Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1913)
- Date
- 1913-05-23
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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wird dir Sitzung aus .10 Minuten vertagt. In der namentlichen Abstimmung ivird der Antrag des Ausschusses, die Vorlage abzulehnen und über die Angelegenheit in einer besonderen Kommission zu beraten, mit 13 gegen 6 Stimmen angenommen. Für die Vorlage des Vorstandes und gegen den Ausschußantrag stimmten die Herren Justizrat D r. C o h n, Geheimrat Blumenthal, I u st i z r a t Veit Simon, Konunerzienrat G e r s o n S i m o n , Le w i n s k y und L ö w e n b e r g. Für den Ausschußantrag, also für Ablehnung der Vorstandsvorlage stimmten die Herren Louis Sachs, Direktor M i nd e n, Professor B l a s ch k e, Dr. G i n s b e r g, Dr. H a h n, Justizrat Guttsmann, Professor Kali sch er, Kuznitzky, Mannst e i m er, Benas Lev y, Siegfried Sachs, Stadtrat Weigert und Professor T ü r k. Inzwischen war die Zeit sehr vorgerückt, und es wurden daher von den weiteren zirka 50 Vorlagen nur uoch die folgenden erledigt. Der Antrag L e w i n s k h betreffend die Veranlagung von Gemeindemitgliedern respektive Aenderung des bisherigen Stenersystems wurde vertagt, da die Frage bei Gelegenheit der Aenderung der Statuten dann geregelt werden soll. Die Vorlage betreffend Bestimmungen über die besondere Honorierung der ärztlichen Tätigkeit im Krankenhause wird angenommen. Danach dürfen für die Behandlung der Patienten in der zweiten und dritten Klasse besondere Honorare nicht liquidiert werden. Bezüglich der Patienten erster Klasse ist eine Reihe von Grundregeln ausgestellt, deren Ausführung zu weit führen würde. —- Die Vorlage betreffend Abänderung des Beschlusses über die Verdeutschung der Thora-Vorlesungen in den Orgelsynagogen wird vertagt. — Die Subvention der Gemeinde für die Zentralstelle für jüdische Wanderarmeusürsvrge war bekanntlich seinerzeit vom Vorstande auf 3500 Mark festgesetzt. Die Repräsentantenversammlung aber hatte beschlossen, die Subventionssnmme auf 5000 Mark zu erhöhen. Der Vorstand teilt nun den Repräsentanten zur Kenntnisnahme mit, daß er dem Beschlüsse, die Subvention auf 5000 Mark zu bemessen, nicht beitreten könne. Die Reprüsentantenversaunnlung nimmt von diesem Borstandsbeschluß Kenntnis, beschließt aber einstimmig, den Vorstand zu ersuchen, die Subvention doch auf 5000 Mark zu erhöhen. Inzwischen war die Zeit soweit vorgerückt, daß man beschloß, die weiteren Gegenstände zurückzustellen und in einer am nächsten Sonntag stattsindenden weiteren Nepräsentantenversammlung zu erledigen. L2 Berlin, 20. Mai. Die jüdische Gemeinde zu Berlin ivird demnächst das Andenken des Große n K u r s ü r st e n ehren, der durch ein Edikt vom 21. Mai 1671 die ein Jahr züvor ans den österreichischen Erblanden vertriebenen Juden in der Mark "aufnahm. Im Nepräsentantensaal der Gemeindeverwaltung in der Oranienburger Straße soll Ende dieses Monats eine überlebensgroße Halbfigur des Hohenzollern enthüllt werden. Der Herrscher ist in historisch treu ein Ge! van de dargestellt und hält in der Hand eine Rolle, die das erwähnte Edikt andeuten soll. Das Werk, das die ausdrucksvollen Züge des Kurfürsten packend wiedergibt, ist in Bronze stergestellt und steht auf einem schlichten Eichenholzpostament. Es ist, wie 111)011 im voranstehenden Bericht mitgeteilt, ein Geschenk des Direktors Dr. Minden an die Gemeinde ans Anlaß seiner sünfundzwanzigjährigen Zugehörigkeit zu ihrem Repräsentantenkollegium. Der Schöpfer des Monumentes ist der hiesige Bildhauer I n c o b P l e ß n c r. x. Lissa i. P., 18. Mai. Am Freitag den 16. d. M. abends vordem Gottesdienst, fand die feierliche Amtseinführung unseres neugewählten Rabbiners D r. Gelles im Tempel statt. Die rauschenden Klänge der Orgel und ein stimmungsvolles Begrttßungslied des Chors empfingen ihn, woraus der Vorsitzende des Gemeindevorstandes Julius B a g i n s k y ihn als den neuen Rabbiner der altehrwürdigen Gemeinde Lissa an der geweihten Stätte willkommen hieß. Er erinnerte daran, daß vor neun Jahren der neue Tempel in seiner Pracht an der Stelle des alten erstanden sei, daß aber trotz der modernen Ausgestaltung des Gotteshauses und Gottesdienstes der alte jüdische fromme Geist nach wie vor in ihnen walte. So möge Rabbiner Dr. Gelles die Tradition seiner alten frommen Vorgänger, welche die Gemeinde Lissa in ganz Deutschland berühmt gemacht haben, mit dem Geiste moderner religiöser Anschauungen verbinden und insbesondere in die jüdische Jugend die Liebe zu ihrem Glauben und zum Vaterlande hineinpflanzen. Nach ihm gedachte der Vorsitzende der Nepräsentantenversammlung, Justizrat Wolfs, des gerade vor einem Jahre verstorbenen langjährigen Rabbiners unserer Gemeinde, D r. Samuel Bäck, und bat Rabbiner Dr. Gelles, in seinen Pfaden zu wandeln und gleich ihm im Geiste der Liebe, des Friedens, der Eintracht und der Versöhnung zu wirken. Sv werde er alle Hoffnungen erfüllen, welche die Gemeinde bei seiner Wahl in so reichem Maße auf ihn gesetzt habe. Rabbiner Dr. Gelles betonte in seiner 'tiefempfundenen Erwiderung und Ansprache an die Gemeinde, daß diese Stunde vor altem eine Stunde des Dankes sei an die Gemeinde, die ihn gewählt, an die Negierung, die ihn bestätigt, an die Gemeindebehörden, die ihn so freundlich und vertrauensvoll willkommen geheißen hätten. Diesen Dank werde er zu betätigen suchen; er werde sich bestreben, die Jugend mit wahrhaft jüdischem, echt, religiösem, treuem, vaterländischem Geiste zu erfüllen, im Sinne seiner berühmten und verdienten Vorgänger in der Gemeinde weiterzuwirken und den Mitgliedern seiner Gemeinde in Freud und Leid zur Seite zu stehen, als ihr Helfer in seelischen Nöten; als ihr Freund und Berater. Ein weihevolles Halleluja beschloß die schöne Feier, welche den tiefsten Eindruck hinterließ bei allen, die den herrlichen, srühlingsmäßig geschmückten Tempel füllten. Von den geladenen Ehrengästen waren der Erste Bürgermeister Wollberg, der Gymnasialdirektor Professor v. Sanden u. a. erschienen. Möge das Wirken unseres Rabbiners Dr. Gelles znm Segen für die Gemeinde sein! W. Posen, 15. Mai. Am 12. d. M. fand die Beerdigung des Oberrabbiners Dr. W. F e i l ch e n f e l d statt. Am Vormittage versammelten sich die Vertreter der Gemeindebehörden sowie der verschiedenen Vereine und ein Teil der bereits eingetroffenen Rabbiner von auswärts im Tranerhause, wo die Söhne des Verblichenen, Schuldirigent Dr. Joseph Fei lchen selb und Realschnldirektor Dr. Feilchenfeld - Fürth, herzliche Nachrufe ihrem teuren Vater ividmeten. Hieran schloß sich die Rede des Hausarztes und ehemaligen Schülers Dr., Max Calvary .und auch die des Verwandten Gemeinderabbiner Dr; M. Lewin-Mreschen. Zum Schlüsse sprach noch Kaufmann Pincus Plessner für den Verein Leschaun-Simudim. Darauf erfolgte die Ueberführung der Leiche nach der Synagoge A, an der eine beträchtliche Anzahl Trauernder teilnahmen. Die Straßenlaternen strahlten in ihrem Lichte. Um 3 Uhr nachmittag begann die Trauerfeier in der Synagoge, die schon lange vorher in dem Männerabteil und im Frauenchor bis auf den letzten Platz besetzt war. Hier hatten sich außer den Leidtragenden auch die Behörden der Stadt mit dem Oberbürgermeister und Stadtverordnetenvorsteher sowie der Stadtkommandant und Abordnungen der hiesigen einzelnen Truppengattungen eingefunden. Für diese waren besondere Ehrensitze vorgesehen. Auch hatten die Kinder der Religionsschule in der Nähe vom Allerheiligsten Aufstellung genommen. Die Säulen und Kandelaber waren umflort. Es hielten hier Trauerreden: Rabbiner Dr. M. Hilde s h e i m e r - Berlin, Rabbiner Blum-Posen, Rabbiner Dr. S i l b e r b e r g - Schrimm. Die Redner gaben in tiefempfundenen Worten dem großen Schmerz über den Heimgang des gelehrten, um das Judentum hochverdienten Mannes beredten Ausdruck. Abwechselnd folgten die.Trauergesänge des Oberkantors L ab o Witz, welche auf die andächtigen Zuhörer stimmungsvoll einwirkten. Nach Beendigung dieser Feier bewegte sich der unübersehbare Zug nach dem Friedhof. Dort angelangt, wurden von folgenden Herren Trauerreden gehalten: Rabbiner Dr. M unk- Berlin, Bankier G o l d s ch m i d t im Aufträge der Gemeindebehörden und des Verbandes der Synagogengemeinden des Regierungsbezirks Posen, Kaufmann Manasse Werner als ältestes Mitglied der Gemeindeverwaltung, Dr. Hoffmann- Berlin, Rektor des Rabbinatsseminars, Rabbiner Dr. W r e s ch n e r - Samter, Vorsitzender der Rabbiner des gesetzestrenen Judentums der Provinz Posen, Rabbiner Dr. R o s e n t h a l - Breslau, beauftragt von der dortigen Synagogengemeinde, Verlagsbuchhändler Rvsenheim- Franksurt a. M.,Vorstandsmitglied der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, Rabbiner Dr. Anton Nobel-Frankfurt a. M., Rabbiner Seminardirektor Dr. C a r l e b a ch - Köln, delegiert vom dortigen Seminar, dessen Begründer und langjähriger Leiter Dr. Feilchenfeld war, Gemeinderabbiner Dr. Jacob - s o h n - Gnesen, Rabbiner Dr. L o e w e n t h a l - Hamburg, Rabbiner Dr. Königsberger-Berlin, und zum Schluß sprach Rabbiner Blum ein Gebet für den Dahingeschiedenen. Wegen der großen Zahl von Rednern konnte der Vertreter der Kantoren, die ehemals den Unterricht aimdes Verewigten Käntorenschule genossen haben, nicht mehr zum Worte gelassen werden. — Der Verein d e r j ü d i s ch e n L e h r e r in den Ostprovinzen hielt hier am 11. d. M. vormittag, feine 25. Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende, Lehrer Becker-Wöllstein, erösfnete die Sitzung um 10 Uhr 45 Minuten und gedachte des