Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1913)
- Date
- 1913-06-27
- Page
- Seite 310 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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T sie ift nach seiner Meinung lediglich eine Politische Frage. Die Volksschule 'fall nicht konfessionell fein, das wollen alle Parteien liberaler Färbung, einschließlich der Nationalliberalen. Durch besondere jüdische Volksschulen treiben wir nur Wasser auf die antisemitischen Mühlen. Man dürfe auch nicht von der „Not der Zeit" dabei reden. Denn wenn wir dem nachgeben, schaffen wir Einrichtungen, die als Grund gegen uns ins Feld geführt werden. Religionsunterricht ist nötig, konfessionelle Volksschulen aber nicht. Herr Rabbiner Dr. S a -l o m o n s k i wünscht Vorsorge gegen die Vernachlässigung des jüdischen Religionsunterrichtsda wird sich, ein großes Betätigungsfeld für den jüdischen Lehrer ergeben. Er ist gegen die Errichtung jüdischer Volksschulen in den Großgemeinden und glaubt gleichfalls, daß damit nur Wasser aus die antisemitischen Mühlen geleitet werden würde. Auch der Syndikus der Frankfurter Gemeinde, Herr Justizrat Baer, ist gegen die jüdische Volksschule. Jede Großgemeinde sollte nur für eine vermehrte Anstellung jüdischer Lehrkräfte sorgen. Herr L i e b e n f e l d - Bochum ist für jüdische Volksschulen in Kleingemein-" den. Herr Lehrer Auerbach- Berlin: Hier in Berlin gehen mehr als 4000 jüdische Kinder in die christliche Volksschule. Daraus ergebe sich, daß man ganz gut zwei bis drei jüdische Volksschulen 'mit 60 bis 70 jüdischen Lehrern einrichten könnte. Die Frage, auf die es ankomnre, werde immer falsch formuliert. Hier handle es sich doch nur darum: Sollen wir unsere Kinder lieber in eine konfessionelle evangelische oder in eine konfessionelle jüdische Schule schicken? So die Frage gestellt, beantwortet sie sich von selbst. Könnte man eine Abstimmung der jüdischen Eltern ermöglichen, dann würde man ein erdrückendes Votum für die jüdische Volksschule erhalten. Leider sei das nicht möglich. Er behauptet weiter, daß in der Tat ein gewisser organischer Zusammenhang des religiösen mit dem Unterricht in den anderen Fächern nicht abgeleugnet werden könne. Herr Professor Türk bezeichnet die Annahme des Vorredners über die Zahl der etwa anstellbaren Lehrer bei Errichtung jüdischer Volksschulen, die vom Vorredner angegeben, für irrig, es würden noch nicht einmal 40 Lehrer Anstellung finden können, und was wäre damit Großes erreicht? Wer sollte wohl die jüdische Volksschule in Berlin errichten? Die politische Gemeinde würde es ganz gewiß nicht tun, weil es unmöglich ist. Die jüdische Gemeinde aber habe trotz ihrer anscheinenden Wohlhabenheit wirklich nicht die großen Mittel, die Einrichtung und Erhaltung einer solchen Schule dauernd erfordern würden. Nachdem noch Herr Dr. V i ck t o r - Wandsbek für die Errichtung jüdischer Volksschulen gesprochen hatte, gelangte man nach Annahme eines Schlußantrages zur Abstimmung. Eingegangen war noch ein Antrag F r i e d m a n n - Glogau: „Die heute versammelten Verbandsdelegierten sprechen sich grundsätzlich gegen die Errichtung von jüdischen Volksschulen aus." In der Abstimmung wurden alle Anträge, sowohl der Friedmannsche wie der Feinersche und Dr. Apselsche abgelehnt und die Thesen des Herrn Professor B l a s ch k e in Einzelabstimmung über jode These angenommen. Nachdem man dann noch die Frage der „Schiedsgerichte" gleichfalls der gebildeten Kommission zur Beratung des Normalvertrages überwiesen hatte und den letzten Punkt der Tagesordnung „Einführung einer amtlichen Inspektion" der Lehrabteilung des „D. I. G. B." zur weiteren Veranlassung übergeben hatte, schloß Herr Professor Kali scher in der fünften Nachmittagsstunde mit den üblichen Dankesworten den Verbandstag. Dir Juden in den konkdentenberichten 1833 bis 1847. Von Ludwig Geiger. ^k^or kurzem ist ein ungemein wichtiges Quellenwerk unter ^dem Titel „Literarische Geheimberichte aus dem Vormärz" von Karl Glossy herausgekommen (Jahrbuch der Grillparzer- Gesellschaft, 21. bis 23. Jahrgang, Wien, Carl Konegen, 1912). Es sind Mitteilungen, die von österreichischen Geheimagenten an den Fürsten Metternich abgestattet worden sind. Diese Geheimagenten, auch Konfidenten genannt, waren nicht eigentliche Staatsbeamte, sondern Journalisten, die ehedem der freisinnigen Partei angehört hatten und nun entweder aus Ueberzeugung oder zumeist durch Geld bewogen in den österreichischen Dienst sich begaben. Sie brachen ihre Beziehungen zu den Männern, deren Partei sie früher offen angehört hatten, keineswegs ab und wurden dadurch in die Lage versetzt, deren vertrauliche Aeußerungen der österreichischen Negierung zu übermitteln. Diese Berichte, die sich über einen sehr merkwürdigen Abschnitt der deutschen Geschichte verbreiten, enthalten keineswegs nur Klatschereien und Denunziationen, sondern ausführliche, oft sehr gut geschriebene Darstellungen über den geistigen, politischen und kirchlichen Zustand Deutschlands. Natürlich sind sie alle von der Neigung erfüllt, die österreichische Regierung aus gefährliche Tendenzen hinzuweisen und deren Aufmerksamkeit aus Persönlichkeiten zu lenken, die ihnen verdächtig scheinen. Keineswegs nur 'Oesterreicher, auch nicht einmal solche, von denen zu befürchten war, daß sie nach Oesterreich kämen, sondern über alle diejenigen, die im öffentlichen Leben eine Rolle spielten. Bestimmte Folgen hatten diese Berichte nicht, die österreichische Regierung schritt nicht gegen die Genannten ein, verwahrte die Berichte aber wohl, um sie doch gelegentlich zu benutzen. Ich habe diese merkwürdigen Aktenstücke in einem Aussatze der Sonntagsbeilage der „Vossischen Zeitung" zu charakterisieren versucht und darf die Leser wohl darauf Hinweisen. Hier sei es gestattet, diejenigen Stellen anzuführen, die sich auf Juden beziehen. Man kann nicht sagen, daß diese Konfidenten bestrebt waren, in allen oppositionellen Bemühungen jüdischen Einfluß zu sehen, wohl aber lenkten sie ihre Aufmerksamkeit aus Juden und getaufte Juden, die in dem damaligen geistigen Leben eine Rolle spielten. So wird zum Beispiel vielfach von Börne und Heine gesprochen, ferner von einem Journalisten Auerbach (nicht Berthold Auerbach, von dem am Schluß die Rede sein soll), von einem Dr. Schuster, der als getaufter Jude gilt, von Ludwig Braunfels, dem später sehr bekannten Advokaten in Frankfurt, von Theodor Creizenach, Lehrer in Frankfurt, der sich auch als Dichter einen rühmlichen Namen erworben hat, von Alexandre Weill, Ludwig Wihl und manchen anderen. Ich lasse in nachstehendem, ohne irgendwie Vollständigkeit zu beanspruchen, einige besonders markante Stellen folgen. Enthalten sie auch nicht immer. vollständig Wahres, und ist auch der Standpunkt, auf dem die Berichterstatter stehen, nicht durchaus der richtige, so sind die Aeußerungen doch zur Charakteristik jener Zeit ebenso wie der Männer, von denen sie ausgehen, außerordentlich kennzeichnend. Frankfurt, 6. Januar 1836. .... Die Bemühungen einiger Schriftsteller, zum Beispiel des Hofrates Dr. Münch in Stuttgart, des' Korrespondenten der „Münchener politischen Zeitung", auch des „Berliner politischen Wochenblattes", zu beweisen, daß alle zum jungen Deutschland gehörenden Schriftsteller Juden seien, wird belächelt, da die Behauptungen falsch sind. Die jüdischen Gelehrten sind aber über jene Schreiber sehr entrüstet und wassnen sich zur Verteidigung. Soeben ist eine neue Broschüre, betitelt „Jeune Allemagne“, in der Sache des jungen Deutschland erschienen, welche gegen dasselbe oder eigentlich gegen das Judentum gerichtet ist. Ihre Tendenz wird den Gegnern des jungen Deutschland im allgemeinen nicht entsprechen, denn sie geht aus mitunter falsch aufgegrisfenen Ansichten hervor. Frankfurt, 18. Mürz 1843. .... Für das Weitererscheinen der „Rheinischen Zeitung" ist wenig oder gar keine Hoffnung vorhanden; deren Schildträger gestehen dies selbst ein. Der König von Preußen war namentlich persönlich unangenehm berührt, daß der Garant Oppenheimer, ein hegelianischer Jude, mit nach Berlin gesendet wurde. Das neue Judentum klagt außerordentlich über den Untergang der „Rheinischen Zeitung". ...