Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1913)
- Date
- 1913-05-23
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-'des- Verbandes und.beleuchtete die einzelnen Phasen seines ' Werdens, wobei. immer dev Grundsatz des Sanitätsrats Dr. Freund befolgt wurde: Nicht streiten, sondern Arbeit leisten. — und schloß mit dem Hinweis, daß die Königliche Regierung in Oppeln jetzt in allen Streitfragen das Gutachten des.Verbandes als maßgebend ansieht. Professor Dr. Kalischer-Berlin nannte den Verband den Krastausdruck jüdischen Gemeingefühls und jüdischen Gemeinwillens, erkannte an, daß bereits vi?l Aufklärungsarbeit geleistet worden, sei und durch das Institut des Verbandsrabbiners noch geleistet werden wird, betonte die Notwendigkeit derselben zum Zwecke der Abwehr unberechtigter Angriffe, bezeichnet^ als billig die Unterstützung der kleinen Gemeinden durch die großen und. sprach überzeugt die Hoffnung aus, daß Israel,, das klassische. Volk der Religion, sich, wie in früheren Zeiten so auch jetzt, an dem immer frischen Brunnen seiner Religion stärken und verjüngen wird. Oberrabbiner Dr. Cohn-Kattowitz legte ein gutes Omen in - die Frühlingszeit der Feier für das Gedeihen des Verbandes, Hauptlehxer.Petzal-Zabrze sicherte als Vorsitzender der Lehrervereinigung dem Verbände die treue Mitarbeit dev Lehrer zu. Unter den vielen Glückwünschen befand sich ein Glückwunschtelegramm des Oberbürgermeisters Stolle-Königshütte, das allgemeine Begeisterung hervorrief. . Es folgte ein Festmahl, an dem fast 200 Personen teilnahmen. Der Kreis der Damen verschönerte das Fest. Toaste ernsten und humoristischen Inhalts erhöhten den Festgenuß, ein von Justizrat Berger gedichteter Festgesang erregte ungemeinen Jubel über die Vielseitigkeit dieses gegenwärtigen Vorsitzenden. Die Feier wird noch lange in den Herzen der Teilnehmer nachklingen; wir aber wünschen dem Verbände, daß er in den folgenden fünfundzwanzig Jahren im aufsteigenden Verhältnis an Kraft, und segensreicher Tätigkeit zunehme. Der Lsndesoerejn?ur Lrsiehuns ilrsrl. Mailen im Grohher?ogtmn Laden er das ethische Leben unserer deutschen Juden betrachtet, der wird seine Freude haben an der Fruchtbarkeit, die Hier hervortritt, an der Fülle, von Stiftungen, Einrichtungen, Vereinen, welche den Notleidenden Hilfe bringen wollen. Nichts kann die Hoheit und Wahrheit der jüdischen Kultur schlagender beweisen, als der glänzende Wetteifer, der hier entfaltet wird. Ein schönes Beispiel dieser Liebestätigkeit bildet der „Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden", dessen Tätigkeit öffentlich'zu erwähnen, das soeben - am 20. Mai — eingetretene Jubiläum seines 25jährigen Lebens Veranlassung bietet. Sein Feld erstreckt sich nicht bloß auf einzelne Gemeinden, sondern über ganz Baden. Ueberall in diesem Lande wohnen seine Freunde, welche sowohl durch regelmäßige Jahresbeiträge als auch durch Spenden oder größere Stiftungen stets ihrer Teilnahme für ihn-Ausdruck verliehen haben. Diese' Teilnahme trat bald bei seiner Gründung — durch Rabbiner Dr. Joseph Eschelbacher (jetzt in Berlin) und den Synagogenrat in Bruchsal — deutlich zutage und ist ihm bis heute erhalten geblieben. Sie zeigt sich in der Tatsache, daß die Summe aller Beiträge bisher auf mehr als 453 000 Mark gestiegen ist, unter denen sich 137 Stiftungen im Betrage von mehr als 96 000 Mark befinden. Der Verein wird von einem Vorstand geleitet, der seinen Sitz in B r u ch s a l hat?) Der erste Vorsitzende war Rabbiner *) Außerdem befinden. sich — getrennt von ihm — in den Gemeinden Mannheim und Freiburg lokale Waisenvereine. Der erstere unterhält seit 1894 ein Knabenwaisenhaus. Dr. I. Eschelbacher. Ihm folgte nach seiner Berufung zum Rabbiner in Berlin (1900) Stadtrat und Vorsteher Louis Marx in Bruchsall Beide haben sich um das Gedeihen des Vereins große Verdienste erworben. Außerdem wirken in allen Rabbinatsbezirken Bezirksbeziehungsweise Ortsausschüsse mit. Der Verein nimmt aus allen Teilen des Großherzogtums Waisen in seine Obhut. Er gibt ihnen aber nicht ihre Erziehung in einem eigenen Waisenhause, sondern hat sich nach längeren Erwägungen aus pädagogischen und praktischen Gründen für die F a m i l i e n e r z i e h u n g entschieden. Die meisten verbleiben in ihrer gewohnten, natürlichen Umgebung, in der Pflege der verwitweten Mutter oder anderer nächster Angehörigen, wenn sich diese der Kinder annehmen wollen und . können, und der Verein gewährt den Pflegern eine jährliche Erziehungsbeihilse in angemessener Höhe. Wo aber eine solche Unterbringung nicht möglich ist, übergibt sie der Verein auf seine Kosten vertrauenswürdigen, braven Leuten, von denen eine gute Erziehung erwartet werden kann, während zugleich . Vertrauensmänner des Vereins sich um das Wohl der Kinder zu kümmern haben. Und wenn diese dann mit dem fünfzehnten Jahre ins Leben treten, ermöglicht er ihnen auch eine entsprechende Ausbildung zu einem praktischen Berufe, und zwar gewöhnlich in Verbindung mit einem der drei badischen Vereine zur Förderung des Handwerks und der technischen Berussarten unter den Juden. Dabei läßt er in ganz gleicher Weise unehelichen Kindern seine Unterstützung zuteil werden, ja sogar bst solchen, deren Väter im Gefängnis sich befinden oder durch Krankheit arbeitsunfähig geworden sind. In solcher Weise sind bereits 315 Waisen mit seiner Hilfe erzogen und aus eigene Füße gestellt worden. Er hat jährlich mehr als 100, gegenwärtig 112 Kinder unter seinem Schutze. Es ist eine Fülle von Segen, der hier ohne großen Aufwand, schlicht und praktisch ausgestreut wird. Die badische Judenheit kann auf dieses Kulturwerk stolz sein. Die warmen Glückwünsche aller jüdischen Menschenfreunde begleiten dasselbe auf seinem weiteren Lebenswegs. i. Lamenhok. |f azarus Ludwig Zamenhof ist geboren am 15. Dezember 1859 in Bialystock. Er besuchte die Realschule und das Gymnasium seiner Vaterstadt, dann die Universität in Warschau und Moskau, wo er sich der Medizin, .speziell der Augenheilkunde, zuwandte. Er wurde praktischer Arzt in Warschau, wo er seinen dauernden Wohnsitz aufschlug, und hat sich in dem von chm bevorzugten Fach, dem der Augenheilkunde, durch praktisches und wissenschaftliches Wirken bleibende Verdienste erworben. Aber er beschränkte sich nicht aus diesen, wenn auch ausgedehnten Wirkungskreis. Vielmehr ist er der eigentliche Begründer der Esperanto-Sprache und hat es unternommen, was unsere Leser in erster Linie interessieren wird, das ganze Alte Testament in diese Sprache zu übersetzen.. Einige Bändchen davon. sind bereits erschienen. Mir haben diese Bändchen durch die Güte des Bearbeiters Vorgelegen, leider sind sie für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Denn ich bin weder Kenner noch Anhänger der Esperanto- Sprache,, vermag daher die Verdienste, die sich Zamenhof bei der Begründung und Ausarbeitung der neuen Weltsprache erworben hat, nicht zu würdigen. Nur weiß ich, daß bei Gelegenheit seines 50. Geburtstages oder bei einer Jubiläumsfeier der von. ihm erfundenen Sprache dem verdienten Be- *) Eine ausführliche Darstellung der Geschichte und des Wesens dieses allgemeinen badisch-jüdischen Waisenvereins aus der. Feder des Rabbiners Dr. Grzymisch (Bruchsal) ist soeben vom Vorstand des Vereins herausgegeben worden. . ,