Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1913)
- Date
- 1913-05-30
- Page
- Seite 5 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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ÜuszlÄNd. z. Petersburg, 23. Mai. Die Frage des Aufenthaltsrechts der Juden in russischen Kurplätzen und Sommerfrischen gehört zu den traurigsten und abstoßendsten Kapiteln russischer Rechtswillkür. Eine Norm für diese jetzt wieder aktuell gewordene Frage gibt es nicht, mit) es bleibt den Behörden sreigestellt, jedes Jahr für jeden Kurort. und jede Sommerfrische neue Verfügungen zu treffen. Das Leitmotiv bei der Beurteilung dieser Frage ist niemals das bestehende Gesetz und noch iveniger die Rücksicht auf die Heilungsbedürftigkeit der kranken Juden, sondern einzig und allein der Umstand, ob der betreffende Kurort oder die Sommerfrische auf die Zulassung jüdischer Kurgäste angeiviesen ist oder nicht. Nur von diesem Gesichtspunkte aus entscheidet die kompetente Behörde darüber, ob die Juden in diebetreffenden Kurplätze und Badeorte zugelassen werden sollen oder nicht. So wurden auch in diesem Jahre schon mehrere Kurplätze als den Juden unzugänglich erklärt, während andere, erst ausstrebende Kurplätze den Juden freigegeben wurden, jedoch mit der beschämenden Einschränkung, daß sie bei ihrer Ankunft von der Aerztekommission des betreffenden Kurortes untersucht und für kurbedürftig erklärt werden und daß sie daselbst gar keinem Erwerbe nachgehen. — Wie die „Rjetsch" meldet, hat der Semstwo von Podolien mit Rücksicht auf die in der genannten Gegend ausgebrochene Epidemie und in Ermangelung sachkundiger verläßlicher russischer Aerzte beschlossen, aus die vakanten Stellen jüdische Aerzte zur Konkurrenz einzuladen. Der Gouverneur annullierte jedoch diesen Beschluß unter dem Vorwände, daß mit Rücksicht aus das Zwischen Rußland und Oesterreich-Ungarn bestehende gespannte Verhältnis Juden an diesen exponierten Stellen im Südivesten des Reiches nicht verwendet werden dürfen. So hat denn die Vorsicht des Gouverneurs im angeblichen Interesse des Reichsschutzes es verursacht, daß in Podolien Hunderte von Menschen au der Epidemie sterben, nur weil Juden nicht zu ihrer Rettung angestellt werden dürfen. Von Ash und jfrrn. — Der R e gent v o n B r a u n s ch w e i g, Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, verlieh dem Inhaber der Firma A. Liebmann, Kommerzienrat K a tz e n st e i n, das Ossizierkreuz des Braunschweigischen Löwenordens. — Der jüdische Turnverein Bar-Kochba- Berlin eröffnet, vielfachen Anregungen folgend, eine Jugendabteilung Charlottenburg Anfang nächsten Monats. Der Magistrat hat die Turnhalle Bleibtreustr. 43 und den Sportplatz Niebnhrstr. zur Verfügung gestellt. Alle Interessenten iverden gebeten, Adressen von Zungen Leuten im Alter von 14 bis 18 Jahren, die für diese Abteilung in Betracht kommen, dem Bureau des Vereins, Bleibtreustraße 25 (Berlin W 15), einzusenden, damit zu dem Erössnungsabend, der mit einem Schauturnen sämtlicher Jugendabteilungen verbunden sein wird, recht zahlreiche Einladungen ergehen können. Mit dieser neuen Abteilung besitzt der „Bar-Kochba" nunmehr 16 Abteilungen in allen Stadtteilen Berlins und Charlottenburgs; die Mitgliederzahl beträgt augenblicklich etwas über 700. — Vorige Woche ist Geheimer Sanitütsrat Dr. Adolf Reißer im 88. Lebensjahre gestorben. Er war in Schweidnitz geboren, hatte in Breslau studiert und nach seiner 1850 erfolgten Approbation sich in Liegnitz als Arzt niedergelassen. Neben einer ausgedehnten Praxis ividmete er sich hier eifrig den kommunalen Angelegenheiten, für eine Reihe von Jahren war er Stadtverordneter. 1891 zog er nach Berlin und brachte es auch hier zu ansehnlicher Praxis, die er freilich in den letzten Jahren nicht mehr ausgeübt hat. Dagegen verfolgte er noch eifrig die Fortschritte seiner Wissenschaft, und in dem Verein für innere Medizin und der Medizinischen Gesellschaft war er ein fleißiger Besucher. Die Beisetzung erfolgte unter großer Beteiligung auf dem j jüdischen Friedhof in Weißensee. Trotzdem die Shnngogengemeinde j Hehdekrug schon seit etwa 40 Jahren besteht, war cs ihr bisher nicht i möglich, ein eigenes Gotteshaus zu erbauen. Nun nach so vielen I Jahren ist dieses den vereinten Bemühungen der Mitglieder, insbe- Isiili-Lvöme Mundwasser J Anerkannt best empfohl.Haus am Platze. Herr). Lage am^ ’ Walde Eigenes Badehaus,samt! medizinisch.Bäder F.lektr.l Licnt u. W. C. mustr'ert'1 Prospekte frei Direktor: B. FBOMMMN, . 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