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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-05-16 · Heft 20 (16.5.1913) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 20 (16.5.1913)
Date
1913-05-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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der Berliner Medizinischen Gesellschaft, der Verein deutscher Zeitungs-; Verleger, Magdeburg, der Vorstand des Vereins Berliner Presse, der | Verein Berliner Journalisten, der Verein Berliner Buchdruckereibesitzer, die Pensionsanstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller, der H i l f s v e r e i n der d e u t s ch e n Juden, der Ausschuß des Verbandes der deutschen Juden, der Verein der P o s e n e r, die T o y n b y h a l l e, Berlin, das Kuratori u m der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentum s, d i e G e s e l l s ch a f t d e r F r e u n d e, Berlin, die Lehrerinnen des Israelitischen Lehrerinnenvereins, der Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde irr Berlin, gezeichnet Justizrat Plonsker und Benas Levh, das Predige rkollegium der jüdischen Nefor in gemeinde, die Direktion der Ressource von 1794, das Kuratorium der Pensionskasse des Verbandes jüdischer Lehrervereine. Der Magistrat der Stadt Grätz, der Vaterstadt des Jubilars, übersandte ein Glückwunschschreiben mit einem kunstvoll gebundenen Album, das neben zahlreichen anderen Photographien die Bilder des Geburtshauses der Vaterstadt enthält. Das Album trägt eine silberne Plakette mit der Inschrift: „Ihrem Ehrenbürger Herrn Rudolf Moste zum 70. Geburtstag in Dankbarkeit die Stadt Grätz." Mögen dem verehrten, um das Gemeinwohl so hoch verdienten Manne noch viele glückliche Jahre in ungetrübter geistiger und körperlicher Frische beschieden sein. A. S. Berlin, 13. Mai. Am 27. v. M. fand die General- Vers a m m l n n g der Lehranstalt für die Wissenschaft d e s I u d e u t tt m s statt. An Stelle des verhinderten Vorsitzenden des Kuratoriums, Herrn Justizrat Dr. Hermann Veit Simon, sowie dessen Stellvertreter, der Herren Geh. Kommerzienrat Goldberger und Geh. Justizrat Mosse, übernahm Herr Justizrat S e l i g s o h n die Leitung der Versammlung. In der „Erstattung des Verwaltungsberichts" verwies er auf die nach jeder Richtung günstige Entfaltung der Lehranstalt, die alle Freunde des Instituts mit wahrer Freude und aufrichtiger Genugtuung erfüllen muß. So hat der Etat in einem Zeitraum von nur wenigen Jahren sich um mehr als das Doppelte vermehrt: während er 1910 rund 50 000 Mark betrug, belief er sich im vergangenen Jahre ans 111 227.13 Mark. In gleicher Weise hat sich auch die'Tätigkeit der Anstalt entwickelt. Die Zahl der Hörer ist bedeutend gewachsen; sie betrug im Sommersemester 1909: 42, im Wintersemester 1909/10: 40; im Sommersemester 1912: 58, im Wintersemester 1912/13: 61, zu denen noch 14 Hospitanten des letzten Sommers bzw. 16 des vergangenen Winters hinzukommen. Ebenso haben die Lehrkräfte einen beträchtlichen Zuwachs erfahren. Herr Dr. Tä übler, der schon seit Jahren mit Eifer und Erfolg an der Lehranstalt gewirkt hat, ist unter erheblicher Erweiterung seiner Lehrtätigkeit als ordentliches Mitglied in das Lehrerkollegium eingetreten. Ferner gelang es, Herrn Geheimrat Professor Hermann Cohen als Kraft für die Lehranstalt zu gewinnen. Er erklärte sich bereit, die Bitte, die das Komitee für die Moses-Mendelssohn-Stiftung ihm in einer Adresse vorgetragen hatte, zu erfüllen und an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums religionsphilvsophische Vorlesungen zu halten. Die Aula der Lehranstalt und ihr Nebensaal konnten kaum die Zahl der Zuhörer fasten, die sich aus allen Gesellschaftskreisen und Lebensaltern zusammensetzten. Dabei ist das erfreulichste an der Sache der formale Charakter, den der Unterricht an der Lehranstalt trägt. Bei aller Betonung der P r a k t i s ch e n A u s b i l d u n g der Hörer gewinnt die Anstalt immer mehr die Bedeutung eines Instituts, in welchem j ü d i s che Wissenschaft ohne Vorurteil, ohne Tendenz gelehrt wird, ganz der Aufgabe gewidmet, geistige Führer des Judentums zu erziehen. — Als weiterer Punkt der Tagesordnung folgte der „Bericht der Revisoren", die Decharge beantragten. Die statutenniäßig ausscheidenden Miglieder des Kuratoriums, - die Herren Geheimrat Cohen, Oberregierungsrat Meyer und Geh. Justizrat Mosse, wurden einstimmig wiedergewählt. — Am 4. d. M. erfolgte an der Lehranstalt die Einführung des neuen Dozenten Herrn Rabbiner Dr., B a e ck, der den Lehrstuhl für Homiletik an Stelle des ausscheidenden Herrn Rabbiner Dr. Warschauer übernommen hat. In seiner Begrüßungsansprache kennzeichnete der Vorsitzendedes Kuratoriums, Herr Justizrat Simon, in geistvoller Analyse die bisherigen Inhaber des homiletischen Lehrstuhls, er charakterisierte sehr sein die „objektive, logische" Art des Herrn Professor Maybaum, die „subjektive, feinsinnige" des Herrn Dri Warschauer, als deren gelungene Synthese sich Herr Dr. Baeck darstelle. Es folgte dann die Antrittsvorlesung des Herrn Dr. Baeck über „Die griechische und die jüdische Predigt". Er begann mit einem Zitat von Friedrich Albert Lange, der die Ideen mit organischen Keimen verglichen hat, die weit und unabhängig voneinander zu gleicher Zeit auf verschiedenem Boden wachsen können. So sehen wir, wie in der Antike, zur selben Zeit in den verschiedensten Ländern sich neue Weltanschauungen Bahn zu brechen suchen. Freilich trägt diese Erscheinung in Griechenland und in Israel die deutlichen Umrisse der großen Persönlichkeit, und was bei den Juden die Propheten, das waren für die Griechen die Philosophen. Die griechischen Philosophen waren im Grunde ihres Wesens prophetische Naturen, und im Ziele ihres Forschens erstrebten sie, Propheten gleich, die Schaffung einer neuen Religion. Deswegen mußte Sokrates den Schierlingsbecher leeren, und deswegen wurde Aristoteles der Prozeß gemacht. - Und es ist charakteristisch, daß, sobald die jüdische und die griechische Welt miteinander in Berührung kamen, aus beiden Seiten, auf jüdischer wie auf griechischer, die griechischen Philosophen als die Jünger der jüdischen Propheten gekennzeichnet wurden. Die philosophischen Lehren standen allerdings in schrosfstern Gegensatz zur offiziellen Staatsreligivn. — In lichtvoller Weise gibt der Redner eine Darstellung der damaligen in äußerlicher Zeremonie vollständig erstarrten civilis religio, zu der er geistreich, scharfsinnig und enzyklopädisch umfassend das Verhältnis der einzelnen Philosophen und Philosophiesysteme schildert. So waren Raum und Entfaltungsmöglichkeit geschaffen für die Predigt, deren Aufgabe in - der Darlegung der neuen Religion bestand. In der stoisch-zynischen Philosophie finden wir sie in Fülle, als Kontroverse, als Diskussion, wie sich auch bei den Juden die Draschah gestaltet hat. Der revolutionsschwangere Gegensatz > in den religiösen Anschauungen hätte ziveiselsohne schon sehr früh eine alles vernichtende Wirkung int Leben der antiken Welt ausgeübt, wenn nicht mit einem Male aus den antithetischen Elementen eine neue Synthese entstanden wäre. Poseidon hat die römische Staatsreligion philosophisch begründet, und seine Lehre wurde die große Philosophie der damaligen Zeit. Allein dadurch ergab sich für das Judentum eine neue Ausgabe. Von der hohen Warte des Prophetismus konnten die Juden auf den heidnischen Glauben verächtlich oder zum mindesten indifferent herabsehen. Aber jetzt war der heidnische Glaube philosophisch sanktioniert, jetzt trat die heidnische Gotteslehre als wissenschaftliche Wahrheit auf? Mit dieser Philosophie mußten sich die Juden auseinandersetzen. Sie taten dies, indem sie sie mit Platon utid mit platonischen Gedankengängen bekämpften. So erweist sich das jüdische Denken von der griechischen Philosophie durchtränkt. Und ebenso war es mit der jüdischen Predigt der Fall. Ist Thora — ein freieres, universalistischeres Wort kann es fürwahr nicht geben — nicht identisch mit der sokratisch-platonischen Tugelüdpredigt? Aehnlichkeiten dieser Art lassen sich mannigfach Nachweisen, wie der Redner durch viele sinnig gewählte Beispiele überzeugend darzutun wußte. Während indessen in der Folge die griechische Predigt sich in der Phrase verliert, ist die jüdische Predigt glücklicherweise vor diesem Schicksal bewahrt geblieben. Wir haben freilich nicht viel Abgeschlossenes von diesem Genre. Es sind vorwiegend nur Sentenzen, Gnomen, was wir da besitzen. Aber alles zeugt doch deutlich, von welchem Charakter, von welcher Wucht, von welcher gedanklichen Tragweite die jüdische Predigt beherrscht war. Und derselbe Zug beherrscht auch die jüdische Predigt des Mittelalters. Denn da ist nicht minder alles ein Kamps um die geistige Existenz und ein Ringen um die Ideen der Zeit. Auch in Zukunft wird die jüdische Predigt sich in gleicher Richtung sortbewegen und sortentivickeln müssen, wenn sie ihrer Ausgabe gewachsen bleiben soll. Nicht die leichte und seichte Richtung, sondern das Emporziehen zu jenen lichten Höhen, wo man die Ideen schaut, inuß das Ziel und die Domäne der Predigt sein. Mit den Worten: „Gehe nach der Höhe und laß die Menschen reden!", die Virgil dem zu erlahmen drohenden Dante zuruft, schloß der Redner seine wundervoll abgerundeten, durch Gedankenschwere und Großzügigkeit der Auffassung sich gleich auszeichnenden Ausführungen. Es war eine herrliche Stunde. 8. F. Berlin, 13. Mai. In der Zeit vom 15. Juni bis 1. August veranstaltet der A l l g eme i n e D eu t s ch e K a n t o r en - verband unter Förderung seitens der „Hilfskasse" und anderer Organisationen einen kantoralen Fortbildungskursus' in Berlin, bestehend aus musikalisch-fachwissenschaftlichen Vorlesungen und kantoralen Uebungen im alten und neuen Chasonus. Der Kursus ist für die Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes und der „Hilsskasse" unentgeltlich. In nötigen Fällen wird wahrscheinlich auch ein Zuschuß zu den Ausenthaltskosten in Berlin gewährt werden können. Alles Nähere durch den 2. Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbands, H. Fabisch - Göttingen, oder den Leiter des Ortsausschusses, Hauptkantor Davidsohn-Charlottenburg, Fasanen-

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