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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-05-23 · Heft 21 (23.5.1913) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Frankfurt a. M., 16. Mm. Im großen Saal der frankfurter Loge fand am 12. d. M. der dritte Del e gi e r t e n ta g der jüdischen I u g e n d 0 e r e i n e Deutschlands statt. Der Tagung, die von zirka 175 Delegierten beschickt war, wohnten diele Ehrengäste und eine stattliche Anzahl von Vertretern jüdischer Organisationen bei. Den Vorsitz führte Rechtsanwalt Dr: Apfel- Berlin. Zunächst erstattete Fräulein Cora Berliner den Geschäftsbericht. Demselben ist zu entnehmen, daß der Verband zirka 15 000 Mitglieder zählt und über einen Kassenbestand von 2210.96 Mark verfügt. Alsdann schritt man zur Beratung der eingegangenen Anträge. Herr G o ld sch'm i d t-Kiel begründete einen Antrag, in dem der Ausschluß des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens im Vorstande des Verbandes jüdischer Jugendvereine Deutschlands gefordert wird. Die Begründung stützt sich darauf, daß der Zentralverein infolge der kürzlich gefaßten Resolution, seine Stellungnahme zum Zionismus betreffend, nicht mehr als neutraler Verein im Sinne der Verbandsstatuten angesehen werden kann. Ein gleicher Antrag lag von Berlin aus. vor. Der Vorsitzende will nicht, daß sich der Delegiertentag in den Streit des Zentralvereins und der Zionisten einmische. Der Verband jüdischer Jugendvereine habe als eine neutrale Organisation bei seiner Gründung unter allen Umständen den Zenträlverein als Mitglied haben wollen und stehe auch jetzt noch aus dem Standpunkt, daß er zur Stärkung der Jugendbewegung dazu gehöre. Der Verband habe nur zu entscheiden zwischen Anhängern und Nichtanhängern. Der Zionist brauche noch lange nicht der bessere Jude zu sein, und die Zionisten sollten sich ja hüten, die jüdische Jugendbewegung/so zu reizen, daß sie infolge der Entwicklung einmal 31t einer antizionistischen Bewegung werde. Die Annahme des Antrages bedeute die schwerste Schädigung der Jugendorganisation der Juden, und es sei deshalb-wohl das beste, zur Tagesordnung über diesen Punkt überzügehen. (Langanhaltender stürmischer Beifall.) Rechtsanwalt Dr. S i m o n - Berlin bemerkte: Auch wenn die Resolution abgelehnt werde, bestehe eine Gefahr für den Jugendverband, der ohne die Zionisten nicht mehr das sein würde, was er jetzt ist. Justizrat Dr. Brodnitz-Berlin vom Zentralverein und Vorstandsmitglied des Jugendverbandes versuchte die Resolution des Zentralvereins zu rechtfertigen: Die Jugendbewegung sei eine viel zu große Sache, als daß man sie zum Prügelknaben zweier Parteien machen solle. - Nach weiteren Ausführungen von Rechtsanwalt Dr. Moses, Dr. K a h n - Köln und Referendar Dr. Badt-Breslau wurde der Antrag Kiel auf Ausschluß des Zentralvereins mit 132 gegen 36 Stimmen abgelehnt. Ebenso wurde ein Antrag Berlin, wonach der Zenträlverein nicht mehr im Sinne der Verbandsstatuten als neutraler Verein angesehen werden kann, mit 125 Stimmen gegen 41 Stimmen bei einer, Stimmenthaltung abgelehnt. Bei der Vorstandswahl, bei der der bisherige Vorstand durch Zuruf wiedergewählt wurde, gab Rechtsanwalt Dr. Weißmann-Kattowitz im Namen seiner, sich zur Zionistischen Richtung bekennenden Freunde die Erklärung ab, daß sie sich ihrer Stimmen enthalten werden. Ein Teil des Vorstandes biete nicht die-Gewähr, daß er treu auf den Verbandsprinzipien bestehen bleibe. — In ihrem anschließenden Vortrag über Mädchenorganisation stellte Fräulein Cora Berliner eine Anzahl Thesen aus, die in Nummer 17 der „A. Z. d. I." bereits ausführlich mitgeteilt wurden. — Rechtsanwalt Dr. Ludwig Holländer hielt einen Vortrag über die Berufswahl der jüdischen Jugend, zu dem er unter anderem folgende Thesen ausstellte:/Die Zusammendrängung der Juden in den Großstädten bedeutet eine Gefährdung der Erwerbsmöglichkeit in allen, besonders aber in den akademischen Berufen. Durch geeigneten Hinweis auf die wirtschaftlichen Gefahren der Abwanderung in die Großstadt — nicht in die Mittelstädte — können die Jugendvereine in den kleineren Gemeinden viel Segen stiften. Die jetzt, auch bei den Juden herrschende, vielfach schematische Regel, den Sohn dem Studium zuzuführen, wenn es finanziell irgendwie geht, ihn sonst aber einen kaufmännischen Beruf ergreifen zu lassen, ist gänzlich' verfehlt. Handwerk und Landwirtschaft sind in weit größerem Umfange' zu berücksichtigen, als es bisher geschehen ist. Die Ergreifung des Kunsthandwerks ist wärmstens zu empfehlen. Die weibliche Jugend muß in immer höherem Maße zur Erwerbssähigkeit herangebildet werden. Doch ist aus hochwertige Ausbildung besonders zu. achten. Das Studium der Medizin ist der jüdischen Frau mehr zu empfehlen, als dem Manne. Aufgabe der Jugendvereine ist es, eine Zentralstelle bei der Verbandsleitung zu schaffen, die Auskünfte über die Berufsaussichten erteilt und in Fragen des wirtschaftlichen Antisemitismus mit dem Z e n t r a l v e r e i n und mit der Groß löge zum Zwecke der Auffindung neuer Unterkunftsmöglichkeiten im internationalen Handel und in der internationalen Industrie in Verbindung tritt, um die ökonomische Verteilung der Jugend in den einzelnen Ländern zu erreichen. — Am Vorabend der Tagung fand eine Begrüßungsfeier statt, die vom Verein Montesiore, Frankfurt a. M., veranstaltet war. Dr. Gustav Löffler begrüßte die Gäste und Delegierten und besonders den Gönner des Verbandes, Herrn Siegfried B r ü n n - Berlin. Stadtrat Dr.-Z i e h e n überbrachte die Grüße der Stadt Frankfurt und würdigte die Arbeit und den Einfluß des Jugendverbandes, der auch mit anderen Kreisen der Jugendbewegung in enger Berührung stehe. Prof. Dr. M. Schäfer- Berlin überbrachte die Grüße des D. I. G. B., Direktor Dr. Adler sprach für den Verband der Deutschen Juden, Rechtsanwalt Gu ggenh eim-Offenbach für den Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland, Fräulein Bertha P äp p e n h e i m für den Jüdischen Frauenbund, Fritz S o n d - heimer für die Zionistische Vereinigung Deutschlands und noch viele andere. Kommerzienrat Maximilian Stein von der Großloge Ü. O. B. B. wies darauf hin, daß die Großloge die Anregung zur Gründung des Jugendverbandes gegeben habe. Unter den weiteren Rednern waren Rektor Schmitz für den Interkonfessionellen Jugendpflegeverein, Dir. Ganter für die katholische Jugend und M e l a m e d - Paris für die französische Jugendbewegung. Den Festvortrag hielt Rabbiner Dr. Werne r - München über das Thema: „Die Lehre des Judentums, ein Segen für die jüdische Jugend." J. W. Stratzbrrrg i. E., 16. Mai. In der .Budgetkommission der Zweiten K a m m e r des Landtages kam kürzlich wiederum die Gehaltsaufbesserung der Geistlichen zur Sprache. Als das Zentrum beantragte, den Geistlichen sämtlicher Konfessionen eine Zulage von. 126 Mark und den Vikaren von 50 Mark zu gewähren, und aus Anfrage hin zugab, daß es beabsichtige, in der Plenarsitzung zu beantragen, diese Zulage in doppelter Höhe bis zur endgültigen Gehaltsregelung zu gewähren, erklärte die Regierung, daß dies für sie unannehmbar sei. Darauf wurde der Antrag umsormuliert, und zwar so, daß den Geistlichen vom 1. Oktober 1912 ab eine jährliche Zulage von 250 Mark gewährt werden solle bis zur Neuregelung der Gehälter. Die Lothringer beantragten statt dessen 200 Mark zu gewähren. Der Zentrumsantrag siel mit neun gegen neun Stimmen, der Antrag der Lothringer wurde mit neun gegen sieben Stimmen angenommen. Das ergäbe also einen Bedarf von 645 000 Mark vom 1. Oktober 1912 bis zum 1. April 1914. — Laut einer vor kurzem ergangenen Verfügung des Oberschulrats erhielten die auswärtigen Schüler der höheren Lehranstalten die Erlaubnis, dem Untericht fernzubleiben, wenn sie ein ■ diesbezügliches Gesuch ihrer Eltern einreichten. Dies galt jedoch nur für die beiden ersten Tage des Passahfestes; an den zwei letzten Tagen mußten auch die auswärtigen Schüler am Unterrichte' teilnehmen. Es wäre dringend zu wünschen, daß die Konsistorien beim Oberschulrate das Nötige veranlaßten, um endlich eine definitive Regelung dieser Angelegenheit herbeizuführen. Am besten wäre es, wenn sämtliche israelitische Schüler an den Feiertagen vom Schulbesuch dispensiert würden. * . ..£ Gesterrrtch-Nnsarn. K. Wien, 16. Mai. Vor einigen Tagen erhielt Herr Kaiserlicher Rat Hermann $ x e i ft a b t l vom österreichischen Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, folgendes Handschreiben: „Ew. Hochwohlgeboren! Mit Bedauern habe ich vernommen/daß Ew. Hochwohlgeboren von der Schatzmeisterstelle des Oesterreichischen,Flottenvereins zurückgetreten sind. Bei diesem Anlasse spreche ich als Protektor des Oesterreichischen Flottenvereins Ew. Hochwohlgeboren für Ihre demselben geleisteten ersprießlichen Dienste meinen Dank aus und gebe mich der Erwartung hin, daß Ew. Hochwohlgeboren auch in Zukunft die Vereinsleitung mit Ihrem wertvollen Rate unterstützen werden. Erzherzog Franz Ferdinand." Kaiserlicher Rat Hermann F r eist a d t l war eines der ersten Mitglieder des Oesterreichischen Flottenvereins und hat sich um ihn große Verdienste erworben. Durch viele Jahre war er Schatzmeister des Vereins, mußte aber aus Gesundheitsrücksichten diese Stelle niederlegen, was selbst in höchsten Kreisen bedauert wird. — Während der Monate März und April hat die Israelitische A l l i a n z in Wien 233 Emigranten, davon 198 russische und 35 rumänische, weiter befördert, und zwar 109 nach den Vereinigten Staaten, 42 nach' Argentinien, 36 nach Kanada, 2 nach England, 42 nach Frankreich und 2 nach der Schweiz. Im ihre Heimat

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