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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-06-20 · Heft 25 (20.6.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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der (lbemetndebote. •**.»■»*«» Veikage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". Sorrrtzondenren und Kachrichtm. Deutschland. $$$ Berlin, 17. Juni. Aus Anlaß seines Regierungsjubiläums hat der Kaiser zahlreiche Ordensdekorätionen und Auszeichnungen verliehen, die sich zumeist aus Personen erstrecken, die entweder in der nächsten Umgebung des Kaisers stehen oder sich durch künstlerische, wissenschaftliche, soziale Arbeit oder auf dem Gebiete des Handels und der Industrie besonders hervorgetan haben. Von unseren hierbei berücksichtigten Glaubensgenossen nennen wir zunächst Herrn Geheimen Kommerzienrat Ed. A r n h o l d , der aus „Allerhöchstem Vertrauen" in das Herrenhaus berufen . worden ist. Mit ihm zieht einer der bedeutendsten Industriellen Berlins und zugleich nach langer Zeit der zweite Jude in das preußische Herrenhaus ein. ' Der erste war Freiherr Karl v. Rothschild in Frankfurt a. M., der 1871 in das Herrenhaus berufen wurde. Ordensäuszeichnunge'n-erhielten: Herr Dr. James Simon den Roten'Adlerorden zweiter'-Klässt,' Herr Geheimer Kommerzienrat Dr. Eduard Simon die Krone zum Roten Adlerorden dritter Klasse, Herr Kommerzienrat Bamberg den Roten Adlerorden dritter Klasse, Herr Geheimer Kommerzienrat Ludwig Max Goldberger die Brillanten zum Kronenorden zweiter Klasse mit dem Stern. Den Roten Adlerorden vierter Klasse erhielten die Herren Handelsrichter Basch Witz, Kaufmann B r y, Kommerzienrat Paul Herz, Kommerzienrat Moser, Kommerzienrat Zielenziger, den Stern zuM Krönenorden Zweiter Klasse erhielt Herr Baurat Dr. R a t h e n a u. Herr Kommerzienrat O r e n st e i n hat den Charakter als Geheimer Kommerzienrat erhalten. Berlin, 17. Juni. In allen Synagogen der Berliner jüdischen Geminde fanden am letzten Sonnabend zur Feier des 25jährigen Regierungssubiläums Sr. Majestät des Kaisers gottesdienstliche Veranstaltungen statt. , Die Festpredigten hielten! 'In der „Alten Synagoge" Rabbiner Dr. Eschelbach er, in der Synagoge Kaiserstraße Rabbiner Dr. Lew kow i tz, in der Synagoge Rykestraße Rabbiner Dr. Petnchowski, in der „Neuen Synagoge" Rabbiner Dr. W a r s ch a u e r. in der Synagoge Lindenstraße Rabbiner Dr. Rosenzweig, in der Synagoge Lützowstraße Rabbiner Dr. Weiße, in der Synagoge Fasanenstraße Rabbiner Dr. Hochseld. Auch in den Synagogen der Religionsvereine Groß-Berlins fanden aus dem gleichen Anlaß Festgottesdienste statt. Eine erhebende gottesdienstliche Feier veranstaltete am Sonntag die Jüdische Reformgemeinde. Die Festpredigt hielt Prediger D. M. L e v i n. In der Synagoge der Israelitischen Shnagogengemeinde Adaß Jisroel wurde am Sonnabend in Anwesenheit von jüdischen Mannschaften der hiesigen Garnison eine eindrucksvolle Feier abgehalten. Die Gemeindekörperschaften errichteten zugleich eine Kaiser-Wilhelm-II-Jubiläumsstistung zur Errichtung einer Allgemeinschule mit einem Grundkapital von 20 000 Mark. 22 Berlin, 17. Juni. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund sendet uns mit der Bitte um Veröffentlichung folgenden an alle edeldenkenden Glaubensgenossen des Deutschen Reiches gerichteten, sehr beachtenswerten Ausruf: Hör 44 Jahren haben weit ausschauende, von heißer Liebe für das Judentum erfüllte Männer den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund ins Leben gerufen. Schon damals litten zahlreiche kleine jüdische Gemeinden unter dem Zug ihrer zu Wohlstand gelangten Mitglieder nach den großen Städten. Es galt die kleinen Gemeinden zu unterstützen, um den Kultus aufrechterhalten und vor allem der Aufgabe der religiösen Unterweisung der Jugend gerecht werden zu können. Der Wirkungskreis des D. I. G. B. hat sich im Laufe der Zeit außerordentlich erweitert, aber seine Hauptaufgabe blieb die Sorge für den religiösen Unterricht in den kleinen Gemeinden, deren Not unter der Ungunst der Verhältnisse, unter den gegen das Judentum gerichteten kulturwidrigen Bestrebungen, die das Verbleiben in kleinen Gemeinden erschweren, stetig gewachsen ist. Allein es ist beschämend, daß dem D. I. G. B., dieser ersten, großen, 1100 Gemeinden umfassenden Organisation der deutschen Juden, trotz der Fülle seiner das ganze sozialethische Leben der deutschen Juden umfassenden Schöpfungen für sein wichtigstes Arbeitsgebiet nur die winzige Summe von nicht viel mehr als 20 000 Mark zur Verfügung steht. Und doch kann es keinem Zweifel unterliegen, daß der Fortbestand des Judentums wesentlich bedingt ist von der Erhaltung der kleinen Gemeinden und damit eines ordnungsmäßig vorgebildeten leistungsfähigen Lehrerstandes. Es ist gewiß sehr rühmenswert, wenn von hochherzigen Gönnern wissenschaftlichen Zwecken namhafte Spendungen und Stiftungen zugewendet werden, aber es heißt doch von oben zu bauen anfangen, wenn nicht in erster Linie oder gleichzeitig für das Fundament, den religiösen Unterricht der Jugend und die Kenntnis des Judentums, Sorge getragen wird, damit sie ihr ein Besitz werde und bleibe für das ganze Leben. Kenntnis des Judentums ist die beste Gewähr der Treue zum Judentum. Der Abfall ist meist eine Folgender Unkenntnis. Darum, Gaubensgenossen des ganzen Deutschen Reichs, denen die Erhaltung des Judentums am Herzen liegt, helft uns unsere Ausgabe für die Jugend, die die Zukunft bedeutet, in würdiger und ausreichender Weise erfüllen. Die Mittel, die dem D. I. G. B. zu diesem Zwecke zu Gebote stehen, setzen sich zusammen aus Beiträgen der Gemeinden, allen voran der Berliner Gemeinde, aus einer Stiftung und aus den Beiträgen der persönlichen Mitglieder. Leider ist die Zahl dieser verhältnismäßig gering, sie muß ungleich größer werden, wenn der Not abgeholfen werden soll. Dann äbeö' wird sie beseitigt werden. Von den Gemeinden größere Beiträge zu erlangen, bleibt zwar unser Bemühen, aber auch im günstigsten Falle würden sie bei weitem nicht ausreichen, die an den D. I. G. B. gestellten Anforderungen zu befriedigen. Das Opfer, das dem einzelnen zugemutet wird, wenn er persönliches Mitglied des D. I. G. B. wird — der jährliche Mindestbeitrag beträgt 10 Mark — ist wahrlich unbedeutend im Hinblick auf das große Ziel, das zu erreichen er helfen soll. Die Zeit ist da, von der der Prophet Amos weissagte: Ich schicke einen Hunger ins Land, nicht Hunger nach Erfolg und nicht Durst nach Wasser, sondern zu hören das Wort des Ewigen. Helsen Sie uns hierzu, und werden Sie Mitglied des D. I. G. B. g/?> Berlin, 17. Juni. Die Sammlungen der Missionsgesellschaften zu dem Regierungsjubiläum unseres Kaisers haben den Freunden und Mitgliedern des Hilssvereins der deutschen Jude n Veranlassung gegeben, den Hilfsverein zur Sammlung eines verwandten Fonds für sein Schulwerk im Orient auszufordern. Der Hilfst» er ein ist dieser Anregung nachgekommen und hat bereits eine Reihe ansehnlicher Spenden erhalten, die für einen Kai ser-Wi,l Helm -Jubiläumsfonds des Hilfsvereins, der zum Ausbau des Schulwerkes im Orient verwendet werden soll, bestimmt sind. Weitere Spenden werden bis zum 1. Juli erbeten, da an diesem"'Tage die Sammlungen abgeschlossen werden. Berlin, 17. Juni. Die von dem verstorbenen Geheimen Medizinalrat Professor Dr. Joseph M eher testamentarisch begründete I u l i u s - A d e l h e i d - S t i f t u n g hat für das Kalenderjahr 1914 zwei Stipendien im Betrage von je 240 Mark au zwei talentvolle, würdige und bedürftige Studierende des Baufachs jüdischen Glaubens zu vergeben. Geeignete Bewerber wollen ihre Gesuche bis zum 15. Juli d. I. an das Kuratorium genannter Stiftung, zu Händen des Herrn Professor Dr. Kali sch er, W 15, Konstanzer Straße 1, oinreichen und ihnen einen kurzen Lebenslaus, eine Urkunde, daß Bewerber Jude ist, ein amtliches Bedürftigkeitsattest ejn Führungsattest von der Technischen Hochschule und ein Zeugnis über Fleiß und Fortschritte während des Studiums beifügen. W. Posen, 13. Juni. Am ersten Tage des Wochensestes fand im Tempel der Israelitischen Brüdergemeinde die E in s eg nu ng sfeiet der K o n s i r m a n d i n n e n statt. Das Gotteshaus war mit Topfgewächsen und Blumen reichlich geschmückt. Die Herren- -und Frauenabteile waren voll besetzt. Die Feier wunde durch ein Präludium eingeleitet. Daraus ertönte das „Baruch Haba", während dem die Schülerinnen nebst ihren Angehörigen eintraten und vor dem Altar ihre Plätze einnahmen. Herr Rabbiner Professor Dr. Bloch bestieg die Kanzel und legte seiner Predigt das Textwort zugrunde: „Denn ich schloß diesen meinen Bund mit ihnen, spricht Gott; mein Geist, der da ruhet auf dir, und meine Worte, welche ich gelegt habe

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