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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-05-30 · Heft 22 (30.5.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 22 (30.5.1913)
Date
1913-05-30
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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^cict wurde von der Israelitischen Synagogengemeinde (Adaß Jisroel), deren Synagogenvorstand Berliner seit 40 Jahren angehört, und deren Reprüsentantenversammlung er seit bald zwei Jahrzehnten leitet, am Freitagabend und Sabbatmorgen in der festlich geschmückten Synagoge begangen. .Am Geburtstage selbst, dem 13. Isar (20. Mai), wurden von einer großen Anzahl von Deputationen die Glückwünsche der verschiedensten Körperschaften zum Teil durch Ueberreichung Vvn künstlerisch ausgestatteten Adressen ausgesprochen. Zuerst meldeten ' sich-in der in einen Blumenhain verwandelten bescheidenen Wohnung des Gelehrten die Dozenten des Nabbinerseminars, als deren Vertreter Herr Rektor.Dr. Hoffmann in Anwesenheit der Schüler des Seminars eine Adresse verlas, in welcher der vierzigjährigen Amtstätigkeit und der. Lehrfreude des ehemaligen Kollegen in warmen und herzlichen Worten gedacht wurde. Sodann erschienen Vorstand und Repräsentanten der Gemeinde Adaß Jisroel, die einmütig beschlossen hatten, das Bildnis des Jubilars ihrem Sitzungssaale einzufügen und .ihn selbst zum Ehrenvorsitzenden des Shnagogenvorstandes zu ernennen. Im Anschluß hieran gratulierten die Mitglieder des Rabbinats und überreichten eine mit zahlreichen Anspielungen aus den Vornamen „Abraham" versehene Adresse. Diesen folgte das Kuratorium des Nabbinerseminars, in dessen Auftrag der Vorsitzende Herr Hermann Gumpertz gleichfalls eine künstlerisch ausgestattete Adresse überreichte. Nun folgten noch zahlreiche Vereine und Körperschaften, so die „Talmud Thora", die Beamten der Gemeinde, der „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" und der „Verband der Literaturvereine", vertreten durch die Herren Dr. I. E l b o g e n und Albert Katz, der „Talmudverein" und die innerhalb der Adaß Jisroel wirkenden Vereine, deren einem, dem Asrielverein, Berliner ein Ehrenmitglied ist, deren anderem, dem Frauenverein, er Jahrzehnte hindurch Syndikus gewesen, und viel andere in schneller Folge. Mit einer beniunderungswürdigen geistigen Elastizität antwortete Berliner einer jeden Deputation in geistvoller Weise, indem er immer wieder hervorhob, daß er gar nicht wüßte, wodurch er sich so überaus viele Ehrungen verdient hätte. — Den Abschluß der Festlichkeiten bildete ein von den Herren des Nabbinerseminars am Nachmittag veranstalteter Festakt. 22 Berlin, 27. Mai. Der Verein Israelitisches Lehrerinnenheim, E. V., hielt vor kurzem seine 13. ordentliche Mitgliederversammlung unter. Leitung der stellvertretenden Vorsitzenden Frau Henriette May 'im Lehrerinnenheim in Groß-Lichterselde ab. Alls den mündlich erstatteten Berichten ist besonders hervorzuheben, daß. die Zahl der Bewerberinnen stetig steigt und daß das neu hinzugekaufte Haus noch nicht belegt werden konnte, da die Mittel zum dauernden Unterhalt neuer Insassinnen fehlen. Ferner ergab sich aus der Diskussion, daß sich die Anstellungschancen der jüdischen Lehrerinnen dauernd verschlechtern und auch das Angestelltenversicherungsgesetz ihnen keine nennenslverten Alterserleichterungen bietet, Tatsachen, die zur Existenzberechtigung des Heims für alte jüdische Lehrerinnen beitragen und den Appell an die Mitgliederversammlung, neue Freunde und Mitglieder zu werben, vertieften. M. A. Berlin, 27. Mai. Am 19. d. M, veranstaltete der I ü d i s ch l i b e r a l e I u g e n d v e r e i n eine große öffentliche Versammlung im neuen Logenhaus ln der Kleiststraße, die von annähernd 1000 Personen besucht war. Die Herren Rechtsanwalt Dr. Weil aus Straßburg i. E. und Rabbiner Dr^ Gold mann aus Oppeln sprachen über das Thema „Die deutschen Juden und der Zionismus". Während der erstere Redner den Zionismus vom Standpunkte eiiles praktischen Menschen beleuchtete, sprach Herr Dr. Goldmann über die ethische und religiöse Seite. Besonders interessant waren die Ausführungen des Herrn Rechtsanwalts Dr. Weil über die deutschen und französischen Juden im Elsaß, „die von einer Zusammengehörigkeit absolut nichts wissen wollen. Wenn sich schon bei uns in Deutschland die Juden separieren, so ist es undenkbar, daß sich jemals die Ost- und Westjuden zusammenfinden werden. Der Zionismus ginge aber davon aus, daß alle Juden dereinst in Palästina einen neuen Staat bilden werden. Wir wissen, was wir jetzt haben/ obwohl bei uns in Deutschland noch viel erreicht werden muß. Wir wissen aber nicht, was uns in Palästina bevorsteht, wir wissen nicht, ob die Türkei diebisherbeobachteteLoyalität den anderen Glaubensbekenntnissen gegenüber auch in Zukunft, wahren wird." Hierauf erteilte der Vorsitzende Herrn Rabbiner Dr. Goldmann zu seinem Referate das Wort. Herr Dr. Goldmann stellte fest, daß der Zioüismus Verbitterung in die Reihen unserer Glaubensgenossen hineingetragen habe. Er erinnert nur an die Repräsentantenversammlungen, an den Gemeindebund, . Zentralverein und die jüdische Jugendbewegung. Wir liberalen 3 -- Juden sind gegen jede Richtung tolerant, nur verlangen aber diese Toleranz auch uns gegenüber. Leider sollte die Versammlung nicht ohne Mißton enden. Herr Dr. Goldmann, der jeden Angriff vermied, wurde wiederholt in der ungehörigsten Weise seitens der Zionisten unterbrochen. Als dann in der Diskussion Herr Rechtsanwalt Dr. Klee, vom Vorsitzenden wegen einer unpassenden Bemerkung Zurechtgewiesen, den Saal verließ, folgten ihm seine zionistischen Freunde unter Absingung eines Liedes. K. L. Königsberg i. Pr., 23. Mai. Der hiesige Gemeinde- Verein veranstaltete vor kurzem : einen von zirka 400 Personen besuchten Vortragsabend, für welchen Herr Rabbiner Dr. Kopfstein aus Beuthen als Redner gewonnen war. Das Thema lautete:. „Wie verhalten wir uns zu den Richtlinien'?" Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Kohane, erteilte nach einigen einleitenden Sätzen dem Vortragenden, das Wort. Dieser betonte im Anfänge seiner Rede, daß er über die Richtlinien, nicht über die Verfasser und die, welche sie unterschrieben haben, über die Richtlinien, wie sie dastehen, nicht über die Referate usw. sprechen wolle. Er ging zunächst auf die Offenbarung ein und schloß daraus, daß das Wort Offenbarung in den Richtlinien nicht vorkomme, daß die Liberalen nichts von der Gesetzgebung Moses, dem Anfänge der jüdischen Religion wissen wollen. Das Wort heilig sei ein bestimmt sestgelegter Begriff, nur auf Gott und die Thora anwendbar. Die Thora sei göttlichen Ursprungs und enthalte ewige Wahrheiten, deshalb dürfe an ihr keine Kritik geübt werden, wie es die Richtlinien wollen. Er, sprach sodann über den Sabbat' in den Richtlinien, er wäre überhaupt nicht mehr wiederzuerkennen. Desgleichen geschehe mit den Feiertagen. -Selbst die Ehegesetze, die allen unantastbar gewesen seien, würden der Kritik und Verneinung unterworfen. Die Entwicklung, welche die Richtlinien forderten, sei zu sprunghast, knüpfe nicht an das historisch Gegebene an; auch das orthodoxeste Judentum entwickele sich, aber in gesünderer Weise, in beständiger Anlehnung an den Ursprung. Nach diesen Beweisen glaube er keine Antwort auf das Thema geben zu brauchen. Er halte es für die. Pflicht eines Jeden, die Richtlinien zu bekämpfen. Er mahnte zum Frieden und forderte alle Richtungen im Judentum zu gemeinsamer Arbeit gegen die verderblichen Richtlinien aui. Zum Schlüsse gab der Redner seiner Hoffnung Ausdruck, daß inan in der alten Gemeinde Königsbergs von den Richtlinien nichts werde wissen wollen, und zitierte die bisherigen Rabbiner Königsbergs/ die hier für das Judentum eine außerordentlich nutzbringende Tätigkeit entfaltet Hütten, aus dem Grabe heraus, stellte sie damit als Gegenstück zu dem jetzt amtierenden Rabbiner auf. Als erster Diskussionsredner sprach Herr Rabbiner Dr. Vogelstein. Er wandte sich zunächst gegen die verletzende Aeußerung des Herrn Rabbiner Dr. Kopfstein am Schlüsse seiner Rede und bezeichnete es als wenig kollegial, einen Amtsbruder in seiner eigenen Gemeinde derartig zu verunglimpfen. Hierbei sieht sich der Vorsitzende veranlaßt, den Ausdruck unkollegial zu rügen, obwohl er vorher die Angriffe des Referenten auf den Gemeinderabbiner ohne ein Wort der Erwiderung hatte ge- ' schehen lassen. Sodann widerlegte Herr. Dr. Vogelstein in kurzen, treffenden Worten Punkt für Punkt die verschiedenen Angriffe des Vortragenden auf die Richtlinien und verweist auf die Referate, aus Grund deren die Richtlinien zustande gekommen sind. Herr Feinstein meinte, die größten Mängel der Richtlinien bestehen nicht in dem, was in - ihnen enthalten sei, sondern in dein, ums nicht darin stehe. An einer Stelle heiße es sogar, daß alles, was nicht in den Richtlinien verboten sei, erlaubt sei. Demnach könnten die Rabbiner und Kantoren Treife essen usw. Herr Dr. V o g c l st e i n berichtigt: „Es ist' in den Richtlinien nicht gesagt, daß man das tun dürfe, was in den Richtungen nicht verboten sei." Jetzt endlich bequemte sich Herr Feinstein zu einem kläglichen Rückzug und erklärte, daß er es „irgendwo in der Presse" gelesen habe. Herr- Rechtsanwalt Jacoby II meinte, daß die Kämpfe im Judentum erst dann ein Ende nehmen würden, wenn die Juden aus dem heimatlichen Boden Palästinas im eigenen Lande. wohnen werden. Herr Dr. Hopp e erklärte, sein Feingefühl gehe nicht so weit, daß er eine Beleidigung des Herrn Dr. Vogelstein durch Herrn Dr. Kopfstein heraussühlen könne. Redner wendete sich nun ganz offen nickst gegen die Richtlinien, sondern gegen Herrn Dr. Vogelstein und sagte von ihm, daß er nur der Rabbiner einer kleinen Anzahl GememdemMiedersei, Zwist in die Gemeinde trage und' den Kämpf immer heftiger gestalte.- Er erlaubte sich derartige Aeußerungen, daß Herr Dr. Vogelstein und mit . ihm die anwesenden VorstandsmitgMder und einige Repräsentanten der Synagogengemeinde und' ein groM^Lkstl des Publikums den.Saal

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