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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-06-20 · Heft 25 (20.6.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Während so in unserem ganzen Deutschen Reiche man sich rüstet zu des Kaisers/Jubelfeierschwebt über, diesem Hause, die Fahne als- Zeichen der Vollendung und Weihe. So beglückwünsche ich aufrichtig und herzlich die Shnagogengemeinde und den Ashlverein zu denn Werke, dem wir heute die Weihe geben.. Mögen in diesem Hause nur zufriedene Menschen einkehren. Mögen die Insassen dieses Hauses stets dankbar sich erinnern der Wohltäter, die sie vor den Sorgen des Alters schützten, die ihnen eine sichere Zufluchtsstätte, ein trauliches Heim für ihren Lebensabend geschaffen. Mit diesen herzlichen Wünschen habe ich die Ehre und Freude, die Mitteilung zu verbinden, daß Seine Majestät der Kaiser allergnädigst geruht haben, des heutigen Tages zu gedenken und folgende Ordensauszeichn.ungen zu verleihen. Es ist verliehen worden dem Rabbiner und Schulinspektor Dr. Heinr. Jaulus der KroNenorden dritter Klasse, dem Gemeindevorsteher Herrn Leopold Spier der Kronenorden vierter Klasse. Und nun lassen Sie uns unseres Kaisers gedenken, indem Sie mit mir ein- ° stimmen in den Ruf: Seine Majestät unser allergnädigster, vielgeliebter Kaiser Wilhelm der Zweite, er lebe hoch!" Freudigen Herzens stimmte die Festversammlung in das Kaiserhoch ein. Dann nahm Herr Oberbürgermeister Weltmann das Wort. Er führte aus: „Bei dieser offiziellen Feier dürfen — so meine ich — auch die Vertreter der Stadt nicht fehlen, und. so habe ich teilgenommen an Ihrer Feier, um Ihnen meine Glückwünsche auszusprechen auch namens der Stadt Aachen. Es ist nur nun eine besondere Freude, zu sehen, wie israelitische Mitbürger.für Alte, Gebrechliche und Notdürftige gesorgt haben. Die Wohltätigkeit ist international, nicht geschieden durch Grenzen und Glauben. Möge. das - Gebäude noch lange Jahre ein Segen sein für die Shnagogengemeinde, ein Segen auch für die Stadt Aachen!" Herr Stiftspropst Dr. Känfmann dankte für die ihm gewordene Einladung und gemahnte an das Bibelwort: Siehe, wie schön und. lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig untereinander wohnen. „Dieses:- Fest der Freude, das hier in diesem Hause heute gefeiert wird, habe ich sehr gern durch meine Anwesenheit und auch durch meine Begrüßung, die ich hier von ganzem Herzen ausspreche, mit für mein kleines Teil verschönern wollen. Möge dieses Haus hier auf der Höhe des Aachener Waldes ein Symbol sein der gemeinsamen Leiden: und der brüderlichen Liebe, die Gutes tut und Gutes spendet. Nehmen Sie meinen herzlichsten Glückwunsch entgegen. Mögen Gottes Segen und Gottes Gnade über diesem Hause stehen; mögen die, die in diesem Hause leben, glücklich-sein hier und in der Ewigkeit." Mit einem Nnndgange, der dann unter kundiger Führung die Räume des Altersheims durchmaß und die geschmackvolle Auswahl sowie die solide Arbeit der inneren Einrichtung in bester Form enthüllte, endete die eindrucksvolle Feier. Mannheim, 13. Juni. Unter außerordentlich großer Beteiligung fand vor kurzem im hiesigen Krematorium die feierliche Einäscherung des in Baden-Baden dahingeschiedenen Seniorchefs der Firma L. Weil und Reinhardt, Herrn E m i l R e i n h a x b t, statt. Unter den Hunderten von Teilnehmern,. die dem Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen, waren die Herren Bürgermeister v. Holländer, Han-. delskammerprüsident Engelhardt, Landgerichtspräsident Dr. Eller, Landtagsabgeordneter Stadtrat Vogel, Direktor N e t lel, Direktor L ö w i t, Direktor Pichler, Stadtverordnetenvorstand Pfeifflc, die Stadträte B arb er und Dr. Stern, die Stadtverordneten Ihrig und Levi, viele andere Persönlichkeiten, besonders Repräsentanten des Handels und der Industrie sowie, der Mannheimer Bankinstitute. Die Feier im der Halle des Krematoriums begann mit einigen Sätzen des Chopinschen Trauermarsches, die auf dem Harmonium vörgetragen wurden, Nachdem dann Herr Rabbiner Dr. Steckelmncher ein Gebet gesprochen hatte, trug der Synagogenchor den ergreifenden Chor „Wie sie so sanft ruhn" vor. Seiner Trauerrede legte der Geistliche die Worte der Bibel zugrunde: „Wahrlich, Frenydlinge und Beisassen seid ihr bei mir." Er führte aus, wie besonders schwer es sei, von einem lieben Menschen Abschied zu nehmen, wenn seine Lebenstätigkeit so ungemein segensreich gewesen, wie bei dem teuren Entschlafenen. Er schilderte; wie der Gesundheitszustand des Verstorbenen wohl schon seit Jahren zu Bedenken Anlaß gegeben, daß der Entschlafene sich aber dank seiner kernigen und lebensfrohen Natur und dank der rührend besorgten Pflege seiner Gattin doch aufrechterhalten habe, so daß man hoffen durfte, ihn noch lange Jahre unter sich zu behalten. Die Frühlingsluft in Baden-Baden habe ihm immer besonders wohlgetan, und auch in diesem Jahre habe er Genesung von ihr erhofft. Leider erfüllte sich diese Hoffnung nicht, und da müsse es uns schon ein Trost sein,, daß der. Verstorbene in verklärter Frühlingsstimmung von dieser Erde Abschied genommen. Als Haupttrost jedoch möge gelten, daß sein Leben ausgesüllt war von großer, mit reichem Erfolge gekrönter Arbeit, geschmückt und bereichert durch die Sympathie und Hochachtung . seiner Mitmenschen und durchsonnt vom herzlichsten Familienglück.. Infolge seines durchdringenden Geistes,, seiner hervorragenden Tüchtigkeit und seines unantastbaren Charakters brachte er das Geschäft, dem er seine Kraft in erster Linie widmete, zu hoher Blüte und zu bedeutendem Ansehen. Und bei allen seinen Erfolgen , blieb der Ver- , storbene immer derselbe schlichte, bescheidene, gütige Menschenfreund, der seinem Glauben Anhänglichkeit bewahrte und der Vaterstadt und dem Vaterlande stets die Treue hielt. Nach den eindrucksvollen Worten, Dr. Steckelmachers legte Herr Handelskammerpräsident Emil Engelhardt mit herzlichen Worten einen Kranz an der Bahre des Entschlafenen nieder. . Auch er rühmte die geschäftlichen Erfolge und Verdienste des Entschlafenen und bezeichnete ihn als einen Mann, der immer nur das Gute gewollt habe. Herr Prokurist Haberbvsch legte sodann im Namen des Personals und Herr Mich. Mandel im Aufträge der Arbeiter der Firma Weil u. Reinhardt einen Kranz am Sarge ihres verstorbenen Chefs nieder. Im Namen des Landesausschusses der Fortschrittlichen Volkspartei widmete Herr Landtagsnbgeordneter - Vogel dem verstorbenen Parteigenossen einen kurzen, herzlichen Nachruf, in welchem er seine Verdienste um die Partei und besonders seine Treue und Opserwilligkeit betonte. Für den hiesigen Verein der Fortschrittlichen Volkspartei und ihre Stadtverordnetenfraktion legte, wie der Vorredner, Herr Stadtrat Dr. Stern einen prächtigen Kranz an der Bahre nieder/ Er führte aus, wie falsch die Ansicht sei, daß die Betätigung in der Politik nur dem Kampfe um materielle Güter gelte. Politik sei die Erkenntnis, daß jeder berufen ist, mitzuarbeiten an dem Fortschritt der Menschheit. Für den Aussichtsrat, Vorstand und für die Angestellten und Arbeiter der Schiffs¬ und Maschinenbau-A.-G. Mannheim trat sodann Herr Rechtsanwalt Dr. Darmstädter an die Bahre, um mit einigen herzlichen Worten einen Kranz niederzulegen, und als letzter sprach Herr Dr. Gustav Mayer, im Aufträge des Spar- und Bauvereins einen kurzen Abschiedsgruß, wobei er besonders die Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue des Entschlafenen würdigte und ebenfalls einen Kranz am Sarge niederlegte. Unter den leisen Klängen des Harmoniums senkte sich der Sarg sodann in die Tiefe. Mit dem Schlußchor „Heilig ist der Herr",-den der Shnagogenchor vortrug, und dem Schlußgebet des Geistlichen fand die würdige Trauerfeier ihr Ende. ' *. Gefterretch-Nngarn. K. Wien, 13. Juni. Wie Prager Blätter melden, soll die Generalprokuratur das Gesuch um Wiederaufnahme des Hilsner- Prozesses verworfen haben. Diese Nachricht, die offiziell noch nicht bestätigt ist, gibt-der Wiener „Sonn- und Montagszeitung" Veranlassung, sich mit der Affäre Hilsner neuerdings ausführlich zu befassen. Das genannte Blatt ist der Ansicht, daß, falls die Prager Meldung der Wahrheit entspreche, man vor einem Rätsel stehe, dessen Lösung im-Interesse der Wahrheit und Gerechtigkeit, aber vor allem im Interesse der arg kompromittierten österreichischen Justizpflege baldigst zu wünschen wäre. — Durch Anordnung des Kultuswinisteriums wurden an den österreichischen Mittelschulen Schießübungen unter militärischer Anleitung eingeführt. Am 7. d. M. fand in Prag ein Preisschießen der deutschen ,.-Gymnasiasten statt, dem auch;-der Korpskommandant von Böhmen mit zahlreichen höheren Offizieren, beiwohnte. Die er sien zwei Preisträger waren zwei jüdische Gymna-' siasten, Karpeles und Katz, die von 276 überhaupt erreichbaren Einheiten 266 bezw. 266 Punkte erzielten. Der Korpskommandaut sprach sich sehr lobend über „diese ganz hervorragende Leistung" aus/und zeichnete die jungen Schützen durch schmeichelhafte Ansprachen aus. Ebenso lobend äußerten sich die zahlreichen Landesschulinspektoren und Direktoren,-die dem Preisschießen beiwohnten. — Vor einigen Tagen wurde in Prag ein Fräulein Felicie Ploo zu Grabe getragen, das im israelitischen Krankenhause gestorben ist und stets in ärmlichen Verhältnissen gelebt hat. Man. war nicht wenig erstaunt, als das Testament der Verstorbenen geöffnet wurde. Das alte Fräulein hinterließ ihr ganzes, Vermögen im Betrage von 30 000 Kronen der

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