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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-06-13 · Heft 24 (13.6.1913) · p. Seite 288

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 24 (13.6.1913)
Date
1913-06-13
Page
Seite 288 (sequence 12)
Language
German
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;?}., ■ - 288: .;;; Durch die öffentliche Erörterung des Umstandes, daß der A. Schaaffhausen'sche Bankverein seit Jahren in Köln keine jüdischen Beamten anstelle, wurde auch unsere Verwaltung hierauf aufmerksam gemacht. Eingeleitete Erkundigungen ergaben, daß in Köln keine einzige' Großbank existierte, welche in dieser Richtung andere Prinzipien betätigte. Selbst die in Händen einiger getaufter Juden befindlichen sonstigen Großbanken stellen Juden nur sehr vereinzelt an.- Jüdische Großbanken existieren in Köln überhaupt nicht.- Obwohl die Geschäftsbeziehungen des I. N. F. zum A. Schaafshausen'fchen Bank-, verein nur ganz minimale sind, und es darum näher gelegen hätte, daß die großen jüdischen.Geschäftshäuser,, die seit Jahren mit dem A. Schaafshausen'fchen Bankverein in Beziehung stehen, die Initiative ergriffen, schien es der Verwaltung des J.N.F. nicht angezeigt, mit einer Bank in Verbindung zu bleiben, die eine derartige Praxis übe N und lieber auf die Beziehungen zu einer Kölner Großbank zu verzichten. Die Verwaltung des J.N.F. richtete demnach eine Anfrage, an den Bankverein, in welcher, um Aufklärung dieser Frage ersucht wurde. Der A. Schaaffhausen'sche Bankverein beantwortete die Anfrage mit der Erklärung, daß eine antisemitische Absicht bei der bisherigen Praxis nicht Vorgelegen habe. Auch erklärte derselbe sich ausdrücklich bereit, geeignete jüdische Bewerber bei frei werdenden Posten anzustellen. Unter diesen Umstünden hielt es die Nationalfondsverwaltung angezeigt, vor Ausgabe ihrer Beziehungen zum A. Schaafshausen'fchen Bankverein abzuwarten, ob derselbe seine bisherige Praxis wirklich ernstlich auszugeben bereit sei. Ich ging hierbei von der Ansicht aus, daß es richtiger sei, einen antisemitischen Brauch auf dem Wege der Verständigung zu beseitigen, als durch Gero altmittel, deren Erfolg nach Lage der Verhältnisse sehr zweifelhaft wäre. Was die weitere Frage betrisst, so ist sie hiermit gleichfalls beantwortet. Es muß jedoch hier ein offenbarer Irrtum vorliegen, da die Direktion des Nationalsonds eine unabhängige Verwaltung darstellt, die von dem E. A. C. Anweisungen nicht zu empfangen hat, was jeder Eingeweihte weiß. Das E. Ä. C. hat allerdings mit der Nationalsondsverwaltung freundschaftlich über diese Sache korrespvn- . diert. Es hat sich aber hierbei bis jetzt nicht der geringste Gegensatz Zwischen der E.Ä. C. und dem J.N. F. in dieser Frage ergeben. Schließlich bemerke ich, daß. die Erörterung dieser Frage auf der. Tagesordnung der nächsten Direktoriumsitzung steht, die Mitte Juni in Berlin stattsinden wird und ist eine endgültige Entscheidung derselben demnach statutarisch nur in dieser Sitzung möglich. Hochachtungsvoll. 'Dr. B o d enh e i m e r. Vorsitzender des Direktoriums des jüdischen Nationalfonds. *1 Der Wohllöblichen Redaktion mit der Bitte um Veröffentlichung überreicht. D. U. Nikolai, den 1. Juni 1913. '.Aufruf! In allen Gauen unseres Vaterlandes regt man sich, das 25jährige Negierungsjubiläum Sr. Majestät festlich zu begehen. Auch wir deutschen Juden wollen da nicht Zurückstehen. Dankerfüllt erkennen wir all die Wohltaten an, die wir unter der ruhmreichen Regierung^ Sr. Majestät erfahren haben. Se. Majestät hat Beweise genug geliefert, daß er einen Unterschied in der Konfession nicht macht, daß alle seine Landeskinder ihm' gleich nahe stehen. - Aus Anlaß des Regierungsjuvilüums hat sich Se. Majestät jedwede rauschende Festlichkeit verbeten; durch Wohltun und Errichtungen von Stiftungen soll dieser denkwürdige Tag in die Annalen der Geschichte eingetragen werden. Uns Juden ist Wohltun zur zweiten Natur geworden. Herrliche Gelegenheit gibt dieser Tag, uns wiederum in unserem Element zu fühlen und zu betätigen. Waisen- und Rettungshäuser und anderes mehr sind Zeugen jüdischen Wohltätigkeitssinnes. Solange das Judentum Wohltätigkeit übt, ist sein Bestand gesichert. Eine fernere Bedingung für den Fortbestand des Judentums sind nicht nur imposante Kundgebungen, nicht Vereine, deren Ziel die Erhaltung des Judentums ist, sondern das ist vornehmlich die Erhaltung der jüdischen Schule und eines berufsfreudigen jüdischen Lehrerstandes. Es muß die vornehmste Aufgabe der führenden jüdischen Geister sein, daß sie ihr Augenmerk der jüdischen Schule bezm der jüdischen Neligionsschule und ihren Lehrern zuwenden. Die Mittel, die dem Gemeindebunde zu diesem Zwecke zur Verfügung stehen, sind nicht derartig, daß sie uns dem gesteckten Ziele nahebringen. In absehbarer Zeit werden die Negierungen gegen uns Juden und ihre Schulen nicht freundlicher werden als bisher. Darum ist es ' Pflicht der deutschen Juden, einen Fonds zu Ichassen, dessen Mittel ' ausreichen für die Erhaltung des jüdischen Schulwesens. Wenn nur jede jüdische Familieals einmalige Abgabe ein Einmarkstück gibt, dann sind wir unserem Ziele ein gut Stück nähergerückt. Für jüdische Schulen im Ausland fließen Millionen. Behauptet wird, daß die deutsche Negierung diesem Schulwerk sympathisch gegenübersteht. Wir wünschten, daß die deutsche Negierung dem jüdischen Schulwerk in ihrem eigenen Lande fynrpathischer gegenüberstände, und wir deutschen Juden könnten noch mehr für Schulzwecke ins Ausland senden.. Solange dieses aber nicht der Fall ist, wollen wir Pfennig auf Pfennig häufen, bis wir unserem gesteckten Ziele nahe gekommen; dann wird der jüdischem Schule und ihren Lehrern geholfen fein. — Deshalb ergeht an die deutsche Judenheit der Ruf: „Helft uns einen Fonds schaffen, der dem jüdischen Schulzwecke zugute kommt!" Eine Nationalspende für jüdische Schulzwecke in Deutschland! Das sei die Jubiläumsgabe der deutschen Juden! Worüber die führenden Geister im Judentume nachgedacht, viel Kollegen geschrieben und gesprochen haben/ das werde jetzt zur Tat umgesetzt. Man behauptet, daß für alle anderen Zwecke der Jude Geld, sehr viel Geld hat; wenn es sich um Summen für jüdische Schulzwecke und für den jüdischen Lehrerstand handelt, dann ist der Jude schwerhörig. Glaubensgenossen, beweist das Gegenteil. Helft mit mir ein Werk schaffen, das die jüdischen Schulen und die Lehrer.in den Kleingemeinden von mancher Sorge enthebt. Spenden nimmt der Unterzeichnete entgegen und quittiert darüber in dieser Zeitung. Mit Gott! Willy Salinger, Lehrer, Nikolai, Oberschlesien. * Heilbronn, 5. Juni 1913. Redaktion der Allgemeinen Zeitung des Judentums, Berliu. Mit Interesse habe ich den Artikel „Der Antisemitismus in den Banken und die Juden" gelesen. Voll und ganz kann ich mich mit Absatz 1 und 2 einverstanden erklären. Ich habe in hiesigen jüdischen Kreisen Gelegenheit gehabt über die Abwehr des Boykotts durch den Boykott zu sprechen und habe hierfür auch Propaganda gemacht. Ganz und gar nicht billigen aber kann ich einige Stellen in Nr. 3, in welchem Herr G. S. sich über den Deutschen Bankbeamtenverein ausspricht. Als langjähriges Mitglied dieses Vereins und Vorstandsmitglied des hiesigen Zweigvereins halte ich mich für verpflichtet, dagegen Stellung zu nehmen. Kurz nach Erscheinen des besagten Artikels im „Plutus" habe ich mich an den Vorsitzenden des Bankbeamtenvereius.Fürstenberg gewandt und ihn gebeten, in der Fachzeitschrift Stellung gegen antisemitische Tendenzen bei der Stellenbesetzung zu nehmen. Herr Fürstenberg erwiderte mir, daß bereits in der Nummer vom,1. Mai eine Verwahrung erscheinen werde. Dies ist auch geschehen, wie auch Herr G. S. weiß und mitteilt. Und aus Dankbarkeit dafür spricht der Artikel unter III 1 und 3 in geringschätziger Weise über den Bankbeamtenverein. Herr G. S. macht sich dabei die Kampsart des neuesten Gegners des D. B. V. und des Allgemeinen Verbandes zu eigen, indem er als hauptsächliche Ziele Vergnügen und Eisbeinessen bezeichnet. Und ferner spricht Herr S. von dem einflußarmen Bankbeamtenverein. Demgegenüber möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, daß der D. B. V. in folgenden Fragen schon große Erfolge erzielt hat: Samstagsrühschluß, Urlaub, Pensionskasse, Koalitionsfreiheit, Stellenvermittelung usw. Wenn eine Organisation von über 30 000 Mitgliedern sich durch ihren Vorsitzenden in irgendeiner Frage bei den Direktionen vertreten läßt, wird es diesen nicht leicht möglich sein, über die betreffenden Fragen ohne weiteres wegzugehen. Die Erfahrung hat auch gezeigt, daß der Verein nicht einflußarm ist und daß die Bankwelt mit ihm als Faktvr zu rechnen hat. Das Gerechtigkeitsgefühl, das in dem vorliegenden Fall noch durch Dankbarkeit unterstützt wird, sollte Sie veranlassen, von diesen meinen Mitteilungen in Ihrer nächsten Nummer entsprechenden Gebrauch zu machen in bezug aus die geringe Einschätzung des D. B. V. Hochachtungsvoll Otto Jgenheimer, Adresse: Heilbronner Bankverein.

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