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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-05-23 · Heft 21 (23.5.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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dahingeschiedenen Rabbiners Dr. Feilchenfeld und würdigte in einer feierlichen Ansprache die. Verdienste des Verblichenen. Die Versammlung erhob sich ehrend von den Plätzen. Es wurden alsdann die Begrüßungsschreiben, des Ehrenvorsitzenden H e r b st - Lissa und der Ehrenmitglieder Dr. Adler-Frankfurt a. Ai., Dr. Holzmann-Berlin und Verbandsvorsitzender Feiner-Hamburg verlesen. Kommerzienrat Hamburger begrüßte die Versammlung im Namen des Vereins liberaler Juden und Justizrat Mannheim im Aufträge des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes. Lehrer Becker nahm das Wort zur. Festrede, in der er einen kurzen Ueberblick über die Tätigkeit des Vereins in der Zeit von der Gründung 1890 bis zur heutigen Versammlung gab. Er gedachte der dahingegangenen Mitglieder und Begründer des Vereins. In dem Jahresberichte wurde auf das erschienene Statut der neugegründeten Unterstützuugskasse des Verbandes der jüdischen Lehrervereine aufmerksam gemacht und auf den im Dezember dieses Jahres in Breslau stattfindenden Verbandstag. Einnahmen ergaben 2-33.65 Mark, Ausgaben 201.45 Mark, Bestand 32.20 Mark. Nach Erledigung mehrerer Anträge wurde die Versammlung um 1 Uhr geschlossen. K. Bochum, 16. Mai. Der Verein israelitischer Lehrer der R h e i n p r o v i n z und W e st f a l e n s hielt am 13. und 14. d. Ai. im Saale der Bürgergesellschaft seine 57. Jahresversammlung ab. Den Vorsitz führte Lehrer Abraham, Essen. Als Gäste begrüßten die Vertreter der Synagogengemeinde Bochum und der Vorsitzende des Westfälischen Verbandes der Synagogengemeinden die Versammlung. Nach einem eingehenden Vortrag des Lehrers K a tz e n st e i n, Steele, über die rechtliche Stellung des jüdischen Religionsunterrichts und des jüdischen Religivnslehrers nahm die Versammlung einstimmig nachstehende Forderungen des Referenten an: „1. Um den vollen Erfolg des jüdischen Religionsunterrichts zu sichern, fordern wir die rechtliche Gleichstellung des jüdischen Religionsunterrichts mit dem der beiden christlichen Bekenntnisse und die Gleichstellung der jüdischen Religionslehrer mit den staatlich angestellten Lehrern. 2. Wir fordern deshalb von den Gemeinden und Verbänden alle Maßnahmen zur Erreichung dieser. Ziele." lieber die Jugendpflege sprach Lehrer Meyer, Witten, der die Mitarbeit der jüdischen Lehrerschaft und die Art ihrer Betätigung in der Jugendpflege kenuzeichnete. Zur Frage der Inspektion des jüdischen Religionsunterrichts, die schon auf früheren Versammlungen erörtert wurde, nahm die'Versammlung folgende Entschließung an: , „Die am 13. und 14. Mai in Bochum tagende Hauptversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in der Rheinprovinz und in Westfalen hält die Einrichtung einer besonderen Inspektion des jüdischen Religionsunterrichts nicht für erforderlich. Wenn in besonderen Fällen ihre Einführung erfolgt, muß verlangt werden, daß die Inspektion in Volksreligionsschulen und höheren Schulen nur von im Unterrichtsbetrieb erfahrenen Schulmännern und im Einverständnis mit Gemeinden und Lehrer ausgeübt werde." Ferner erledigte die Versammlung eine Reihe von Vereins- und Standesfragen, so wurde n. a. ein Hilfsausschuß für notleidende Lehrer gegründet und ein Nvrmalvertrag zwischen Neligionslehrern und Synagogengemeinden beraten und durch einen Vortrag des Lehrers Baum, Köln, erläutert. Lebhaft erörtert wurde auch die Frage der Nachzahlungen an die Alterszulagekassen, die von Lehrern geleistet werden müssen, die aus jüdischen Privatelementarschulen in öffentliche Schulen übertreten. Es sind Beträge von 8550 Mark, 7500 Mark und ähnliche Sununen in verschiedenen Fällen nachgezahlt worden. Die Pensionskasse des Vereins weist nach dem Bericht des Vorsitzenden ein Gesamtvermögen I von über 175 000 Mark auf. Der Verein zählt 185 Mitglieder, von denen 90 der Pensionskasse angehören. Die Einnahme der Kasse betrug im Jahre 1912 13 377 Mark, ihre Ausgaben 11 124 Mark. An Pensionäre oder deren Witwen und Waisen wurden im letzten Jahre 7360 Mark verteilt. Die Mitglieder wurden zu reger Werbearbeit für ihre Kasse ermuntert und zu dem Zwecke eine neue Organisation in Vorschlag gebracht, die nach Beratung durch die Bezirkskonserenzen ihre Tätigkeit entfalten soll. 22 Peine, 16. Mai. Am 14. d. M. fand, vom schönsten Frühlingswetter begünstigt, die feierliche Einweihung des Simonschen Seminars für Gartenbau und Handfertigkeit statt. Vertreten war die Stadt Peine durch den Bürgermeister Dr. Meyer und durch die fast vollzählig erschienenen städtischen Kollegien, ferner erschien der La'ndrat, Herr A u s dem Winkel; aus Berlin. erschien Herr- Direktor Morawe, der Leiter der staatlichen Handsertigkeitskurse, dem nach dem Erlaß des Kultusministers die Beaufsichtigung des Handfertigkeitsunterrichts übertragen ist. Ferner sind zu erwähnen Herr Professor S o h n r e y , der bekannte Leiter des Deutschen Vereins für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpslege, die Landesr a b b i n e r von Hannover und Hildesheim, Herr Senator Fischer- Hannover-Linden, zahlreiche Vertreter von L e h r e r Vereinigungen, Logen, endlich der Vorstand der S i m o n s ch e n Stiftung, der Erziehungs- und Gärtnereilehranstalt Ahlem und des Lehrgutes Steinhvrst. sowie viele andere F reimbc der Anstalt. Der Regierungspräsident von Hildesheim war durch anderweitige Verpflichtungen am Erscheinen verhindert. Der Festaktns begann mit einem Choral, woraufhin Justizrat Berend - Hannover, als Vorstandsvorsitzender der Stiftung, die Erschienenen begrüßte. Er hob hervor, daß S i m o n kein Wohltäter im üblichen Sinne war. obwohl er. bei Lebzeiten und nach seinem Tode fast alle seine Mittel in den Dienst der Gemeinnützigkeit gestellt Habe. Simon betrachtete vielmehr die Judensrage als soziale Frage, die in dem Ueberfluteu ganz bestimmter Berufszweige ihre Ursache habe. Möglichst überall, wo jüdische Kinder unterrichtet werden, sollen sie durch Gartenbau und Ausbildung in Handfertigkeitswerkstätten auf solche Berufe gelenkt werden, die ihrem Milieu bisher ganz ferngestanden haben; für diese Aufgabe Lehrer auszübilden, sei der Hauptzweck des Simvnschen Seminars. Ebenso aber wie der Stifter kein Freund konfessioneller Abschließung gewesen sei, solle die Anstalt nicht nur jüdischen, sondern Lehrern aller Konfessionen zugute kommen. Landrabbiner Dr. L e w i n s ky - Hildesheim wies in sehr eindrucksvoller Weise darauf hin, daß bereits in der Bibel und in der klassischen jüdischen Literatur überhaupt die meisten Grundlagen zu finden seien, aus denen sich die Pädagogischen Ziele des Simonschen Seminars anfbauen. In schlichter und ergreifender Weise hielt er dann die eigentliche Weiherede. Dr. Eugen K a tz, der Syndikus und Geschäftsführer der Simonschen Stiftung, gab einen kurzen Abriß der Vorgeschichte des Seminars: wie diese Gründung vor allem auch durch die Unterstützung der Behörden und unserer besten Pädagogen in kurzer Zeit aus allgemeinen Erwägungen zu einer festen Tatsache gelvorden sei. Sein Dank galt vor allem dein früheren Direktor im Landwirtschaftsministerium. Dr. Thiel, dem Kultusministerium sowie der Plautstiftung zu Berlin, welche die Anstalt durch eine hohe Subvention unterstützt. Direktor Alex a n der, dem die fachliche Leitung des Seminars übertragen ist, gab eine llebersicht über die pädagogischen Bestrebungen, die den Ruf nach der „Arbeitsschule" erzeugten, und schilderte dann den Lehrgang des Seminars im einzelnen. Im Aufträge der Kursisten des Sommerjahrgangs 1913 dankte Herr Lehrer. G e i t i n g e r in herzlicher Weise für die ungemein reiche Förderung, die den Kursisten durch die Anstalt zuteil würde. Herr Landrat A u s d e m Winkel sieht eine wesentliche Bedeutung der Anstalt darin, daß sie die verschiedenen Konfessionen einander näher bringe und zu einer gegenseitigen Schätzung führe, wie es überhaupt in Deutschland darauf ankonnne, die äuseinanderstehenden Gruppen und Stände in gemeinsamer Arbeit für das Wohl des Vaterlandes zu sammeln. Mit freundlichen Wünschen für das Gedeihen der Anstalt schloß er seine Ansprache. -Bürgermeister Dr. Meyer gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß diese Anstalt gerade im Stadtgebiet von Peine errichtet worden sei. Er erblicke in der Arbeit des Seminars eine Kulturarbeit im besten Sinne. Professor S o h n r e y erklärt zunächst namens des Ministerialdirektors Exzellenz Thiel, daß es diesem ganz besonders leid sei, infolge einer unumgänglichen Sitzung der Eröffnung des Seminars fernbleiben zu müssen. Er dankte namens des Vereins für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege für das bisherige Zusammenarbeiten der Simonschen Stiftung und des genannten Vereins und weist auf die besondere Bedeutung des noch viel zu wenig gepflegten Schulgartenwesens in Deutschland hin. Die die Schulgärten fördernden Bestrebungen der Stiftung würden vielen deutschen Dörfern zum Segen gereichen, weil erfahrungsgemäß aus gut gepflegten ländlichen Schulgärten die landwirtschaftliche Kleinkultur der ganzen Gegend Nutzen zöge. Weitere Glückwünsche überbrachten Laudrabbiner Dr. G r o n e m a n n - Hannover, Senator F i s ch e r - Linden, Haüptlehrcr Zucke r in a n n - Hannover sowie die Lehrer Steinhardt- Magdeburg und K a tz-Nienburg. Nach der sehr eindrucksvoll verlaufenen Feier fand ein Frühstück und hieraus eine gemeinsame Besichtigung der weitläufigen Gebäude und der 50 Morgen großen gärtnerischen Anlagen statt.

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