hauptversammlung ab, in der der Vorsitzende den verstorbenen Vorstandsmitgliedern Hermann Landsberger und Geheimrat Emil Jacob einen warmen Nachruf widmete und mitteilte, daß dem langjährigen Vorsitzenden, dem allverehrten Menschenfreunde Moritz Manheim er, bei feinem Rücktritt vom Amte das Diplom eines immerwährenden Ehrenvorsitzenden, überreicht worden sei. Die Gesellschaft zählt gegenwärtig 1658 Mitglieder. Sie hat im letzten Jahre über 30 000 Mark an Unterstützungen gezahlt und besitzt ein Vermögen von 711620 Mark. Nach den Neuwahlen setzt sich der Vorstand wie folgt zusammen: Stadtverordneter Dr. jur. I. L e v y, Vorsitzender, Manuel Schwär z, stellvertretender Vorsitzender, Dr. Eug. H i r s ch'b e r g, Schriftführer, Geheimrat Dr. B l u m e n t h a l, Geheimrat Herm. F r e n k e l, Jsm. H a m b u rg e r, Paul Langer, Dir. Dr. G. Minden, Em. Pincus, Rich. Sachs, Sgsr. Sachs: S. Cassierer, S. Caro, Berth. Israel, Generaldirektor Ju l r u s b u r g e r, Bert. K i r st e i n, Georg L ach m a n n, Ed. L e h w e ß, Kommerzienrat A. L ö w e n b e r g, Stadtverordneter Max Saling er, Direktor Oskar Wassermann, Alfred Zamory. $$$- Berlin, 24. Juni. Unter großer Beteiligung fand am letzten Sonntag auf dem Friedhof in Weißensec die Beerdigung des pensionierten Kantors Herrn Aron Joachim statt, der am 18. d. M. im Alter von 79 Jahren verstorben ist. Der Verblichene, ein edler und vielseitig gebildeter Mann, wirkte von 1866 bis 1886 als Hauptkantor an der Neuen Synagoge und stand auch nach seiner Pensionierung als Beamter der Friedhofskommission und als Baal Kore der Alten Synagoge im Dienste der jüdischen Gemeinde. Die ungeteilte, Achtung und Wertschätzung, deren er sich bei Lebzeiten seitens der Berliner jüdischen Bevölkerung erfreute, zeigte sich so recht an der überaus starken Teilnahme an seinem Leichenbegängnis. Aus den verschiedensten Kreisen und den entlegensten Stadtgegenden waren Männer und Frauen herbeigeeilt, um Aron Joachim die letzte Ehre zu erweisen. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. Bergmann, der in tiefempfundenen Worten das Lebensbild des Verklärten zeichnete und ihm zugleich namens der Gemeindeverwaltung einen ehrenvollen Nachruf widmete. Einen ferneren Nachruf hielt Herr Musikdirektor Hcnchtkantor Friedmann, der im Austrage seiner "Derufsgenossen dem Entschlafenen die letzten Scheidegrüße nachrief und dann am offenen Grabe in geradezu ergreifender Weise das El-mole- Rachamim-Gebet verrichtete. Unter den üblichen Gebeten erfolgte sodann die Beisetzung. Der Name Aron Joachim wird in der Berliner jüdischen Gemeinde stets in Ehren genannt werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.