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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-05-30 · Heft 22 (30.5.1913) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 22 (30.5.1913)
Date
1913-05-30
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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ventionskommission diese Beträge zu bewilligen beantragt hatte, der Vorstand aber je 500 Mark in Abzug gebracht hatte. Die Debatte, an der'sich die Herren Dr. Ginsberg, Justizrät. Lilie nt h al, Manheim er, Prosi Kalischer, Prof. Türk, Prof. Blaschke,- Sanitätsrat Dr. F eilchenfeld, Justizrat Breslauer und Oscar Tietz beteiligten, drehte sich'vorzugsweise darum, ob und inwieweit der privaten Wohltätigkeit Spielraum zu gewähren sei und inwieweit der Gemeindesäckel für solche Vereine in Anspruch genommen werden könne. Die Anträgedes Vorstandes wurden abgelehnt und darüber hinaus jedem der beiden Vereine je 500 Mark mehr bewilligt'als der Vorstand es getan hatte. — Dem Neligionsverein Steglitz werden einmalig 200 Mark zur Deckung eines Defizits bewilligt, der jüdischen Reformgemeinde zum Neubau ihrer Orgel zu den bereits seinerzeit bewilligten 10 000 Mark weitere 3400 Mark. Dem Synagogenverein Ahawas Scholaum wird zunächst unter Zurückstellung weitergehender Anforderungen eine Subvention von 2600 Mark bewilligt und der dem Verein gewährte Vorschuß von 2000 Mark niedergeschlagen. Bewilligt werden dann für das israelitische Krankenheim in Bad Neuenahr 200 Mark, für das jüdische Kurhospital in Bad Salzbrunn 300 Mark, für das Israelitische Badehospital Teplitz-Schönau 250 Mark, für das Israelitische Lehrerinnenheim 300 Mark, für den Kinderhort Limburg 300 Mark, für das Hospital Marienbad 1/)0 Mark, für die Badearmenkasse Kissingen 100 Mark, für das Kurhospital Kolberg 800 Mark, für den Unterstützungsverein Bad Nauheim 150 Mark, für das Krankenhaus Memel 400 Mark, für den Verein Franzensbad 200 Mark, für die Ferienkolonie für jüdische Kinder 800 Mark, für die Kinderheilstätte Königsdorf-Jastrzemb 160 Mark, für das Jubiläumshofpiz Karlsbad 200 Mark, dem Armenasyl Meran 150 Mark, der Emser Heilquelle '150 Mark, der Erziehungsanstalt Ahlem und dein Verein für jüdische Geschichte und Literatur je 800 Mark, der jüdischen Lesehalle 500 Mark, dem Verein für Arbeitsnachweis 3000 Mark, für den Fortbildungsverein Montefiore 300 Mark. Dem Religionsverein Schochare Hatow und Bne-Brith-Gemeinde wird jährlich eine Subvention von 6400 Mark, dem Neligionsverein Gesundbrunnen nachträglich 150 Mark bewilligt. Ferner stimmt die Versammlung zu, dem Verein für Statistik der Juden Pro 1912/13 wie bisher eine Subvention von 1000 Mark, ferner für die Vorarbeiten zu einer statistischen Darstellung der jüdischen Gemeinde zu Berlin außer dem bereits im Jahre 1911 bewilligten Kostenbeitrag von 3000 Mark einen solchen von 1275 Mark zu bewilligen. Bei der Gelegenheit wird eine Anfrage über Stand der Arbeit und Tätigkeit des Vereins vom Vorstandstische in durchaus günstigem Sinne beantwortet. — Der Antrag Professor Kalischer, zur Beratung der Petitionen eine Petitionskommission aus fünf Mitgliedern einzusetzen, wurde dem Ausschuß III zur Vorberatung überwiesen. Schließlich wurde zur Beratung der Vorlage betreffend die Schaffung eines Zweigbureaus und zweier Geslügelschlachtstelleu sowie Bewilligung einer Ausgabe zur Einrichtung des Nebengebäudes der Synagoge Fasanenstraße eine Kommission eingesetzt und in diese die Herren Professor Dr. Kali sch er, Dr. Minden, Professor Blaschke, Geheimrat B l u m e n t h a l itnb- Kuznitzky gewählt. Damit schloß die öffentliche Sitzung, der eine geheime folgte, in der vorzugsweise Personalangelegenheiten verhandelt wurden. 2/D Berlin, 27. Mai. Es. wird weite Kreise interessieren, daß aus dem Messingwerk bei Eberswnlde, welches die Firma Aron H i r s ch u. Sohn, Halberstadt, im Jahre 1863 erworben hat, ein ganz merkwürdiger, «einzigartiger Goldsund gemacht worden ist, welcher aus dem siebenten oder achten Jahrhundert vor Christi Geburt stammt. Der reiche Goldsund ist semnonischen Ursprungs und wahrscheinlich zu einer Zeit in die Erde versenkt worden, als gerade Rom gegründet war. Die Tagespresse veröffentlicht darüber das Folgende: Auf dem Gebiete des Gutsbezirkes Messingwerk, Kreis Oberbarnim, das der Firma Hirsch, Kupfer- und Messingwerke A.-G., gehört, wurde bei Ausschachtungsarbeiten für den Bau eines neuen Arbeiterwohnhauses am 16. d. M. ein merkwürdiger Schatzfund gemacht. In einem groben, etwa 25 Zentimeter hohen Tongefäß fanden sich 78 Goldgegenstände zusammengepackt, nämlich acht schön verzierte Näpfe der bekannten nordischen Art, wie sie besonders durch die Stücke von Stralsund und Werder bei Potsdam bekannt sind, ferner ein dicker, gewundener Halsring, 33 kleine Drahtspiralringe, eine Menge von Drahtbündeln und Blechstreifen, schließlich ein paar Barren und das Stück eines Schmelzkönig. Der gesamte Fund wiegt etwa 2,5 Kilogramm und ist einer der größten. und bedeutendsten Goldsunde, die je in Deutschland gemacht worden . sind. Auf Ersuchen des Vorstandsmitgliedes der Gesellschaft, Herrn 'Aron Hirsch, Berlin; hat Direktor Professor Schuchardt vom Völkerkundemuseum an Ort und Stelle den Fund besichtigt und inventarisiert. Wie ferner mitgeteilt wird,', ließ sich der Kaiser am 23. d. M. nachmittags im Sternsaale des. königlichen Schlosses ' von dein Senivrches der Firma Aron Hirsch u. Sohn in Halberstadt, .Herrn Aron.Hirsch, sowie von dem Betriebsdirektor der vorgenannten Gesellschaft, Herrn Siegmund Hirsch, im Beisein, des Landrats des Kreises Oberbarnim, Freiherrn v. Müssling, und des Professors Dr. Schuchardt, Direktors des Völkerkundemuseums, die antiken Goldgegenstände vorlegen. Der Kaiser ließ sich über die Fundstücke und über alle sonstigen Einzelheiten eingehend Bericht erstatten. Herr Aron Hirsch stellte hierauf den Fund namens seiner Gesellschaft zur freien Verfügung des Kaisers, der die Schenkung annahm. Der Fund bleibt bis aus weiteres in Verwahrung der Hirsch-Kupfer- und Messingwerke. Die Geschenkgeber beabsichtigen, für den Fund, der nachträglich noch aus 81 Stück angewachsen ist, einen entsprechenden Schrank nebst einer künstlerisch ausgeführten Urkunde anfertigen zu lassen und ihn dem Kaiser an der Fundstätte in Messingwerk bei Eberswalde zu übergeben. Inzwischen sollen unter ausdrücklicher Zustimmung des Kaisers, die Gegenstände' der Bevölkerung der dortigen Gegend sowie allen sonstigen Interessenten zur Besichtigung freigestellt werden. Leb. Berlin, 27. Mai. Der liberale Verein für die Ang eleg enh eiten der jüdisch en G em ei nd e zu B er - l i n veranstaltete am 22. d. M. - im großen Saale des Tiergarten- Hofes eine Versammlung, in der Herr Dr. Sälomvnski, Berlin, über die bevorstehenden Repräsentantenwahlen sprach. Bon den Leistungen der liberalen Repräsentanten während der letzten drei Jahre ausgehend, wies der Redner auf die Forderungen hin, die in -Zukunft an die Vertreter der Gemeinde zu stellen sein werden. Wie . bisher auf allen Gebieten der religiösen Betätigung, aus dem Gebiete des Gottesdienstes, der Schule, der Armenpflege, der Durchwandererfürsorge, der Beamtenanstellungen, der Gehälter usw. Großes geleistet und erreicht worden ist, so muß auch weiterhin auf allen diesen Gebieten fortgeschritten lverden. Der Redner gab alsdann einen historischen Ueberblick auf die Entwicklung des modernen Liberalismus und verglich die Zeit vor der Emanzipation mit der Entwicklung, die das Judentum seit seiner Emanzipation genommen hat. Alles, was an Umänderungen und Neuschöpsungen in der Gemeinde hervorgebracht worden ist, ist aus der Forderung der neuzeitlichen Verhältnisse heraus notwendig gewesen und hat zur Vertiefung und zur Erhaltung des Judentums sowie zu seiner gesunden Fortentwicklung in der Gemeinde beigetragen. Der Redner beschäftigte sich sodann >im einzelnen mit den Gegnern des Liberalismus, von denen er als besonders gefahrvoll den Zionismus und die separatistische Orthodoxie hinstellt. Er schloß mit einem warmen Appell an die Versammlung, dafür zu sorgen, daß die bisherige Majorität der Liberalen in der Repräsentantenversammlung auch weiterhin erhalten und gestärkt werde, und daß alle liberalen Elemente sich zu diesem Zwecke für die bevorstehende Wahlagitation zusammenschließen und . energisch ans Werk gehen. Der Vortrag fand den lebhaftesten Beifall der Versammlung. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte und interessante Diskussion über verschiedene Angelegenheiten der Gemeinde, über die Fragen der Dezentralisation, der Abänderung des Wahlmodus, der Steuerverhältnisse und der Wahlorganisation. An der Diskussion beteiligten sich u. a. die Herren Direktor Minden, Wolpe, Großmann, Amtsgerichtsrat Kalischer, Stadtrat Gimkiewicz, Stadtverordneter S a l i n g e r, Professor Blaschke, Jonas und der Vorsitzende der Versammlung, Herr Justizrat PlNn s'ker, der selbst oft in die Debatte eingrisf. Die Versammlung nahm einen recht guten Verlaus und zeigte, daß das Interesse für die jüdischen Gemeindeangelegenheiten unter den Liberalen Berlins wach ist und daß sich immer weitere Kreise zur Mitarbeit bereitfinden. <v»> Berlin, 27. Mai. An der festlichen Begehung des 80. Geburtstages von Professor Berliner haben sich zahlreiche Körperschaften und Vereine sowie eine außerordentlich große Zahl von Einzelpersonen beteiligt. Schon am 1. Mai, dem eigentlichen Geburtstage nach der bürgerlichen Zeitrechnung, wurden dem Jubilar zwei Festschriften überreicht, die eine in einem ihm gewidmeten . Sammelbande des „Mekize Nirdamim" bestehend, bekanntlich einer. Schöpfung Berliners, die andere, ein von einigen seiner Schüler auf Veranlassung seiner Familie herausgegebener Band „Gesammelte Schriften", in welchem eine Anzahl von auf Italien bezüglichen Aufs ätzen aus dem Anfang der siebziger Jahre zum Abdruck gelangt ist. — Die erste öffentliche

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