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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-05-09 · Heft 19 (9.5.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 19 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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77. Jahrgang Nr. 19 Berlin, 9. Mai 1913 Der Oemetndeüote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums". Sorrehwndrnrrn und Aachrichten. Drutschlmid. Berlin, 6. Mai. Der Gottesdienst in der Alten Synagoge am siebenten Passahtage gestaltete sich' zu einer Festfeier für Herrn Rabbiner Dr. Stier, der an diesem Tage sein 70. Lebensjahr vollendete. Dem. Wunsche des Jubilars entsprechend, der in seiner bescheidenen Art sich jede öffentliche Ehrung verbeten hatte, wurde von einer solchen seitens der Gemeindebehörden Abstand genommen. Sie mußten sich darauf beschränken, Deputationen nach der Alten Synagoge, wo Herr Rabbiner Dr. Stier am Sch'wii schel Pessach die Festpredigl hielt, zu entsenden, um ihm wenigstens auf diese Weise ihre herzliche Teilnahme an seinem Freudentage zu bekunden. Neben den Gemeindevertretern bemerkten wir auch einige Kollegen und zahlreiche Freunde und Verehrer des Jubilars, die alle zu dessen Ehren in dem alten Gotteshause sich eingefunden hatten. Zum Schlüsse seiner sinnreichen Predigt, die die Geschichte des Festes behandelte, dankte der Jubilar in bewegten Worten allen Erschienenen für die ihm erwiesene Aufmerksamkeit und schloß mit dem Wunsche, daß es ihm vergönnt sein möge, das Wort Gottes noch viele Jahre der Gemeinde verkünden, zu dürfen. Nach dem Gottesdienste fanden sich die in der Alten Synagoge erschienenen Deputationen und Freunde auch in der Wohnung des Jubilars ein, um ihm ihre Wünsche für die Zukunft zum Ausdruck zu bringen. Namens des Gemeindevorstandes gratulierte Herr Geheimer Sanitätsrat Dr. Julius Stern, für die Repräsentantenversammlung Herr Direktor Dr. Minden, im Aufträge der Synagogenvorstände der Vorsteher der Kaiserstraße- Synagoge Herr Jsaac Stern und namens des Rabbinats Herr Rabbiner Dr. Weiße. Alle Ansprachen, auf die der Jubilar mit herzlichen Dankesworteck erwiderte, waren aus den Ton der Verehrung und Wertschätzung gestimmt, deren er sich in weiten Kreisen unserer Gemeinde erfreut. Mögen dem geehrten Jubilar, der bekanntlich eine regsame Tätigkeit auch auf dem Gebiete der Wissenschaft entfaltet, noch viele glückliche Jahre im Dienste des Judentums beschieden sein. $$$> Berlin, 6. Mai. Wir möchten heute die Aufmerksamkeit unserer Leser auf den Verein „Jüdisches Kurhospital Bad Salzbrunn" lenken, der, seit 1904 in Wirksamkeit, bisher alljährlich einer Anzahl von armen Patienten die Segnungen eines Kuraufenthaltes in Bad Salzbrunn zuzuwenden vermochte. Seinen Bemühungen, die darauf abzielen, den Kranken bessere Verpflegung und beständige ärztliche Aufsicht zu verschaffen, ist es gelungen, in bester Lage Salzbrunns, in unmittelbarer Nähe des Kurhauses, ein Gebäude nebst Vorgarten und anliegendem Wiesengelände zu erwerben. Nunmehr ist sein Streben darauf gerichtet, dieses Haus — einstweilen ist es an eine jüdische Nestaurateurin verpachtet — in ein Kurhaus umzuwandeln und die Verpflegung der aufzunehmenden Kranken selbst zu übernehmen, um bei. genügender ärztlicher Aufsicht den Heilungsprozeß der Pfleglinge sorgfältiger überwachen und somit in sicherere Aussicht stellen zu können. Es gilt, eine Stätte des Heiles und des Segens zu schaffen, in welcher der im Kanrpf ums Dasein Erschlaffte, der Arme und Siech ge wordene Heilung und Rettung finden soll, um als Ernährer der Seinen gekrästigt heimzukehren. Wo die Armut, mit Krankheit gepaart, den Menschen befällt, tut Hilfe doppelt not. Ein Menschenleben erretten bedeutet (nach einem Worte unserer Weisen) soviel, als eine ganze Welt erhalten; und hier gilt cs doch, viele, viele Menschenleben. zu retten! Durch regelmäßige Verpflegung, durch dauernde ärztliche Behandlung, durch die Quellen, die aus dem Herzen der Erde hervorbrechen, und durch den frischen, belebenden Hauch ozonreicher Gebirgsluft sollen die düsteren Todesschatten verscheucht werden, die den Tuberkulosen schrecken. Leider mußte der Verein bis jetzt selbst dort, wo die Notwendigkeit dringend Gewährung forderte, Hunderte von Gesuchen ablehnen, weil es ihm an Mitteln gebrach, und der Modus, die Patienten anderweitig unterzubringen, die Verpflegungskosten erheblich verteuerte. Um aber den Betrieb des Kurhospitals in Bad Salzbrunn ins Werk setzen zu können und die baulichen Veränderungen vorzünehmen, die nach den Prinzipien der modernen Hygiene erforderlich sind, bedarf der Verein opferwilliger, hochherziger Teilnahme weiter Kreise. Es fehlen ihm Mittel, dem Andrang der berechtigten Gesuche auch nur einigermaßen zu genügen, und es fehlen ihm schließlich Utensilien, Apparate, Wäsche, Betten, Liegestühle und sonstiges Mobiliar. An alle Menschenfreunde ergeht daher die herzliche Bitte: Helfet ein gutes Werk vollführen, das dazu bestimmt ist, der leidenden Menschheit Heil und. Segen zu spenden. Freundliche Gaben, auch die geringste Spende ist willkommen, bitten wir an die Adresse des Schatzmeisters, Herrn Paul K o st e r l i tz, SW, Schöneberger Straße 25, zu senden. 22 Berlin, 6. Mai. Anläßlich feines neunzigsten Geburtstages überwies der Präsident der Handelskammer zu Berlin, Wirklicher Geheimer Rat Herz, der Wilhelm-Herz-Stiftung der Kammer den Betrag von 20 000 Mark. Herr Ludwig Verl stiftete eine Summe von 10.000 Mark, um aus dem Zinserträge des Kapitals verarmten Kaufleuten im Bezirk der Kammer unter besonderer Berücksichtigung von Besuchern der Berliner Börse Unterstützungen zuzuwenden. Herr Rudolf M o s s e stellte 10 OOO Mark zur Verfügung für die Erweiterung der Salomon-Mosse-Stiftung. Die Handelskammer erklärte sich mit Dank vorbehaltlich der landesherrlichen Genehmigung bereit, die Schenkungen anzunehmen. §2 Berlin, 6. Mai. In dem Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde in der Rosenstraße 2—4 wurde in der Nacht zu vorgestern ein Einbruchsdiebstahl verübt. Der Einbruch wurde Sonntag morgen von dem Pförtner entdeckt, der den Vorstand der jüdischen Gemeinde und die Kriminalpolizei benachrichtigte. Es wurde sestgestellt, daß die Einbrecher das Tor des Hauses, in dem sich auch die Geschäftsstellen zahlreicher jüdischer Wohltätigkeitsvereine befinden, mit Nachschlüsseln öffneten und sich dann Eingang in die Pförtnerloge verschafften. Mit Hilfe der Schlüssel, die sie hier vorfanden, gelangten sie in die Bureauräume, in denen sie fast sämtliche Behälter erbrachen und durchstöberten. Die Diebe gingen dann in das Souterrain, wo sie mehrere Tresors erbrachen und das vorhandene Geld stahlen. Im ersten Stock erbrachen sie in dem Bureau der Friedhofskommission einen Geldschrank, dem sie eine große Geldsumme entnahmen. Bei einem anderen Geldschrank waren die Bemühungen der Einbrecher, die mit modernen Einbruchswerkzeugen gearbeitet haben müssen, ohne Erfolg. Zu der Ausführung des Diebstahls haben sich die Täter anscheinend nur wenig Zeit gelassen, da sie mehrere Kuverts mit Geld, einige Wertpapiere und Sparkassenbücher zurückließen. Soweit noch gestern festgestellt werden konnte, sind den Einbrechern, von denen bisher jede Spur fehlt, etwa 8000 Mark in barem Gelde in die Hände gefallen. Berlin, 6. Mai. Am 29. v. M. ist nach kurzem, schwerem Leiden Herr Leopold L e s s e r im Alter von 71 Jahren verschieden. Der Entschlafene, der sich vor ungefähr zwei Dezennien ins Privatleben zurückgezogen hatte, gehörte früher eine Reihe von Jahren dem Vorstande unserer Gemeinde an und galt als eines seiner eifrigsten, zum Segen der Gemeinde wirkenden Mitglieder. Ein treuer Sohn seines Stammes, nahm er auch sonst an allen Bestrebungen zur Förderung des Judentums und zur Hebung der Judenheit den regsten Anteil. Neben feiner ersprießlichen Tätigkeit in der Gemeindeverwaltung und als Mitglied des Schul- und Talmud-Thora-Vorstandes war er eine Zeitlang erster Vorsitzender der „Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaues 'unter den Juden in Preußen" sowie des Malbisch-Arumim-Vereins und entfaltete in diesen wie in verschiedenen anderen dem Gemeinwohl dienenden Institutionen eine äußerst regsame und segensreiche Wirksamkeit. Für die Verehrung und Wertschätzung, die der Verstorbene einst in weiten Kreisen genossen hat, zeugte die große Beteiligung am Leichenbegängnis, das am 1. d. M. auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee stattgesunden hat. Von den entlegensten Stadtgegenden waren Freunde und Bekannte herbeigeeilt, um Leopold Lesfer die letzte Ehre zu erweisen. Nach einem vorangegangenen Trauergesange hielt Herr Rabbiner Dr. Warschauer die Trauerrede, in der er in bekannter Meisterschaft ein treues Lebensbild des Verklärten zeichnete und den Hinterbliebenen den Trost der Religion

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