Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-06-20 · Heft 25 (20.6.1913) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229095--69550-3281857
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

israelitischen Kultnsgemeinde zur Errichtung einer Stiftung für jüdische Nechtshörcr. Die alte Dame hatte einen Bruder, der k. k. Oberfinanzrat war und vor etwa zehn Jahren starb. Uw das Andenken ihres Bruders zu ehren, hat Fräulein Ploo jahrelang gedarbt; die zu errichtende Stiftung soll nämlich den Namen ihres verstorbenen Bruders Dr. Benedikt Ploo führen. Ein Beweis aufopfernder Schwesternliebe. * Rußland. Warschau, 13. Juni. Die Bestialität, die im Dorfe Pontnova in der Nähe von Welun sich ereignet hat, ist ihrem Kern nach fürchterlicher, als man anfangs gewußt hatte. Es war nur bekannt, daß eine jüdische Familie von acht Personen durch vorsätzliche Brandstiftung ausgerottet worden ist, und man konnte nur vermuten, daß es sich um einen fanatischen Akt des Boykotts handle. Je mehr Einzelheiten man jedoch über diesen Fall erfährt, desto sicherer wird es, daß man es mit einer der unmenschlichsten Aeußerungen des im Boykott am schlimmsten verkörperten Rassenhasses zu tun hat. Die Verbrannten befanden sich nämlich in einer richtigen Falle, als die Katastrophe über sie hereinbrach. Der oder die Brandstifter hatten das ausersehene Haus von außen vernagelt, so daß ein Entkommen unmöglich war. Als dann das Haus in Flammen geriet, konnten seine Insassen weder Türen noch Fenster öffnen, und nur ein Kind vermochte sich zu retten. Wie der „Przeglad" schreibt, ist das ganze Dorf an der Tragödie schuld. Niemand kam den Unglückseligen zu Hilfe, ja als das kleine Mädchen auf irgendeine Weise aus dem Hause herauskam und in seiner fürchterlichen Angst die Nachbarn um Hilfe anflehte, da stieß die Menge ein tierisches Gelächter ans . . . Die polnische Presse aber verschweigt diese unerhörte Missetat ganz und gar. Was sollte sie auch dazu sagen? Es ist ja nur die Ernte dessen, was sie gesät hat. ^2 Kiew, 13. Juni. Vor einigen Tagen hatte die Petersburger Telegraphenagentur die Nachricht gebracht, daß die, Kiewer Gerichtskammer die Anklageschrift gegen Beilis bestätigen und daß der Prozeß noch im Juni stattfinden würde. Obwohl es bekannt ist, daß die ganze Angelegenheit in Petersburg erledigt wird, so war doch die Offenheit, mit der die offizielle Agentur ihre Nachricht aus Petersburger Quellen verbreitete, zu blamabel. Jetzt hat der Staatsanwalt dem Bruder von Beilis erklärt, daß der Beilisprozeß jedenfalls nicht im Juni stattfinden würde. Unterdes dauert die verhetzende Agitation weiter an. Die „Nowoje Wremja" spricht schon von der Allmacht des Judentums im Fall Justschinski und will also im voraus die eventuelle Inhibierung der Anklageschrift bzw. die etwaige künftige Freisprechung von Beilis kompromittieren. Nun, so weit ist es nicht. Die Kiewer Richter und Staatsanwälte sind wahrhaftig keine Helden. Daher die ewigen Schwankungen, die unaufhörlichen Verzögerungen. * Von Ssh und jfrru. — An der. Iubiläu ms h u l d i g u n g vor dem Kaiser- P a a r gelegentlich der Einweihung des Deutschen Stadions beteiligte sich der jüdische Turnverein „ B ar Kochba" mit einer Mannschaft von 50 Sportsleuten. An der Vorführung itu Stillaufen nahmen 20 Mitglieder der Jugendabteilung teil. — Pros. I u lius Rodenberg, der bekannte Berliner Publizist, feierte am 9. d. M. gleichzeitig seine goldene Hochzeit und sein 40 jähriges Jubiläum als Herausgeber der „Deutschen Rundschau". Der Kaiser hat Herrn Victor Wolfs, Inhaber der Firma H. Wolfs, Krausenstr. 17/18, zum Kommerzienrat ernannt. — Die Errichtung einer Synagogengemeinde für den Stadtkreis Buer wird seit Jahren von den israelitischen Einwohnern angestrebt. Zurzeit werden in Buer 85 Familien und einzelstehende Personen gezählt; die Gesamtzahl der jüdischen Einwohner betrug bei der letzten Personenstandsausnahme vom 15. Oktober 1912 117 Seelen. Für ihren Gottesdienst hat die jüdische Gemeinde besonders gut passende Räume gemietet, welche binnen kurzem in Benutzung genommen werden können. Bisher gehörten die jüdischen Einwohner der Stadt Buer zur Synagogengemeinde' Dorsten. — Der Jacobson-Schule in Seesen ist von einem verstorbenen Mitgliede der Familie Jacobson, dem früheren Kurator Joseph Jacobson, ein Vermächtnis in Höhe von 33 000 Mark zngefallen. — Aus Cassel wird uns geschrieben: Dem Geheimen Regierungsrat Grafen v. Platen-Hallermund bei der hiesigen Königlichen Negierung sind die Geschäfte des landesherrlichen Kommissars bei dem Vorsteheramte der Israeliten in Cassel übertragen Wörden. — In Frankfurt a. M. starb nach kurzer Krankheit der Chemiker Dr. Israel Noos. Namentlich seiner Initiative ist die Gründung des großen jüdischen Schaare-Zedek-Hospitals in Jerusalem zu danken, für dessen Ausgestaltung und Fortbestand er unermüdlich tätig war. Dr. Noos entfaltete eine reiche Tätigkeit auf dem Wohltätigkeitsgebiet, ohne daß er aber mit seinem Namen in die Oeffenlichkeit trat. — Herr Wolf W i e n er und Frau geb. Marx in Frankfurt a. M. feierten vor kurzem im Hause ihres Sohnes, L. Wiener, das seltene Fest der diamantenen Hochzeit'. — Vor einigen Tagen starb in Mainz im Alter von nahezu 94 Jahren Herr Kaufmann Jakob Simon. In seinem 23. Lebensjahre trat Simon als aktives Mitglied in die Mainzer Chewra Kadischah, in der er sich zeit seines Lebens hervorragend und mit Aufopferung betätigte. Als er 90 Jahre alt wurde, ernannte ihn die genannte Chewra zum Chrenvorsitzeden. — Man schreibt uns' aus Rüdesheim a. Rh.: An Stelle des vor kurzer Zeit verstorbenen zweiten Vorstandes der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Moses Moos, der dieses Ehrenamt bis zu seinem Tode 40 Jahre lang zur Zufriedenheit der Gemeinde bekleidete, wurde dessen ältester Sohn, Herr Joseph Moos, fast einstimmig zum zweiten Vorstand gewählt. — In Ellwangen (Württemberg) verschied am 8. Juni, 81 Jahre alt, der frühere langjährige Herausgeber der „Jagstzeitung", Herr Leopold Weil. 1858 hatte er diese Zeitung übernommen und 1895 feierte er sein 60jähriges Buchdruckerjubiläum. Am 9. April 1911 konnte der Verstorbene seine goldene Hochzeit feiern.— Der finanzielle Bericht der Pester jüdischen Großgemeinde weist bei einem Einnahmekonto von 2 398 362 Kronen Ausgaben von 2 445 814 Kronen auf. Das kolossale Defizit ist mit der sozialen Depression begründet. Die Kultussteuereinnahmen betrugen lim 155 000 Kronen weniger, als vorgeschlagen wurde. Der Wohltätigkeitsetat hat sich auch um 70 000 Kronen gehoben. Im laufenden Jahre wird das neue jüdische Gymnasium, eine Stiftung Ritter von Freistädlers, in Bau genommen und nach drei Jahren fertiggestellt werden. — Der König von Italien empfing vor kurzem den Rabbiner von Rom, Dr. Sazerdotti, bei dem er sich angelegentlich über die Juden in Italien und ihr kulturelles Leben erkundigte. Besonders freute es den König zu hören, daß die Jugend wieder etwas mehr Interesse hat an jüdischen Lebensfragen und für die Kolonisation des heiligen Landes. Oskar Strauß, der frühere amerikanische Gesandte in Konstantinopel, war auch jüngst zu Gast beim König, dem er über Palästinafragen Ausschluß gab. — In Schadek (Gouvernement Kalisch) lebt eine Frau im Alter von 110 Jahren. Sie heißt Raise Golewska, wohnt noch heute in ihrem Geburtshause und ist noch geistig und körperlich frisch. Sie ist Mutter von zwölf Kindern; ihr ältester Sohn wird demnächst 90 Jahre. — Der französische Gesandte überreichte der türkischen Regierung die Wünsche Frankreichs wegen Erlangung von Konzessionen in Syrien. Unter den Forderungen heißt es auch, daß die sranzösische Negierung wünscht, das hebräische Gymnasium in Jerusalem unter ihren Schutz zu stellen, was auch die türkische Negierung gewillt ist, zuzugeben. — Aus New Vvrk wird berichtet: Der Verband „Acht eb er" der hebräischen Sprachvereine gibt unter dem Titel „H a t v r e n" eine neue hebräische Monatsschrift heraus, deren erstes Heft soeben erschienen ist. Es ist dies zurzeit die einzige hebräische Zeitschrift Amerikas, und sie verspricht eine vornehme, im besten Sinne moderne literarische Revue zu werden, die zur Förderung der hebräischen Sprachbewegung irr Amerika wesentlich beitragen dürfte. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: MaxFahrnländer. Neukölln. Druck und Verlag von- Rudolf Mosse in Berlin. Bei der Deutschen Militärdienst - und Lebensversicher u n g s a n st a l t a. G. in, Hannover waren im Monat Mai 1913 zu erledigen: 1109 Anträge über 2 844 830 Mark Versicherungskapital. Von Errichtung der Anstalt (1878) bis Ende Mai d: I. gingen ein 482.702 Anträge über 77211Q,/75 Mark Versicherungskapital. Die Auszahlungen an Versicherungssumme, Prämienrückgewühr usw. im Jahre 1912 betrugen ca. 14 000 000 Mark; die Gesamtauszahlungen seit Bestehen der Anstalt ergeben rund 158 000 000 Mark. Der Hypothekenbestand betrug am Jahresschluß rund 129 000 000 Mark.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.