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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-06-27 · Heft 26 (27.6.1913) · p. Seite 306

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
Seite 306 (sequence 6)
Language
German
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B 806 unter - welchen ungewöhnlichen und anormalen Bedingungen der Kielver Nitualmordprozeß eingeleitet und mit welchem Hochdruck seitens, der Anklagebehörde gearbeitet wird, um ihn überhaupt zu ermöglichen. % Jadlowker. bedeutende Künstler, Kammersänger an der königlichen Oper in Berlin, dessen Bild wir heute veröffentlichen, ist für Berlin nur mit großen Opfern gewonnen worden. In einem Artikel in einer musikalischen Monatsschrift „Die Stimme seines Herrn", Juli 1912, die in den folgenden Ausführungen ausschließlich benutzt worden ist, heißt es: „Jadlowker erhält für 50 ihm garantierte Vorstellungen ein Spielhonorar von 1500 Mark Pro Abend, hat also ein feststehendes Jahreseinkommen von mindestens 75 000 Mark. Der Vertrag läuft bis zum Jahre 1917, doch ist dem Künstler das Recht eingeräumt, ihn schon am 31. Dezember 1914 zu lösen. Er hat einen Sommerurlaub von 4 und einen Winterurlaub von IX« Monaten." Hermann Jadlowker wurde in Riga am 5. Juli 1877 geboren. Als Zwanzigjähriger bezog er das Wiener Konservatorium, studierte dort vier Jahre lang bei Professor Gänsbacher und betrat 1900 zum erstenmal die Bühne, Zuerst in Köln, dann in Stettin, wo er große und anhaltende Erfolge errang. Fünf Jahre lang wirkte er in Riga, ebensolange in Karlsruhe. Auf Gastspielen in der Metropolitan Opera in New?)orf, ebenso in Lemberg, wurde er der Liebling des Publikums. Gelegentlich der Maisestspiele in Wiesbaden 1911 wurde Jadlowker durch Kaiser Wilhelm ausgezeichnet. Er wurde von dem Kaiser in besonderer Audienz empfangen und auf die Anregung des Herrschers für die Berliner Oper gewonnen. Von geradezu imponierendem Umfang ist das vom Künstler beherrschte Repertoire erster tragender Rollen. 80 und mehr Opern sind es, in denen er die Hauptpartien meistert, und fortlaufend studiert er neue Rollen hinzu. Unter diesen Opern find solche von Mozart, Beethoven, Wagner, Brüll, Weber, Goldmark, Marschner, Lortzing, Nikolai, Auber, Kreutzer, Bizet, Götz, Rossini, Verdi, Donizetti und außerordentlich viele neuere Komponisten zu erwähnen. Sehr vielfach trat Jadlowker auch in Konzerten auf. Auch als Violinist hat er es zu einer vorzüglichen Fertigkeit gebracht. Mehrfach hat er sein Geigenspiel schon gut anwenden können. Vor einigen Jahren war es, wo er in der Metropolitan Opera als Lobetanz selbst den Bogen streichen und so der üblichen Hilfe eines Musikers hinter der Szene entraten konnte. „Jadlowker, eine bescheidene und zurückhaltende Persönlichkeit, liebt es, sich nach der Art eines Mannes in bürgerlichem Beruf in der trauten Häuslichkeit zu vergnügen und zu erholen, immer wenn seine so schwere Kunst ihn sreigibt. Er, der der Oefsentlichkeit gehört und dessen ganzes Dun und Trachten der öffentlichen Kritik untersteht, er hat es gern, wenn er nach des Tages Last und Mühen einmal den Künstler beiseite.stellen und wieder Mensch sein kann. Seit einer Reihe von Jahren Rcrmmersänger Hermann Jadlowker. ist er glücklich verheiratet." Wünschen wir dem Meister,' der das Berliner Publikum immer von neuem entzückt, daß er seine Kunst noch viele, viele Jahre ausüben könne und Berlin recht lange Jahre erhalten bleibe. Mlmgrr Lsdrbnrk. Von Benas Levy, Berlin, ls ich im vorigen Jahre eine harmlose Plauderei über Kissingen der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" übersandte, konnte ich kaum annehmen, daß die „Staatsbürger-Zeitung" einen großen Teil meines. Artikels abdrucken würde. In einer langen Abhandlung, die die Ueberschrist. „Koschere und treife (!) Brüder" trägt, gibt die,, Statsbürgerin" meine Plauderei wieder, nennt mich „ein hochgeschätzes und seltenes Mitglied des Deutschen Reiches" und „ernennt mich feierlich zu ihrem gelegentlichen Mitarbeiter, weil ich in so vorzüglicher Weise für den Bäderantisemitismus Propaganda mache." Ich erfahre ferner aus dem Artikel, daß ich die „rührendste Sehnsucht nach Kaftan und Peist (!), die altmvsaischen Ringellöckchen oder „Korkenzieher" habe, und schließlich lese ich darin wörtlich: „Alles, was Herrn Levys blühende Feder weiterhin noch schildert, ist natürlich von ’ dem gleichen alttestamentarischen Geiste beseelt, und läßt auch nicht den geringsten Zweifel darüber zu, daß Bad Kissingen hilflos verjudet ist und seinem Ruin entgegengeht. Denn wer vom Juden ißt, der stirbt — das hat schon eine ganze Reihe von Badeorten an sich'erfahren müssen, die erst sehr erfreut über den jüdischen, gut zahlenden Zuzug waren." Ich lehne zunächst dankend die Ernennung zum Mitarbeiter der „Staatsbürger-Zeitung" ab. Sodann bemerke ich: Mit dem Antisemitismus kann die „Staatsbürgerin" hier im biederen Bayernlande keinen Erfolg erzielen. Ihre Prophezeiungen, „daß Kissingen seinem Ruin entgegengeht", werden hier einfach verlacht. Es gibt kaum einen zweiten Badeort in ganz Deutschland, der so in Aufnahme gekommen ist wie Kissingen. Die Heilkraft der stärkenden kohlensauren Solbäder und des im vorigen Jahre neuentdeckten Sprudels werden allgemein anerkannt, und die Zahl der Besucher steigt von Jahr zu Jahr. Vor 100 Jahren, als Badeort kaum gekannt, zählte Kissingen im ganzen 131 Kurgäste. Diese Zahl steigerte sich nach 50 Jahren auf 4990 und beträgt jetzt 33 446 Personen, die, Heilung suchend, im vorigen Jahre hierher gekommen sind. Daß sich hierunter eine große Zahl von Juden befindet, das ist bekannt, und ich kann hinzufügen, das ist den hiesigen Bürgern sehr willkommen. Das gegenseitige Verhältnis rst ein harmonisches, und beide Teile fühlen sich wohl dabei. Es fehlt sogar nicht an kleinen Aufmerksamkeiten, die den Juden erwiesen werden. Ungefähr in jedev Woche einmal spielt die Kurkapelle das' „Kol Nidre" von Max Bruch, und immer wieder drängen sich Hunderte um die Musikanten und lauschen tiefergriffen den schwermütigen Tönen. Auf den Promenaden finden wir bei vielen Kunsthändlern Oelgemälde von Josef Jost und C. Osterfetzer ausgestellt, die jüdische

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