Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1913)
- Date
- 1913-05-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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bauanstalt Hahn u. Koplowitz. Nachf., Ingenieur Julius Hahn, ist im Alter Don 80 Jahren verstorben. Der Dahingeschiebene, ein Mann von hervorragender Intelligenz und unermüdlicher Arbeitskraft, hat das von ihm in Gemeinschaft mit dem früheren Fabrikbesitzer, jetzigen Rentner M. Koplowitz begründete industrielle Unternehmen aus kleinen Anfängen rastlos mit fördern helfen, so daß es heute das bedeutendste Etablissement seiner Art im Neißegau darstellt. Die Lauterkeit seines Charakters, sein bescheidenes Wesen und die soziale Fürsorge, die er seinen Angestellten und Arbeitern stets gewidmet, werden sein Andenken in den Herzen aller derer nicht verlöschen lassen, die ihm im Leben nahestanden. - x Hannover, 2. Mai. Der soeben erschienene, Jahresbericht der P r o v i n z i a l k a s s e H an n o v e r - B r a u n s ch w e i g für jüdische Wa nderarme nf ü rsorge konstatiert,- daß diese Provinzialkasse infolge einer wiederholten und. sorgfältig durchgeführten Propaganda im Jahre 1912 die Anzahl der angeschlossenen Mitgliedergemeinden um 12 Mitglieder, von 69 auf 71, erhöhen konnte. Abgesehen vom Regierungsbezirk Osnabrück sind im Kassenbezirk nur noch 16 Gemeinden nicht angeschlossen und es sind dies meistens leistungsschwache oder solche Gemeinden, die nur wenige Mitglieder haben. Ihre Mitgliederbeiträge haben 18 Gemeinden erhöht, so daß die Beiträge der ordentlichen Mitglieder von rund 11673 auf 12 396 Mark stiegen. Die Zahl der außerordentlichen Mitglieder (Einzelpersonen mit Jahresbeiträgen von 10 Mark aufwärts) stieg 1912 von 3 auf 12, also um 9 Mitglieder und die Beiträge von rund 178 Mark aus 610 Mark. Ferner wurden in 10 Provinzgemeinden 82 Privatpersonen gewonnen, die jährliche Spenden von insgesamt 308 Mark leisten. Zur Einkleidung Wanderarmer wurde eine ganze Reihe von Garderobestücken zur Verfügung gestellt. Die Verpflegung von Wanderarmen erforderte größere Ausgaben als im Vorjahre. Abgewiesen wurden 217 Personen, unterstützt 737. Der Nationalität nach stellte Rußland den höchsten Prozentsatz, nämlich' 36 Prozent, daneben waren 24 Personen Deutsche - und 20 Prozent Galizier. Infolge persönlicher Vermittlung konnten 26 Personen in dauernde Beschäftgiung übergeführt werden, einzelne davon als Bergleute in einem benachbarten Kaliwerk. Eingerichtet wurde auch ein jüdischer Stellen- und Arbeitsnachweis, der mit dem 1. September 1912 seine-Tätigkeit ausgenommen hat; die Provinzialkasse hat sich ferner dem Verband niedersächsischer Arbeitsnachweise angeschlossen. Ueber die Wirksamkeit der neuen Organisation für jüdische Wanderarmensürforge wurden Ende des Jahres 1912 die Mitgliedsgemeinden gefragt. Der Bericht stellt fest, daß von allen Gemeinden die erfreulichen Meldungen einliefen, daß überall die Wanderarmen ganz bedeutend im Abnehmen sind, ja, daß sogar Wanderarme sich lobend über die neue Organisation ausgesprochen haben. Die Gesamteinnahmen betrugen rund 13 389 Mark, die Ausgaben rund 11716 Mark, so daß ein Ueberschuß von rund 1673 Mark dem Reservefonds zugeführt werden konnte, der damit einen Bestand von 2741 ' Mark erreicht. Der neue Haitshaltsplan Pro 1913 schließt mit einem Defizit von 1000 Mark ab, wobei allerdings zu bemerken ist, daß dieses Defizit auf einer vielleicht etwas zu Pessimistischen Abschätzung beruht. Nuszlgnd. 2. Petersburg, 2. Mai. An den Senat gelangte dieser Tage eine interessante Beschwerde der Bewohner der Gemeinde Zimin, die zum überwiegenden Teile aus Sabbatariern besteht. Die Be- . schwerde wird gegen den Gouverneur des Jrkutsker Gouvernements,, in dessen Gebiet die genannte Gemeinde gelegen ist, erhöben, weil derselbe die Wahl des Juden Lip schütz zum Rabbiner der Gemeinde nicht bestätigen will . Die Unterzeichner der Beschwerde teilen in derselben mit, daß die ganze Gemeinde den jüdischen Glauben angenommen habe, und da sich unter ihnen kein einziger findet, der die Vorschriften der jüdischen Religion genau kennt und die Fähigkeiten besitzt, die Funktionen eines Rabbiners, Schächters und Mohels zu versehen, sei die Gemeinde gezwungen gewesen, für dieses Amt einen Auswärtigen zu wühlen. Da der Uebertritt zum Judentum in Rußland gesetzlich nicht verboten sei, so involviere die Verweigerung der Bestätigung der Rabbinerwahl eine offenkundige Rechtsverletzung. -- .Infolge in letzter Zeit eingelaufener zahlreicher Beschwerden jüdischer Apothekergehilfen wegen ihrer ungesetzlichen Ausweisung aus den außerhalb des jüdischen Ansiedlungsgebietes gelegenen Ortschaften hat der . Minister des Innern Maklakow einen Erlaß herausgegeben, der für die Betroffenen von 'außerordentlich prinzipieller Wichtigkeit ist. Laut diesem Erlasse werden die Gouverneure dahin belehrt, daß die jüdischen Apothekergehilsen in ganz Rußland Wohnrecht besitzen, unabhängig davon, ob sie den Apothekerberuf tatsächlich ausüben oder nicht. Das Zeugnis über die gut bestandene Provisor enprüfung verleiht denselben das unbeschränkte -Wohnrecht in Rußland. — Der Sekretär der jüdischen Gemeinde in Warschau, Herr Jakob R.othw and, ist im 75. Lebensjahre verschieden. Er war erst Lehrer und wurde dann Sekretär des damaligen Kultuskomitees. Seinen. Bemühungen war es zu danken, daß dieses Kultuskomitee zu einer Kultusgemeinde auf breiter Grundlage mit ziemlich weitgehender Autonomie ausgebaut wurde. Nach den Ereignissen des Jahres 1863 wurde er nach Sibirien verbannt, nach zweijähriger Verbannung wurde ihn: die Rückkehr gestattet, wo er abermals die Stelle eines -Sekretärs bei der Kultusgememde erhielt. Diese Stelle bekleidete er bis zum Jahve t884, zu welcher Zeit er in den Ruhestand trat. Rothwand war einer der Schöpfer der ersten jüdischen Zeitung in Polnischer Sprache „Jutrzenko". Er ist der Verfasser des wertvollen Buches über die jüdischen Namen in Polen und hat zusammen mit Liebkind die Geschichte der Juden in polnischer Sprache herausgegeben. Von ihm wurden auch viele hebräische Gebete in die polnische Sprache übersetzt. Amerika. 2. New Uork, 24. April. Unter zahlreicher Beteiligung der literarischen Kreise Amerikas fand am 5. und 6. April in Philadelphia das 26jährige Jubiläum der Jewish Publication Society of America statt. Die zahlreichen Gäste versammelten sich im Festsaale des Dropsie College, einer jüdischen Anstalt, woselbst auch eine Ausstellung der von der Gesellschaft seit ihrem 26jährigen Bestände herausgegebenen Werke veranstaltet wurde. Nicht minder interessant war auch eine Galerie der Porträts aller jener berühmten jüdischen Gelehrten und Publizisten, die der Gesellschaft angehört hatten. Von auswärts -kamen zahlreiche Glückwünsche, u. a. auch von Israel Z a n g w i l l, London, Dr. Israel Abrahams, Cambridge, Normann B entwich, beim Justizministerium Kairo, I. L. Perez in Warschau u. a. Von europäischen jüdischen Anstalten und Organisationen waren durch amerikanische Gelehrte vertreten: die jüdische Zentralbibliothek in Jerusalem, die Alliance Israelite Universelle in Paris, Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, Berlin, Jewish Historical Society of England, Jews College London, die berühmte Mokkatabibliothek in London, der Verband der jüdischen Literaturgesellschaft von England, der Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland, die Israelitisch-theologische Lehranstalt in Wien, das jüdisch-theologische Seminar in Breslau, das niederländische israelitische Seminar in Amsterdam, Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, das Budapester Landesrabbinerseminar und viele andere. Die Feier des Jubiläums nahm einen glänzenden Verlaus. Von MH und ffern. — Am 4. Mai erfolgte an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin die Einführung des neuen Dozenten Rabbiner Dr. Baeck, der den Lehrstuhl für Homiletik an Stelle des ausscheidenden Rabbiner Dr. Warschauer übernommen hat. (Ausführlicher Bericht folgt.) — In der Alten Synagoge in Berlin halten wochentäglich, abends 8 Uhr,. Vorträge über die „Sprüche der Väter": Dienstag Rabbiner Dr. Stier, Sonntag und Donnerstag Rabbiner Dr. Eschelb ach er. Montag und Mittwoch hält Rabbiner Dr. Petucho w ski Vorträge über Ritualvorschriften. — Die Organisation für hebräische Sprache und Kultur beabsichtigt zur Ergänzung der Sprachkurse dem Bedürfnis derer, welche im Hebräischen so weit sind, daß sie ein leichtes hebräisches Buch verstehen und sich im Sprechen üben wollen, durch Bildung von engeren hebräischen Klubs — zunächst in Berlin — entgegenzukommen. Zu diesem Zwecke werden diejenigen, die sich dafür interessieren, gebeten, der Organisation (Kantstraße 93) davon schriftlich Mitteilung machen zu wollen. — Als nächste Novität der Kämmerspiele des Deutschen Theaters in Berlin wird das Schauspiel „Der Bund der Schwachen" von Schalom Asch vorbereitet. —In Berlin- Lichtenberg ist am 29. v. M. Herr Isidor Gerson im 52. Lebensjahre verschieden. Die Israelitische. Vereinigung Lichtenberg widmet dem Entschlafenen folgenden ehrenden Nachruf: Wir^verlieren in dem Dahingeschiedenen einen Mann, der mit.dem'größten Eifer und unermüdlicher Sorgfalt die Interessen unserer Vereinigung wahrnahm und ihr die trefflichsten Dienste leistete! Sein Andenken wird bei uns unvergessen bleiben! — Die Firma Berlin-Gubener Hutfabrik, A.-G.,