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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-06-13 · Heft 24 (13.6.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 24 (13.6.1913)
Date
1913-06-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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77. Jahrgang Nr. 24 Der > Berlin, 13. Juni 1913 Vellage zur „Allgemeinen Leitung deS ZudentumzS" Korrespondenten und Nachrichten Deutschland. 22 Berlin, 10. Juni. Der DJGB. versendet soeben die Einladung zum VI. Deutsch-Israelitischen Verbandstage, der aut Sonntag den 22. Juni 1913 vormittags 1024 Uhr in Berlin! Gemeindehaus, Rosenstraße 2/4, stattfindet. Die Tagesordnung umfaßt folgende Punkte: 1. Normalvertrag für die Gemeindebeamten. 2. Schiedsgerichte für Streitigkeiten zwischen Gemeinden und ihren Angestellten. 3. Die öffentlichen jüdischen Volksschulen. 4. Einführung einer amtlichen Inspektion für Religionsschulen. Die Neberweisung der vom Verbände der jüdischen Lehrervereine ausgehenden Beratungsgegenstände 1 bis 3 an den Verbandstag erfolgt nach wiederholter Durchberatung in der Lehrabteilung des DJGB. ans Beschluß der Ausschüßsitzuug vom 16. März d. I. Zur Entscheidung der in den Punkten 1 und 2 der Tagesordnung berührten Angelegenheiten sind die Provinzialverbände in hervorragendem Maße berufen, denn sie verfügen über die weitgehendsten Erfahrungen auf diesen Gebieten, und ihnen fällt auch die Hauptrolle bei der Ausführung zu. Zu Punkt 3 ist es wichtig, die praktischen Erfahrungen, die die Gemeindeverbände gesammelt haben, zu benutzen. Auch Punkt 4 interessiert die Provinziälverbände in hohem Maße; er hat auch wiederholt die früheren Verbandstage beschäftigt. Bei der außerordentlichen Wichtigkeit der Tagesordnung ist eine recht rege Beteiligung seitens der Gemeindeverbände an dem VI. Deutsch-Israelitischen Verbandstage dringend zu empfehlen. - 22 Berlin, 10. Juni. Der Verein „L e h r l i n g s h e i m Pankow" hielt am 4. d. M. seine ordentliche Generalversammlung ab, die von dem ersten Vorsitzenden, Herrn Rudolf Mosse, geleitet wurde. Der Verwaltungsbericht, der allen Mitgliedern zugegnngen war, zeigte ein erfreuliches Bild von der segensreichen Tätigkeit des Vereins, insbesondere von feinem Bestreben, das Handwerk unter den deutschen Juden immer mehr zu verbreiten. — Seit dem Bestehen hat der Verein 142 Lehrlinge nach abgelegter Gehilfenprüfung entlassen, und zwar 15 Schneider, je 10 Schlosser und Tischler, je 9 Maler und Schriftsetzer, je 7 Uhrmacher, Tapezierer, Feinmechaniker und Klempner, je 5 Glaser, Gürtler, Elektrotechniker und Schildermaler, je 4 Buchbinder und Lithographen, je 3 Gärtner, Maurer und Maschinenbauer, je 2 Bildhauer, Drechsler, Galanteriearbeiter, Goldschmiede, Kürschner, Lederarbeiter, Zimmerer, Bleigläser und Zahntechniker und je 1 Chemigraphen, Mützenmacher, Rohrleger, Schirmmacher, Stukkateur und Taschenuhrengehäusemacher. Davon kamen im Berichtsjahr 9 zur Entlassung, und zwar: 2 Schildermaler, 2 Tischler, 1 Schriftsetzer, 1 Schlosser, 1 Klempner, 1 Mechaniker und 1 Schneider. Die Nachfrage nach Plätzen in der dein Verein gehörigen Anstalt ist stetig im Wachsen begriffen. Leider mußten aus Mangel an Mitteln oft geeignete Gesuche abgelehnt werden. Es wird daher an alle Freunde und Gönner der Anstalt die herzliche Bitte gerichtet, den Verein durch Werbung neuer Mitglieder sowie durch Zuwendung von Stiftungen zu unterstützen. Alsdann erstattete Herr Julius Cohn namens der Revisionskommission den Kassenbericht und beantragte die Entlastung, die einstimmig erfolgte. Bei den hierauf vollzogenen Wahlen wurden die bisherigen Revisoren, Herr Julius Cohn, Herr Emanuel Appel und Herr Jacob Pasch als Stellvertreter wiedergewählt. Die Versammlung stimmte ferner beifällig dem Anträge des Kuratoriums zu, den Vorsitzenden Herrn Rudolf Mosse, der kurz vorher seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte, in Anerkennung seiner großen Verdienste um den Verein zum Ehrenmitgliede zu ernennen. Hiermit war die Tagesordnung erledigt, woraus in der sich anschließenden Sitzung der Vorstand sich von neuem wie folgt .konstituierte: Rudolf Moffe, Vorsitzender. Oskar Tietz, stellvertretender Vorsitzender. Justizrat Kraft, Schriftführer. Professor Dr. S t r e l i tz, stellvertretender Schriftführer. Kommerzienrat Leopold Friedmann, Schatzmeister. Dr. I. Ginsberg, stellvertretender Schatzmeister. Dr. S. Feist, M. D. Feilchenfeld, Max Fraenkel, Direktor Oskar Oliven und Prof. Dr. Paul Friedrich Richter. 22 Berlin, 10. Juni. Am 28. v. M. wareu 25 Jahre seit dem Eintritt des zweiten Vorsitzenden der Armenkommission der jüdischen Gemeinde Herrn Gustav Sachs und des Herrn Wolfs Lew in in die Kommission verflossen. Diesen freudigen Anlaß benutzten die Mitglieder der Armenkommission, um den beiden verehrten Kollegen ihre Dankbarkeit für die langjährige Mitarbeit und ihre Zuneigung zu bezeugen. Herrn L e w i n, der zurzeit in Kissingen weilte, wurden ein Glückwunschschreiben und ein Blumenarrangement über'reicht. Das Jubiläum des Herrn Sachs, dem die Kommission ihre Wünsche zunächst gleichfalls hatte schriftlich zugehen lassen, wurde durch eine festliche Abendveranstaltung im Logenhaus Kleiststraße-gefeiert, an der die Mitglieder der Familie S a ch s - G i n s b e r g als Ehrengäste, fast sämtliche Ehrendamen und Mitglieder der Armenkommission und deren Beamte teilnahmen. Als erster Redner ergriff der Vorsitzende, Herr Sanitütsrat Dr. Feilchenfeld, das Wort, der einen kurzen Rückblick über die Entwicklung der Kommission in den letzten 26 Jahren gab, um dann die Verdienste der beiden Jubilare gebührend zu würdigen. Er sprach insbesondere Herrn Sachs, der auch im Vorstand der Zentralstelle und im Verband für jüdische Wohlfahrtspflege, in der Fürsorgekommission, in der Mmdelssohnstiftung und in der städtischen Armenpflege an' hervorragender Stelle tätig ist, die Wünsche der Mitglieder aus, und bat ihn, eine künstlerisch ausgeführte silberne Erinnerungstafel entgegenzunehmen. Diese, aus der Werkstatt des Herrn Hofjuweliers Marcus hervorgegangen, trägt den Psalmspruch: „Heil dem, der auf den Armen achtet." Namens der vierten Abteilung der Armenkonnnission, der beide Gefeierten angehören — Herr Sachs als deren langjähriger, allverehrter Vorsitzender — sprach zunächst der stellvertretende Abteilungsvorsitzende Herr Eugen C a s p a r y, der eine mit lebhaftem Beifall begrüßte Beschreibung der Sitzungen der 4. Abteilung gab. Ihm schloß sich als dienstältestes Mitglied Herr Geheimrat Dr. Maretzki an, der die Jubiläumsgabe der Mitglieder der 4. Abteilung, einen Kadiner Aschenbecher, überreichte. Herr Sochs dankte sodann in bewegten Worten für alle ihm dargebrachten Zeichen der Anhänglichkeit, indem er es als selbstverständliche Pflicht jedes einzelnen hinstellte, die überuvmmenen Arbeiten treu und gewissenhaft zu erfüllen. Sein Hoch galt dem ferneren gedeihlichen Zusammenarbeiten der Mitglieder der Kommission. Auf die Familie Sachs-Ginsberg, die durch ihr Erscheinen das Fest zu einer Familienfeier gestaltete, und die ihre an der Arbeit der Kommission stets in hervorragendem Maße bewiesene Anteilnahme auch aus Anlaß des Jubiläums ihres Vaters und Bruders durch weitere Ausgestaltung der Gustav-und-Adele- Sachs-Stiftung bekundet hat, sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Lamm. Für die Beamtenschaft der Kommission feierte Herr Bureauvorsteher Cohn den Jubilar als allzeit wohlwollenden und die Beamtentätigkeit anerkennenden Vorgesetzten. Nachdem noch Herr Steinitz als Jugendgenosse dem Jubilar einige Worte der Erinnerung geweiht hatte, erhob sich der Vorsitzende der Repräfentantenversammlung, Herr Stadtverordneter Louis Sachs, der mit dem Dank seiner Familie den Ausdruck der Anerkennung für das Wirken der Armenkommifsion verband, und ihr sein Glas weihte- Der Aufhebung der Tafel folgte ein freundschaftliches Zusammensein, das durch die musikalischen Darbietungen der Herren Alfred Wittenberg, Schuster und Wikarski verschönt wurde, und das Gäste und Mitglieder bis in späte Stunde vereinte. — Erwähnt sei noch, daß den Herren Sachs und Lewin auch seitens des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Glückwunschschreiben zugegangen waren, durch welche die Verdienste der beiden Herren um die Gemeindeverwaltung hervorgehoben wurden. 22 Berlin, 10. Juni. Dem soeben erschienenen V. Rechenschaftsberichte des Vereins Israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder „Wilhelm- August e - V i k t o r i a - S t i s t u n g" in Beelitz entnehmen wir, daß die Frequenz der Anstalt nach wie vor eine sehr starke ist, sodaß den zahlreichen Neuaufnahmegesuchen nur bei eintretenden Vakanzen entsprochen werden kann. Zurzeit ist das Institut mit 32 Knaben und 13, Mädchen, zusammen also 45 Kindern bis aus den letzten Platz besetzt. Seit seinem Bestehen wurde es von 52 Knaben und' 33 Mädchen, zusammen also von 85 Zöglingen aus allen Teilen Deutschlands

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