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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-06-20 · Heft 25 (20.6.1913) · p. Seite 290

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
Seite 290 (sequence 2)
Language
German
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denn durch die erhöhte Einnahme aus der Grundrente müssen die Gesellschafter für ihr Risiko entschädigt werden. : Sollen nun die schon bestehenden, aus ideellen Gründen und nicht aus Geschäftsrücksichten gegründeten Korporationen ebenfalls zur Gründung Von Kolonien übergehen? Ich würde.dies für nicht Praktisch halten. Wollen sie einen Teil ihres Geldes bei der Landgesellschaft anlegen, gut! Aber ihre Aufgaben liegen in der Ausbreitung der Idee und in der Sorge für die zweckmäßige Heranbildung der Jugend, darin erschöpfen sie sich aber auch, und jedes Darüberhinäusgehen zersplittert nur ihre Kräfte. Auch hier Heißt es: „Getrennt marschieren und vereint schlagen!" Es bleibt nun noch eine Frage zu erörtern. Soll man die ausländischen Juden auch als Landwirte in Deutschland ansiedeln? An sich wäre dagegen nichts einzuwenden. Die Ostjuden sind mindestens so geeignet für den Ackerbau wie die deutschen Juden; aber einmal kommen sie für den deutschen Osten, in dem das Projekt jedenfalls einmal Verwirklicht werden dürfte, bei der Stellung der preußischen Regierung gar nicht in Betracht, und dann ist die Ansiedlung nicht naturalisierter Juden eine zu riskante Sache. Darüber brauchen wir uns keinerlei Illusionen hinzugeben: gerade freudig werden die Reaktionäre in unserem Vaterlande eine jüdische Ansiedlungsbewegung nicht begrüßen. Im Gegenteil, sie werden alle Hebel in Bewegung setzen, um ein Werk zu verhindern, das nur zu geeignet ist, ihrer antisemitischen Agitation das stärkste Scheinargument zu entreißen. Deshalb muß diese Bewegung unter der Beteiligung aller deutschen Juden ohne Unterschied' der religiösen oder politischen Parteirichtung sicher sein. Es gilt, das deutsche Judentum auf eine gesunde wirtschaftliche Grundlage zu . stellen. Freilich, es wird viele Jahre der ernstesten Arbeit bedürfen, bevor die ersten Erfolge sich greifbar zeigen werden, und, für himmelstürmende Utopisten ist kein Platz in der Kämpferschar für unsere körperliche und wirtschaftliche Regeneration, sondern nur für ruhige zähe Arbeiter im strengsten Sinne des Wortes. Es ist aber eine Arbeit, die nicht nur unserer engeren Gemeinschaft nutzen, sondern auch unserem Vaterlande zum Heile gereichen wird, das uns Juden schon so manches verdankt und uns noch einen Fortschritt mehr verdanken mag. Was ich hier in diesen drei Artikeln sagen konnte, sind nur armselige Skizzen und Anregungen. Ich hoffe und glaube fest daran, daß zur rechten Zeit sich auch die rechten Männer finden werden, die mit der nötigen Energie und den notwendigen Mitteln an ein Werk gehen, das wohl der Mühe lohnt. Auf daß auch wir Juden in unserem Vaterlande endlich eine wahre Heimat finden, und auch auf uns das Kernwort zutrifft, das sich unsere Brüder in Palästina schon längst zu eigen gemacht haben: „Land adelt!" Sie Woche. Berlin, den 17. Juni 1913. Iu b iläu m u ns-.ex es Ka is er s ist glanzvoll gefeiert worden, unter allgemeinster Teilnahme des Volkes, in Anwesenheit aller oder der meisten Bundesfürsten. Einige Körperschaften, die Generalität, die Universitäten, die Akademien haben es sich nicht nehmen lassen, Geschenke zu überreichen, die meisten Städte, Provinzialverbände, Vereine und viele Private haben, einem Wunsch des Kaisers folgend, davon Abstand genommen, der Person eine Gabe darzubringen, sondern haben in verschwenderischer Fülle Stiftungen gemeinnütziger und wohltätiger Art errichtet. Das ist die schönste Festesseier, weil dadurch der Segen des Festes auf viele Generationen nachwirkt. Unzählige Glückwünsche sind ausgesprochen worden; es ist nicht unseres Amtes, die einzelnen zu buchen; noch weniger unsere Kritik daran zu üben; wir begnügen uns dümit, aus einem Artikel der. Zeitschrift: „Im Deutschen Reich", hier eine Stelle folgen zu lasten: - > - Samson Raphael Hirsch erläutert Jerem. ,29. I ff., den er wie folgt wiedergibt: „Bauet Häuser und lasset euch nieder.— Und fördert, das Heil der Stadt, dahin ich euch geführt, und betet für sie zu Haschöm, denn in.ihrem Heile soll euch Heil sein", mit folgenden schönen Worten: „So hat denn Gott für alle Folgezeit festgestellt: in welchem Lande Jißroel weile, als Bürger, als Einwohner, als Schützling, dessen Fürst und Obrigkeit als die seinigen 31t verehren und zu lieben, ZU dessen Wohl mit jeder möglichen Kraft beizutragen, und gegen Fürst und Land alle die Pflichten zu erfüllen, die ein Untertan dem Fürsten, die ein Bewohner dem Lände, die ein Bürger dem Staate schuldet. . . Und diese Pflicht ist dir unbedingte Pflicht, unabhängig davon, vb der Staat mild oder herbe gesinnt gegen dich sei: Mag man dir das Recht verkümmern, das Recht, Mensch zu sein und gerechtes Menschenleben zu entwickeln aus dem Boden, der dich geboren — du lasse nicht von. deiner Pflicht — sei dir gerecht, sei gerecht dem Namen, den du trägst, der Pflicht, die Gott von dir fordert: „Treue gegen Fürst und Land, und Heilsförderung, wo und wie du kannst". Und da wir unsseit Jahr und Tag in deutschen Städten niedergelassen haben, so suchen wir getreu den Vorschriften unserer Religion ihr Heil zu fördern, denn „in ihrem Heil soll euer Heil sein". Daher sind uns auch der deutschen Dichter Worte keine fremden Worte, daher ist.deutscher Gesang uns kein fremder Klang. „Die deutsche Sprache ist unsere Muttersprache, das deutsche Land ist unser Vaterland; wie wir deutsch reden und denken, wie unsere Seele durch deutsche Dichtung und Wissenschaft erfüllt Und gebildet ist, also wirken wir mit Geist und Herz, nach dem Maße unserer Kraft, an deutschen Werken; die Größe, Hoheit und Macht der deutschen Nation ist die Sehnsucht unseres Gemüts". Welche innere Wesensverwandtschaft zwischen dem deutschen Geistesleben und den Juden besteht, hat Pros. Goldstein-Darmstadt in seinem Vortrage über „Das deutsche Geistesleben und die Juden" gezeigt, indem er untersucht: Wieweit sind die Juden, mit dem deutschen Geistesleben verwachsen? Wieweit ist das deutsche Geistesleben mit dem Judentum verwachsen? „Das Feuer", so schließt Goldstein seinen Vortrag,, „das in unserer Seele flammt, ist ein Teil jenes Feuers, das die Seele eines Luther, die Seele eines Kant durchglüht hat. Und so lange dieses unser jüdisches Feuer in Uns brennt und lebendig ist, so lange sind wir nicht nur dem Namen nach, sind wir nicht nur dem Zufall nach Deutsche, wir sind dem Wesen, dem Geiste, wir sind dem Schicksal nach Deutsche." — So glauben wir am besten unseren Kaiser an seinem Ehrentage zu erfreuen, so ihm am besten immer zu dienen. Wir geben dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Den Spuren Nießers folgend sei es uns noch einmal gestattet, die Manen dieses Streiters für Recht und Freiheit herauszubeschwören. Ihm wurde bei seiner Uebersiedlung nach Frankfurt (Main) voll seinen Hamburger Freunden ein Ehrengeschenk, eine goldene Denkmünze,, überreicht. Auf der Hauptseite derselben sehen wir „aus einem Throne, von einer Strahlenglorie umgeben,, eine Mütter, die zwei. Kinder an ihren Brüsten nährt; es ist die Liebe, die alle Menschen mit gleicher Sorge, .gleicher Zärtlichkeit umfaßt. Vor ihr zu beiden Seiten das jüdische und christliche Religionsbekenntnis, dargestellt in zwei Frauen: die christliche Figur sitzend, auf dem Haupte die Krone, in der Hand das Szepter, sich stützend auf die Evangelien und Brief und Siegel; die jüdische kniend und gefesselt, das Gesicht klagend zur Liebe gewandt, die rechte Hand auf die ' Gesetztafeln stützend, mit der linken auf ihre Schwester deutend." Hat die Denkmünze heute nur uvch einen geschichtlichen Wert? ' ' / ' ■ * Die W eltlag e hat sich gebessert, wenn es . auch noch nicht allzu rosig aussieht. Sicher ist, daß die Türkei sich bei etwaigen neuen Balkanwirren neutral Verhalten wird; sicher ist.ferner, daß Rußland einen sehr energische Appell an die beiden-hauptsächlichen Störenfriede: an Bulgarien und Serbien gerichtet hat. - Bei dem außerordentlichen Einfluß, den Rußland, offen und geheim, stets auf die Balkanstaaten aus-

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