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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-06-06 · Heft 23 (6.6.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 23 (6.6.1913)
Date
1913-06-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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.77. Jahrgang Nr. 23 ► Berlin, 6. Juni 1913 Oetlklge zur llgrnieinen Leitung deS Judentums. Oorrelpondrn?en und Mchrichtrn Deutschland. Berlin, 3.Juni. In der „Alten.Synagoge" hielt am letzten Sabbat Herr Rabbiner.Dr. Petuchowski eine Predigt, über deren Form und Inhalt wir nicht.stillschweigend hinweggehen dürfen. Ohne das jetzt vielgenannte Wort . „Richtlinien" ausdrücklich zu erwähnen, richtete er seine Ausführungen so klar, deutlich und aggressiv gegen diese -beziehungsiveise ihre Verfasser und Anhänger/ daß tvir uns ernstlich fragen mußte, ob nicht Predigten dieser Art eine Beleidigung des Gotteshauses, das. eine. Stätte der Andacht und des Friedens ist, involvieren. Der Rabbiner hat wohl das Recht, auch die heilige Pflicht, die Gemeinde über die religiösen Strömungen irrt Judentum zu unterrichten, er darf und soll seine Mnschauungen über das Wesen der jüdischen Lehre' öffentlich klarlegen und. die von ihm vertretene Richtung wissenschaftlich begründen. Er darf aber nicht in seiner Unterweisung diejenigen Gemeindemitglieder, die einer anderen Richtung huldigen, herabwürdigen und ihre, religiösen Ueberzeugungen verspotten und'als nichtjüdische bezeichnen, Herr Rabbiner Dr. Petuchowski, der als jüdischer Gelehrter es doch wissen sollte, daß in alter Zeit selbst die Sadduzäer als echte Israeliten galten, erlaubte sich nach wiederholten verletzenden Ausfällen gegen die. Begründer der „neuen Religion" alle diejenigen, die ihre Anschauungen teilen, als Abtrünnige zu bezeichnen, indem er aus sie das Wort dex Schrift in freier Auslegung anwendete: „Die Unbefugten, die an das Heiligtum 'mit fortschrittlichen Ideen herantreten, sind dem Judentum abgestorben." Man braucht wirklich kein besonderer Anhänger der.Richtlinien zu sein, um derartige gegen ihre . Urheber und Vertreter, ja gegen die übergroße Mehrheit der Berliner Judenheit gerichtete verletzende Bemerkungen mit aller Entschiedenheit Zurückzuweisen. Sie entsprechen .weder dem milden Geist der Thora noch gereichen sie dem Judentum zur^ Ehre, und unserer Gemeinde zum Segen. Berlin, 3. Juni. Am 1. d. M. fand im zweiten Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde die Generalversammlung des Zentralkomitees des Vereins „Esra" statt, die von dem ersten Vorsitzenden Herrn Rittergutsbesitzer Moritz D o r n geleitet wurde. Aus seinen Mitteilungen wie aus dem - gedruckt vorliegenden Bericht über die Tätigkeit des Esra in den letzten drei Jahren ist ersichtlich, daß der Verein in diesem Zeiträume über 62 000 Mark für palästinensische Zwecke ausgegeben und dafür Segensreiches und Dauerndes geschaffen hat. ' Im Jahre 1913 steht ihm eine Ausgabe von weiteren 48 000 Mark bevor, zu deren Zählung er vertraglich verpflichtet ist. Um diesen hohen Anforderungen Nachkommen zu können, macht das Zentralkomitee seit zwei Jahren große und nicht ganz erfolglose Anstrengungen, die Einnahmen des Vereins „Esra" zu erhöhen, wobei es von einer Anzahl Lokalkomitees tatkräftig unterstützt wird. Anerkennend hervorgehoben zu werden verdient, daß dte' .Zweigvereine in Frankfurka. M., Mannheim, Karlsruhe und Darmstadt die Zahl der dortigen Mitglieder .wesentlich zu erhöhen vermocht haben. Das gleiche kann von dent Zweigverein in Essen berichtet werden. Die Lokalkomitees in Breslau und Hamburg haben zugunsten des vom Esra ins Leben gerufenen „Landarbeiter-Heimstättenfonds" einen Aufruf erlassen, durch den ihnen zahlreiche, zum Teil namhafte Spenden zugeslofsen sind. Der Verein „Esra", welcher seit bald 30 Jahren erfolgreich für die jüdische / Kolonisation Palästinas ttütig ist, sucht seit zwei. Jahren die. jüdischen Ansiedlungen mit jüdischen Arbeitern zu versehen. Nebst, bauernder Beschäftigung als gutbezahlte Tagelöhner erhält jeder von ihnen Haus, geräumigen Garten nebst acht Morgen Land zu Baumpslanzungen. Die Kosten eines solchen Arbeiterhauses betragen etwa 1600 Mark, welche in 20 Jahresraten Zurückerstattet werden müssen. Bis jetzt hat der Verein „Esra" für diesen Zweck 100 000 Mark zur Verfügung gestellt—Aus der Mitte der Versammlung werden sodann mannigfache Vorschläge für die fernere Agitation gemacht, auch kam von verschiedenen Seiten der Wunsch zum Ausdruck, den Minimalbeitrag von 1 Mark aus 3, mindestens 2 Mark zu erhöhen. Zur einstimmigen Annahme gelangte folgender Antrag: Das Zentralkomitee wird ersucht, zum Zwecke der Erlangung neuer Mitglieder' eine Agitationskommission von zehn Mitgliedern einzusetzen. Hierauf erfolgte.nach Anhörung des Kassenberichts. . die einstimmig ausgesprochene Entlastung für. den Schatzmeister. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete die durch Zuruf vollzogene Wiederwahl der turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder und der Revisoren. Wir kommen gelegentlich auf die fördernswerten Bestrebungen dieses Vereins in einem ausführlichen Artikel zurück. . y. Berlin, 3. Juni. Zu den bereits bestehenden Gemeindeverbänden ist dieser Tage ein neuer hinzugetreten: „der P r o vi n z i a l verba n d d e r Synagogengenreinden der Provinz Brande n b u r g." Im hiesigen Bureau des „D e u t s ch - Isra e l i t i s ch e n Gemeindebundes war kürzlich nach sehr eingehenden Vorarbeiten, um die sich besonders Herr Rabbiner Dr. Salonwnski-Frankfurt a. O. verdient gemacht hat, eine recht zahlreich besuchte Versammlung von Vertretern der Gemeinden der Provurz Brandenburg zusammengetreten, um einen Provinzialverband zu-bilden. Die Verhandlungen, die von Herrn Professor M. P h i l i p p s o n . geleitet wurden, führten zu. dem einmütigen Beschluß der. Konstituierung des Provinzialverbandes. Berlin war nicht eingeladen worden, da die reichshauptstädtische Gemeinde ja einen Bezirk für sich bildet; doch will man nach der Konstituierung sich auch mit Berlin wegen Förderung des neuen Verbandes in Verbindung setzen. Ihren Beitritt zum Provinzialverband erklärten die Gemeinden: Spündau, Brandenburg, Schwedt a. O., Frerenwalde a. O., Lübben, Guben, Züllichau, Beelitz, Schwiebus, Krossen, Landsberg a. W., Arnswalde, .Perleberg, Wittenberge, -Wittstock, Küstrin, Kottbus, Friedeberg, Fürstenwalde, Soldin, Königsberg i, N., Bernstein ltnd Mohrin. Ein von Herrn Rabbiner Dr. S a l o m o n s k i vorgelegter Satzungsentwurs wurde einer sünfgliederigen Kommission überwiesen, die zugleich provisorisch die-Geschäfte führen soll. In diese Kommission wurden gewählt die Herren Bankier Löwenstein-Kottbus, Siegmund Cohn-Landsberg ä. W., Dr. Kallner-Spandau, Friedländer-ZüÜichau und Rabbiner/Dr. Sälomonski. Damit ist die Organisation der jüdischen Gemeinden der Provinz Brandenburg in sichere Wege geleitet. 2x2 Berlin,. 3. Juni. Die Baruch Auerbachsch en W a i s e n - E r z i e h u n g s a n st a l t e n unterhalten nach ihrem eben veröffentlichten 80. Jahresbericht 59 Knaben und 31 Mädchen. Die Zöglinge, 6 bis 18 Jahre alt, besuchen in der überwiegenden Mehrzahl höhere Schulen, die Knaben fast durchweg bis zur Einjährig- Freiwilligen-Berechtigung, besonders begabte und würdige sogar bis zur Reifeprüfung, während die Mädchen in der Regel noch von der Anstalt aus ihrer beruflichen Ausbildung obliegen. Im ganzen haben bisher 689 Zöglinge' in den Anstalten Pflege, Erziehung und Ausbildung und weit ins Leben hinausreichende Fürsorge genossen. Dem letzteren Zwecke dienen zahlreiche, besonders verwaltete Stiftungen; die wiederum namentlich zur Selbständigkeit und Verheiratung früherer Zöglinge große Summen beigesteuert haben. Die unmittelbaren Änstältsbedürsnisse erforderten einschließlich Bureau-, Gottesdienst und legatarischer Verpflichtungen insgesamt 92 440 Mark (im Vorjahre 90250 Mark), die Verpflegung 24 896 Mark (23 846 Mark), das ist 63 Pfennig für den Kopf und Tag. Die Anstalten sind, da weder Stadt noch Gemeinde im geringsten zu ihrem Unterhalt beitragen und ihnen an Zinsen nur etwa 55 450 Mark zur Verfügung stehen, selbst zur Ausrechterhaltung ihres seit drei Jahren nicht mehr erhöhten Zöglingsbestandes wesentlich und dringend aus die opferwillige Hilfsbereitschaft ihrer Gönner angewiesen. Den Vorstand bilden neben dem Direktor Professor Dr. Strelitz die Herren Kommerzienrat E. L o h n st e i n, Generalkonsul E. Landau, Professor Dr. F. L i e b e r m a n n, Dr. P a u l L a ch m a n n, 'Bankdirektor Paul M a n k i e w i tz und Direktor Oskar Oliven^ Ehrenmütter sind Frau Professor C a c i l i e Lieberm ann, Frau Konsul Flora Frankel, Frau Kommerzienrat Else Israel und Frau Geh. Sanitätsrat A n n a L e w y. / 2X2 Berlin. 3. Juni. Am Montage den 9. d. M. beginnt in Berlin ein h e b r ä i sch e r K u r s u s für Anfänger. Personen, die sich etwa noch beteiligen wollen, werden Höflichst um u m g eh en d e Mitteilung ersucht. Das Honorar für den ganzen Kursus (bis Anfang August) beträgt 6 Mark. Der Unterricht findet Montags und Donnerstags

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